Eine ethische Betrachtung der ärztlich durchgeführten Immunisierung

am Beispiel der Masernimpfung


Essay, 2011

14 Seiten, Note: 1,2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Relevanz des Themas

2 Impfstrategien und der ´informed consent`

3 Interessenskonflikte

4 Ethische Theorien
4.1 Utilitarismus
4.2 Liberalismus (Rawls)
4.3 Pflichtethik (Kant)

5 Kritik der Sichtweisen anhand eines Fallbeispiels

6 Fazit

Literatur

Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den ethischen Hintergründen im Bereich der ärztlich durchgeführten Immunisierung. Dies möchte ich anhand des Beispiels der Masernimpfung vornehmen. Die Begründung liegt zum einen in der schlichten Abgrenzung des breiten Themengebietes, zum anderen aber auch in der speziellen Problematik der Masernimpfung: Eltern entscheiden in diesem Fall für ihre Kinder, d.h. dass die Entscheidung in diesem speziellen Fall nicht von den betroffenen Menschen selbst vorgenommen werden kann. Zudem sind die Masern eine der am stärksten unterschätzten Erkrankungen (Näheres in Kapitel 1). In meiner Arbeit möchte ich zunächst die Relevanz des Themas hervorheben, dann verschiedene Impfstrategien vorstellen und aufzeigen zu welchen Interessenskonflikten die Frage, ob geimpft werden soll, führen kann. Schließlich werde ich die ethischen Theorien ´Utilitarismus, Liberalismus und Pflichtethik` auf das Beispiel der Masernimpfung beziehen, um eine Antwort auf die Frage nach der Sittlichkeit der Impfung und auch der Verpflichtung zur Impfung zu erlangen. Ich werde zudem Kritikpunkte an den Theorien erörtern und persönlich Stellung beziehen.

1 Relevanz des Themas

Jede Minute sterben 1-2 Kinder weltweit an Masern oder den direkten Folgen der Erkrankung. 10% der überlebenden Kinder leiden lebenslang an schweren Folgen der Masern, wie Blindheit, Taubheit, oder bleibende Hirnschäden durch die Masernenzephalitis. Der größte Teil der Betroffenen stammt aus den Entwicklungsländern (Davey, 2001). Zudem ist –mikrobiologisch- ein eindeutiger Zusammenhang zwischen Ausbrüchen der Masern in z.B. Deutschland und der Verbreitung aufgrund dessen bis in die Entwicklungsländer belegt (Muller, 2009). Grund für immer wieder auftretende Ausbrüche ist gerade bei Masern aber auch die Impfmüdigkeit in Industrieländern und nicht allein die Impfverweigerung (Dahl, 2002). Das Thema ist von besonderer Relevanz, da Masern eine der ganz wenigen Erkrankungen ist, die –wie bereits die Pocken- ausgerottet werden können (Davey, 2001). Im Rahmen meines Auslandssemesters habe ich einen beispielhaften Plan für diese Eradikation der Masern ausgearbeitet. Gleichzeitig wurde mir die ethische Tragweite aber auch deutlich- wobei gerade auffallend ist, dass es nur wenige ethische Auseinandersetzungen mit dem Thema gibt. Insbesondere, da die Ausrottung der Masern bereits ein definiertes Ziel der WHO[1] ist und zukünftig in Angriff genommen werden soll (Davey, 2001). Aktuell können die verschiedenen Staaten ihre Strategien gegen Masern noch selbst festlegen. Diese sollen im folgenden Kapitel 2 vorgestellt werden.

2 Impfstrategien und der ´informed consent`

Es gibt hauptsächlich drei verschiedene Strategien, mit denen Staaten ihre Impfpolitik gestalten können:

Die Impfpflicht: Hier werden Eltern verpflichtet ihre Kinder zu impfen. Tun sie dies nicht, so erwarten sie –meist finanzielle- Sanktionen.

Die öffentlich empfohlenen Impfungen: Dies Verfahren ist gängige Praxis in Deutschland bei Masernimpfungen von Kindern. Hierbei gibt die Ständige Impfkommission die Empfehlungen Kinder impfen zu lassen. Ärzte weisen zudem auf diese Impfungen hin- Eltern können allerdings ablehnen. Empfehlungen werden häufig von medialen Kampagnen begleitet.

