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Schriftstellerinnen um 1800 - Die männliche Perspektive

Unter dem besonderen Gesichtspunkt des Dilettantismus

Title: Schriftstellerinnen um 1800 - Die männliche Perspektive

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 29 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Robert Bachmann (Author)

Literature - Romance Literature
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Aus der Einleitung: "Allein schon durch das Gesetz der Natur sind die Frauen ebenso wie die Kinder dem Urteil der Männer ausgesetzt. [...] Die Frau ist dazu geschaffen, dem Mann nachzugeben und selbst eine Ungerechtigkeit zu ertragen. Knaben kann man nie dahin bringen; ihr innerstes Gefühl erhebt sich gegen die Ungerechtigkeit; die Natur schuf sie nicht, Ungerechtigkeit zu dulden." (Jean Jacques Rousseau: Emile oder über die Erziehung.12.Auflage. Paderborn/ München/ Wien/ Zürich: Schönigh Verlag 1995. S. 733 u. 795.)

Was Jean- Jacques Rousseau hier so unverblümt zur Sprache bringt, dürfte wohl manch aufgeklärter Frau von heute die Haare zu Berge stehen lassen. Tatsächlich jedoch entspricht genau dies dem allgemein gültigem Rollenverständnis im Europa des 18. Jahrhunderts. Auch in Deutschland stießen Rousseaus programmatische Schriften auf positive Resonanz. Namhafte Pädagogen wie Johann-Gottfried Herder stehen vehement hinter dem Gedanken der Ungleichheit zwischen den Geschlechtern und setzen, was die Aggressivität der Äußerungen angeht, noch kräftig nach. Für das Feld der Literatur gewinnt dieses Thema im ausgehenden 18. Jahrhundert ebenfalls immer mehr an Bedeutung. Die Frauen dieser Zeit bilden nicht nur einen großen Teil des Lesepublikums; immer mehr treibt es sie auch zur eigenen schriftstellerischen Betätigung. Stoff für konfliktreiche Auseinandersetzungen ist hier nun reichlich gegeben. Gegenstand der folgenden Darstellung soll es sein, das männliche Urteil näher zu betrachten, dem Rousseau zu folge die Frauen, und hier besonders die Autorinnen um 1800, ausgesetzt sind. Wie beurteilen die männlichen Zeitgenossen die literarischen Bestrebungen des anderen Geschlechts und welche Legitimationen führen sie dabei ins Feld?
Zunächst soll in einem ersten Teil anhand einiger Beispiele ein kurzer Einblick in das Rollenverständnis der Zeit gegeben werden. Im Anschluss soll in einem zweiten Teil verdeutlicht werden, in welcher Form diese Ansichten sich im literarischen Diskurs wiederfinden. Im Zentrum der Untersuchung soll dabei der Zusammenhang zwischen weiblicher Schriftstellerei und Dilettantismus stehen, so wie er v.a. von Goethe und Schiller zur Jahrhundertwende insbesondere den Frauen zum Vorwurf gemacht wurde.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Frau und ihre Natur – Anthropologie der Ungleichheit

2.1 J.- J. Rousseau – Das schwache Geschlecht

2.2 Rousseau auf deutsch – Humboldt, Herder, Kant und Co.

3. Martin Wieland über den Nutzen des Fräulein von Sternheim

4. Goethe, Schiller und die schreibende Frau

4.1 Zum sogenannten Dilettantismus

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht das männliche Urteil über die literarischen Bestrebungen von Frauen um 1800. Ziel ist es, die Legitimationen für die Unterordnung der Frau aufzuzeigen und insbesondere den Zusammenhang zwischen weiblicher Autorenschaft und dem zeitgenössischen Vorwurf des Dilettantismus kritisch zu analysieren.

  • Rollenverständnis von Mann und Frau im 18. Jahrhundert
  • Einfluss anthropologischer Schriften auf die Geschlechterdebatte
  • Männliche Perspektive auf die weibliche Schriftstellerei
  • Die Rolle von Goethe und Schiller in der Abwertung weiblicher Texte
  • Dilettantismus als ästhetische Kategorie zur Ausgrenzung von Frauen

Auszug aus dem Buch

2.1 J.- J. Rousseau – Das schwache Geschlecht

Eines der eindringlichsten Beispiele solch patriarchatsbejahenden Gedankenguts findet sich bei Jean- Jacques Rousseau, auf den hier schon zu Beginn verwiesen wurde. In seinem erstmals 1962 erschienen Werk Émile oder Über die Erziehung stellt er seine Ansichten über die richtige Erziehung von Mann und Frau dar. Gleich zu Beginn des fünften Buches leitet er seine Unterscheidung von Mann und Frau mit der Erkenntnis ein, dass sich die Differenzen zwischen ihnen nur schwer am Geschlecht festmachen lassen. Neben vielen Ähnlichkeiten - z.B. was bestimmte Fähigkeiten, Bedürfnisse oder die Beschaffenheit der Organe angeht - gäbe es jedoch gravierende Differenzen, welche, zwar unscheinbar, jedoch unweigerlich mit dem Geschlecht zusammenhängen.

In allem, was nicht mit dem Geschlecht zusammenhängt, ist Mann Frau [...] Die Schwierigkeit, sie zu vergleichen, kommt daher, daß schwer festzustellen ist, was bei der Konstitution geschlechtsgebunden ist und was nicht. [...] aber schon bei bloßer Betrachtung findet man allgemeine Unterschiede, die nichts mit dem Geschlecht zu tun haben scheinen. Trotzdem hängen sie damit zusammen, aber in Verbindungen, die wir nicht wahrnehmen können [...]

Für Rousseau ist es eines der größten Wunder der Natur, dass sie zwei so ähnliche Wesen hervorgebracht hat, indem sie sie so verschieden machte. Hier nun schneidet Rousseau den Aspekt an, welcher für die Konzipierung der Geschlechterrollen in der Neuzeit zur zentralen Kategorie wurde – die Natur. Die Natur habe Mann und Frau mit konträren aber ineinandergreifenden Merkmalen ausgestattet. So ist der Mann bspw. aktiv und stark, die Frau hingegen passiv und schwach.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das Rollenverständnis des 18. Jahrhunderts und führt in die Fragestellung ein, wie männliche Zeitgenossen die literarischen Bestrebungen von Autorinnen beurteilten.

2. Die Frau und ihre Natur – Anthropologie der Ungleichheit: Dieses Kapitel analysiert die philosophischen Grundlagen, mit denen die Unterordnung der Frau im 18. Jahrhundert unter Verweis auf das „Gesetz der Natur“ legitimiert wurde.

2.1 J.- J. Rousseau – Das schwache Geschlecht: Hier wird detailliert dargestellt, wie Rousseau durch die Zuschreibung von Passivität und Schwäche die Frau als dem Mann untergeordnet definierte.

2.2 Rousseau auf deutsch – Humboldt, Herder, Kant und Co.: Das Kapitel zeigt auf, wie deutsche Intellektuelle die rousseausche Programmatik adaptierten und das Weiblichkeitsideal der „Empfindsamen“ festigten.

3. Martin Wieland über den Nutzen des Fräulein von Sternheim: Anhand des Beispiels von Sophie La Roches Roman wird untersucht, wie männliche Mentoren die Schriftstellerei von Frauen durch Vorworte und Anmerkungen in eine bestimmte, „nützliche“ Richtung lenkten.

4. Goethe, Schiller und die schreibende Frau: Dieses Kapitel thematisiert die kritische Haltung von Goethe und Schiller gegenüber weiblicher Autorenschaft und deren Forderung nach ästhetischer Normeinhaltung.

4.1 Zum sogenannten Dilettantismus: Hier wird der Begriff des Dilettantismus als Instrument der Abwertung weiblicher Kunstproduktion analysiert.

5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die männliche Abwertung weiblicher Literatur als notwendige Strategie zur Bewahrung männlicher Privilegien in der Gesellschaft des 18. Jahrhunderts zu betrachten ist.

Schlüsselwörter

Aufklärung, Geschlechterrolle, Dilettantismus, Rousseau, Weimarer Klassik, weibliche Schriftstellerei, Literaturtheorie, Anthropologie, Geschlechtszensur, Empfindsamkeit, Naturgesetz, Kunstrichter, weibliche Bildung, Gelehrsamkeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der männlichen Sichtweise auf schreibende Frauen um 1800 und der Frage, wie diese Perspektive durch soziale und philosophische Konstruktionen geprägt war.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind das Geschlechterverhältnis der Aufklärung, die Begründung weiblicher Unterordnung durch Naturmetaphern sowie der literarische Diskurs über Kunst und Dilettantismus.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, zu verdeutlichen, wie männliche Denker jener Zeit durch den Vorwurf des Dilettantismus versuchten, weibliche Autorinnen aus dem Bereich der „hohen Kunst“ auszuschließen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor führt eine Literaturanalyse durch, bei der er zeitgenössische philosophische und pädagogische Schriften (u.a. von Rousseau, Humboldt, Goethe) auf ihre Aussagen zur Rolle der Frau hin untersucht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die theoretische Verankerung der „natürlichen“ Schwäche der Frau, die Einflussnahme männlicher Mentoren auf weibliche Romane und die systematische Abwertung weiblicher Texte durch Goethe und Schiller.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Dilettantismus, Geschlechterrolle, Aufklärung und das Weiblichkeitsideal der Empfindsamkeit geprägt.

Warum wird Sophie La Roches Roman im Text so prominent diskutiert?

Das Beispiel dient dazu, die Praxis der „Geschlechtszensur“ durch männliche Herausgeber wie Martin Wieland konkret nachzuweisen, indem die Bevormundung der Autorin im Vorwort analysiert wird.

Wie bewerten Goethe und Schiller das Phänomen des Dilettantismus bei Frauen?

Sie betrachten das Schreiben von Frauen grundsätzlich als dilettantisch, da ihnen das Verständnis für „wahre Kunst“ abgesprochen wird; ihr Schreiben wird bestenfalls als „zweckmäßig“ geduldet, sofern es sich den Grenzen des Weiblichen unterwirft.

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Details

Title
Schriftstellerinnen um 1800 - Die männliche Perspektive
Subtitle
Unter dem besonderen Gesichtspunkt des Dilettantismus
College
Martin Luther University  (Germanistik)
Course
Schriftstellerinnen um 1800
Grade
1,3
Author
Robert Bachmann (Author)
Publication Year
2007
Pages
29
Catalog Number
V172721
ISBN (eBook)
9783640927609
ISBN (Book)
9783640927401
Language
German
Tags
Dilettantismus Goethe Schiller weibliche Schriftstellerinnen Rousseau Wieland Fräulein von Sternheim
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Robert Bachmann (Author), 2007, Schriftstellerinnen um 1800 - Die männliche Perspektive, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172721
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