Russell baut in seinem Argument in den ersten drei Kapiteln von Problems of Philosophy wesentlich
auf dem Begriff der sense-data auf, den er von sensation unterscheidet. Der Begriff der sense-data
erlaubt ihm zudem die Trennung des physical space vom private space, zu welchem die sense-data gehören,
so dass er Objekte wie seinen Beispiel-Tisch als unabhängig von der menschlichen Wahrnehmung
betrachten kann. Der Begriff der sense-data erfüllt also eine zentrale Funktion für seine
Argumentation. Russell unterscheidet zwar zwischen sense-data und sensation, aber eine klare Bedeutungstrennung
der beiden sowie die Gründe für seine Unterscheidung bleiben unklar. Ich
möchte deshalb versuchen heraus zu finden, was genau der Bedeutungsunterschied der beiden
Begriffe ist und welchen Einfluss die Unterscheidung auf die Gültigkeit des Arguments hat. Dazu
gehört auch eine genauere Untersuchung, welche Funktionen die Begriffe in der Argumentation
erfüllen und daraus abgeleitet, ob der Unterschied der beiden Begriffe vielleicht nur in ihrer
Funktion liegt. Das könnte für das Argument heissen, dass es ohne die Unterscheidung nicht
funktionieren würde.
Ich stelle meiner Arbeit deshalb folgende Fragestellung voran: Ist die Unterscheidung zwischen
sense-data und sensation nötig für die Gültigkeit von Russells Argument dafür, dass wir kein Wissen
über die physischen Objekte an sich haben können, sondern nur über die Relationen zwischen
ihnen?
Zuerst werde ich den Versuch einer Begriffsklärung von sense-data und sensation aufgrund Russells
Bedeutungsangabe auf S. 4f. machen, als zweiten Punkt dann die Funktion und den Einfluss
der beiden Begriffe, vor allem aber derjenige der sense-data, in der Argumentation versuchen zu
rekonstruieren, und schliesslich werde ich im dritten Punkt untersuchen, ob das Argument auch
ohne die Unterscheidung zwischen sense-data und sensation funktionieren würde.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Definition der Begriffe sense-data und sensation
3. Die Funktion von sense-data und sensation in Russells Argumentation
4. Der Einfluss der Unterscheidung zwischen sense-data und sensation auf die Gültigkeit des Arguments
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die philosophische Notwendigkeit der Unterscheidung zwischen den Begriffen sense-data und sensation in Bertrand Russells "Problems of Philosophy". Das zentrale Ziel ist es zu klären, ob diese Differenzierung essenziell für die Gültigkeit von Russells Argumentation ist, dass kein direktes Wissen über physische Objekte existiert, sondern lediglich über deren Relationen.
- Analyse und Definition der Begriffe sense-data und sensation nach Russell.
- Rekonstruktion der Rolle beider Begriffe innerhalb von Russells erkenntnistheoretischem Argument.
- Kritische Überprüfung der Trennung zwischen physical space und private space.
- Untersuchung, ob die Argumentation auch ohne die begriffliche Unterscheidung Bestand hätte.
Auszug aus dem Buch
3. Die Funktion von sense-data und sensation in Russells Argumentation
Die Begriffe sensation und v.a. sense-data ziehen sich durch das ganze Argument Russells und spielen eine prominente Rolle. Im vorigen Kapitel habe ich versucht zu zeigen, dass die Unterscheidung zwischen den beiden Begriffen von der Definition her problematisch ist. In diesem Kapitel möchte ich nun untersuchen, welche Funktion die beiden Begriffe im Argument übernehmen, um im nächsten Kapitel dann analysieren zu können, ob der Zweck der Unterscheidung vielleicht (nur) in ihrer Funktion für das Argument liegen könnte. Um die Funktion der beiden Begriffe zu untersuchen, werde ich zuerst eine grobe Rekonstruktion des Argumentes vornehmen, um danach die Funktion der Begriff an den zentralen Stellen des Arguments genauer zu betrachten.
