Lexikalische Kategorien: Interjektionen und Onomatopoetika


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

22 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1.Einleitung

2.Interjektionen im Spiegel der Zeit
2.1.Grammatikgeschichte
2.2.Die Betrachtung von Interjektionen aus heutiger Sicht

3.Kategorisierungsmöglichkeiten von Interjektionen
3.1.nach Burkhardt und Schwitalla
3.2.nach Ehlich und Zifonun et al
3.2.1.Die Interjektion HM
3.2.2.Die Interjektion AH/A
3.2.3.Die Interjektion NA
3.2.4.Weitere gebräuchliche Interjektionen

4.Systematische Zusammenfassung der Interjektionen

5.Onomatopoetika

6.Transkript

7.Literaturnachweis

1. Einleitung

Interjektionen werden in der deutschen Sprache nahezu ununterbrochen genutzt. Ihre Funktion ist es, die Gesprächspartner zu lenken und sich so gegenseitig durch eine Unterhaltung zu leiten. Die Interjektionen sind hierbei für eine gegenseitige Ko­operation notwendig und sorgen für Optimierung des Gesprächs. In den meisten Fällen sind Interjektionen den einzelnen Aussagen vorgeschaltet, jedoch gibt es auch Interjektionen, die eine Nachschaltung erlauben. Außerdem sind viele der unter­schiedlichen Interjektionen untereinander und mit unflektierbaren Ausdrücken kombi­nierbar. Eine genauere Beschreibung der Funktionen von Interjektionen wird in den nachfolgenden Kapiteln (hauptsächlich in Kapitel 3) vorgenommen.

2. Interjektionen im Spiegel der Zeit

2.1. Grammatikgeschichte

Die Interjektionen haben während der Grammatikgeschichte eine große Wandlung erfahren. Ehlich behandelt in seinem Buch Interjektionen ab der Seite 162 die Inter­jektionen auch unter grammatikgeschichtlichen Gesichtspunkten:

Zu Beginn der deutschen Nationalgrammatik werden Grammatiken noch in lateini­scher Sprache abgefasst und sind auch stark an die lateinischen Grammatiken ge­bunden. Interjektionen werden in diesem Zusammenhang als Unterklasse der Ad­verbien gesehen. In der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts wird die Interjektion nun als „eigenständiger Redeteil“ (Ehlich 1986:163) betrachtet und wird zum „Zwischenwort“ oder auch „Bewegewort“ weiterentwickelt. Mitte 18. Jhd. versuchte man die Interjekti­onen von verwandten Erscheinungen abzugrenzen, was jedoch zu dieser Zeit noch nicht abgeschlossen werden konnte. Während der 2. Hälfte des 18. Jhd konnten dann jedoch endlich Bestimmungen erarbeitet werden, die eine Systematisierung möglich machten und verschiedene Einteilungsmöglichkeiten wurden entwickelt. Je­doch ist es nicht möglich, zu einer einheitlichen Auffassung zu kommen. Die Interjek­tionen bekommen aber trotzdem eine Sonderstellung. Im 19. Jhd. ist die Systemati­sierung der Interjektionen bereits so weit fortgeschritten, dass sie in Empfindungs­wörter und Onomaopoetika gegliedert werden können und letztlich im 20. Jhd. mit „Dazwischenwerfen“ übersetzt werden. Funktionen und Rollen von Interjektionen können jetzt zusätzlich bestimmt und weiter eingeteilt werden, wie z.B. in Ausdrücke der Aufforderung

2.2. Die Betrachtung von Interjektionen aus heutiger Sicht

Interjektion [lat. i nteriectio >Dazwischenwerfen<, >Einschub<. –Auch: Empfin­dungswort]. Gruppe von Wörtern, die zum Ausdruck von Empfindungen, Flüchen und Verwünschungen sowie zur Kontaktaufnahme dienen (Au!, Verflixt!, Hallo!). Ihr Sta­tus als → Wortart ist ebenso umstritten wie ihre syntaktische Funktion, da I. sich morphologisch, syntaktisch und semantisch auffällig verhalten: Sie sind formal un­veränderlich, stehen syntaktisch außerhalb des Satzzusammenhanges und haben (im strengen Sinne) keine lexikalische Bedeutung. Häufig haben I. lautmalenden Charakter, wie z.B. Brr! Hoppla! Peng! Papperlapapp!

