Analyse "Sebastiano Ricci: Taten und Apotheose des Tugendhelden. Wien, Schönbrunn. 1702/03."


Hausarbeit, 2009

20 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Gliederung

A. Einleitende Worte

B. Hauptteil
I. Sebastiano Ricci – Leben und Werk
II. Schloß Schönbrunn – Lage des Deckenfreskos
III. Das Deckengemälde und seine ikonographische Bedeutung

C. Schlussbetrachtung

Literatur- und Bildverzeichnis

Abbildungen

A. Einleitende Worte

Eine von Kriegen geprägte Zeit ist während der kurzen Regentschaft Joseph I. (1705-11) zu verzeichnen. So auch im Jahr 1702, als sich am Hof des Kaisers auf den geplanten Feldzug gegen Frankreich im Zuge der Spanischen Erbfolgekriege vorbereitet wurde.[1] In der Chronik der Stadt Wien schreibt P. Mathias Fuhrmann 1738: „Als nun in diesem Jahr [1702] zu solcher Campagne alle behörigen Anstalten gemacht worden, und der 26. Juni, an welchem der Aufbruch fest gestellt war, herbey kam, fuhr der Römische König, Fruhe-morgens nach Schönbrunn und gings von dar in cognito durch den Garten nach Maria Hietzing, um in selbiger Kirche nochmals seine Devotion zu verrichten.“[2] Dieser Feldzug Josephs I. wurde schließlich erfolgreich beendet. Zu Ehren des sieghaften Kaisers wurde Sebastiano Ricci damit beauftragt die Decke des ehemaligen Salle à manger, heute Blaue Stiege genannt, in der kaiserlichen Residenz Schönbrunn in Wien zu freskieren. Dieses Fresko, Anmerkungen zu seinem Standort und zu Beginn Einblicke in das Leben und Werk des ausführenden Künstlers Sebastiano Ricci sollen im nun Folgenden erläutert werden.

B. Hauptteil

I. Sebastiano Ricci – Leben und Werk

Der Maler Sebastiano Ricci (vgl. Abbildung 1, Seite 16) wurde 1659 in Belluno geboren. Im Alter von 14 Jahren verließ er seine Geburtsstadt und ging nach Venedig, wo er bei Federico Cervelli, einem Mailänder Maler, der dort seit etwa 1655 tätig war, in die Lehre ging. Vor 1680 begab er sich nach Bologna in die Schule des Giovanni Giuseppe dal Sole. In dieser Zeit beeinflussten ihn Gemälde von Carracci und Reni bei seinen Werken.[3] Sebastiano Ricci setzt den Auftakt zur Entwicklung der venezianischen Malerei des 18. Jahrhunderts. In seiner weiteren künstlerischen Entwicklung reiste er nach Wien, Florenz, Modena, Parma und Mailand. Ab 1705 hielt er sich wieder in Venedig auf und wurde stark von der älteren venezianischen Malerei beeinflusst, vor allem von Paolo Veronese. Nach 1709 zieht es den „Wanderkünstler“ nach London, in die Niederlande und nach Paris. Ab 1716/17 verlagerte er seinen Wohnsitz wieder nach Venedig, wo er 1718 eine Wohnung in den Prokuratien (venezianische Baubehörde) besaß. Später wohnte er bis zu seinem Tod in der Calle del Selvadego in Venedig, zusammen mit seiner Frau Magdalena van der Meer und seinem Neffen Marco. Im Jahre 1718 bewarb er sich außerdem um eine Mitgliedschaft in der Académie Francaise.[4] Wobei darauf hinzuweisen ist, dass ebenfalls 1713 als Antragsjahr genannt wird, mit der Fertigstellung seines Rezeptionsstückes „Allegorie zur Verherrlichung von Frankreich“, welches barocke Elemente aufweist.[5] Bis zu seinem Tod am 15. Mai 1734 in Venedig, war er weiterhin als Künstler tätig. Oftmals zog er dabei seinen Neffen Marco Ricci zur Mitarbeit für die Landschaften seiner Bilder heran.

Man kann Riccis künstlerische Entwicklung in vier verschieden Phasen unterteilen. „Von den ersten datierten Werken, 1682 für die Scuola di S. Giovanni dei Fiorentini in Bologna, ist nur die Enthauptung Johannes des Täufers in einem französischen Nachstich erhalten.“[6] Ricci hat die festgehaltenen Erkenntnisse und Wahrnehmungen anderer Maler, wie Carracci, langsam in sich verarbeitet, so dass sie erst spät in seinen Gemälden wieder als Vergleichspunkte entdeckt und herangezogen werden können. In der zweiten Entwicklungsstufe, die um 1690 beginnt, wirken die bolognesischen Einflüsse noch nach, aber auch die venezianischen Studien der Frühzeit werden wieder verarbeitet.[7] In seinen Werken können, wie bereits erwähnt, immer wieder Analogien zu anderen Künstlern gesetzt werden. In diesem Zusammenhang ist besonders auf sein Werk „Der Schutzengel“ hinzuweisen, es fallen hierbei „Reminiszenzen an Correggio auf, die für die späteren venezianischen Nachfolger Riccis, vor allem G.B. Pittoni, größte Bedeutung erlangten.“[8] In der dritten Phase seiner schöpferischen Tätigkeit verweilt Ricci, der ein Hauptvertreter der neuen venezianischen Künstlergeneration ist, zum zweiten Mal in Venedig (Ende der 1690er Jahre bis etwa 1708/09). In dieser Zeitspanne reist er auch nach Wien und Florenz. Von Paolo Veronese, sowie weiterer venezianischer Maler der Spätrenaissance, wird Ricci stark beeindruckt. Diese Erkenntnisse setzt er in florentiner Dekorationsmalereien um und besonders in dem Hauptwerk, das 1708 vollendet wurde, dem venezianischen Madonnenaltarbild in S. Giorgio Maggiore.[9] Riccis Stil kann als eklektisch bezeichnet werden, da er aus Vorhandenem auswählt und diese künstlerischen Eigenheiten übernimmt. Wirklich Neues schafft er kaum in seinem Werk.[10] Aus diesem Grund wurde Ricci auch eines „offenbaren Plagiats“[11] beschuldigt. Gleichwohl wurden diese vielfältigen, während seiner etlichen Reisen erworbenen Eindrücke zu einer homogenen, äußerst dekorativen Malweise verbunden. Aus der vierten und letzten Etappe seines künstlerischen Schaffens, welche den Aufenthalt in England einschließt, ist nur relativ wenig bekannt. Die Kuppelmalerei im Chelsea-Hospital in London bildet das zentrale Werk dieses Zeitraums. Vor allem der Einfluss der französischen Barockmalerei wird hierbei deutlich, der wohl durch Stationen auf der Reisestrecke Riccis zu erklären ist.[12]

Wie man an seinem unsteten Lebensweg erkennen kann, war Sebastiano Ricci sehr arbeitsam und wollte immer neue und andere Einflüsse erlangen. Er hinterließ eine Fülle an Bildern. Nach seinem Tod am 15. Mai 1734 führte sein Schüler Francesco Fontebasso (sowie die Künstler Gasparo Diziani und Franc. Polazzo) das Werk Riccis fort.[13]

II. Schloß Schönbrunn - Lage des Deckenfreskos

Wie aus Riccis Lebenslauf bereits ersichtlich wird, hielt er sich zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Wien auf und war dort auch künstlerisch tätig. Für Joseph I. stattete er die Blaue Stiege der imperialen Schloßanlage Schönbrunn mit einem Deckenfresko aus.

Schönbrunn, das ehemalige kaiserliche Schloß mit großem Park sowie dem ältesten bestehenden Tiergarten zählt seit 1996 zum Weltkulturerbe der UNESCO.[14] Heute erfüllt das Lustschloß verschiedene Zwecke, profaner, wie repräsentativer Art: Wohngebäude, Museum, gelegentlich Schauplatz und Rahmen für staatspolitische Anlässe, für die einen ein Ort der Unterhaltung, für andere eine Stätte der Erholung und Sammlung.[15] Anfänglich als „Katterburg“ bezeichnet, hatte es bis 1569 eine Vielzahl von Pächtern. Ab „1569 kam das Anwesen mit dem Herrenhaus durch Maximilian II. in habsburgischen Besitz.“[16] Der Legende nach soll Kaiser Matthias für die Namensgebung des Jagdschlosses verantwortlich sein. Er habe auf einem Ausflug 1612 einen „Schönen Brunnen“ erblickt. Dieser Quellort war schließlich namensgebend für die gesamte Anlage.[17]

