Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Cultural Studies - Miscellaneous

Der Betrieb der Mainfähren in Unterfranken als immaterielles Kulturerbe in Bayern

Title: Der Betrieb der Mainfähren in Unterfranken als immaterielles Kulturerbe in Bayern

Term Paper , 2025 , 15 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Markus Lüske (Author)

Cultural Studies - Miscellaneous
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Am 14. Juli 2022 titelte die Main-Post im Lokalteil für den Landkreis Schweinfurt: „Fähre über den Main bei Wipfeld zählt nun als immaterielles Kulturerbe“. Die Überschrift ist missverständlich, denn wie kann eine Fähre ein immaterielles Gut sein, das zum Kulturerbe erhoben wird?
Neben dieser irreführenden Schlagzeile drängen sich aus kulturwissenschaftlicher Perspektive auch andere Fragen auf: Wie wird der Begriff "Immaterielles Kulturerbe" definiert, wie erhielt der Betrieb der Mainfähren dieses Prädikat und wem nützt das Label?
Daher gilt mein Erkenntnisinteresse neben den Alltagspraktiken des Fährbetriebs auch den Beweggründen für die Bewerbung zur Aufnahme in das bayerische Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes (IKE-Verzeichnis) und den Erwartungen der Akteur:innen an den Kulturerbe-Titel. Dieses Thema ist kulturwissenschaftlich von Bedeutung, weil es den Betrieb der Fähren als lebendiges Erbe, das lokale Identität prägt, in den Fokus stellt und Möglichkeiten des Kulturerhalts im Zuge gesellschaftlicher und technischer Transformationsprozesse untersucht. Konkrete Forschungsfelder dieser ethnografischen Studie sind die Fährbetriebe am Main in Unterfranken (Feld der Alltagspraktiken) und das Feld der Politik/Administration, das im Bewerbungsprozess und in der Bewertung der Inventarisierung des Mainfähren-Betriebs von Bedeutung ist.
Das Erkenntnisinteresse lässt sich mit folgender Fragestellung operationalisieren: Aus welchen Gründen wurde die Aufnahme des Betriebs der Mainfähren in das bayerische Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes beantragt und welche Erwartungen verknüpfen die Akteur:innen mit dem Titel in seiner Funktion als kulturelles Kapital?
Obwohl die Fährbetriebe am Main in Unterfranken eine über Jahrhunderte gewachsene Tradition repräsentieren, existiert bislang kaum ethnographische Forschung darüber, wie sich das Wissen und die Handwerkspraktiken im Alltag der Fährleute manifestieren, weitergegeben und in Zeiten technischer Modernisierung verhandelt werden. Nach meinen Recherchen publizierte einzig die Historikerin Julia Müller-Halbleib einen wissenschaftlichen Beitrag über die Geschichte des Fährbetriebs in Dettelbach. Hier tut sich eine wissenschaftliche Lücke auf, denn es ist unklar, wie dieses kulturelle Erbe tradiert und als lebendiges Erbe transformiert wird. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Methodisches Vorgehen und Reflexion

3. Das Konstrukt des Immateriellen Kulturerbes (IKE)

4. Die Inwertsetzung von IKE

5. Das IKE des Fährenbetriebs als kulturelles Kapital

6. Beweggründe für die Antragstellung

7. Erwartungen der Kulturerbeakteur:innen

8. Fazit

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Diese Arbeit untersucht den Betrieb der Mainfähren in Unterfranken aus kulturwissenschaftlicher Perspektive, mit dem Ziel zu analysieren, aus welchen Gründen die Aufnahme in das bayerische Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes (IKE) beantragt wurde. Dabei wird erforscht, welche Erwartungen die beteiligten Akteur:innen mit dem Kulturerbe-Titel in seiner Funktion als kulturelles Kapital verknüpfen und wie das lokale Erbe in Zeiten gesellschaftlicher und technischer Transformationen bewahrt und transformiert wird.

  • Ethnografische Untersuchung der Alltagspraktiken des Fährbetriebs
  • Analyse der Beweggründe für die IKE-Antragstellung
  • Untersuchung des Fährenbetriebs als kulturelles Kapital nach Pierre Bourdieu
  • Evaluation der Erwartungen von Fährleuten, Politik und Bevölkerung
  • Zukunftsfähigkeit und Transformation von lebendigem Erbe

Auszug aus dem Buch

Die Inwertsetzung von IKE

Nach Tauschek bildet das immaterielle Kulturerbe eine „normative und moralisch kodierte Zuschreibung, die aus Inwertsetzungsprozessen resultiert“. Das bedeutet, dass die Klassifizierung als Kulturerbe in vielen Fällen eine wirtschaftliche und/oder touristische Inwertsetzung initiiert und zugleich auch ein kulturelles Kapital repräsentiert.

Diese Inwertsetzung des IKE wird in der Nutzung seiner ökonomischen, sozialen und ökologischen Potenziale sichtbar. Auch Meißner begreift das IKE als eine Form des kulturellen Kapitals, das sich in Anlehnung an Bourdieus Konzept der Kapitalsorten in einer inkorporierten, objektivierten und institutionalisierten Form manifestiert. In Bezug auf die Valorisierung impliziert dies, dass kulturelles Kapital in soziales und ökonomisches Kapital transformiert werden kann. Das lokale kulturelle Erbe kann folglich als Initialzündung für die Etablierung neuer Netzwerke und Kooperationen fungieren (z.B. im Kontext der Bewerbung) und als Katalysator für kommerzielle und andere wirtschaftliche Entwicklungen wirken.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung operationalisiert das Erkenntnisinteresse an der Bewerbung des Mainfährenbetriebs als immaterielles Kulturerbe und stellt die theoretische Einbettung in die Heritage-Forschung dar.

