Die Ritterrüstung - ihre Bestandteile und deren Herkunft


Hausarbeit, 2009

43 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Ritterrüstung

3. Bestandteile der Ritterrüstung
3.1 Schutz für das Haupt - Der Helm
3.1.1 Spangenhelm
3.1.2 Kegelhelm
3.1.3 Nasalhelm
3.1.4 Maskenhelm
3.1.5 Topfhelm
3.1.6 Eisenhut
3.1.7 Beckenhaube
3.1.8 Hundsgugel
3.2 Schutz für Brust und Leib (Torsoschutz)
3.2.1 Die Brünne
3.2.2 Das Kettenhemd Der Waffenrock /Wappenrock.
3.3 Schutz für die Hände - Die Handschuhe
3.4 Schutz für die Beine (Beinschutz / „Eisenhosen“)
3.4.1 DieKettenbeinlinge
3.4.2 Die Schuhe
3.5 Schutz für den gesamten Körper - Der Plattenharnisch
3.6 Der Schild

4. Das Wappen

5. Quellen- und Literaturverzeichnis

6. Anhang

1. Einleitung

Die Ritterrüstung lässt sich als eine Form der Bewaffnung definieren1. Der Begriff „Waffen“ kennzeichnet eine große Anzahl unterschiedlicher Gegenstände, die dazu dienen, einem Gegner physischen Schaden zuzufügen oder aber einen solchen Versuch abzuwehren bzw. abzuschwächen. Die Ritterrüstung zählt ist zu den letzteren zu zählten und kennzeichnet sich somit als passive Bewaffnung bzw. als Defensivsystem und als Schutzwaffe2: „[Ein Plattenharnisch ist ein] vollständiger Schutz des Körpers durch stählerne Platten, Röhren, Schienen und Buckel“3.

Die Schutzkleidung der Ritter machte im Laufe der Geschichte eine weitreichende technische Entwicklung durch, an deren Ende der den ganzen Körper bedeckende Plattenharnisch stand.

In einem ersten Teil möchte ich die allgemeinen Besonderheiten der Ritterrüstung im Mittelalter darlegen, um dann anschließend auf die wichtigsten Bestandteile der Rüstung einzugehen. Dabei ist zu beachten, dass die Definitionen der einzelnen Bestandteile nach Quelle auch variieren und teils auch andere Bezeichnungen als die genannten gebräuchlich sind. Zum Schluss möchte ich noch auf das Wappen eingehen, mit dem die Bestandteile der Rüstung teilweise versehen wurden. Die folgenden Ausführungen beziehen sich insbesondere auf die Ritterrüstung im Hochmittelalter, in etwas knapperer Form werde ich aber auch auf die Entwicklungen des Spätmittelalters eingehen, da sich die Rüstung in ihrer eigentlichen Gestalt in Form des Plattenharnischs erst zu dieser Zeit entwickelt hat. Des Weiteren beziehen sich meine Ausführungen hauptsächlich auf die Ritterrüstung in Westeuropa.

Dem Anhang können entsprechende Abbildungen der hier genannten Bestandteile der Ritterrüstung entnommen werden. Im Textteil des Anhangs sind außerdem Ausführungen zur aktiven Bewaffnung (Trutzwaffen) des Ritters sowie zur Ausstattung des ritterlichen Pferdes aufgeführt, die der Ergänzung meiner Ausarbeitung dienen.