Die freiwilligen Impfungen: Hier ist es der Person selbst überlassen, ob sie sich impfen lassen will- wie zum Beispiel bei der jährlichen Grippeschutzimpfung. Diese ist für nur einige Personengruppen empfohlen, für den Großteil der Bevölkerung allerdings völlig freiwillig (Dahl, 2002).

Alle Strategien weisen jeweils verschiedenen Erfolge und Misserfolge auf. Allerdings muss bedacht werden, dass nicht nur die Strategie selbst Einfluss auf die tatsächliche Impfungsrate hat. Zusätzlich muss der jeweilige kulturelle, religiöse, politische und historische Hintergrund der jeweiligen Person und des Staates in Betracht gezogen werden (Dahl, 2002). Allerdings lassen sich einige allgemeine Aussagen aufgrund von Studienergebnissen formulieren:

- Die Impfungsraten bei öffentlich empfohlenen Impfungen liegen häufig deutlich über der Rate von freiwilligen Impfungen (bezogen auf dieselbe Erkrankung- z.B. Masern).
- Die Impfpflicht führt nicht zu der maximalen Impfungsrate- liegt meist deutlich unter den Raten der empfohlenen Impfung. Eltern fühlen sich in ihrer freien Entscheidung eingeschränkt und sich und ihr Kind in ihrer körperlichen Unversehrtheit angegriffen. So entscheiden sie sich auch aus diesen Motiven heraus häufig gegen die Impfung und nehmen die Sanktion in Kauf (Nuffield Council on Bioethics, 2007).

Bei allen Strategien muss berücksichtigt werden, dass es bei der Masernimpfung eine internationale Maxime ist, den informed consent zu wahren. Dies bedeutet, dass die Eltern über die Impfung mit allen Folgen und Risiken für ihr Kind aufgeklärt werden müssen und daraufhin zustimmen müssen, bevor die Kinder geimpft werden dürfen. Dieses Prinzip wird bereits bei der Strategie der Impfpflicht angegriffen (Dahl, 2002). Insbesondere auch die Tatsache, dass bei einer Masernimpfung die Eltern die Entscheidung für ihr Kind treffen führt bereits zu einem Konflikt. Die Selbstbestimmung des Individuums (Kindes) wird durch die Aussage der Eltern ersetzt. Wesentlich ist hierbei inwiefern es dann zu Konflikten zwischen der Entscheidung der Eltern und dem tatsächlichen Wohl des Kindes kommen kann (Diekema und Marcuse, 2007). Hierauf wird unter anderem im nächsten Kapitel eingegangen.

3 Interessenskonflikte

Die Konflikte bei einer Masernimpfung bestehen in erster Linie zwischen den Interessen der Kindern, der Eltern und der Gemeinschaft. Ein häufiges Problem ist, dass Eltern ihre Kinder vor den Nebenwirkungen der Impfungen schützen möchten, oder sie die grundsätzliche Einstellung haben, dass Impfungen nicht gut für das Kind sind (Dahl, 2002). Gleichzeitig widerspricht dies aber den Rechten des Kindes auf Leben, Schutz vor Erkrankung und Fürsorge durch die Eltern (Nassauer und Meyer, 2004). Die Eltern beziehen sich dabei auf ihr Recht in der Freiheit der Kindererziehung- können aber schnell unbemerkt die Grenze zur Verletzung der Fürsorgepflicht damit überschritten haben (Dahl, 2002).

[...]


[1] World Health Organization (Weltgesundheitsorganisation)

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Eine ethische Betrachtung der ärztlich durchgeführten Immunisierung
Untertitel
am Beispiel der Masernimpfung
Hochschule
Hochschule Bremen
Note
1,2
Autor
Jahr
2011
Seiten
14
Katalognummer
V172283
ISBN (eBook)
9783640921034
ISBN (Buch)
9783640921218
Dateigröße
603 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
immunisierung, masernimpfung, impfung, ethik, utilitarismus, liberalismus, pflichtethik, kant, informed consent, Impfstrategien
Arbeit zitieren
Anja Hellmann (Autor), 2011, Eine ethische Betrachtung der ärztlich durchgeführten Immunisierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172283

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