Monismus, Pluralismus und Freiheit bei Berlin in „Two Concepts of Liberty“


Essay, 2009
6 Seiten

Leseprobe

Einleitung

Berlin, als ein Vertreter des Pluralismus, schreibt gegen Ende des Essays Two Concepts of Liberty: „[¼] the ends of men are many, and not all of them are in principle compatible with each other“.[1] Was bedeutet dies für Berlins Einstellung gegenüber der negativen und/oder positiven Freiheit? In diesem Essay werde ich versuchen, eine Antwort auf diese Frage zu finden, und prüfen, ob Berlins Folgerungen zwingend aus dem Pluralismus folgen.

Pluralismus und Freiheit

Berlin argumentiert dafür, dass es kein System geben kann, das von allen darin befindlichen Individuen befürwortet wird, da es immer konfligierende Meinungen und Ziele von verschiedenen Individuen gibt, dass kein einheitliches, harmonisches System existieren kann, in dem es keine Konflikte gibt. Der bestehende Pluralismus muss gemäss Berlin als solcher akzeptiert werden und kann, entgegen den gängigen Ansichten, nicht durch eine „final solution“ (p. 167) aufgelöst werden. (p. 169)

Um ein solches System zu erreichen, müsste die negative Freiheit der Individuen beschnitten werden, was aber heissen würde, dass ihnen die Wahlmöglichkeit weggenommen würde. (p. 171) Dies würde dazu führen, dass wiederum einige nicht damit einverstanden wären, was aber wieder einen Konflikt verursacht. Ein konfliktloses System ist also nicht möglich.

Was daraus ablesbar ist, ist die Tatsache, dass Freiheit selbst ein Ziel von Individuen ist. Freiheit wird von manchen Individuen mehr, von manchen weniger stark gewünscht, bei manchen stehen andere Werte wie Gleichheit, Gerechtigkeit oder anderes über der Freiheit. Diese individuell unterschiedlichen Werteskalen führen zu unterschiedlichen Wünschen und Zielen, was Konflikte unvermeidbar macht. Die einzige Möglichkeit, damit umzugehen, besteht darin, diesen Pluralismus und die damit einhergehende Notwendigkeit der Wahl zwischen verschiedenen absoluten Ansprüchen zu akzeptieren. (p. 169f.)

Berlins Entscheidung zwischen dem negativen und positiven Freiheitsideal fällt zugunsten des negativen aus, da damit allen Individuen die Wahlmöglichkeit gelassen wird und somit der bestehende Pluralismus abgedeckt wird. Gleichzeitig schreibt er aber, dass Freiheit (also die negative) nicht unbegrenzt sein kann, da es (wie oben gesagt) unterschiedliche Werteskalen gibt und bei manchen Individuen negative Freiheit nicht an oberster Stelle steht, sondern dass sich also manche Individuen für die positive Freiheit entscheiden. Die negative Freiheit der Individuen kann also je nachdem auch Beschränkungen der negativen Freiheit durch positive Freiheit zur Folge haben. Dies jedoch nur durch die Wahlmöglichkeiten der negativen Freiheit – dieses Ideal wird also hochgehalten. (p. 169f.)

Monismus und positive Freiheit vs. Pluralismus und negative Freiheit

Berlin begründet den negativen Freiheitsbegriff im Pluralismus und den positiven im Monismus, wodurch er die beiden Freiheitsbegriffe unvereinbar macht. Aber folgt aus dem Pluralismus zwingend die negative Freiheit? Und sind die beiden Freiheitsbegriffe wirklich unvereinbar, oder sind die Zuordnungen zu Pluralismus und Monismus gar nicht zwingend?

Berlin bringt Monismus, der Glaube an ein einziges Grundprinzip, mit der positiven Freiheit in Verbindung, indem er argumentiert, dass Systeme, die sich an der positiven Freiheit orientieren, monistisch sind. So beschreibt er, dass z.B. in der rationalistischen Auffassung die Ansicht herrscht, dass alle Individuen eine Bestimmung haben, nämlich „that of rational self-direction“. (p. 154) Dies ist an sich schon monistisch. Die zweite Auffassung der Rationalisten ist, dass sich die Ziele aller rationalen Individuen in ein universales System integrieren lassen können. Auch dies ist monistisch. Was hat das jetzt mit der positiven Freiheit zu tun? Die Antwort liegt in der Auffassung der Rationalisten, dass Freiheit nicht die Freiheit dazu ist, Irrationales oder Dummes oder Falsches zu tun. „To force empirical selves into the right pattern is no tyranny, but liberation“ (p. 148) – Freiheit, in Berlins Auffassung nicht unbedingt verträglich mit Autorität, ist bei den Rationalisten in der Autorität begründet. (p. 148) Dies ist die Verbindung zwischen Monismus und positiver Freiheit anhand des rationalistischen Beispiels, liesse sich aber auch auf andere an positiver Freiheit orientierte Auffassungen übertragen.

[...]


[1] Berlin, Isaiah. [1958] 1969. „Two Concepts of Liberty“, in ders.: Four Essays on Liberty, Oxford (Oxford University Press), p. 169. Im Folgenden wird in Bezug auf diesen Text nur noch die Seitenzahl angegeben.

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Monismus, Pluralismus und Freiheit bei Berlin in „Two Concepts of Liberty“
Hochschule
Universität Zürich  (Philosophisches Seminar)
Veranstaltung
Libertarianismus
Autor
Jahr
2009
Seiten
6
Katalognummer
V171894
ISBN (eBook)
9783640914906
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
monismus, pluralismus, freiheit, berlin, concepts, liberty“
Arbeit zitieren
Allegra Schiesser (Autor), 2009, Monismus, Pluralismus und Freiheit bei Berlin in „Two Concepts of Liberty“ , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171894

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