Symbolik und telling names in "Reynke de vos"


Seminararbeit, 2010

13 Seiten, Note: 1.7


Leseprobe

Inhalt

1. Symbolik und Telling Names in „Reynke de vos“
1.1 Reynke de vos – Handlungsabriss und kurze Rezeptiongeschichte

2. Telling Names
2.1 Reynke
2.2 Ysegrim
2.3 Ghyremod
2.4 König Nobel
2.5 Grymbart
2.6 Bellyn
2.7 Brun
2.8 Marten
2.9 Krassevoet
2.10 Lampe
2.11 Malepartus

3. Resümee und Ausblick

4. Literaturverzeichnis

1. Symbolik und Telling Names in „Reynke de vos“

Spätestens seit dem Erfolg von Joanne K. Rowlings „Harry Potter“ sind sogenannte „Telling Names“ wieder in aller Munde: Der im vierten Band auftauchender Werwolf heißt „Remus Lupin“; Dieser Name setzt sich zusammen aus dem lateinischen Wort für Wolf, „lupus", und Remus, dem von einer Wölfin großgezogen Gründer Roms.

Unter solchen „sprechenden Namen“ versteht man also Bezeichnungen von Personen oder Orten, die durch ihre äußere Benennung auf den inneren Charakter schließen lassen. Besonders reizvoll scheinen solche Namen immer dann zu sein, wenn sie sich einer sofortigen Deutung entziehen und vom Leser eine Entschlüsselung verlangen.

Die Verwendung von sprechenden Namen ist kein neues Phänomen. Im mittelniederdeutschen Tierepos „Reynke de vos“ tauchen ebenfalls viele solcher Namen auf.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich anfangs mit einer kurzen Überlieferungsgeschichte des Stoffes und gibt danach einen kurzen Abriss der Rahmenhandlung des Werkes. Der Hauptteil widmet sich einer Definition und der Betrachtung verschiedener Typen von sprechenden Namen. Das hier Herausgestellte wird daraufhin auf die Namen der Tiere im „Reynke“ angewendet.

Die aufgestellte und zu überprüfende These lautet:

Die Namen der Tiere im „Reynke de vos“ sind nicht willkürlich gewählt, sondern tragen einen Bedeutung.

Jacob Grimm geht in der 1834 erschienenen Ausgabe „Reinhart Fuchs“ in einem Kapitel auf die Bedeutung der Namen bereits ein. Allerdings lässt er die mittelniederdeutsche Fassung von 1489 unberücksichtigt. Dies versucht die folgende Arbeit nun nachzuholen.[1]

Alle in den Fußnoten genannten germanischen bzw. mittelniederdeutschen Wörter oder Formen stammen aus Gerhard Köblers Onlineausgabe des germanischen bzw. mittelniederdeutschen Wörterbuches.

http://www.koeblergerhard.de/

1.1 Reynke de vos – Handlungsabriss und kurze Rezeptiongeschichte

Das mittelniederdeutsche Werk „Reynke de vos“ wurde 1498 in der Lübecker Mohnkopfdruckerei hergestellt. Es beruht auf einer Reihe von Vorgängern, die sich mindestens in das 10. Jahrhundert zurückführen lassen. Der namentlich nicht genannte Bearbeiter der Lübecker Ausgabe lässt sich wahrscheinlich in den Kreis der literarisch tätigen Geistlichen einordnen. Er folgt zwar in großen Teilen einer Vorlage, bindet in sein Werk aber viele regionale Bezüge ein. Zu fremd klingende Orte werden durch vertrautere wie „Luneborch“ ersetzt, und es werden vermehrt niederdeutsche Namen verwendet. Der Hahn heißt nicht mehr „Canticleer“ sondern „Hennink de han“, die Katze „Krassevoet“ statt „Coppe“ und der Name des Hasen wurde von „Cuwaerde“ auf „Lampe“ geändert.

Das Werk gliedert sich Verse und Prosatext. Die Geschichte von Reynke wird in insgesamt 6844 Versen behandelt. Zu Beginn jedes Kapitels sind in ihrem Umfang variierende Prosatexte eingefügt, die der Erklärung des Inhaltes dienen sollen.

Das Werk handelt im Wesentlichen von den Missetaten des Fuchses Reynke, der sich aber immer wieder durch Hinterlist oder aber pure Gewalt aus vermeintlich ausweglosen Situationen manövrieren kann. Reynke nimmt hierbei weder Rücksicht auf Andere, noch schreckt er vor haarsträubenden Lügengeschichten, Betrug und mancherlei Verbrechen zurück. Besonders auf den Wolf Ysegrim, Reynkes größter Gegner, hat es der Fuchs abgesehen. Höhepunkt des Werkes ist schließlich der finalen Showdown zwischen Reynke und Ysegrim. Der Fuchs gewinnt diesen Kampf, weil er sein Fell abscheidet und seinen Körper mit Öl einreibt so dass der körperlich überlegenen Wolf ihn nicht zu fassen bekommt. Obwohl Reynke mehrmals vom König zum Tode verurteilt wurde, ist dieser am Ende so von ihm angetan, dass er diesen zu seinem königlichen Berater ernennt.