(Bußmann 2002:314)

3. Kategorisierungsmöglichkeiten von Interjektionen

3.1. nach Burkhardt und Schwitalla

Es gibt verschiedene Autoren, die die Interjektionen auch auf verschiedene Weisen kategorisieren. Burkhardt beispielsweise kategorisiert nach „Empfindungswörter“ (ach, hurra, ätsch), „Schallwörter“ (hui, plumps, peng) und „ikonische Empfindungs­wörter“ (pfui, puff) (vgl. Schwitalla 2003:156)

Schwitalla gibt zwar die Meinungen der unterschiedlichen Autoren wieder, dennoch versucht er seine eigenen Eindrücke über die Funktionen von Interjektionen nicht unberücksichtigt zu lassen. Er teilt die Funktionen von Interjektionen in neun Grup­pen ein:

1) Zur Kontaktherstellung (z.B. hallo, he, kst)
2) Zur Aufmerksamkeitssicherung (z.B. hör mal)
3) Zur Gesprächsbeendigung einleiten (z.B. gut, okay)
4) Zur Gliederung von thematischen und interaktiven Gesprächsteilen (z.B. gut, so)
5) Zur Sicherung der Sprecherrolle: gefüllte Pause (z.B. äh)
6) Zur Markierung eines plötzlichen Einfalls (z.B. ach, ach SO)
7) Als Korrektursignale (z.B. äh)
8) Als Rückversicherungssignale (z.B. ne?, nich?, gell?)
9) Als Rezeptionssignale wie z.B. bei : na JA? = Widerspiegelung von Zweifel und Wiederstreben, tja = Aufkommen von Ratlosigkeit, ach SO = plötzliches Verstehen von ehemals unverständlichen Dingen (vgl. Schwitalla 2003:157)

3.2. nach Ehlich und Zifonun et al.

Ehlich versuchte die Interjektionen durch eine Untersuchungsreihe besser beleuch­ten zu können. Er beauftragte dazu 3 Sprecherinnen, die die Aufgabe bekamen, be­stimmte Interjektionen unter den Strukturen

1. fallender Ton = \
2. steigender Ton = /
3. ebener Ton = -
4. fallend-steigender Ton = v
5. steigend-fallender Ton = ^

zu untersuchen und außerdem verschiedene Formen zu berücksichtigen:

1. eine einfache Form
2. eine kurze Form
3. eine reduplizierte Form.

wobei sie die Möglichkeit hatten sich individuell lange mit den Interjektionen zu be­schäftigen. Es ergaben sich dabei verschiedene Realisierungsmöglichkeiten, die auch durch Zifonun et all. aufgegriffen und erläutert wurden, die nun in den nachfol­genden Kapiteln erläutert werden sollen.

3.2.1. Die Interjektion HM

„HM“ ist eine Interjektion der Konvergenz und Divergenz und zur Sicherung des Ver­ständigungsprozesses notwendig, wobei diese Interjektion ein „ökonomisches Len­kungsmittel“ (Zifonun et all 1997: 369) darstellt. Sprecherwechsel sind bei diesen Einwürfen nicht notwendig, da der Sprecher durch das Wahrnehmen der Interjektio­nen die Möglichkeit hat, direkt auf die Divergenzen oder Konvergenzen zu reagieren. Um ein deutlicheres Bild über diese Interjektion zu bekommen ist es notwendig, die einzelnen Ausdrücke näher zu beleuchten:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Realisierungsformen von HM (Synonyme sind in Anführungszeichen gesetzt)

(vgl. Ehlich 1986:75)

