(Gottlose) Ethik im modernen Atheismus

Eine Auseinandersetzung mit religiöser Moralvorstellung


Seminararbeit, 2010
21 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung: Gegenstand und Aufbau der Arbeit

2. Was ist Ethik und warum ethisch leben?

3. Ethik und Religion

4. Ethik und Atheismus

5. Fallbeispiele
5.1 Von Speziesmus und Vegetarismus
5.2 Von Schwangerschaftsabbruch und Euthanasie

6. Konklusion

Literaturliste

Abstract

1. Einleitung: Gegenstand und Aufbau der Arbeit

Ein weit verbreitetes Argument für den Glauben an einen Gott (und damit für die Aufrechterhaltung der Religion) lautet, verkürzt dargestellt, wie folgt: „If there is no god, why be good?“[1]. Der berühmt-berüchtigte Evolutionsbiologe und Atheist Richard Dawkins bemerkt dazu:

„I suspect that quite a lot of religious people do think religion is what motivates them to be good [which] seems to me to require quite a low self-regard to think that, should belief in God suddenly vanish from the world, we would all become callous and selfish hedonists, with no kindness, no charity, no generosity, nothing that would deserve the name of goodness“[2].

Religiöse Äußerungen und Verlautbarungen zum sittlichen Leben sind auch im 21. Jahrhundert noch keine Seltenheit; das Oberhaupt der katholischen Kirche – der Papst – etwa bekommt regelmäßig eine Plattform für seine teilweise sehr zweifelhaften Ansichten, und dies in den angesehenen Tageszeitungen der Nation. Man erinnere sich hierbei etwa an des Papstes „lebensferne Botschaft“[3] (zum Kondom-Verbot) auf seiner Afrika-Reise im März 2009.

In dieser Arbeit möchte ich nun einige Gründe dafür darlegen, dass eher das Gegenteil des von Dawkins zitierten Textausschnittes der Wahrheit nahe kommt: Es ist nicht die Gottlosigkeit, sondern oftmals Gott (bzw. die Religion) selbst, der (die) viele von uns davon abhält, ein ethisch korrektes Leben zu führen. Zunächst ist hierbei zu klären, was denn unter „Ethik“ bzw. „einem ethisch korrekten Leben“ zu verstehen ist. Bei meiner Argumentation greife ich dabei hauptsächlich auf Werke und Beispiele des australischen Philosophen Peter Singer zurück, insbesondere auf „Practical Ethics“ von 1979 sowie das 1993 erschienene „How Are We to Live?“.

Aus Gründen der Übersichtlichkeit – und der Kürze wegen – konzentriere ich mich im Folgenden auf zwei von Singer näher behandelte Themenkomplexe: zum einen den Speziesmus (und die daraus folgenden Konsequenzen) und zum anderen auf die oftmals sehr umstrittenen Fälle der Euthanasie und des Schwangerschaftsabbruches.

Schließlich stelle ich die Frage, ob Religion bzw. eine religiös motivierte Lebensweise grundlegend sinnvoll ist, wenn es darum geht, möglichst ethisch korrekt zu leben. Könnte ein atheistischer Lebensstil eine hinreichende Alternative sein?

2. Was ist Ethik und warum ethisch leben?

Der Begriff Ethik stammt aus dem Griechischen und kann grundlegend mit Sittenlehre[4] übersetzt werden. Oder, etwas komplexer formuliert: „die philosophische Teildisziplin, die nach dem rechten Handeln fragt und somit über Moral (Werte, Normen, Gesetz) und ihre Begründung nachdenkt. Ethik ist somit Moralphilosophie“[5].

Laut Peter Singer sei Ethik grundlegend „ein Produkt des sozialen Lebens, das die Funktion hat, Werte zu fördern, die den Mitgliedern der Gesellschaft gemeinsam sind“[6]. Singer zitiert hierbei den U.S.-amerikanischen Psychologen A.H. Maslow, nach dessen Auffassung „die Menschen ein Bedürfnis nach Selbstverwirklichung [hätten], was eine Entwicklung hin zu Mut, Freundlichkeit, Wissen, Liebe, Aufrichtigkeit und Selbstlosigkeit impliziert. Wenn wir dieses Bedürfnis erfüllen, fühlen wir uns heiter, froh, voller Schwung, zuweilen euphorisch und insgesamt glücklich“[7]. Allerdings betrachtet Singer die Daten, auf denen Maslows Untersuchungen basieren, „bestenfalls als anregend […]. Die Natur des Menschen ist so vielfältig, dass zu bezweifeln ist, ob eine Verallgemeinerung bezüglich der Art des Charakters, der zum Glück führt, jemals für alle Menschen gelten kann“[8].

Des weiteren „[enthält] der Begriff der Ethik die Vorstellung von etwas Größerem, als es das Individuum ist“[9]. Jedoch hat Singer hier nicht etwa einen Gott im Sinn, denn für ihn „ist die Ethik nicht etwas, das nur im Kontext der Religion verständlich wäre […]. Einige Theisten sagen, Ethik komme nicht ohne Religion aus, denn gut bedeute im Grunde nichts anderes als was Gott billigt[10]. Singer lehnt dies ab und verweist hierbei zunächst auf Platon und Kant und schlussfolgert dann: „es genügt, dass die alltägliche Beobachtung unserer Mitmenschen klar zeigt, dass ethisches Verhalten nicht den Glauben an Himmel und Hölle verlangt“[11]. Er verbindet ethisches Handeln zwar u.a. mit Eigeninteresse, jedoch werde „[oft] gesagt, die Verteidigung der Moral durch einen Appell an das Eigeninteresse verrate ein Missverständnis dessen, worum es sich bei der Ethik überhaupt handelt“[12]. Singer macht allerdings deutlich, dass „the current orthodoxy about self-interest and ethics paints a picture of ethics as something external to us, even as hostile to our own interests [which] is to be found in traditional religious ideas that promise reward or threaten punishment for good and bad behaviour”[13].

Als nächstes soll erläutert werden, was ethisch leben denn eigentlich bedeutet: „The nature of ethics is often misunderstood. Ethics cannot be reduced to a simple set of rules, like ‘do not tell lies’, ‘do not kill’, or ‘do not have sexual relations except with someone to whom you are married’. Rules are useful for educating children”[14]. Singer benutzt an dieser Stelle die Analogie zu einem Kochrezept: “Just as no cookbook will ever cover all the circumstances in which you may need to produce a palatable meal, so life itself is too varied for any finite set of rules to be an absolute source of moral wisdom”[15].

Es stellt sich schließlich die Frage, warum wir eigentlich ethisch leben bzw. handeln sollten. Dies zu beantworten scheint elementar und „von existenzieller Bedeutung. Ob man ethisch lebt oder nicht […], das ist nicht nur ein intellektuelles Problem, sondern eine Frage auf Leben und Tod. Und weil es sich hier um eine lebenspraktische Frage handelt, genügt auch nicht eine rein intellektuelle oder theoretische Antwort“[16]. Peter Singer verbindet die Frage nach der Moral mit der noch größeren und bedeutungsschwangeren Frage nach dem Sinn (des Lebens): „Das Leben als ganzes hat keinen Sinn. […] Die meisten von uns wären nicht in der Lage, glücklich zu sein, wenn sie mit voller Absicht darangingen, sich allein zu vergnügen, ohne sich um jemand andern oder sonst etwas zu kümmern. Die Vergnügungen, die wir uns damit verschaffen würden, erschienen uns bald leer und schal“[17]. Daran inhaltlich anschließend heißt es bei Redner:

„Zur Rechtfertigung eines ethischen Lebens können wir heute allenfalls Folgendes vorbringen (und das ist vielleicht nicht eben viel): Es lohnt sich, Kinder ethisch zu erziehen, weil man ihnen damit die beste Möglichkeit gibt, ein sinnvolles Leben zu führen. […] Die Ethik eröffnet uns nicht nur ein sinnvolleres, sondern auch ein würdigeres Leben. Zu den wichtigsten Aufgaben einer ethischen Erziehung gehört die Vermittlung der Fähigkeit, das eigene Leben und sich selbst ernst zu nehmen“[18].