2. Die Ritterrüstung

Ein Ritter war bei Turnieren und in Schlachten gegnerischen Attacken ausgesetzt. Aus diesem Grund diente die Ritterrüstung zunächst vor allem dem Schutz der Kämpfenden vor Angreifern und somit vor dem Tod und schlimmen Verwundungen. Das Interesse am Schutz vor Wunden galt im Mittelalter in erster Linie Schnittwunden aller Art, denn gebrochene Knochen konnten heilen, wenn auch nicht so exakt wie heute, aber dennoch konnte ein „Beinbruch“ o.ä. überlebt werden. Die Funktion der Rüstung gewann im Zuge der technischen Entwicklung an Tiefe. So hatte die Rüstung auch eine abschreckende Wirkung bzw. Funktion, denn sie bot einen imposanten und furchteinflößenden Anblick. Davon zeugt auch Wolfram von Eschenbachs poetische Beschreibung kurz nach 1200: „'Nu seht, dort kom geschûftet her/drî ritter nâch wunsche var,/von fuoze üf gewäpent gar./der knappe wände sunder spot,/daz ieslîcher waere ein got.' (Seht nur, da kamen drei Ritter galoppiert, herrlich anzusehen, von Kopfbis Fuß gewappnet. Der Knabe hieltjeden der drei allen Ernstes für einen Gott.)“4. Hier wird also deutlich, dass der in Rüstung und hoch zu Ross daher kommende Ritter Eindruck auf seine Zeitgenossen gemacht und ihnen Respekt und Furcht eingeflößt haben muss. Um den Gegner durch die Rüstung zu verängstigen, wurde der Harnisch im Spätmittelalter daher auch häufig mit Darstellungen wilder Tiere oder grotesken Fantasiewesen verziert.

Die Rüstung wurde im mittelalterlichen Rittertum populär und erhielt auch eine Repräsentationsfunktion. Bereits im frühen Mittelalter versuchten die Träger daher mithilfe von Hochglanzpolitur oder matt-dunklen Oberflächen, die durch das Härten des Eisens in Ölbädern erzeugt wurden, sowohl Wohlstand zu demonstrieren, als auch dem Gegner Furcht einzuflößen.

Aus diesem Grund wurde die Rüstung auch immer aufwändiger und prunkreicher, dies bedeutete, dass sie auch immer komplizierter in der Herstellung und damit immer teurer wurde. Je höher der Grad der adligen Abstammung des Ritters war, desto wertvoller war auch seine Ausstattung. Die besonders aufwändig gearbeiteten Turnierrüstungen konnten sich daher nur die reichen Adelsherren leisten. Diese unterhielten ganze Rüstkammern mit einfachem Rüstzeug für Soldaten, sie verliehen ihre prachtvollen Rüstungen aber auch an Prestige-trächtige Turnier-Teilnehmer. Im späteren Mittelalter gab es dann auch Ritterrüstungen, die nur noch repräsentativen Zwecken dienten. Berühmte Künstler dieser Zeit verzierten die Harnische mit Ätzungen und Stichen nach Motiven aus der Antike oder der Bibel.

Ein Nachteil der Ritterrüstung war ihr hohes Gewicht. Eine komplette Rüstung wog durchschnittlich 30 bis 35 Kilo, dies variiertejedoch zeitlich etwas. Der Helm, die Platten und Polsterungen waren so schwer, dass die Ritter ihre Schwerter und Lanzen kaum handhaben konnten. Die steifen und unbequemen Rüstungen schränkten zudem die Bewegungsfreiheit stark ein und forderten ganzen körperlichen Einsatz. Im allgemeinen lässt sich feststellen, dassje besser der Schutz der Rüstung, desto höher auch ihr Gewicht und desto geringer die Beweglichkeit ihres Trägers war. Um dem Ritter soviel Bewegungsfreiraum wie möglich und nötig für die auszuführenden Kampfhandlungen zu gewährleisten, unterschied sich die Rüstung eines berittenen Kämpfers u.a. auch daher von der des Fußvolks.

Ein großes Problem war auch die Hitze, die sich besonders im Sommer unter der Rüstung staute. Daher musste ein Ritter des Öfteren eine Pause einlegen, um sich von den Strapazen des Kampfes zu erholen und sich abzukühlen.

Ohne fremde Hilfe konnte der Ritter seine Rüstung nicht an- oder ablegen. Daher musste der Knappe seinem Herrn dabei behilflich sein. Bis der Ritter seine Rüstung komplett angelegt hatte, verging ca. eine Stunde. Des Weiteren benötigte ein Ritter Hilfe, um sich weiter fortbewegen und sein Schlachtross besteigen zu können. Er musste von seinem Knappen über Stiegen und Treppen geführt und mit Hilfe einer Hebevorrichtung auf den Rücken des Pferdes gehievt werden.