Im 14. Jahrhundert stand auf dem Distrikt des zukünftigen Schlosses die Kattermühle. Nach jener Mühle wurde die Katterburg benannt, die im 15. Jahrhundert der Wiener Bürger Ehrenreich Köppl auf dem Gebiet errichten ließ. 1529 wurde die Burg durch Türken destruiert, 70 Jahre danach wiederaufgebaut und kam schließlich in den Besitz der Adelsfamilie Mollard. 1569 wurde Kaiser Maximilan II. zum Eigentümer des Herrenhauses, welches er zum Jagdschloß mit Garten und Teichen umbauen ließ. Von den mit der zweiten Türkenbelagerung einhergehenden Verwüstungen im Jahre 1683 blieb auch Schönbrunn mit Lusthaus und Tiergarten nicht verschont. Kaiser Leopold I. ließ es für seinen Sohn Joseph als Sommersitz neu erbauen. Nach dem frühen Tod von Joseph I. diente es als Witwensitz für seine Frau Amalie Wilhelmine.[18]

[...]


[1] Vgl. Oskar Raschauer: Schönbrunn. Eine denkmalkundliche Darstellung seiner Baugeschichte. Der Schlossbau Kaiser Josephs I., S. 88, 89

[2] Ebda., S. 88.

[3] Vgl. Art. „Ricci, Sebastiano”. In: Ulrich Thieme und Felix Becker: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. 28. Band. Leipzig 1934, S. 252.

[4] Vgl. Art. „Ricci, Sebastiano”. In: Ulrich Thieme und Felix Becker: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. 28. Band. Leipzig 1934, S. 252.

[5] Vgl. Art. „Ricci oder Rizzi, Sebastiano”. In: Georg K. Nagler: Neues allgemeines Künstler-Lexikon. Band 14. 3. Aufl. Leipzig 1934/35,

S. 408.

[6] Art. „Ricci, Sebastiano”. In: Ulrich Thieme und Felix Becker: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. 28. Band. Leipzig 1934, S. 252.

[7] Vgl., ebda.

[8] Art. „Ricci, Sebastiano”. In: Ulrich Thieme und Felix Becker: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. 28. Band. Leipzig 1934, S. 252.

[9] Vgl., ebda.

[10] Vgl., ebda.

[11] Art. „Ricci oder Rizzi, Sebastiano”. In: Georg K. Nagler: Neues allgemeines Künstler-Lexikon. Band 14. 3. Aufl. Leipzig 1934/35, S. 407.

[12] Vgl. Art. „Ricci, Sebastiano”. In: Ulrich Thieme und Felix Becker: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. 28. Band. Leipzig 1934, S. 253.

[13] Vgl. Art. „Ricci, Sebastiano”. In: Ulrich Thieme und Felix Becker: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. 28. Band. Leipzig 1934, S. 253.

[14] Vgl. Elfriede Iby: Schloß Schönbrunn. Schlossführer. Wien 2003, S. 4.

[15] Vgl. Raschauer, Oskar: Schönbrunn. Eine denkmalkundliche Darstellung seiner Baugeschichte. Der Schlossbau Kaiser Josephs I. Wien 1960, S. 3.

[16] Elfriede Iby: Schloß Schönbrunn. Schlossführer. Wien 2003, S. 5.

[17] Vgl., ebda.

[18] Vgl. Felix und Helga Czeike: Wien. Kunst, Kultur und Geschichte der Donaumetropole. Ostfildern 1999, S. 281.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Analyse "Sebastiano Ricci: Taten und Apotheose des Tugendhelden. Wien, Schönbrunn. 1702/03."
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Veranstaltung
Mittelseminar Malerei des Settecento
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
20
Katalognummer
V172480
ISBN (eBook)
9783640924233
ISBN (Buch)
9783640923830
Dateigröße
17647 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sebastiano, Ricci, Wien, Schönbrunn, Fresko, Decke, Apotheose
Arbeit zitieren
Karina Fuchs (Autor), 2009, Analyse "Sebastiano Ricci: Taten und Apotheose des Tugendhelden. Wien, Schönbrunn. 1702/03.", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172480

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