Der Stierkampf in Katalonien


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.) Einleitung

2.) Allgemeines zum spanischen Stierkampf

3.) Die Wurzeln des spanischen Stierkampfs

4.) Die Entwicklung des spanischen Stierkampfs

5.) Der Ablauf eines spanischen Stierkampfs

6.) Die Señoritas Toreras Catalanas

7.) Die Rolle Kataloniens im Kampf gegen die Corrida de toros
7.1) Tierschutz
7.2) PROU!

8.) Fazit

9.) Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Katalonien hat – abgesehen von seiner vorteilhaften geographischen Lage am Mittelmeer mit den legendären Sandstränden und die Verfügung über eine malerische Gebirgslandschaft, den Pyrenäen – viel in kultureller Hinsicht zu bieten. Salvador Dalí und Anton Gaudí, diese beiden Namen sind sogar fast jedem Laien ein Begriff, der in seiner Vergangenheit einst mit Katalonien in Berührung gekommen ist. Doch was ist noch typisch Katalanisch? Ist es Cava, der hochwertige Schaumwein und kleine Bruder des Champagners, der zum größten Teil in der südlich von Barcelona gelegenen Weinbauregion Penedès hergestellt wird? Sind es die Castells, die Menschenpyramiden, die zu besonderen Anlässen in der Öffentlichkeit errichtet werden, sich auf eine über dreihundert-jährige Tradition berufen und zu einer Art Kunstform erhoben wurden? Oder ist es der Burro Català, der katalanische Esel, der auf vielen Fahrzeugen, T-Shirts, Hausschuhen etc. angebracht ist und der unter anderem ein Symbol für den altbewährten Wunsch nach Unabhängigkeit darstellt, nach staatlicher Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien?

„Der Esel symbolisiert nicht nur als katalanisches Wappen die katalanische Kultur. Der katalanische Esel soll vielmehr auch – als eindeutig friedliches Gegenstück zum spanischen Stier, die Abneigung einer deutlichen Mehrheit der Katalanen gegen den brutalen und tierquälenden Stierkampf darstellen“.1

Klar und deutlich grenzt man sich mit einer derartigen Aussage vom Stierkampf ab, der hier als "typisch Spanisch" dargestellt wird. Neben der Paella, dem Flamenco und den Kastagnetten ist die Corrida de Toros ein weiteres Stereotyp über die spanische Nation – aber auch zugleich ein integraler Bestandteil der spanischen Kultur, der nicht so leicht wegzudenken und der fest in ihr verankert ist, da sie „gleichzeitig kulturelles Erbe und künstlerisches Manifest einer ganzen Nation“2 ist.

Um so mehr sorgte der 28. Juli 2010 nicht nur in Spanien, sondern auch in aller Welt für großes Aufsehen, da an diesem besagten Tag durch die Medien bekanntgegeben wurde, dass der Stierkampf ab 2012 in Katalonien verboten wird. Was waren die genaueren Gründe dafür?

Ziel dieser Seminararbeit ist es, den spanischen Stierkampf mit seiner Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte näher zu untersuchen. Dabei soll auch der Ablauf einer Corrida de toros der Vollständigkeit halber beschrieben und ein Beispiel für katalanische Kampfkunst erwähnt werden.

Das Augenmerk soll im Allgemeinen verstärkt auf Katalonien liegen – sofern das möglich ist. Es soll der Versuch unternommen werden, die Bedeutung des Stierkampfs in diesem Teil Spaniens zu skizzieren, wo die Corrida „nicht übermäßig populär“1 ist und wo vermehrt auf deren Bekämpfung Wert gelegt wird.

2. Allgemeines zum spanischen Stierkampf

Für gewöhnlich fängt die Stierkampfsaison in Spanien ein jeden Jahres im April an und hört im September auf. Sie dauert somit ungefähr ein halbes Jahr. Die Kämpfe finden normalerweise an einem Wochenende statt und gehen häufig mit einer rauschenden Fiesta einher. In dem Reisehandbuch von Thomas Schröder steht geschrieben, dass Barcelona erfahrungsgemäß die besten Kämpfe zu bieten hat (ob dies tatsächlich der Fall ist, sei zunächst in Frage gestellt, da Geschmäcker und Vorlieben auch hinsichtlich Corridas unterschiedlich sind).2

Was die Stierkampfarena (Plaza de toros) mit ihrem so typischen Rundbau und den unterschiedlichen Sektoreinteilungen anbelangt, so befindet sich diese in der Regel außerhalb der Stadt. Ausgestattet ist sie mit Ställen für Pferde, einem Raum für chirurgische Eingriffe, einem Schlachtraum für das finale Zerlegen des Stieres und natürlich mit dem Ruedo (Kreis), als Bühne des Spektakels.3 Hierbei muss erwähnt werden, dass es in Spanien etwa 550 dauerhafte Arenen mit insgesamt zwei Millionen Zuschauerplätzen gibt, wobei Katalonien eines der Schlusslichter bildet, da es "nur" über drei nennenswerte Arenen verfügt. Die bekannteste heißt Plaza Monumental.

Die Stiere sind zum Zeitpunkt des Kampfes entweder vier oder fünf Jahre alt; drei Jahre alt sind sie, wenn ein angehender Matador de Toros (Stiertöter) – auch novillero genannt - 25 ihrer Art bezwingt um ein vollwertiger Matador zu werden. Insgesamt finden jährlich ungefähr zweitausend Stierkämpfe in den permanenten Arenen statt, infolgedessen rund zwölftausend Stiere getötet werden.1

Ein Stierkampf hat viele Beteiligte. Dazu gehören unter anderem der Präsident der Corrida mit seinen zwei Beratern, zwei Alguaciles (Amtsdiener), die Matadores mit ihren jeweiligen Cuadrillas (bestehend aus den Picadores und den Banderilleros), die Pferdeburschen, die Areneros (Sandstreuer) und schließlich die Mulilleros (Metzgergehilfen). Es bedarf circa zwanzig Minuten vom Eintritt des Stieres in die Arena bis hin zu seinem Tod – vom Beginn bis hin zum Ende der Lidia (des Kampfes).2

3. Die Wurzeln des spanischen Stierkampfs

Bis zum heutigen Tag kann man nicht so genau sagen, wann der spanische Stierkampf das Licht der Welt erblickte. Fest steht, dass das Ereignis des Stierlaufs um 1100 n. Chr. in Spanien seinen wesentlichen Beitrag zur Genese des Stierkampfs leistete (vom Stierlauf stammt auch das für den Stierkampf bezeichnende spanische corrida ab, zu deutsch Lauf). Hier ging es bereits darum, sowohl die Tapferkeit und Kraft, als auch die Gewandtheit des Menschen durch die Konfrontation mit dem Stier unter Beweis zu stellen. Nachdem das Tier von den Beteiligten auf eine chaotische Art und Weise durch das Dorf gejagt wurde und dies für einen großen Tumult sorgte, wurde es im Anschluss für das Opfermahl geschlachtet.3

„Für all diese rituellen Handlungen konnte man eben nur den Stier verwenden, weil er durch seine Wildheit, durch seine Kraft, durch seine Schnelligkeit, durch seinen Mut, aber vor allem durch seine Schönheit zu einem Symbol für die Vollkommenheit im Sinne der aristotelischen Philosophie […] wurde“.1

Nach Rainer Bischof weisen ebenso einige Theoretiker darauf hin, dass sich der Mensch bzw. der torero (Stierkämpfer) darin bemüht, dem Stier hinsichtlich seiner Wesenszüge nachzueifern, da er, wie soeben erwähnt, die Inkarnation der Perfektion darstellt und der Mensch sich diesem Ideal zumindest anzunähern versucht. Dies ist ein signifikanter Grund für die Wahl des Stieres als willkommenen Gegner des Menschen, welcher (bildlich gesprochen) durch dessen Tötung wiederum eine Stufe besteigt, die sich über dieser Vollkommenheit befindet.

[...]


1 http://www.katalonien-netz.de/168/Katalanische-Geschichte/katalanischer-Esel.html, besucht am 18.01.2011.

2 Henn, Judith: Der Stierkampf in der spanischen Literatur. Wissenschaftliche Arbeit zur Erlangung des Grades einer Diplom-Handelslehrerin im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften Konstanz, Konstanz: Universität Konstanz Dissertation 2006, S. 2.

1 Schröder, Thomas: Katalonien, Erlangen: Michael Müller Verlag 2003, S. 38.

2 Vgl. Schröder, S. 38 f..

3 Vgl. Bischof, Rainer: Heilige Hochzeit. Kulturgeschichte der Fiesta de Toros, Wien/ Köln/ Weimar: Böhlau Verlag 2006, S. 10 f..

1 Vgl. Neuhaus, Rolf: Der Stierkampf. Eine Kulturgeschichte, Frankfurt am Main und Leipzig: Insel Verlag 2007, S. 34, 203.

2 Braun, Karl: Der Tod des Stiers. Fest und Ritual in Spanien, München: Beck 1997, S. 156 ff..

3 Vgl. Bischof, S. 55 ff..

1 Bischof, S. 58.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Der Stierkampf in Katalonien
Hochschule
Universität Konstanz
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
16
Katalognummer
V172522
ISBN (eBook)
9783640924714
ISBN (Buch)
9783640924912
Dateigröße
540 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
stierkampf, katalonien
Arbeit zitieren
Eugenia Steinbach (Autor), 2011, Der Stierkampf in Katalonien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172522

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