Die genannten Nachteile der schweren Rüstungen waren der Hauptgrund dafür, dass sich die Ritterrüstung im Mittelalter in einer Reiterschlacht sehr schlecht einsetzen ließ. Die schwer gerüsteten französischen Ritter im 14. Jahrhundert waren militärisch deutlich unterlegen, als sie sich mit der englische Infanterie, die mit Langbogen ausgestattet war, konfrontiert sahen.

Auch die Schwäche der deutschen Ritter zeigte sich, als sie auf die gut organisierten Verbände der schweizer Bauern trafen5.

Das Erscheinungsbild der Ritterrüstung variierte über die Jahrhunderte und die unterschiedlichen Stadien der handwerklichen Geschicklichkeit enorm. Der Hauptgrund für die stetige Veränderung der Rüstung war die Weiterentwicklung der Waffen. Dies war aber auch umgekehrt der Fall, d.h. die Erscheinung von Schutz- und Angriffswaffen beeinflusste sich gegenseitig. Jede Verbesserung der Schutzrüstung führte zur Entwicklung neuer Angriffswaffen, und fürjede neue Angriffswaffe wurde eine neue, adäquatere Verteidigungsmöglichkeit gesucht.

Zunächst war die Ritterrüstung eine derbe Lederkleidung (ein so genannter „Lederkoller“6 ). Bereits im 7. Jahrhundert vor Christus entstanden dann Vollpanzer aus Bronze7, darauf folgend auch aus Eisen, die von den alten Griechen getragen wurden. Auch die Römer trugen bis zum Untergang des Römischen Reiches Brustpanzer aus Bronze und Eisen, teilweise in Verbindung mit Schienen für die Unterarme und Unterschenkel.

Im 1. Jahrhundert. v. Chr. kam das Panzerhemd auf. Iml3. Jahrhundert wurde das Panzerhemd dann allmählich durch den aus festen eisernen Platten bestehende Harnisch ersetzt.

Eine Ritterrüstung war stets eine Sonderanfertigung für denjeweiligen Ritter, d.h. sie war maßgeschneidert, um ihm höchstmöglichen Bewegungsfreiraum zu ermöglichen, da er sich im Kampf gut bewegen können musste. Die Herstellung einer Rüstung war daher aufwendig und teuer, sodass nur Söhne wohlhabender Familien Ritter wurden.

Um die Rüstung anlegen und den bereits erwähnten Bewegungsfreiraum ausreichend gewährleisten zu können, bestand sie aus vielen Einzelteilen. Diese Einzelteile wurden dem Krieger in einer bestimmten Reihenfolge, teilweise über- und aneinander befestigt, angelegt. Der mittelalterliche Körperschutz lässt sich grob in Helm, Körperpanzerung, und Schild unterteilen. Bei der Körperpanzerung habe ich im folgenden wiederum eine Unterteilung in den Schutz für Brust und Leib (Torsoschutz), Schutz für die Hände, Schutz für die Beine (Beinschutz) und schließlich den Schutz für den gesamten Körper (Plattenharnisch) vorgenommen.

Im folgenden möchte ich nun näher auf die einzelnen Bestandteile der Rüstung eingehen.

3. Bestandteile der Ritterrüstung

3.1 Schutz für das Haupt-Der Helm

Neben den vielen Teilen einer Rüstung trug ein Ritter einen Helm8. Der Helm wurde ursprünglich aus Fell, starkem Zeug und Leder gefertigt, später dann aus Bronze, Eisen, Stahl und sogar aus Gold. Anfangs wurde er vermutlich mithilfe langer Lederriemen oder Seidenbänder am Kopf seines Trägers festgebunden. Den Helm gab es in konisch, rund und zylindrisch nach oben hin zulaufenden Formen. Die konischen und runden Modelle implizierten teilweise auch noch eine hutähnliche Krempe. Anfänglich stand der Helm in der Version des Rund- oder Spitzhelms zur Verfügung.

Besonders im Hochmittelalter kam dem Helm auch eine schmückende Funktion zu. Bei Turnieren, aber auch im Kampf, wurde der Helm mit einer Helmzier (auch: Zimier) versehen. Anfangs bestand die Helmzier aus Federn, Blumen und Tuchstreifen, später dann aus symbolhaften oder heraldischen Figuren (z. B. Menschen, Wappentiere, Pflanzen, Geräte). Der plastische Helmschmuck wurde aus Holz und Leder oder Stoff gefertigt und war bunt bemalt. Verschiedenen Quellen zufolge scheinen bemalte Helme um 1200 nicht unüblich gewesen zu sein9.

Der Helm wurde an einer Kette getragen, da er später erst kurz vor dem Kampf aufgesetzt wurde.

3.1.1 Spangenhelm

Der Spangenhelm wurde von den Sarmaten eingeführt und war der meistverbreitete Helmtypus der Spätantike und des Frühmittelalters in Europa. Zur Völkerwanderungszeit war er bei den Germanen sehr beliebt. Er fand sowohl bei Römern und Byzantinern als auch bei den germanischen Völkern großen Anklang.

Der Helm bestand aus drei bis sechs durch einen metallenen Stirnreif fixierten Metallbügeln. Die Lücken zwischen Stirnreif und Metallbügeln wurden mithilfe von Metallplatten geschlossen. Diese Art von Helm verfügte oftmals über flexible Backenstücke bzw. Wangenklappen aus Metall oder Leder und einen Nackenschutz aus Kettengeflecht. Teilweise war er auch mit einem speziellen brillenartigen Augenschutz10 aus Metall, einem Gesichtsschutz aus Kettengeflecht oder einer Gesichtsmaske11 ausgestattet. Auf diese beiden Versionen werde ich noch näher eingehen. Im Laufe des Hochmittelalters wurde der Spangenhelm dann von anderen Helmtypen verdrängt, im Allgemeinen wurden die Helmschalen nun aus einem Stück getrieben.

3.1.2 Kegelhelm

Der Kegelhelm deckte den Bereich über den Augen und Ohren ab und war teilweise mit einem Nasal oder Visier ausgestattet. Mit Nasenschirm ausgestattete Helmtypen fasst man unter dem Begriff „Nasalhelm“ zusammen, auf diese Variante werde ich weiter unten näher eingehen. Die mit Visier ausgestatteten Helme gehören zu den Maskenhelmen, auf die ich ebenfalls weiter unten näher eingehen werde.

Diese althergebrachten Helme waren um 1200 immer noch im Gebrauch, man verwendetejedoch keine Spangenvarianten mehr. Verstärkungen am Stirnband warenjedoch durchaus üblich. Auch die zu diesem Zeitpunkt schon etwas antiquierten „skythischen“ Typen mit der nach vorne gezogenen Spitze waren vermutlich noch im Gebrauch.

3.1.3 Nasalhelm

Der Nasalhelm war anfänglich eine Variante des Spangenhelms und entstand im 8. Jahrhundert. Er verfügte im Bereich der Nase über ein verlängertes schützendes Eisenteil, ein Nasenstück (auch: Nasal oder Nasenschirm), welches am unteren Ende zunehmend breiter wurde. Der Rest des Gesichts blieb frei. Die Helmglocke verlief spitz zu, was sich positiv auf den Schutz des Helms auswirkte. Die Schmiedekunst im Hochmittelalter verbesserte sich dahingehend, dass ab dem 10. Jahrhundert konische Helme mit Nasenschutz entstanden, die im Gegensatz zum mehrteiligen Spangenhelm lediglich aus einer einzigen Eisenplatte gefertigt wurden. Darunter trug man oftmals eine Haube aus Kettengeflecht als zusätzlichen Schutz.

Der Nasalhelm wird oftmals auch als „Normannenhelm“ bezeichnet, obwohl er in nahezu allen Gegenden Europas getragen wurde. Die Bezeichnung „Normannenhelm“ könnte auf den Teppich von Bayeux zurückgehen, auf dem zahlreiche Normannen mit einem Nasalhelm abgebildet sind.

Da dieser Teppich sehr bekannt war und ist, könnte es daher zur genannten Bezeichnung gekommen sein. Der Teppich zeugt zudem aber auch durch die Abbildung der ebenfalls mit Nasalhelm ausgestatteten Angelsachsen davon, dass die Bezeichnung des ausschließlich für normannisch gehaltenen Helms nicht zutreffen ist.

