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Die Fußballweltmeisterschaft 1978 in Argentinien zu Zeiten der Militärdiktatur

Die mediale Darstellung der gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse in der Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks

Titel: Die Fußballweltmeisterschaft 1978 in Argentinien zu Zeiten der Militärdiktatur

Bachelorarbeit , 2025 , 63 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Mario Hermann (Autor:in)

Kulturwissenschaften - Sonstiges
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Diese Bachelorarbeit untersucht die Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland über die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse in Argentinien während der Fußball-Weltmeisterschaft 1978. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie kritisch ARD-Sendungen wie Tagesschau, Tagesthemen und Sportsendungen in Hörfunk und Fernsehen mit der Militärdiktatur unter Jorge Rafael Videla umgingen und in welchem Umfang Menschenrechtsverletzungen thematisiert wurden.

Anhand einer qualitativen Analyse von Archivmaterial wird gezeigt, dass die Berichterstattung während des Turniers zwischen journalistischer Kritik und politischer Zurückhaltung schwankte. Während die Menschenrechtslage vor und nach der WM deutlicher problematisiert wurde, dominierten während des sportlichen Großereignisses teilweise abgeschwächte oder euphemistische Darstellungen. Die Arbeit ordnet die Ergebnisse in den Kontext medialer Logiken von sportlichen Großveranstaltungen ein und reflektiert die Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zwischen Informationsauftrag und politischer Sensibilität. Der Analyse gehen eine Einordnung der politischen und humanitären Lage während der Militärdiktatur unter Jorge Rafael Videla samt ihrer Vorgeschichte sowie ein Abschnitt über die Bedeutung der WM im eigenen Land für die Machthaber und die damit verbundene Instrumentalisierung des Sportereignisses voraus.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

  • 1. Sport als politisches Machtmittel autoritärer Herrscher.
  • 2. Historische Einordnung der politischen und humanitären Lage in Argentinien 1976-1983
    • 2.1 Zerfall der peronistischen Regierung und Machtübernahme
    • 2.2 Regierungshandeln der argentinischen Militärdiktatur
  • 3. Die Fußball-Weltmeisterschaft 1978 in Argentinien
    • 3.1 Die Instrumentalisierung des Fußballs – eine Heim-WM als Prestigeprojekt
    • 3.2 Die Bundesrepublik Deutschland und die Fußballweltmeisterschaft 1978 – die Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks
  • 4. Der Umgang mit dem argentinischen Militärregime in der Berichterstattung – eine Korpusanalyse.
    • 4.1 Die Vorberichterstattung des ÖRR
    • 4.2 Die Eröffnungszeremonie
    • 4.3 Die Berichterstattung im weiteren Turnierverlauf – Medienecho bis 1979
  • 5. Fazit: ÖRR im Spannungsfeld zwischen offener Regimekritik und distanzierter Zurückhaltung
  • 6. Schlussbemerkungen – Ausblick auf die Weltmeisterschaften in den USA und Saudi-Arabien.
  • 7. Quellen- und Literaturverzeichnis.

Zielsetzung & Themen

Diese Bachelorarbeit untersucht die mediale Darstellung der gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse in Argentinien zur Zeit der Fußballweltmeisterschaft 1978 durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk (ÖRR) der Bundesrepublik Deutschland. Sie beleuchtet, inwiefern die ÖRR-Medien die Rahmenbedingungen kritisch beleuchteten und welche Inhalte und Themensetzungen den Umgang der bundesdeutschen Öffentlichkeit mit dem argentinischen Militärregime im Kontext der Fußball-WM aussagen.

  • Die Instrumentalisierung der Fußball-Weltmeisterschaft 1978 durch die argentinische Militärdiktatur als Prestigeprojekt.
  • Die mediale Darstellung der gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse in Argentinien durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk (ÖRR).
  • Die Rolle der Bundesrepublik Deutschland und des ÖRR im Kontext der WM 1978.
  • Die Menschenrechtslage und staatliche Repression in Argentinien während der Diktatur.
  • Die kritische Haltung und die Grenzen der Medienberichterstattung über politisch brisante Sportgroßereignisse.
  • Die Reaktionen und Erwartungshaltungen von Politikern, Sportlern und der Öffentlichkeit auf die WM.