Zunächst möchte ich den Formtyp „einfach“ erläutern. Die Grundform h`m erscheint als eine Äußerungseinheit, die vom Hörer ausgeht und darauf hindeutet, dass die Äußerungen des Sprechers nicht klar sind. Der Hörer möchte darauf hinweisen, dass er eine Klärung der divergenten oder diffusen Aussagen erwartet. Ein synonymer Satz für diese Bekundung könnte „Das verstehe ich nicht!“ sein. Eine Beispielsitua­tion, in welcher eine solche tonal fallend gesprochene Interjektion auftreten könnte, liefert Zifonun et al. (1997: 368):

EBE Ich bewunder da immer meine älteste Tochter Elvira

EBE wie die des mit ihrer Tochter macht " die lässt das ein-

BEK hˇm

EBE fach laufen ich mein der/der Endeffekt is der dass...

BEK h`m

Hier ist zu erkennen, dass der Hörer „BEK“ nicht deuten kann, was der Sprecher „EBE“ mit dem Sachverhalt „[...]die lässt das ein-fach laufen [...]“ ausdrücken will und bittet durch das eingeworfene h`m um eine Klärung.

Aus Sicht von Zifonun et al. (1997:369) kann die tonal steigende Form h´m zwei ver­schiedene Signalfunktionen haben. Auf der einen Seite kann der Hörer ein nicht aus­reichendes Verstehen signalisieren, auf der anderen Seite zeigt der Hörer ein „feh­lendes Einverständnis mit dem Handeln des Sprechers“. Für Ehlich (1986:50) ist die Funktion dieser Grundform der Ausdruck von Divergenz. Außerdem soll nach Ehlichs Meinung der Sprecher aufgefordert werden, die Ungleichheit zu beseitigen. Als Syn­onym verwendet Ehlich den Ausdruck „wieso das denn?“. Ein Beispiel für die Nut­zung dieses Formtyps liefert das in Kapitel 6 besprochene Transkript.

In Zeile 21 – 24 heißt es:

21 A: ähm das KIND is du sachs zehn jahre alt?

22 B: hm?

23 A: das Kind is zehn jahre alt?

24 B: Genau,

In Zeile 22 lässt sich erkennen, dass der Hörer den ausgesprochenen Satz des Sprechers akustisch nicht verstanden hat. Diese Tatsache weist darauf hin, dass an dieser Stelle die erste Signalfunktion von Zifonun et al. (nicht ausreichendes Verste­hen) greift.

Bei der nächsten Realisierungsform (h¯m) kündigt der Hörer an, dass vielleicht eine Divergenz auftreten wird. Das bedeutet für den Sprecher, dass er weiterreden kann, allerdings mit einem Einwand seitens des Hörers rechnen muss. Jedoch hat der Sprecher nun die Gelegenheit, mögliche Einwände des Hörers schon von vorn her­ein zu beseitigen. Zusätzlich kann diese Form (wie auch eine lang ausgesprochene Form) als eine gefüllte Pause dienen, die dem Sprecher das Rederecht sichert.

hvm deutet auf eine Übereinstimmung zwischen den Gesprächspartnern hin und kann auch synonym für eine positive Antwort auf eine Frage (also „Ja!“) stehen. Je­doch ist diese Art der Zustimmung weniger förmlich und unverbindlicher als ein kon­ventionelles „JA!“. Daneben kann es darauf hinweisen, dass der Hörer bereit ist, dem Sprecher weiter zuzuhören. Jedoch kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Hörer das Rederecht für sich beanspruchen möchte. Ein Beispiel für die Bereitschaft weiter zuzuhören, liefert das in Kapitel 6 eingefügte Transkript. In Zeile 100 - 102 ist zu lesen:

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Lexikalische Kategorien: Interjektionen und Onomatopoetika
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Germanistisches Institut)
Veranstaltung
Einführung in die Analyse der deutschen Gegenwartssprache
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
22
Katalognummer
V172123
ISBN (eBook)
9783640919048
ISBN (Buch)
9783640919574
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
lexikalische, kategorien, interjektionen, onomatopoetika
Arbeit zitieren
Nadine Wrocklage (Autor), 2005, Lexikalische Kategorien: Interjektionen und Onomatopoetika, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172123

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Lexikalische Kategorien: Interjektionen und Onomatopoetika



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden