Revolution oder Reform? Die Entwicklung der SPD vom Niedergang des Kaiserreichs bis zur Gründung der Weimarer Republik


Hausarbeit, 2005
14 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Ausgangslage: Das Ende des Kaiserreichs
2.1. Die militärische Situation
2.2. Die innenpolitische Situation
2.3. Die SPD während des Ersten Weltkriegs

3. Die Parlamentarisierung des Reichs
3.1. Parlamentarisierung „von unten“
3.2. Parlamentarisierung „von oben“
3.3. Die SPD in der Regierungsverantwortung

4. Der Umsturz im Reich
4.1. Aufstand der Arbeiter und Soldaten
4.2. Die Haltung der SPD zur revolutionären Bewegung
4.3. Die Ausrufung der Republik
4.4. Der Rat der Volksbeauftragten

5. Abschlusskommentar

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die fortwährende Krise der Weimarer Republik kündigt sich schon in ihrer Entstehungsphase an. Wirtschaftlich belastet durch enorme Kriegsschulforderungen, fußte die erste deutsche Demokratie politisch auf einem recht schmalen gesellschaftlichen Konsens, der von links wie rechts durch lautstarke antiparlamentarische Kräften bedrängt und bedroht wurde. Es passt nur zu gut ins Bild, dass die verlässlich staatsragende Weimarer Koalition - ein Bündnis aus SPD, DDP und Zentrumspartei - nach der erfolgreichen Abstimmung zur verfassunggebenden Nationalversammlung von 1919 bei keiner einzigen Reichstagswahl die absolute Stimmenmehrheit erringen konnte1.

In der Parteiengeschichte der SPD treten die enormen Zerrkräfte, die später am politischen Gefüge der Weimarer Republik rütteln sollten, schon früh und besonders deutlich zutage. Noch vor Kriegsende spalteten sich der Spartakusbund und die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) von der Mehrheitssozialdemokratie ab; die Haltung der SPD während der politischen Umwälzungen 1918/19 trug ihr schließlich von links den Vorwurf des „Verrats an der sozialistischen Revolution“2 ein. Auf der anderen Seite des politischen Spektrums schmiedeten sich kaisertreue Militärs und Nationalkonservative bereits ihre „Dolchstoßlegende“ zurecht, die der Sozialdemokratie die Schuld am verlorenen Krieg zuschreiben sollte3.

Die vorliegende Hausarbeit vollzieht die Entwicklung der SPD vom Kaiserreich bis zu den Anfangsjahren der Weimarer Republik nach und zeigt auf, welche Rolle die SPD bei der Erhaltung der politischen Stabilität spielte und welchen Einfluss sie auf die revolutionäre Bewegung nahm, um letztlich zur maßgeblich treibenden Kraft bei der Gründung der parlamentarischen Weimarer Republik zu werden. Dazu werde ich zunächst die Ausgangslage darstellen, in der sich das Reich und die Partei 1918 befanden, als verschiedene Interessengruppen die Parlamentarisierung des Deutschen Reichs vorantrieben. Ich werde danach die Einstellung der SPD zu den immer größer werdenden Unruhen darlegen und in einem abschließenden Kommentar eine persönliche Meinung zum Thema formulieren.

2. Die Ausgangslage: Das Ende des Kaiserreichs

2.1. Die militärische Situation

Die militärische Schlagkraft des Deutschen Reiches nahm im Jahr 1918 mehr und mehr ab4. Nachdem mehrere Offensiven im Westen unter hohen Verlusten gescheitert waren, sah sich die Westarmee im Herbst 1918 einer doppelten feindlichen Truppenstärke gegenüber, die unter Verwendung eines neuen Kriegsgeräts - des Panzers - weite Breschen in die deutschen Linien schlug. Im Osten war die Lage nicht günstiger: Nach dem Abfall Bulgariens, das am 30. September einen Waffenstillstand mit der Entente geschlossen hatte, war mit dem baldigen Einmarsch der Balkanarmee der Entente in Rumänien zu rechnen. Abgesehen von den territorialen Einbußen hätte insbesondere der Verlust des rumänischen Erdöls schwerwiegende Folgen für den deutschen Nachschub gehabt.

Auch der bis dahin verlässliche Bündnispartner Österreich-Ungarn wandte sich vom Reich ab; die Doppelmonarchie richtete am 14. September eine Friedensnote an die Entente, was die Befürchtung eines italienischen Angriffs von Süden her nährte. Das Territorium des Deutschen Reiches war nun unmittelbar bedroht. Die deutsche Oberste Heeresleitung (OHL) konstatierte resigniert, dass „nur der sofortige Abschluß eines Waffenstillstands die militärische Katastrophe verhindern könne“ und erläuterte dies am 29. September vor führenden Repräsentanten des Kaiserreichs5.

2.2. Die innenpolitische Situation

Während der Anfangsphase des Ersten Weltkriegs waren die sozialen Spannungen des Kaiserreichs in den Hintergrund getreten. Der vom Kaiser verkündete ‚Burgfriede‘ hatte das Land tatsächlich weitgehend befriedet. In Kriegszeiten standen die Kontroversen hinter dem breiten Konsens an, die Schlagkraft des Reiches nicht durch soziale und politische Auseinandersetzungen zu schwächen. Zwar hatte es zu Kriegsbeginn neben der - in der späteren Rezeption oft überhöhten - ‚Augustbegeisterung‘ auch zahlreiche Kundgebungen und Demonstrationen gegen den Krieg gegeben6 ; es erwies sich jedoch „das politische System des deutschen Kaiserreichs [...] den Belastungen des Kriegs gewachsen, solange die Mehrheit des deutschen Volkes sich in dem Glauben wiegte, der Krieg werde mit einem deutschen Sieg enden.“7 Vor diesem Hintergrund gelang es auch, die Gewerkschaften zu zähmen und in die Politik der Reichsleitung einzubinden: Lohnkämpfe und Streikunterstützung wurden von den Arbeitnehmervertretern eingestellt. Im Gegenzug versicherte ihnen das Reichsamt, „daß man nicht daran denke, ihnen zu Leibe zu gehen, falls sie keine Schwierigkeiten machten.“8

Die anfängliche Ruhe erwies sich im Verlauf des Krieges als zerbrechlich, als der Kriegsverlauf eine für das Reich immer bedrohlichere Form annahm. Die Lebensbedingungen verschlechterten sich zunehmend, es herrschte Mangel an Rohstoffen und Lebensmitteln. In großen Teilen der Bevölkerung nahm vor diesem Hintergrund der Unmut zu. Vor allem in der Arbeiterschaft, aber auch in weiteren Teilen der Gesellschaft wie z. B. in Mittelstand und Handwerk wuchs die Unzufriedenheit gegen die Staatsführung. Der badische Reichstagsabgeordnete Oscar Greck (SPD) beispielsweise führte - freilich nicht ganz unvoreingenommen - in einer Parteisitzung aus, es gebe besonders in Süddeutschland eine „ungeheure Erbitterung gegen die Junker und die Militärkaste [Preußens].“9

2.3. Die SPD während des Ersten Weltkriegs

Die SPD sprach sich 1914 bei der ersten Abstimmung über die Bewilligung von Kriegskrediten geschlossen für den Antrag der Reichsleitung aus. Das eindeutige Ergebnis täuschte jedoch über die innere Zerrissenheit der Arbeiterpartei hinweg. Zwar bekannten sich viele Parteimitglieder als Vertreter des Proletariats zum Internationalen Sozialismus. Auf der anderen Seite stand jedoch ein über alle Parteigrenzen und Bevölkerungsschichten hinweg geteilter Patriotismus, wie der Sozialdemokrat Eduard David bemerkte: „Die Arbeiter, die dem Ruf [zum Generalstreik] gefolgt wären, hätten wohl kaum nach Zehntausenden gezählt.“10 Auch die Angst respektive der Abscheu vor dem zaristischen Russland, das von der Reichsleitung geschickt als Feindbild inszeniert wurde, mag unter den Sozialdemokraten als triftiger Grund für die Zustimmung zu den Krediten gegolten haben11.

Währen die Westoffensive allmählich zum Stellungskrieg erstarrte, brachen in den Reihen der SPD die politischen Gräben auf. Die erste Spaltung der Partei vollzog sich 1914/15, als der radikale Flügel um Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht der Kreditbewilligung nicht zustimmten12. Die ‚Renegaten‘ organisierten die parteiinterne Opposition gegen die Mehrheit der Befürworter - unter ihnen Friedrich Ebert und Philipp Scheidemann - in der ‚Gruppe Internationale‘, eine Vorläuferin der zwei Jahre später gegründeten ‚Spartakusgruppe‘. 1916 riefen weitere Unzufriedene die ‚Sozialdemokratische Arbeitsgemeinschaft‘ ins Leben, aus der im April 1917 die Unabhängige Sozialdemokratische Partei (USPD) hervorging13 - einen Monat nach dem Ausschluss der Abweichler aus der Mehrheits-SPD.

[...]


1 Vgl. die Übersicht bei Schulze, Hagen: Weimar. Deutschland 1917-1933, Berlin 1998, S. 468f

2 Vgl. dazu der programmatische Titel von Wiegand, Richard: „ Wer hat uns verraten …“ . Die Sozialdemokratie in der Novemberrevolution 1918/19, Freiburg 1999

3 Rosenberg, Entstehung, S. 217

4 Die Schilderung des Kriegsverlaufs in diesem Absatz folgt Mommsen, Wolfgang J.: Die Urkatastrophe Deutschlands. Der Erste Weltkrieg (=Gebhardt Handbuch der deutschen Geschichte, Bd. 17), Stuttgart 102002, S. 143 ff

5 Kolb, Weimarer Republik, S.2

6 Siehe Wiegand, Novemberrevolution, S.35

7 Kolb, Weimarer Republik, S. 2

8 Wiegand, Novemberrevolution, S. 40

9 Oscar Geck in einer gemeinsamen Sitzung von Parteiausschuss und Fraktion am 23. September 1918; zit. nach Winkler, Weimar, S. 22

10 Zit. nach Trapp, SPD, S. 77

11 Die deutsche Führung stellte den Krieg gegen das Zarenreich stets als Verteidigungskrieg dar; vgl. Trapp, SPD, S. 76f

12 Vestring, Mehrheitssozialdemokratie, S. 58

13 Mommsen, Urkatastrophe Deutschlands, S. 65

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Revolution oder Reform? Die Entwicklung der SPD vom Niedergang des Kaiserreichs bis zur Gründung der Weimarer Republik
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Die Weimarer Republik
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
14
Katalognummer
V173486
ISBN (eBook)
9783640937011
ISBN (Buch)
9783640937219
Dateigröße
412 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
SPD, Geschichte SPD, Weimarer Republik, Erster Weltkrieg, Novemberrevolution, Revolution, Kaiserreich, Friedrich Ebert, Oktoberreform
Arbeit zitieren
Magister Artium Andreas Mohr (Autor), 2005, Revolution oder Reform? Die Entwicklung der SPD vom Niedergang des Kaiserreichs bis zur Gründung der Weimarer Republik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173486

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