Im 12. Jahrhundert waren neben dem konischen Nasalhelm auch zylindrisch geformte Helme gebräuchlich. Auch diese waren zunächst mit einem Nasenstück ausgestattet, das dann aber von einem fixierten Visier mit Seh- und Luftschlitzen verdrängt wurde. Daraus entwickelte sich der Topfhelm, auf den ich weiter unten näher eingehen werde.

Der Nasalhelm wurde trotz des sich gegen Ende des 12. Jahrhunderts entwickelnden Topfhelms erst gegen Ende desselben Jahrhunderts vollständig von anderen Helmarten verdrängt.

3.1.4 Maskenhelm

Zum endenden 12. Jahrhundert erhielt die Herstellungstechnik des Helms einen entscheidenden Schub. Gesichtsplatten lösten den reinen Nasenschutz des 11. Jahrhunderts komplett ab. Die Spangen-, sowie die Kalotten- und Kegelhelme wurden mit Masken versehen, die einen besseren Schutz bei eingeschränktem Gesichtsfeld boten. Diese Gesichtsplatten wurden vorn an die halbhohen Helme angesetzt und können somit als Vorläufer zum Topfhelm angesehen werden. Die Masken gab es in verschiedenen Ausprägungen. Um die besonders in heißen Gebieten auftretende erschwerte Atmung abzumildern, wurden in die Gesichtsplatten zusätzlich zu den Augenöffnungen Luftlöcher gebohrt. Der Grund für das erweiterte Helmkonzept war eine neue Kampftechnik. Die Ritter verwendeten beim Ritt Lanzen, um ihren Feind mit der Wucht des Aufschlags aufzuspießen. Ein solcher Angriff konnte lediglich mit dem Schild abgewehrt werden. Dadurch entstandjedoch die Gefahr, dass die Lanze ins Gesicht abgelenkt wurde, wogegen der spärliche Nasenschutz kaum nennenswert schützen konnte.

3.1.5 Topfhelm

Der für das Hochmittelalter typische abgeflachte Topfhelm entwickelte sich im ausgehenden 12. Jahrhundert aus der Gesichtsplatte. Dieser Kopfschutz wurde aus mehreren Eisenplatten in etwa zylindrischer „Topfform“ zusammengenietet und reichte oft bis zu den Schultern herab. Der Topfhelm bedeckte den Kopf somit vollständig und wies nur schmale Sehschlitze und Lüftungslöcher auf. Im Laufe der Zeit wurde der Topfhelm an die Schädelform angepasst und war daher nicht mehr zylindrisch. Unter dem eisernen Helm trug man wattierte bzw. gesteppte Kappen (auch: Batwät, batwat, huetelin oder hube), einen Hut („Gupfe“), eine Haube aus Ringpanzergeflecht, sowie meist lederne oder eiserne Hirnhauben12, damit der Helm fest am Kopf saß und Verletzungen allein schon vom bloßen Tragen verhindert wurden. Mit der Einführung des Topfhelms wurde das heute weit verbreitete Bild eines mittelalterlichen Ritters abgeschlossen.

Der Topfhelm bot einen vorzüglichen Schutz gegen Pfeile, besonders aber gegen Lanzen.

Ein Nachteil dieses Helms lag in der sehr schlechten Sicht und Belüftung. Das Blickfeld war durch die engen Sehschlitze des Visiers stark beschränkt, daher wurde der Helm auch erst unmittelbar vor dem Kampf aufgesetzt. Aus diesem Grund boten die Knappen dem Ritter Schutz vor Hinterhalten, indem sie ihn auf das Schlachtfeld begleiteten. Zudem war das Atmen unter den geschlossenen Helmen nur sehr erschwert möglich. Durch diese Helmform war die Atmung derart behindert, dass viele Ritter in der Hitze einer Schlacht oder eines Turniers erstickten oder einen Hitzschlag erlitten. Auch das Hören war stark eingeschränkt, daher war es für einen Ritter kaum auszumachen, aus welcher Richtung Geräusche kamen. Des Weiteren bot die platte Oberseite des Helms einen guten Angriffspunkt für Hiebwaffen, sodass die Oberseite dieser Helmform im 14. Jahrhundert zunehmend abgerundet wurde, damit die Waffen leichter abgleiten konnten.

Der Topfhelm war vom Ende des 12. bis zur 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts Symbol der „Ritterbürtigkeit13 “.

Im 14. Jahrhundert entwickelte sich aus diesem Helmtypus der Kübelhelm, der auch bis auf die Schultern reichte, jedoch nicht flachscheitlig, sondern bombiert war. Daraus wurde schließlich ein schwerer, dickwandiger „Stechhelm“, der aufBrust und Rücken auflag. Dieser hatte eine bugartig zugespitzter Front und wurde bald mit einem Visier, dann mit einem vor der Gesichtsöffnung angebrachten Geflecht von kleinen Eisenstäben ausgestattet. Der Stechhelm war ein spezieller Turnierhelm, der im15. Jahrhundert zur Standardausrüstung im Gestech gehörte.

Sowohl Topfhelm, als auch Kübel- und Stechhelm wurden aufgrund ihrer Schwere bis zum Augenblick des Gebrauchs am Gürtel befestigt oder von einem Knappen nachgetragen und nur zum Kampf aufgesetzt.

3.1.6 Eisenhut

Parallel zum Topfhelm entwickelte sich der „Eisenhut“, der sich Abbildungen zufolge vermutlich aus dem Kalottenhelm entwickelt hat. Der Helm war leicht und wurde meist nur mit einer gepolsterter Unterhaube getragen. Zudem wurde er durch einen Lederriemen unter dem Kinn befestigt. Der Helm zeichnete sich durch eine unterschiedlich breite, abwärtsgeneigte Krempe aus, in die teilweise auch Sehschlitze eingearbeitet waren.

Der Eisenhut schützte durch den oft sehr breiten Schirm Kopf, Gesicht und Schulterbereich sehr gut, insbesondere vor Hieben und Geschossen von oben. Gleichzeitig bot er gute Sicht und Belüftung. Der Eisenhut erwies sich vorwiegend als Infanteriehelm, im hohen Mittelalter wurde er an besonders heißen Tagenjedoch auch von den Reitern im Gefecht benutzt, da der geschlossene Topfhelm nur eine sehr unzureichende Belüftung bot.

Bis zum beginnenden 14. Jahrhundert blieb der Topfhelm der modernste Stand der Helmtechnik. Die Technik des hochklappbaren Visiers wurde erst im beginnenden 14. Jahrhundert mit zunehmenden mechanischen Kenntnissen der Waffenschmiede und deren Organisation in Zünfte eingeführt und verdrängte dann schließlich den Topfhelm durch die Hundsgugel, die über ein bewegliches Visier verfügte.

Aus dem „Eisenhut“ entwickelte sich im 15. Jahrhundert die „Schaller“ (von mhd. schale) mit lang ausgezogenem Nackenschutz, der nach hinten zur Sicherung des Genicks spitz zulief, beweglichem Kinn- und Wangenschutz, sowie Halsschutz („Bart“) und festem oder beweglichem Visier mit Sehschlitzen.

3.1.7 Beckenhaube

Aus der Hirnhaube entwickelte sich im 14. Jahrhundert die Beckenhaube (auch: Kesselhaube). Als das Ringelpanzergeflecht seit den 1320er Jahren schließlich zunehmend an der Haube befestigt wurde, etablierte sich der Helm auch ohne den nunmehr durch die Zunahme der Größe der Hauben darüber getragenen Kübelhelm und bereitete dem Ritter bei großer Hitze nun keine Atembeschwerden mehr. Um Schläge von oben besser abzuwehren, wurde die Helmglocke spitz ausgetrieben und der Helmrand wanderte nach unten, sodass die Beckenhaube mit Ausnahme der Gesichtspartie schließlich den ganzen Kopf umschloss. Teilweise wurde ein Nasal oder ein Klappvisier an den Helmrand angebracht. Aus der mit Visier ausgestatteten Beckenhaube entstand Mitte des 14. Jahrhunderts die Hundsgugel. Die Beckenhaube war bis in das 15. Jahrhundert gebräuchlich.

