Kant: Über das Misslingen aller philosophischen Versuche in der Theodizee 1791

Was ist für Kant eine authentische Theodizee?


Essay, 2006
4 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Kant: Über das Misslingen aller philosophischen Versuche in der Theodicee 1791

Was ist für Kant eine authentische Theodizee?

Kant beschreibt in seiner Ausarbeitung „Über das Misslingen aller philosophischen Versuche in der Theodicee 1791“, was für ihn eine authentische Theodizee ist. Ich werde versuchen dies im Folgenden darzustellen.

Zunächst klärt Kant jedoch den Begriff Theodizee. Diese bezeichnet die Verteidigung der höchsten Weisheit Gottes, gegen die Anklage der Vernunft aus dem zweckmäßigen der Welt, also wie kann Gott das Leiden oder ähnliches in der Welt zulassen? Auf diese Frage stößt jeder Gläubige oder auch jeder Zweifler zu jeder Zeit. Kant erklärt eine möglich Antwort, in dem er das nicht Zweckmäßige dadurch erklärt, dass es ertragen werden kann, indem es als Prüfung für den Menschen angesehen wird um die Stellung des Menschen zu rechtfertigen. Grundlage dieser Rechtfertigung Kants ist es, dass Gott beweist, dass von den Menschen als zwecklos beurteilte Dinge einen Sinn haben oder das die Zwecklosigkeit eine Folge der Natur ist, beziehungsweise des Menschen ist. Hierbei legt Kant die Eigenschaften der Weisheit Gottes fest. Gott steht in seiner Heiligkeit als Gesetzgeber als Gegensatz zu dem moralisch Bösen. In seiner Gütigkeit als Regierer im Gegensatz zu dem Übel und den Schmerzen in der Welt. Gottes Gerechtigkeit bietet einen Vergleich zu dem Missverhältnis zwischen Straflosigkeit und Verbrechen. Gott ist also Schöpfer, Erhalter und Richter des irdischen Kosmos. So erklärt Kant die Position Gottes in, beziehungsweise zu, unserem Weltgeschehen. Die Theodizee leistet jedoch nach Kant nicht was sie dem Menschen verspricht. Der Mensch besitzt keine moralische Weisheit, also genügend Vernunft, um sich gegen den Zweifel an der erfahrenen Welt zurechtfertigen, vielmehr um eine auseichende Erklärung zu finden. Die Weisheit bringt die Menschen jedoch auch nicht zu einer Antwort auf die Theodizeefrage, wenn nicht gewiss ist, „dass unsre Vernunft zur Einsicht des Verhältnisses in welchem eine Welt, sowie wir sie durch Erfahrung immer kennen mögen, zu der höchsten Weisheit stehe“ (Kant: Über das Misslingen aller philosophischen Versuche in der Theodicee 1791, Seite 144) unnütz ist. Durch diese Theorie der menschlichen Weisheit wären alle vorherigen versuche die göttlichen Wege nachzuvollziehen ebenfalls unnütz. Es muss also erst bewiesen werden, dass diese göttlichen Wege eben dieser Erklärung nachkommen. Da Menschen Naturwesen sind, die dennoch Moral und Religion besitzen können wir uns diese Welt zwar erdenken, jedoch nicht zu einer völligen Einsicht dieser gelangen, dies kann nur Gott. Es wird also begründet, warum die Menschen die Theodizeefrage nicht beantworten können. Die Theodizee ist also die Auslegung der Natur, welche Gottes Absichten widerspiegeln soll. Die Welt kann also als Bekanntmachung der Absichten Gottes verstanden werden. Sie erklärt jedoch nicht die Endabsichten Gottes. Der göttlichen Weisheit kann eine Theodizee nicht verweigert werden, wenn ein göttlicher Machtanspruch oder der Anspruch der Vernunft vorliegt. Gott selbst legt seinen Willen aus, durch unsere Vernunft. Diese Auslegung der Gottesfrage ist eine authentische Theodizee. Sie ist dann die einer „machthabenden praktischen Vernunft“ (Kant: Über das Misslingen aller philosophischen Versuche in der Theodizee 1791, Seite 146) ohne weitere Einwände. Dies gibt der Schöpfung einen Sinn. Die Theodizee im Allgemeinen beschäftigt sich mit einer Glaubenssache. Bei authentischen Theodizee liegt der Schwerpunkt darauf, dass die „Aufrichtigkeit in Bemerkungen des Unvermögens unserer Vernunft und auf die Redlichkeit, seine (Gottes) Gedanken nicht in der Aussage zu verfälschen“ (Kant: Über das Misslingen aller philosophischen Versuche in der Theodizee 1791, Seite 149). Die Aufrichtigkeit ist gerade in allgemeinen Glaubenssachen der Theodizee erforderlich, da der Mensch als Naturwesen immer wieder zu der Falschheit hingezogen wird. Der Mensch soll jedoch dafür einstehen, dass sein Bekenntnis wahr ist, da er sich diesem vollkommen bewusste ist. Jeder Gläubige soll vor seinem Gewissen bekennen, dass er dieses Bekenntnis für wahr hält. Vor seinem Verstand kann er kein Bekenntnis geben, da er in diesem Fall lügen müsste. Der Verstand lässt uns menschliche Naturwesen dies nicht nachvollziehen, wie oben schon aufgeführt. Der Gegenstand des Bekenntnisses wird beurteilt, wenn der Mensch an dieses glaubt. So kann man nicht irren, da man sich diesem Bekenntnis bewusst ist. Kant unterscheidet klar zwischen der Theodizee, welche sich mit allgemeinen Glaubensfragen auseinandersetzt und der authentischen Theodizee, welche sich mit der der Auslegung der Gottesfrage beschäftigt, beziehungsweise damit, dass Gott selbst Ausleger seines Willens durch unsere Vernunft ist. Hieran lässt sich also noch einmal ganz klar aufführen, was für Immanuel Kant eine authentische Theodizee ist. Der Mensch als irrendes Naturwesen muss zwar hinnehmen, dass er für sich die Theodizeefrage nur auf seiner geistlichen Ebene erklären kann, er kann jedoch durch Aufrichtigkeit und durch seine Glaubensfestigkeit (welches Kant am Beispiel Hiobs erdeutlicht) unter Prüfung seiner Vernunft die Gedanken Gottes wiedergeben, beziehungsweise diese nicht verfälschen. Diese hier dargestellte Vernunft des Menschen ist erklärend für die Schöpfung und der Sinn. Wir Menschen sind hier um den Gottesgedanken durch unsere Vernunft wiederzugeben und um Gott unsere Glaubensfestigkeit zu zeigen, obwohl wir nicht die Antwort auf die Thedizeefrage oder andere göttliche Fragen haben. Der Glaube ist hier ein Akt der Vernunft. Die Schöpfung hat so einen Sinn.

Kant: Über das Misslingen aller philosophischen Versuche in der Theodizee 1791, Seite 146: „Denn da wird Gott durch unsre Vernunft selbst der Ausleger seines durch die Schöpfung verkündigten Willens; den diese Auslegung können wir eine authentische Theodizee nennen.“

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Ende der Leseprobe aus 4 Seiten

Details

Titel
Kant: Über das Misslingen aller philosophischen Versuche in der Theodizee 1791
Untertitel
Was ist für Kant eine authentische Theodizee?
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Veranstaltung
Gott in der Gegenwart
Note
2
Autor
Jahr
2006
Seiten
4
Katalognummer
V170761
ISBN (eBook)
9783640897483
Dateigröße
543 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kant, misslingen, versuche, theodizee
Arbeit zitieren
Magali Nolden (Autor), 2006, Kant: Über das Misslingen aller philosophischen Versuche in der Theodizee 1791, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170761

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