Auszug aus dem Buch

3.1 Die Instrumentalisierung des Fußballs – eine Heim-WM als Prestigeprojekt

Die zunehmende Kritik aus dem Ausland bereits im Jahr der Machtübernahme veranlasste die Junta dazu, Maßnahmen zu ergreifen, um sich internationale Anerkennung zu verschaffen und das Regime nach innen zu stabilisieren. Einerseits betrachteten die Generäle den Fußball, ein seit den Anfängen des 20. Jahrhunderts bedeutendes, nationale Identität stiftendes Element in Argentinien, als geeignetes Instrument zur ideologischen Indoktrination der Bevölkerung. Andererseits erkannten sie zeitnah in der Austragung der WM eine einmalige Chance, die internationale Reputation des Landes und der Regierung zu verbessern. Der Austragungsort Argentinien war aufgrund der instabilen politischen Verhältnisse lange Zeit gefährdet. Eine Verlegung ins Nachbarland Brasilien oder eine nochmalige Austragung in der BRD standen zur Debatte.

Noch 1975 bezweifelten in einigen europäischen Ländern Verbandsfunktionäre und auch die Öffentlichkeit, dass Argentinien aufgrund der instabilen innenpolitischen Situation in der Lage sei, ein sportliches Großereignis auszurichten, zumal die Vorgängerregierung die Vorbereitungen des Turniers sträflich vernachlässigt hatte. Auch die FIFA meldete mit Blick auf mögliche Terrorakte wie in München 1972 Sicherheitsbedenken an. Die Entschlossenheit der Militärs allerdings leitete eine Kehrtwende hinsichtlich der Diskussion um das Turnier ein, denn die Militärdiktatur garantierte der FIFA die für einen reibungslosen Ablauf der Sportveranstaltung nötige „Ruhe und Ordnung“69, wie Professor Winkler in Bad Boll anmerkte.70 Er stellte fest, dass Weltfußballverband und Staatsregierung identische Interessen verfolgten. Denn das Militärregime konnte der skeptischen Weltöffentlichkeit demonstrieren, dass es imstande war, für Stabilität und Ordnung im Land zu sorgen und durch eine einwandfreie Organisation und Durchführung der WM sich erfolgreich selbst zu inszenieren und auf diese Weise Kritik aus dem Ausland an der Menschenrechtslage abzuschwächen.71

Um die absolute Kontrolle über das Turnier zu erlangen, setzte das Militärregime im Juni 1978 das Ente Autárquico Mundial 78 als WM-Organisationskomitee ein. Den Fußballfunktionären des argentinischen Verbandes wurden Militärgeneräle und Brigadegeneral Antonio Luis Merlo als Präsident vorgesetzt, was von der FIFA akzeptiert worden war.72

Zusammenfassung der Kapitel

1. Sport als politisches Machtmittel autoritärer Herrscher: Dieses Kapitel erörtert, wie Fußball von autoritären Regimen, insbesondere in Südamerika, zur politischen Instrumentalisierung, Identitätsstiftung und Propaganda genutzt wurde, um von innenpolitischen Problemen abzulenken und das internationale Image zu verbessern.

2. Historische Einordnung der politischen und humanitären Lage in Argentinien 1976-1983: Dieses Kapitel beschreibt den Zerfall der peronistischen Regierung, die Machtübernahme durch die Militärdiktatur und deren Regierungshandeln im Rahmen des "Prozesses der nationalen Reorganisation", der durch massive Menschenrechtsverletzungen und die systematische Verfolgung Oppositioneller geprägt war.

3. Die Fußball-Weltmeisterschaft 1978 in Argentinien: Dieses Kapitel analysiert die Instrumentalisierung der WM 1978 durch die Militärdiktatur als Prestigeprojekt zur Imageaufbesserung und internen Stabilisierung, sowie die Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland in diesem Kontext.

4. Der Umgang mit dem argentinischen Militärregime in der Berichterstattung – eine Korpusanalyse: Dieses Kapitel untersucht die Vorberichterstattung des ÖRR vor, während und nach der WM, analysiert die Themenschwerpunkte, die Art der Berichterstattung und die Reaktionen auf kritische Kommentare, insbesondere während der Eröffnungszeremonie.

5. Fazit: ÖRR im Spannungsfeld zwischen offener Regimekritik und distanzierter Zurückhaltung: Dieses Kapitel fasst zusammen, dass der ÖRR ein facettenreiches, aber ambivalentes Bild der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in Argentinien zeichnete, geprägt von medialer Verantwortung, vielfältigen Interessen und externem Druck.

6. Schlussbemerkungen – Ausblick auf die Weltmeisterschaften in den USA und Saudi-Arabien: Dieses Kapitel bietet einen Ausblick auf unerforschte Forschungsbereiche und diskutiert die Bedeutung und die politischen Implikationen großer Sportveranstaltungen für Gastgeberländer in der Zukunft.