Auch wird hier der Vergleich mit der Kunst und der Ästhetik gezogen, die das Leben oft wert- und sinnvoller erscheinen lässt; zudem sei ein ethisch lebender Mensch imstande, „Autonomie, Freiheit und Individualität zu entwickeln“[19]. Hierbei gäbe es keine Einschränkungen in Bezug auf Stand oder Alter eines Individuums. Im Gegenteil, denn „die ethische Lebensform steht jedermann offen: Alle können ein ethisches Leben führen - Arme und Reiche, Mächtige und Schwache, Begabte und weniger Begabte, kluge und weniger kluge Menschen. Unter fast allen Lebensumständen lässt sich noch eine Spur von ethischer Bedeutung, von Sinn finden“[20].

Singer nun schließt die Frage, ohne jedoch fähig zu sein, eine (endgültige) Antwort zu finden; seiner Meinung nach „werden [wir] wahrscheinlich immer die Sanktionen des Gesetzes und des gesellschaftlichen Druckes brauchen, um zusätzliche Gründe gegen ernsthafte Verletzungen ethischer Anforderungen vorzubringen. [Andererseits werden diejenigen], die nachdenklich genug sind, [um die Frage zu stellen], am ehesten die Gründe anerkennen, die sich für das Einnehmen des ethischen Standpunktes anführen lassen“[21].

3. Ethik und Religion

Unter Religion versteht man im Allgemeinen den „menschlichen Glauben und das Vertrauen auf eine höhere Macht [und außerdem] zum einen die Bindung an ein höheres Wesen im Sinne von Glauben, Verehrung, Günstigstimmung und zum zweiten die Verpflichtung auf diesen Glauben durch Einhaltung von Regeln“[22]. Das in dieser Arbeit zentrale Thema ist der ethische Aspekt, insbesondere von Religion; die entscheidende Frage hier ist zunächst, ob Religion elementar oder auch nur ansatzweise wichtig ist, um ein ethisch korrektes Leben in unserer modernen Welt zu führen. Milde ausgedrückt heißt es bei Redner wie folgt:

„Wer an Gott glaubte, glaubte auch an die Bedeutung seiner Gebote; wer auf einen Erlöser baute, der akzeptierte auch den von ihm gewiesenen Heilsweg. Strenggläubige solcher Art haben auch heute kein Problem mit der Rechtfertigung der Ethik, doch wird diese Form des Glaubens mehr und mehr unvereinbar mit den säkularen Tendenzen des modernen Denkens, vor allem mit der Wissenschaft. […] Die meisten Menschen akzeptieren aber keine religiöse Rechtfertigung der Ethik mehr, und es wäre ein vergebliches Unterfangen, sie zuerst zum Glauben an Gott und zur Religion bekehren zu wollen, um sie anschließend für das ethische Leben zu gewinnen“[23].

Eindeutiger noch und schärfer in der Wortwahl formuliert es der deutsche Philosoph Michael Schmidt-Salomon in dem von ihm verfassten „Manifest des evolutionären Humanismus“: „Dass wir Menschen ohne verbindliche ethische Richtlinien dastehen würden, wenn Gott nicht existierte, ist selbst heute noch ein von Theologen gern verbreitetes Gerücht“[24]. Um darzulegen, dass der Glaube per se nichts mit ethischem Handeln zu tun hat, greift Schmidt-Salomon auf eine Argumentationsfigur von Sokrates zurück, die „im Kern auf zwei einfachen Fragen [beruht]: 1. Sind Gottes Gebote deshalb gut, weil Gott sie gebietet? 2. Wenn ja, wäre es dann moralisch gerechtfertigt, Kinder zu foltern oder zu ermorden, wenn Gott ein entsprechendes Gebot aufstellte?“[25] Hieraus entsteht für „den Gläubigen […] ein ethisches Dilemma […]; entweder er gibt die These auf, Werte seien über Gottes Gebote begründet (was eventuell seinem Glauben widersprechen würde), oder aber er muss akzeptieren, dass Gottes Gebote auch dann noch gültig sind, wenn sie offensichtlich Inhumanes einfordern“[26]. Nach Singer bestand „das wichtigere Verbindungsglied zwischen Religion und Ethik […] traditionell darin, dass man dachte, die Religion liefere uns einen Grund dafür, das Richtige zu tun, nämlich die Belohnung durch ewige Seligkeit für die Tugendhaften und Höllenpein für alle anderen“[27] - eine Haltung, die bereits von Immanuel Kant abgelehnt wurde, ein „gläubiger Christ, [der alles] verschmähte, was den Geruch selbstsüchtiger Motive für die Belohnung des moralischen Gesetzes hat“[28].