Russell argumentiert für die Konklusion, dass keinerlei Wissen über die Aussenwelt, den physical space, möglich ist, ausser über die Relationen zwischen den Objekten des physical space, da diese mit den Relationen zwischen den Sinnesdaten im private space korrespondierten. Für dieses Argument werden mehrere Prämissen benötigt, in denen die Begriffe der Sinnesdaten oder –Wahrnehmung eine erhebliche Rolle spielen. Das Argument geht von der Hauptfrage aus, ob es Wissen gibt, das in vernünftiger Weise nicht angezweifelt werden kann. Russell startet in der ersten Prämisse damit, dass Wissen über Erfahrung und Erfahrung über Wahrnehmung erworben werde, und legt seinem Argument deswegen den Anfangspunkt des direkten Erfahrungswissens zu Grunde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Fragestellung ein, inwieweit die Unterscheidung zwischen sense-data und sensation für Russells erkenntnistheoretisches Argument über das Wissen physischer Objekte notwendig ist.
2. Die Definition der Begriffe sense-data und sensation: Das Kapitel analysiert Russells Definitionen und zeigt auf, dass diese zirkulär oder zumindest in ihrer wechselseitigen Abhängigkeit problematisch sind.
3. Die Funktion von sense-data und sensation in Russells Argumentation: Hier wird die Rolle der Begriffe innerhalb von Russells Argumentation rekonstruiert, insbesondere deren Beitrag zur Trennung von physical space und private space.
4. Der Einfluss der Unterscheidung zwischen sense-data und sensation auf die Gültigkeit des Arguments: Eine kritische Untersuchung, die zu dem Ergebnis kommt, dass das Argument auch ohne die explizite Unterscheidung der beiden Begriffe logisch funktionieren würde.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass die Unterscheidung aus definitorischer und funktionaler Sicht für die Gültigkeit des Hauptarguments nicht zwingend erforderlich ist.
Schlüsselwörter
Bertrand Russell, Problems of Philosophy, sense-data, sensation, Erkenntnistheorie, physische Objekte, physical space, private space, Wahrnehmung, Sinnesdaten, Sinneswahrnehmung, Korrespondenz, Relation, Wissensbegründung, direkte Erfahrung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die erkenntnistheoretische Argumentation von Bertrand Russell in "Problems of Philosophy" hinsichtlich der Unterscheidung von sense-data und sensation.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Natur der Sinneswahrnehmung, die Existenz physischer Objekte und die Frage nach dem Wissen über die Außenwelt.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Hauptfrage lautet: Ist die begriffliche Unterscheidung zwischen sense-data und sensation zwingend notwendig, um Russells Schlussfolgerung zu stützen, dass wir kein direktes Wissen über physische Objekte haben?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine analytische Rekonstruktion und kritische Evaluation der Argumentationsstruktur basierend auf den ersten drei Kapiteln von Russells Werk.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Definitionen der Begriffe, ihre spezifische Rolle in der Argumentation und prüft die logische Abhängigkeit des Arguments von eben dieser begrifflichen Trennung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen neben den Titeln der Arbeit vor allem physical space, private space, Korrespondenz, direkte Erfahrung und Wissen.
Inwiefern sind die Definitionen von Russell laut der Autorin problematisch?
Die Autorin argumentiert, dass die Definitionen zirkulär sind, da der Begriff sensation bereits zur Definition von sense-data herangezogen wird und umgekehrt.
Welches Beispiel verwendet Russell zur Untermauerung seiner Theorie?
Unter anderem wird das Beispiel einer Katze verwendet, um die Plausibilität der Existenz von unabhängigen physischen Objekten gegenüber der Annahme einer bloßen Traumwelt zu begründen.
Zu welchem Ergebnis kommt die Arbeit in Bezug auf das Fazit?
Das Fazit stellt fest, dass die Unterscheidung der Begriffe für die Gültigkeit des Arguments nicht zwingend notwendig ist, da Russells Konklusion auch ohne diese Differenzierung logisch haltbar bliebe.
Was bedeutet "Korrespondenz" im Kontext der Arbeit?
Korrespondenz beschreibt das Verhältnis, bei dem Relationen zwischen den Objekten des physical space mit Relationen zwischen den Sinnesdaten im private space übereinstimmen.
- Quote paper
- Allegra Schiesser (Author), 2009, Notwendigkeit der Unterscheidung zwischen 'sense-data' und 'sensation' für die Gültigkeit von Russells Argument der Objekt-Relationen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171898