Schlüsselwörter

Fußball-Weltmeisterschaft 1978, Argentinien, Militärdiktatur, Öffentlich-rechtlicher Rundfunk (ÖRR), Deutschland, Menschenrechte, Sportinstrumentalisierung, Medienberichterstattung, Propaganda, Kalter Krieg, FIFA, Politik, Gesellschaft, Journalismus, Zensur, Lateinamerika.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt die Fußballweltmeisterschaft 1978 in Argentinien und untersucht, wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse während der Militärdiktatur in Argentinien medial dargestellt hat.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Instrumentalisierung des Sports durch autoritäre Regime, die Rolle der Medien bei der Berichterstattung über Menschenrechtsverletzungen, die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Argentinien sowie die Reaktionen der Öffentlichkeit auf die WM-Berichterstattung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es herauszuarbeiten, inwiefern die öffentlich-rechtlichen Medien in Deutschland die politischen Rahmenbedingungen in Argentinien kritisch beleuchteten und welche Aussagen die inhaltliche und thematische Gestaltung ihrer Sendungen über den Umgang der bundesdeutschen Öffentlichkeit mit dem argentinischen Militärregime zulassen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Korpusanalyse ausgewählter Hörfunk- und Fernsehberichte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, ergänzt durch die Analyse von Sachliteratur, Dokumentationen und Zeitzeugenaussagen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung der politischen Lage in Argentinien (1976-1983), die Analyse der Instrumentalisierung der Fußball-WM als Prestigeprojekt durch die Militärdiktatur und eine detaillierte Korpusanalyse der Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks vor, während und nach dem Turnier.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselwörter sind: Fußball-Weltmeisterschaft 1978, Argentinien, Militärdiktatur, Öffentlich-rechtlicher Rundfunk (ÖRR), Menschenrechte, Sportinstrumentalisierung, Medienberichterstattung, Propaganda, Kalter Krieg.

Warum wurde die Fußball-WM 1978 von der argentinischen Militärdiktatur als "Angelegenheit von nationalem Interesse" eingestuft?

Die Militärregierung stufte die WM als „nationales Interesse“ ein, um die internationale Aufmerksamkeit zu nutzen, das Image Argentiniens als stolze und friedliche Nation zu präsentieren, die Legitimität des Regimes zu untermauern und von innenpolitischen Problemen sowie massiven Menschenrechtsverletzungen abzulenken.

Wie reagierte der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland auf die Instrumentalisierung des Sports durch das Regime während der Eröffnungsfeier?

Die ARD-Kommentatoren Fritz Klein und Thomas Reimer begleiteten die Eröffnungsfeier kritisch, indem sie die Selbstdarstellungsabsichten des Regimes, politische Gewalt und Menschenrechtsverletzungen thematisierten, obwohl dies intern und von Teilen des Publikums auf heftige Kritik stieß.

Welche Rolle spielten deutsche Wirtschaftsinteressen in der Berichterstattung über die WM 1978?

Bedeutende deutsche Wirtschaftsinteressen, wie die Beteiligung an einem 700-Millionen-Dollar-Kredit und Investitionen deutscher Technologieunternehmen, führten dazu, dass die bundesdeutsche Diplomatie und Presse die Menschenrechtslage in Argentinien diskret behandelten, um die bilateralen Beziehungen nicht zu gefährden.

Welches paradoxe Verhalten zeigte sich bei den Inhaftierten während der WM?

Paradoxerweise verfolgten sowohl Folterer als auch Gefolterte, die im größten Foltergefängnis inhaftiert waren, die Spiele der argentinischen Nationalmannschaft gemeinsam am Fernsehbildschirm oder hörten die Berichterstattung über Radiolautsprecher und feierten Tore und Siege mit, was ein komplexes Gemeinschaftsgefühl unter der Diktatur verdeutlichte.

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Details

Titel
Die Fußballweltmeisterschaft 1978 in Argentinien zu Zeiten der Militärdiktatur
Untertitel
Die mediale Darstellung der gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse in der Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks
Hochschule
Universität Passau
Note
1,0
Autor
Mario Hermann (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2025
Seiten
63
Katalognummer
V1696765
ISBN (PDF)
9783389176894
ISBN (Buch)
9783389176900
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Berichterstattung Menschenrechtsverletzungen Sport und Politik Repression Sportswashing Argentinien 1978 Fußball-Weltmeisterschaft 1978 Militärdiktatur Argentinien Jorge Rafael Videla Verschwundene Desaparecidos Madres de Plaza de Mayo Öffentlich-rechtlicher Rundfunk Sportberichterstattung Medien und Politik Propaganda Politik und Gesellschaft Geschichtliche Medienforschung Politische Verfolgung Tagesschau Thomas Reimer Eröffnungszeremonie Pressefreiheit
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Mario Hermann (Autor:in), 2025, Die Fußballweltmeisterschaft 1978 in Argentinien zu Zeiten der Militärdiktatur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1696765
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Leseprobe aus  63  Seiten
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