Die Fabel spielt im höfisch-feudalen Milieu und kann als scharfe Satire und Kritik an den Zuständen der realen Machtverhältnisse gelten. Das Werk zeigt den Aufstieg eines niedrigen Adligen (in V. 1837 wird Reynke als Bannherr bezeichnet) zum hohen Posten des königlichen Beraters.[2] Der Reiz der Fabel mag vor allem in der satirischen Darstellung der höfischen Gesellschaft gelegen haben. Der Geistliche Stand wird zwar nicht ausgeklammert, aber doch sehr schonend behandelt, was auf Nähe des Bearbeiters zur Kirche schließen lässt.

In der Lübecker Ausgabe gibt es insgesamt 89 Abbildungen, auf die hier nicht weiter eingegangen werden soll.

2. Telling Names

Betrachten wir zunächst verschiedenen Möglichkeiten, wie ein Name zu einer Bedeutung gelangen kann. Zur Veranschaulichung werden immer wieder auch Beispiele aus der modernen Literatur hinzugezogen, da sprechende Namen auch heute noch in vielfältiger, oft in versteckter Weise vorkommen.

Typische sprechende Namen können oft etwas über das äußere Erscheinungsbild ihres Trägers verraten. Der Bär im „Reynke“ heißt „Brun“, der Name weist also auf braune Farbe seines Pelzes hin.

Durch den Gebrauch von Telling Names können aber auch spezielle Charakterzüge oder Merkmale der Persönlichkeiten des Namenträgers herausgestrichen werden. So lässt zum Beispiel der Name „Daniel Düsentrieb“ schon beim ersten Lesen an einen ruhelosen Erfinder denken; „Lucky Luke“ hingegen legt eine vom Glück begünstigte Figur nahe.

Bei der Verwendung von Menschennamen kann man folgende Unterscheidung treffen:

Es können besonders einleuchtende Namen gegeben werden, deren Bezug und Bedeutung sofort einleuchtet. Beispiele aus der modernen Literatur sind unter anderem „Gottlieb Biedermann“, aus dem Stück „Biedermann und die Brandstifter“. Mit dem Namen „Biedermann“ deutet Max Frisch die kleinbürgerliche Spießigkeit seiner Hauptperson an, das erste Hören des Namens gleicht einer Charakterisierung der Figur. Im Drama „Tod eines Handlungsreisenden“ gibt Arthur Miller der Hauptfigur den vielsagenden Namen „Willy Loman“. Dieser Name zeichnet die Figur eines „low-man“ eines kleinen, vom Leben niedergedrückten Versagers. Im „Reynke“ ließe sich König Noble anführen, dessen Namen Adel und eine hohe Herkunft hindeutet.

Neben solchen sofort einleuchtenden Namen, können auch solche existieren, deren Bezug sich nicht (mehr) sofort erschließen lässt. Dies ist zum Beispiel bei einer ursprünglich satirischen Verwendung der Fall. Der eigentliche Name an sich ist gleichgültig, da er die zeitgenössischen Leser an bestimmte prominente Persönlichkeiten erinnern soll. Solche Namen sind besonders schwer zu deuten, da ihre Bedeutung oft schnell in Vergessenheit gerät. Ein anschauliches Beispiel hierfür lässt sich bereits aus den 1930er Jahren finden. Der bürgerliche Name von Superman lautet Clark Kent – dies ist eine Anspielung auf die damals sehr berühmten Schauspieler Clark Gable und Kent Taylor. Clark Gable ist auch heute noch durch Rollen wie Rhett Butler im „Vom Winde verweht“ oder als Fletcher Christian in „Meuterei auf der Bounty“ einer breiten Öffentlichkeit ein Begriff. Vom American Film Institute wurde er auf der „Liste der 25 größten männlichen Filmlegenden aller Zeiten“ auf Platz sieben gewählt[3]. Ganz anders sieht es hingegen mit Kent Taylor aus. Obwohl der Schauspieler in mehr als 150 Filmen mitwirkte, ist sein Name heute nahezu völlig in Vergessenheit geraten. Supermans sprechender Name ist im Laufe der Zeit also verstummt.

[...]


[1] Vgl. Grimm S. CCXXIX.

[2] Vgl. Grimm S. CCXXIX.

[3] http://connect.afi.com/site/DocServer/stars50.pdf?docID=262 (aufgerufen 08/08/09)

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Symbolik und telling names in "Reynke de vos"
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Germasistisches Institut)
Note
1.7
Autor
Jahr
2010
Seiten
13
Katalognummer
V169857
ISBN (eBook)
9783640883158
ISBN (Buch)
9783640882953
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Reynke de vos, Telling Names, Grimm, Symbolik
Arbeit zitieren
Jan Patrick Faatz (Autor), 2010, Symbolik und telling names in "Reynke de vos", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169857

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