Es existieren unzählige Beispiele, allein in der christlichen Religion und niedergeschrieben im Alten wie Neuen Testament, deren ethischer bzw. moralischer Wert (in unserer modernen Welt) mindestens anzuzweifeln ist; etwa

„Jesus’s celebrated teaching about turning the other cheek. Most of us think that turning the other cheek is a noble idea, even if too idealistic for his world. […] To turn the other cheek is to teach would-be cheats that cheating pays. There is not much attraction in an ethic of turning the other cheek if the resulting hardship falls not only on those who allow themselves to be struck, but on everyone else a whole”[29].

Etwas später heißt es bei Singer:

“The moral rules still being taught in most societies are often not the ones that we most need to teach our children today. […] The traditional Christian emphasis on the denial of harmless bodily pleasures, especially sexual pleasures, bears a heavy responsibility for increasing that tension until, in many people, it reaches breaking point, with the outcome either an abandonment of ethics, or a sense of guilt and defilement”[30].

Diese “Verweigerung von harmlosen körperlichen Vergnügungen” hat weit reichende Folgen: Aktuell sind etwa die Missbrauchskandale in der katholischen Kirche zu benennen, denen u.a. auch der deutsche Bischof Walter Mixa zum Opfer fiel[31]. Es wäre nun also zu klären, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen der dogmatischen Verweigerung der Kirche, sexuelles Verlangen als etwas Natürliches anzuerkennen, die etwa im Zölibat (der aus religiösen Gründen gewählten Ehelosigkeit[32] - und damit dem Verzicht auf ein sexuell aktives Leben, da jenes nur innerhalb der Ehe legitim ist) in Erscheinung tritt – sowie dem wiederholten Aufkommen schwerwiegender Missbrauchsfälle an christlichen Institutionen[33].

In der Bibel - unter Exodus 20,1-21 - finden sich die so genannten zehn Gebote (oder auch Dekalog), die gerne als die „Grundlage der christlichen Ethik“[34] verstanden werden.

Sie verkünden unter anderem Folgendes: „Du sollst neben mir keine anderen Götter haben“ sowie „Ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott: Bei denen, die mir Feind sind, verfolge ich die Schuld der Väter an den Söhnen, an der dritten und vierten Generation“. Wendete man diese Formulierung auf heutige, moderne Verhältnisse an, wäre dies mit zeitgemäßer Ethik vermutlich nicht zu vereinbaren, auch nicht im Sprichwörtlichen: die Schuld einer Person auf dessen Nachkommen zu übertragen mutet nicht besonders fair an.

Weiterhin heißt es neben „Du sollst nicht stehlen“ und „Du sollst nicht morden“ auch: „Du sollst nicht die Ehe brechen“. Letztere wird in heutiger Zeit längst nicht mehr von jedem als heiliger Lebensbund, sondern eher als eine von vielen Traditionen betrachtet. Sie zu brechen scheint in der Rangordnung nicht gerade gleichauf mit Mord zu stehen, sondern – im Gegenteil - eher als etwas durchaus Normales: laut Statistik folgen in Deutschland auf 4,6 Eheschließungen (je 1.000 Einwohner) 2,3 Ehescheidungen (je 1.000 Einwohner)[35]. Dies rechtfertigt es ethisch zwar noch nicht, dennoch gibt es für dieses Phänomen zumindest genügend biologisch-psychologische Erklärungen[36].

Schließlich lautet das 10. Gebot: „Du sollst nicht nach der Frau deines Nächsten verlangen, nach seinem Sklaven oder seiner Sklavin, seinem Rind oder seinem Esel oder nach irgendetwas, das deinem Nächsten gehört“. Scheinbar ins Auge sticht hier der patriacharle Aspekt, ein grundlegendes Problem der Bibel (und damit der christlichen, aber auch der der anderen - weit verbreiteten Religionen), mit anderen Worten: dieses Gebot ist sexistisch – und noch dazu speziestisch[37] - dies ist nun nicht weiter verwunderlich, betrachtet man das Alter des Neuen Testaments. Zu beantworten wäre die Frage, ob die zehn Gebote für die moderne Ethik eine Rolle spielen, und wenn ja, welche. Ist Exodus 20 ethisch wirklich hilfreich, mindestens jedoch sinnvoll? Welche Konsequenzen ergäben sich, würde man die Antwort hierauf verneinen?

Die später folgenden Fallbeispiele zu Speziesmus/Vegetarismus bzw. Schwangerschaftsabbruch/Euthanasie sollen hieran anknüpfen und erläutern, welche Ansichten sich aus der (christlichen) Religion ergeben bzw. ob jene ethisch vertretbar und/oder relevant sind.

4. Ethik und Atheismus

Der Atheismus, die „Leugnung Gottes, einer göttlichen Weltordnung oder des geltenden Gottesbegriffs“[38], lässt sich einteilen in einen theoretischen, praktischen und kämpferischen Atheismus; ersterer „hält Gott unter Verweis auf die absolute Gültigkeit der Wissenschaft und der Freiheit des Menschen für undenkbar, [der] praktische Atheismus geht davon aus, dass Gott mit den menschlich-weltlichen Dingen nichts zu tun hat bzw. zur Führung eines gelingenden Lebens nicht notwendig ist [und letzterer] greift alle Formen der Religion an und bekämpft sie als schädliche Verirrung“[39].

An dieser Stelle sei auf den Einwand vieler Religiöser eingegangen, dass Hitler und Stalin, beide angeblich Atheisten, das ultimative Leid im vergangenen Jahrhundert verursachten. Dawkins widmet dieser Diskussion einige Seiten in „The God Delusion“ und bringt es in folgendem Abschnitt auf den Punkt: „Even if we accept that Hitler and Stalin shared atheism in common, they both also had moustaches, as does Saddam Hussein. So what? The interesting question is not whether evil (or good) individual human beings were religious or were atheists. […] What matters is not whether Hitler and Stalin were atheists, but whether atheism systematically influences people to do bad things. There is not the smallest evidence that it does”[40]. Weiterhin heißt es hierzu:

“I cannot think of any war that has been fought in the name of atheism. Why should it? A war might be motivated by economic greed, by political ambition, by ethnic or racial prejudice, by deep grievance or revenge, or by patriotic belief in the destiny of a nation. Even more plausible as a motive for war is an unshakable faith that one’s own religion is the only true one, reinforced by a holy book…”[41]

Die hier nun relevante Frage ist, ob atheistisch zu leben auch ethischer zu leben bedeutet. Singer bemerkt hierbei, dass „because the Christian view had so long dominated all Western thought, the dawning of a secular age in which many do not believe in God, or in a life after death, has come as a shock. If God goes, what goes with him?”[42] Oder – anders ausgedrückt – nach den Worten der “existentialist philosophers of the mid-twentieth century like Jean-Paul Sartre, the rejection of God meant that we are alone in the world. We must choose, but our choices are arbitrary. There are no rules, no right or wrong. All that remains, for Sartre, is to choose ‘authentically’ and avoid a life of ‘bad faith’. But if all choice is arbitrary, how can one choose one alternative over another?”[43] Ist unsere Wahl aber tatsächlich so willkürlich? Gibt es nicht doch Regeln und ein “right or wrong”? Wie steht es etwa mit Immanuel Kants kategorischem Imperativ „that tells us to act only in accordance with principles that we would be ready and willing to enact into universal laws[?] Thus he was saying that we must do our duty for duty’s sake”[44]. Erwähnung finden sollte an dieser Stelle auch die so genannte Goldene Regel. Bereits im Griechenland des 6. Jahrhunderts v. u. Z. heißt es: „Was du am Nächsten tadelst, das tue selber nicht“[45]. Variationen dieser „verallgemeinerbare[n] Grundformel moralischen Verhaltens“[46] finden sich im Alten wie Neuen Testament, im indischen Epos Mahâbhârata, (angeblich auch) bei den Germanen.

Wie steht es außerdem mit der Lehrtradition des Buddhismus, allgemein eher als Lebensphilosophie denn als Religion bekannt? Nach Singer muss „the source of goodness [in Buddhist ethics] be sought within one’s own nature, not as something imposed from outside. Even among the ancient Greeks, the idea that what we ought to do could be contrary to all our desires would have caused bewilderment”[47].

Angenommen, eine atheistische Lebenssicht garantiere nicht automatisch eine ethischere Lebensweise – hilft sie eventuell dennoch, möglicherweise existente ethische Fehlbetrachtungen und -ansichten der Religion(en) zu vermeiden? Dies soll anhand zweier konkreter, praktischer Fallbeispiele näher erläutert werden.

[...]


[1] Dawkins, Richard: „The God Delusion“, S. 259

[2] Ebd.

[3] http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,613964,00.html

[4] Laut Langenscheidts Fremdwörter-Buch

[5] Kunz: „Lexikon. Ethik, Religion“, S. 49

[6] Ebd., S. 409

[7] Ebd., S. 414

[8] Ebd., S. 415

[9] Singer: „Praktische Ethik“, S. 26

[10] Ebd., S. 18

[11] Ebd., S. 19

[12] Ebd., S. 408

[13] Singer: “How Are We to Live?“, S. 18

[14] Ebd., S. 171

[15] Ebd.

[16] Redner: „Wie kann man moralisch leben?“, S. 334f.

[17] Singer: „Praktische Ethik“, S. 418f.

[18] Redner: „Wie kann man moralisch leben?“, S. 339ff.

[19] Ebd., S. 343

[20] Redner: „Wie kann man moralisch leben?“, S. 341

[21] Singer : „Praktische Ethik“, S. 423

[22] Kunz (Hrsg.): „Lexikon. Ethik, Religion“, S. 158

[23] Redner: „Wie kann man moralisch leben?“, S. 336

[24] Schmidt-Salomon: „Manifest des evolutionären Humanismus“, S. 65

[25] Schmidt-Salomon: „Manifest des evolutionären Humanismus“, S. 65

[26] Ebd., S. 65

[27] Singer: “Praktische Ethik”, S. 18

[28] Ebd.

[29] Singer: „How Are We to Live?“, S. 139f.

[30] Ebd., S. 172

[31] http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,693839,00.html

[32] Kunz (Hrsg.): „Lexikon. Ethik, Religion“, S. 195

[33] http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,687184,00.html

[34] http://www.mdr.de/kultur/647735-hintergrund-661112.html

[35] http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Navigation/Statistiken/Bevoelkerung/EheschliessungenScheidungen/EheschliessungenScheidungen.psml

[36] Fend: „Entwicklungspsychologie des Jugendalters“, S. 112f.

[37] „Speciesism – the word is not an attractive one, but I can think of no better term – is a prejudice or attitude of bias in favour of the interest of members of one’s own species and against those of members of other species”, Singer: “Animal Liberation”, S. 6

[38] Kunz (Hrsg.): „Lexikon. Ethik, Religion“, S. 16

[39] Ebd.

[40] Dawkins: „The God Delusion“, S. 309

[41] Ebd., S. 316

[42] Singer: „How Are We to Live?“, S. 187

[43] Singer: „How Are We to Live?“, S. 187f.

[44] Ebd., S. 182

[45] Zhu: „Ein Vergleich zwischen konfuzianischer und christlicher Ethik“, S. 136

[46] Ebd.

[47] Singer: „How Are We to Live?“, S. 183

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
(Gottlose) Ethik im modernen Atheismus
Untertitel
Eine Auseinandersetzung mit religiöser Moralvorstellung
Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Veranstaltung
Entwicklung des modernen Atheismus
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
21
Katalognummer
V171538
ISBN (eBook)
9783640911127
ISBN (Buch)
9783640909100
Dateigröße
571 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ethik, atheismus, religion, religionskritik, vegetarismus, gottlose ethik
Arbeit zitieren
Gordon Wagner (Autor), 2010, (Gottlose) Ethik im modernen Atheismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171538

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