3.1.8 Hundsgugel

Die Hundsgugel (auch: Bacinet) war eine Beckenhaube, deren Klappvisier an die Form einer spitzen Hundeschnauze erinnerte. Das Visier des Helms war nach oben hin aufklappbar. Die Schnauzenform des Visiers diente der Verbesserung der Atmung und dazu, Schläge von der Seite abgleiten zu lassen. Wie die Beckenhaube war auch die Hundsgugel mit einem Kettengeflecht zum Schutz der Hals- und Nackenpartie ausgestattet. Die Hundsgugel wurde in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts durch Helme wie den Armet, der über einen zusätzlichen Kinnschutz verfügte, und die Schaller verdrängt.

3.2 Schutz für Brust und Leib (Torsoschutz)

Anfangs wurde der Torso eines Ritters durch eine Brünne oder ein Kettenhemd geschützt, darauf folgend dann auch durch den Spangenharnisch bzw. Plattenharnisch, auf den ich später genauer eingehen werde. Sowohl Brünne als auch Kettenhemd gehen auf die Kelten zurück und wurden vermutlich im 3. Jahrhundert v. Chr. erfunden. Diese beiden Formen des Torsoschutzes lassen sich unter dem Begriff „Panzerhemd“ zusammenfassen und werden oftmals auch synonym verwendet, jedoch lassen sich einige Unterschiede zwischen ihnen feststellen, auf die ich im Folgenden näher eingehen möchte.

[...]


1 Der Begriff „Waffen“ kennzeichnet eine große Anzahl unterschiedlicher Gegenstände, die dazu dienen, einem Gegner physischen Schaden zuzufügen oder aber einen solchen Versuch abzuwehren bzw. abzuschwächen.

2 Den Gegensatz dazu bilden die so genannten Trutzwaffen, deren Zweck darin besteht, einem Gegner physischen Schaden zuzufügen.

3 Angermann, Norbert (Hrsg.): Lexikon des Mittelalters. Band 7: Planudes - Stadt (Rus'). München 1995, S. 14.

4 Zotz, Thomas: Ritterliche Welt und höfische Lebensformen. In: Fleckenstein, Joseph: Rittertum und ritterliche Welt.

Berlin: Siedler Verlag 2002, S. 173.

5 Des Weiteren wurden hier auch taktische Unzulänglichkeiten sichtbar, denn die unflexiblen Ritter hatten als Einzelkämpfer keine Chance gegen die beweglichen Kampfgruppen der Schweizer.

6 Hier bezeichnet „Koller“ ist ein enges ärmelloses Wams.

7 einer Legierung aus Kupfer und Zinn

8 mhd., ahd. „helm“: der Schützende, Verbergende

9 Vgl. Piepenbrink, Thorsten: Kleidung und Rüstung um 1200. http://www.goedendag.de/Kitguide1200.pdf (18.06.2008), S. 3.

10 Diese Form des Helms wird auch als „Brillenhelm“ bezeichnet und fand besonders bei den Skandinaviern, Rus und Angelsachsen Verbreitung

11 Diese Form des Helms wird auch als „Maskenhelm“ bezeichnet

12 Die Hirnhaube war ein leichter Helm.

13 Als Ritterbürtigkeit bezeichnet man die Abstammung von adligen, ritterlichen Vorfahren; sie war im späteren Mittelalter oftmals Voraussetzung für die Aufnahme in den Ritterstand

Ende der Leseprobe aus 43 Seiten

Details

Titel
Die Ritterrüstung - ihre Bestandteile und deren Herkunft
Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta  (Institut für Geschichte und historische Landesforschung )
Veranstaltung
Ritter-Minne-Heraldik
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
43
Katalognummer
V169357
ISBN (eBook)
9783640876716
ISBN (Buch)
9783640876969
Dateigröße
3659 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ritterrüstung, bestandteile, herkunft
Arbeit zitieren
Janina Schnormeier (Autor), 2009, Die Ritterrüstung - ihre Bestandteile und deren Herkunft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169357

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