2. Methodisches Vorgehen und Reflexion: Dieses Kapitel erläutert die ethnografischen Methoden, wie Wahrnehmungsspaziergänge, Beobachtungen und Interviews, sowie die damit verbundene kritische Selbstreflexion der Forscherrolle.

3. Das Konstrukt des Immateriellen Kulturerbes (IKE): Es werden die theoretischen Grundlagen des UNESCO-Übereinkommens und das Verständnis von IKE als dynamischer, sozial konstruierter Prozess dargelegt.

4. Die Inwertsetzung von IKE: Hier wird das Konzept der Inwertsetzung diskutiert und verdeutlicht, wie kulturelles Kapital als Ressource für wirtschaftliche und soziale Entwicklungen dienen kann.

5. Das IKE des Fährenbetriebs als kulturelles Kapital: Das Kapitel analysiert den Fährbetrieb durch die Anwendung von Bourdieus Kapitalsorten auf das Wissen der Fährleute sowie die Technik und den offiziellen Status.

6. Beweggründe für die Antragstellung: Die Analyse zeigt, dass externe regulatorische Bedrohungen, wie neue Binnenschifffahrtsverordnungen, die Interessengemeinschaft Mainfähren zur Antragstellung motivierten.

7. Erwartungen der Kulturerbeakteur:innen: Es werden die unterschiedlichen Perspektiven von Fährleuten, Politik und Touristen gegenüber dem IKE-Label beleuchtet.

8. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass der Titel als komplexes Instrument zur Mobilisierung von Unterstützung fungiert und der Fährbetrieb ein lebendiges Erbe im Wandel darstellt.

Schlüsselwörter

Immaterielles Kulturerbe, IKE, Mainfähren, Kulturerbe, Pierre Bourdieu, Inwertsetzung, Kulturelles Kapital, Heritage-Forschung, Alltagspraktiken, Unterfranken, Tradition, Transformation, Interessenvertretung, Sozialkonstruktivismus, Identität

Häufig gestellte Fragen

Was ist das Hauptanliegen dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert, warum der Betrieb der Mainfähren in Unterfranken zum immateriellen Kulturerbe erklärt wurde und welche ökonomischen sowie sozialen Ziele die beteiligten Akteure damit verfolgen.

Welche zentralen Themenfelder werden in der Arbeit behandelt?

Im Zentrum stehen die Konzepte des immateriellen Kulturerbes und des kulturellen Kapitals, die Verbindung von Alltagsvollzügen und politisch-administrativen Prozessen sowie die Transformation von Traditionen.

Was ist das primäre Forschungsziel?

Das Ziel ist es zu verstehen, wie das IKE-Label als kulturelles, soziales und ökonomisches Kapital transformiert wird, um den Fortbestand der Fährbetriebe trotz notwendiger technischer Modernisierungen zu sichern.

Welche wissenschaftliche Methodik wurde angewandt?

Der Autor nutzt einen ethnografischen Ansatz, bestehend aus teilnehmender Beobachtung, informellen Gesprächen, strukturierten Interviews mit Akteuren sowie der Auswertung von Online-Material und wissenschaftlicher Literatur.

Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?

Der Hauptteil widmet sich der theoretischen Einordnung des Kulturerbe-Konstrukts, der Bedeutung von Bourdieu'schen Kapitalsorten für den Fährbetrieb und der Untersuchung der Beweggründe und Erwartungen der betroffenen Akteure.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?

Die zentralen Begriffe sind Immaterielles Kulturerbe, Kulturelles Kapital, Inwertsetzung, Fährbetrieb und Heritage-Forschung.

Warum spielt das Datum 2030 für die Zukunft der Mainfähren eine Rolle?

Ab 2030 treten neue Vorschriften der Binnenschiffsuntersuchungsordnung (BinSchUO) in Kraft, die hohe technische Anforderungen an Schiffsrumpf und Deck stellen, was den Fortbestand der traditionellen Fähren gefährdet.

Wie unterscheiden sich die Erwartungen von Fährleuten und Kommunalpolitikern?

Während Fährleute vor allem auf gesteigerte Anerkennung und bessere Ausbildungsbedingungen hoffen, nutzen Kommunalpolitiker den Titel strategisch, um Fördergelder für Modernisierungen zu akquirieren und den Tourismus zu fördern.

Excerpt out of 15 pages  - scroll top

Details

Title
Der Betrieb der Mainfähren in Unterfranken als immaterielles Kulturerbe in Bayern
College
University of Würzburg  (Lehrstuhl für Europäische Ethnologie / Empirische Kulturwissenschaft)
Course
Alltagswelten ethnografieren − Flusswelten. Empirisch-kulturwissenschaftliche Perspektiven auf das Leben am, mit und auf dem Main
Grade
1,0
Author
Markus Lüske (Author)
Publication Year
2025
Pages
15
Catalog Number
V1708734
ISBN (PDF)
9783389184516
ISBN (Book)
9783389184523
Language
German
Tags
Kulturwissenschaft Empirische Kulturwissenschaft Volkskunde Europäische Ethnologie Mainfähre Betrieb Kulturerbe Immaterielles Kulturerbe Ethnografie Alltag Alltagswelten ethnografieren Kapital Kulturelles Kapital Konstrukt
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Markus Lüske (Author), 2025, Der Betrieb der Mainfähren in Unterfranken als immaterielles Kulturerbe in Bayern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1708734
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  15  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint