Risikomanagement im Kontext der Projektfinanzierung


Studienarbeit, 2007
41 Seiten, Note: 1,4
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Ziel der Arbeit und Gang der Untersuchung

2. Grundlagen der Projektfinanzierung
2.1. Definition der Begriffe Projektfinanzierung und Cash-Flow
2.2. Konstitutive Merkmale der Projektfinanzierung
2.3. Vertragsparteien der Projektfinanzierung
2.4. Ablauf der Projektphasen

3. Risikomanagement der Projektfinanzierung
3.1. Grundlagen des Risikomanagements
3.1.1. Definition des Risikobegriffs
3.1.2. Ziel und Aufgabe des Risikomanagementprozesses
3.1.3. Risikopolitische Maßnahmen
3.1.3.1. Ursachenbezogene Maßnahmen
3.1.3.2. Wirkungsbezogene Maßnahmen
3.1.4. Ablauf des Risikomanagementprozesses
3.2. Durchführung des Risikomanagements
3.2.1. Identifikation der Projektrisiken
3.2.2. Risikoquantifizierung
3.2.2.1. Behandlung quantifizierbarer Risiken
3.2.2.1.1. Statische Risikoquantifizierung
3.2.2.1.2. Dynamische Risikoquantifizierung
3.2.2.1.2.1. Sensitivitätsanalyse
3.2.2.1.2.2. Szenarioanalyse
3.2.2.1.2.3. Risikoanalyse
3.2.2.2. Behandlung nicht quantifizierbarer Risiken
3.2.3. Risikobewertung
3.2.4. Risikoreduktion
3.2.5. Risikoverteilung
3.2.6. Abschluss des Risikomanagements

4. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Berechnungsschema für den Cash-Flow

Abbildung 2: Wesentliche Vertragspartner der Projektfinanzierung

Abbildung 3: Die einzelnen Phasen der Projektfinanzierung

Abbildung 4: Charakterisierung der wirkungsbezogenen Risikomaßnahmen

Abbildung 5: Ablauf des Risikomanagements

Abbildung 6: Identifikation der wesentlichen Einzelrisiken bei Projekten

Abbildung 7: Die Höhe der Fertigstellungsrisiken im Zeitablauf

Abbildung 8: Beispiel einer Sensitivitätsrechnung für eine 50-MW-Kraft-Wärme Kopplungsanlage

Abbildung 9: Darstellung der Cash-Flow-Szenarien

Abbildung 10: Beispiel für ein Projektrisiko-Profil

Abbildung 11: Klassifikationsmuster für Risikofaktoren

1. Einleitung

1.1. Problemstellung

Die Zahl der weltweiten Projektfinanzierungen nimmt trotz der aktuell vorherrschenden Finanzkrise an den Kapitalmärkten weiter zu. In den ersten neun Monaten des Jahres 2007 erreichte das globale Finanzierungsvolumen mit 179,0 Mrd. Dollar einen neuen Rekordstand. Der geografische Schwerpunkt dieser positiven Entwicklung liegt in den Regionen von Osteuropa, des Nahen Ostens und Südostasiens.1

Anwendung finden Projektfinanzierungen typischerweise bei Vorhaben mit hohem Innovati- onsgrad und den damit einhergehenden hohen Investitionssummen. Berühmte historische Bei- spiele sind der Suezkanal, die Bagdadbahn und der Eurotunnel.2 Neben diesen Großprojekten wird die Projektfinanzierung inzwischen jedoch auch bei weniger bekannten Vorhaben einge- setzt. Die heutigen Anwendungsgebiete sind dabei äußerst vielfältig. Neben klassischen Bergbau- und anderen Gewinnungsvorhaben können u.a. Anwendungsfelder wie die petro- chemische Industrie, der Anlagenbau, Infrastrukturvorhaben, Energiegewinnung, -versorgung und -verteilung, Telekommunikation, Immobilien und die Landwirtschaft, als auch Übernah- mefinanzierungen genannt werden.3

Als Erklärungsansätze für die seit Mitte der 1990er Jahre zunehmende Zahl der Projektfinanzierungen werden u. a. die fehlenden Ressourcen des Staates, die Überlegenheit der Koordinationsprozesse des Marktes und der zunehmende Investitionsbedarf, insbesondere bei Infrastrukturvorhaben genannt.4

Eine starke Nachfrage nach Infrastruktur besteht besonders in Entwicklungs- und Schwellenländern. Hier konnte das Infrastrukturnetz zum einen nicht mit dem Wirtschaftswachstum Schritt halten und zum anderen wird es gleichzeitig zum Engpassfaktor für weiteres Wachstum.5 Da der erhöhte Bedarf an öffentlicher Infrastruktur weder ausschließlich durch den Staat, noch durch erhöhte Steuerbelastungen der Bürger befriedigt werden kann, werden an dieser Stelle Projektfinanzierungen eingesetzt.6

Des Weiteren übersteigen die Volumina einzelner Projekte hinsichtlich ihrer Größe oft die finanziellen Belastungsgrenzen und die Risikobereitschaft des Initiators. Mit Hilfe der Ein- schaltung einer nicht konsolidierungspflichtigen Projektgesellschaft können diese Unterneh- men die Projekte außerhalb ihrer Bilanzen ausweisen, die bestehenden Risiken auf die Ver- tragspartner verteilen und ihre Wettbewerbsfähigkeit erhalten. Somit kommt der Projektfinan- zierung in Zeiten der Globalisierung mit verstärktem internationalen Wettbewerb zunehmend eine Schlüsselfunktion zu.7

Vor dem Hintergrund der rasant fortschreitenden Globalisierung und der starken Nachfrage aus Schwellenländern wie z.B. China gehen Experten davon aus, dass sich der positive Trend bei Projektfinanzierungen auch in Zukunft weiter fortsetzen wird.8

1.2. Ziel der Arbeit und Gang der Untersuchung

Ziel dieser Arbeit ist es, die Grundstrukturen des Risikomanagements bei Projektfinanzierungen darzustellen. Dabei soll besonders herausgestellt werden, welche Verfahren bei der Risikoanalyse des Projekts von Fremdkapitalgebern angewendet werden.

Im Anschluss an die Einleitung werden im zweiten Kapitel zunächst die zum Verständnis der Projektfinanzierung notwendigen Grundlagen besprochen. Das dritte Kapitel behandelt als Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit die theoretische Darstellung des Risikomanagements. Auch an dieser Stelle werden zunächst grundsätzliche Überlegungen angestellt, bevor die Durchführung des Risikomanagements mit Hilfe der Fertigstellungsrisiken näher erörtert wird. Die Methode der Real- und Handlungsoptionen ist in diesem Zusammenhang nicht Ge- genstand dieser Arbeit, weil sie in der gängigen Literatur bis dato nur beiläufig erwähnt wird. Da der Fokus der Ausarbeitungen auf den Verfahren zur Prüfung der Belastbarkeit des Pro- jekts liegt, entfällt außerdem eine detaillierte Betrachtung der Risikobehandlung aus Anreiz- Beitrags-Sicht. Im abschließenden vierten Kapitel werden die wesentlichen Sachverhalte der Arbeit resümiert und es wird ein Fazit gezogen.

2. Grundlagen der Projektfinanzierung

2.1. Definition der Begriffe Projektfinanzierung und Cash-Flow

In der gängigen Literatur existiert eine Vielzahl von Definitionen für den Begriff der Projekt- finanzierung. Es erscheint daher zweckmäßig den Begriff in seine Wortbestandteile Projekt und Finanzierung zu zergliedern. Der Projektbegriff definiert sich nach der Norm Nr. 69 901 des Deutschen Instituts für Normung als „Vorhaben, das im Wesentlichen durch Einmaligkeit der Bedingungen in ihrer Gesamtheit gekennzeichnet ist wie z.B. Zielvorgabe; zeitliche, fi- nanzielle, personelle oder andere Begrenzungen; Abgrenzung gegenüber anderen Vorhaben; projektspezifische Organisation“9. Weiter kann man unter dem Begriff der Finanzierung „alle Tätigkeiten, die sich mit der Funktion der Finanzmittelversorgung und Disposition befas- sen“10 verstehen. Diese abgeleitete Definition ist im Hinblick auf die in der Praxis realisierten Projektfinanzierungen jedoch nicht zielführend. Der Projektbegriff ist im o.g. Sinne zu weit- läufig und der Begriff der Finanzierung lässt zu wenig Spielraum offen.11 Aus diesem Grund soll in der vorliegenden Arbeit die Definition der Financial Accounting Standards (USA) ge- lten, die den Projektfinanzierungsbegriff als „Finanzierung einer sich selbst tragenden Wirt- schaftseinheit, bei der sich die Kreditgeber vornehmlich auf den Cash Flow und die Aktiva des Projektes als Sicherheit für die Rückzahlung des Fremdkapitals verlassen“12 begreift.

Zentrales Kriterium zur Beurteilung der Leistungsfähigkeit eines Projekts ist der Cash-Flow. Bei der Projektfinanzierung wird der Cash-Flow-Begriff in der einschlägigen Literatur grundsätzlich als finanzwirtschaftlicher Einnahmenüberschuss angesehen. Er ist somit ein Zahlungsstrom und keine aufwands-/ertragsorientierte Kennzahl.13 Im Bezug auf die Projektfinanzierung erhält der Cash-Flow-Begriff Zukunftscharakter, weil er sich aus der Differenz der prognostizierten Einzahlungen aus dem Projektbetrieb zu den für die Erzielung zu berücksichtigenden prognostizierten Auszahlungen (Betriebskosten) ergibt.14 Somit kann der Cash-Flow nach folgender Berechnung ermittelt werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Berechnun]gsschema für den Cash-Flow15

2.2. Konstitutive Merkmale der Projektfinanzierung

Die Projektfinanzierung ist als Finanzierungsart durch drei grundsätzliche Merkmale gekenn- zeichnet. Unter Off Balance Sheet-Financing versteht man bei Projektfinanzierungen die Gründung einer rechtlich eigenständigen Zweckgesellschaft (Special Purpose Vehicle), übli- cherweise in der Rechtsform einer Kapitalgesellschaft. Diese Gesellschaft hat die Aufgabe das Projekt durchzuführen und kann das zur Finanzierung notwendige Fremdkapital losgelöst vom initiierenden Unternehmen (Off Balance Sheet) aufnehmen, die Bilanz der Muttergesell- schaft bleibt somit weitgehend16 unberührt. Die Projektgesellschaft tritt, soweit keine Garan- tien von den Gesellschaftern gestellt werden, unmittelbar als haftender Kreditnehmer auf.17 Dieses Charakteristikum ist in der Literatur umstritten, weil es nach Ansicht einiger Autoren nicht als notwendiges Merkmal bei einer Projektfinanzierung angesehen wird.

Das Merkmal des Cash-Flow Related Lending bezeichnet bei der Projektfinanzierung die Orientierung der Kreditvergabeentscheidung und der Konditionsgestaltung der Finanzierung an den zu erwartenden Cash-Flows aus dem Projekt (Cash Flow Related). Potenzielle Fremd- kapitalgeber können anhand der Struktur der Zahlungsströme Rückschlüsse auf das Verschul- dungspotenzial und die Schuldendienstfähigkeit des Projekts ziehen.18 Des Weiteren liegen für das Projekt im Regelfall keine historischen Bilanzen vor und die Haftung gegenüber den Kreditgebern beschränkt sich per definitionem alleine auf die Aktiva der Projektgesellschaft, die als Sicherheiten im Liquidationsfall durch ihren hohen Spezialisierungsgrad meist nur einen geringen Verkaufserlös erzielen. Im Gegensatz zur konventionellen Unternehmensfi- nanzierung steht nicht die zukünftige Zahlungsfähigkeit, sondern vielmehr die Überlebensfä- higkeit des Projektes im Fokus der Betrachtung.19 Für Eigenkapitalgeber ist der nach der Til- gung verbleibende Cash-Flow die zentrale Bewertungsgröße. Bei der Entscheidung für bzw. gegen eine Beteiligung findet diese Residualgröße regelmäßig in Form der Berechnung des Return on Investment (Quotient aus Cash-Flow und Gesamtkapital) Eingang in den Entschei- dungsprozess.20 In der Konsequenz muss der Cash-Flow nach Steuern für die Begleichung der Betriebskosten, die Bedienung des Schuldendienstes und die Eigenkapitalverzinsung ausrei- chen, wohingegen die Bonität der Gesellschafter grundsätzlich von untergeordneter Bedeu- tung ist.21

Das Risk Sharing-Prinzip ist das dritte konstitutive Merkmal der Projektfinanzierung. Regel- mäßig stellt der Fremdkapitalanteil bei Projektfinanzierungen den volumenmäßig größten Teil der Kapitalstruktur dar. Da die Fremdkapitalzinsen unabhängig vom Projekterfolg sind, sind die Kreditgeber meist nicht gewillt sich alleine auf den Projekt-Cash-Flow und die geringe Haftungsmasse der Projektaktiva als Rückzahlungsgewährleistung zu verlassen und das un- ternehmerische Risiko zu tragen. Aus diesem Grund müssen die Risiken analysiert und unter den Projektträgern im Verhältnis zu deren Fähigkeiten und deren Übernahmebereitschaft auf- geteilt werden (Risk Sharing). Üblicherweise verlangen die Kreditnehmer zusätzliche Rück- griffsmöglichkeiten auf die anderen Projektteilnehmer, die meist in Form von Garantien ge- stellt werden. Je nach Umfang der Rückgriffsmöglichkeiten wird in diesem Zusammenhang von den Varianten Full Recourse Financing (umfassende Rückgriffsrechte), Non Recourse Financing (keine Rückgriffsrechte) oder der am meist angewendeten Form Limited Recourse Financing (eingeschränkte Rückgriffsrechte) gesprochen.22

2.3. Vertragsparteien der Projektfinanzierung

Einen entscheidenden Anteil am Erfolg oder Misserfolg einer Projektfinanzierung haben die verschiedenen Vertragsparteien (siehe Abbildung 2), die am Projekt mitwirken. Effiziente Zusammenarbeit und vertraglich genau festgelegte Aufgaben sind dabei wichtige Erfolgsfak- toren.23 Weiter ist die Berücksichtigung von allen Projektpartnern und deren Zielen gerade im Hinblick auf die Risikoallokation von zentraler Bedeutung. Im globalen Zusammenhang wer- den die oft unterschiedlichen Interessen im Regelfall in einer langfristigen vertraglichen Aus- tarierung der Chancen und Risiken in Einklang gebracht. In diesem Kontext ist zu berücksich- tigen, dass Chancen und Risiken der einzelnen Vertragsparteien einem ständigen Wandel im Hinblick auf die unterschiedlichen Projektphasen unterliegen. Des Weiteren ist die Motivation in Abhängigkeit der Vor- und Nachteile der einzelnen Projektpartner entscheidend dafür, dass das Projekt erfolgreich abgeschlossen werden kann. Es gilt deshalb aus Sicht der Fremdkapi- talgeber die Anreiz-Beitrags-Strukturen24 der Projektparteien ebenso wie die Belastbarkeit des Projekts zu prüfen, um die Rückzahlbarkeit der Kredite abschätzen zu können.25

Treibende Kraft für das Projekt sind die Sponsoren (Projektträger, Initiatoren). Sie entwickeln die Konzeptidee des Projekts26, sind entscheidend an der Projektgründung beteiligt27 und bringen Eigenkapital28 mit in das Projekt ein. Zusätzlich stellen sie oft zur Verbesserung der Kreditwürdigkeit der Zweckgesellschaft Garantien und/oder Bürgschaften aus. Um von unterschiedlichen Leistungsexpertisen profitieren zu können, kooperieren häufig mehrere Sponsoren miteinander. Als Sponsoren betätigen sich typischerweise Lieferanten der Vorleistungen und Abnehmer der Projektendprodukte, um so die Beschaffungs- und Absatzseite zu sichern.29 Des Weiteren können Privatunternehmen, Regierungen, staatliche Institutionen und Entwicklungsbanken die Rolle der Sponsoren einnehmen.30

Eine entscheidende Funktion haben neben den Sponsoren die Kreditgeber, weil sie i. d. R. den größten Teil des Projektkapitals - meist in Konsortien - zur Verfügung stellen. Fremdkapital- geber können international tätige Geschäftsbanken, inter- und supranationale Entwicklungs- banken, Exportfinanzierungsinstitute und Leasinggesellschaften sein.31 Für eine Projektfinan- zierung kommen grundsätzlich alle Fremdkapitalarten in Betracht. Um den spezifischen An- forderungen des Projekts gerecht zu werden, wird in der Praxis regelmäßig eine speziell an- gepasste Kombination aus den verschiedenen Finanzierungsalternativen gewählt.32

Eine weitere Gruppe der Vertragsparteien sind die Contractors. Ihr Aufgabenbereich umfasst Planung und Konstruktion, als auch Errichtung und Ingangsetzung der Projektanlagen. Au- ßerdem liefern sie darüber hinaus die betriebsnotwendigen Teile des materiellen Anlagever- mögens. Contractors sind vor allem Unternehmen aus dem industriellen Anlagenbau.33

Eine Schlüsselfunktion beim Output des Projekts erhalten die Abnehmer, weil sie meist in Form von langfristigen Abnahmeverträgen an das Projekt gebunden werden, um die Projekteinzahlungen sicherzustellen.34

Im Bezug auf die Lieferanten der Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe lässt sich nahezu identisches für den Leistungserstellungsprozess feststellen. Ohne die termingerechte Lieferung betriebs- notwendiger Stoffe könnte der Betriebsablauf nicht aufrechterhalten werden, was als Konse- quenz auch an dieser Stelle regelmäßig zur Durchsetzung langfristiger Verträge führt.35

Das Bindeglied zwischen allen Vertragsparteien ist die neugegründete Zweckgesellschaft (Special Purpose Vehicle). Zum einen werden über sie die benötigten Fremdmittel aufgenommen, zum anderen fließt ihr auch das Eigenkapital zu.36

Ergänzend zählt zu den Projektteilnehmern eine eventuell engagierte Betreiber- und Managementgesellschaft, die für den Betrieb und ggf. die Wartung der Projektanlagen engagiert wird. Mittelbar am Projekt beteiligt sind außerdem die öffentliche Hand des Projektlandes durch die Ausstellung von Konzessionen und Versicherer, die für das Projekt diverse Versicherungsleistungen anbieten.37

2.4. Ablauf der Projektphasen

Der Ablauf einer Projektfinanzierung (siehe Abbildung 3) kann in fünf in sich geschlossene Phasen unterteilt werden, die sich hinsichtlich der Aufgabenstellung und den damit verbunde- nen Aktivitäten klar differenzieren. Notwendig wird eine solche Unterteilung durch die ver- schiedenen Risikostrukturen jeder einzelnen Phase. Weiter ändert sich das Engagement der Vertragsparteien im Laufe des Projektablaufs.38

Die erste Phase im Lebenszyklus eines Projekts ist die Planungsphase. Zu Beginn des Projekts entwerfen die Sponsoren eine Idee, die in der Grobplanung ausgestaltet wird. Im Rahmen der Grobplanung wird unter Einsatz einer Machbarkeitsstudie (Feasibility Study)39 auch die tech- nische und wirtschaftliche Realisierbarkeit der Projektidee geprüft. Entscheidendes Instru- ment bei der Wirtschaftlichkeitsanalyse ist der Cash-Flow-Plan. Es werden die erforderlichen Genehmigungen eingeholt und im Anschluss wird das Vorhaben auf Basis der Analyseergeb- nisse bestenfalls von Sponsoren und Fremdkapitalgebern genehmigt. Abschließend müssen potenzielle Contractors ausgewählt und die Kreditzusagen der Banken zur Finanzierung ein- geholt werden.40

Die zweite Phase ist die Erstellungsphase, die sich in die Subphasen Engineering, Fertigung oder Beschaffung der Anlagenkomponenten, Transport der Komponenten zur Baustelle, bau- liche Tätigkeiten und Montage der Anlagen unterteilt. Typisch ist die Erstellung durch einen Generalunternehmer oder die Projektgesellschaft selbst, wodurch die Sponsoren in diesem Zeitabschnitt ausschließlich Organisations-, Kontroll- und Steuerungsaufgaben übernehmen.41

In der Anlaufphase wird nach der Erstellung durch Abnahmetests geprüft, ob die Anlage funktionsfähig ist und den geplanten Anforderungen entspricht. Die Folge einer positiven Abnahme ist der Risikoübergang auf die Fremdkapitalgeber, weil die von anderen Projektpartnern oft abgegebenen Fertigstellungsgarantien erlöschen.42

Nach der erfolgreichen Abnahme folgt die Inbetriebnahme (Betriebsphase). Diese Phase zeichnet sich durch die Merkmale der Fremdkapitalbedienung und der Eigenkapitalverzinsung aus. Mit den erwirtschafteten Cash-Flows werden vorrangig die Zins- und Tilgungsansprüche der Kreditgeber befriedigt, wodurch die Belastung des Projekts und das Ausfallrisiko für die Fremdkapitalgeber abnehmen. Die Gewinnausschüttung an die Eigenkapitalgeber erfolgt durch den Vorrang des Fremdkapitals erst mit zeitlicher Verzögerung. Die Abschreibungsge- genwerte werden bei einer Projektgesellschaft nicht reinvestiert und können nach Abzug der Fremdkapitaltilgung zur Rückführung des Eigenkapitals genutzt werden.43

Als fünfter und letzter Projektabschnitt knüpft die Desinvestitionsphase an die Betriebsphase an. Desinvestition kann sowohl die Einstellung bzw. den Abbruch des Projekts (vor oder nach der Zielerreichung), als auch die Weiterführung des Vorhabens unter anderer Leitung durch Eigentumsübertragung bedeuten. Eine Projektbeendigung kann durch eine von vornherein bestimmte Laufzeit oder strategische Überlegungen begründet sein. Tatsächlich sind es vorwiegend technische, ökonomische und vertragliche Restriktionen, staatliche Regularien oder Enteignungen die ein Projekt beenden.44

[...]


1 Vgl. Köhler (2007), S. 31

2 Vgl. Böttcher, Blattner (2006), S. 3

3 Vgl. Reuter, Wecker (1999), S. 4 ff

4 Vgl. Böttcher, Blattner (2006), S. 2f

5 Vgl. Köhler (2007), S. 31

6 Vgl. Levy, S. M. (1996): Build, Operate, Transfer - Paving the Way for Tomorrow’s Infrastructure, New York, S. 10f, zit. nach Böttcher, Blattner (2006), S. 3

7 Vgl. Böttcher, Blattner (2006), S.2f

8 Vgl. Köhler (2007), S. 31

9 Vgl. Deutsches Institut für Normung (1987), S. 1

10 Vgl. Grochla, E. (1976) Begriff der Finanzierung, in: Büschgen, H. E. (Hrsg.): Handwörterbuch der Finanzwirtschaft, Stuttgart, Sp. 413-431, Sp. 427, zit. nach Hupe (1995), S. 11

11 Vgl. Hupe (1995), S. 11

12 Vgl. Financial Accounting Standard Nr. 47 Fassung März 1981, zit. nach Backhaus, Ueckermann (1990), S. 106

13 Vgl. Reuter, Wecker (1999), S. 53

14 Vgl. Tytko (1999), S. 9f

15 Eigene Darstellung in Anlehnung an Tytko (1999), S. 10

16 Aufgrund aktueller Rechnungslegungsvorschriften ist die Konsolidierungs- und Haftungsproblematik ein in der Literatur vielschichtig diskutiertes Thema. Zunehmend wird die Frage gestellt, ob das Merkmal einer Off Balance Finanzierung im originären Sinne weiterhin Bestand hat. Zur Vertiefung dieser Sachverhalte vgl. Böttcher, Blattner S. 9ff und Hupe S. 13ff

17 Vgl. Ueckermann (1990), S.19f

18 Vgl. Tytko (1999), S. 9f; Ueckermann (1990), S.18

19 Vgl. Böttcher, Blattner (2006) S. 14

20 Vgl. Tytko (1999) S. 10

21 Vgl. Wolf (2003), S. 66

22 Vgl. Schulte-Althoff (1992), S. 41ff; Ueckermann (1990), S. 19

23 Vgl. Tytko (1999), S. 22

24 Die einzelnen Projektpartner entscheiden über Teilnahme und Ausstieg, sowie über die Leistung ihres Beitrags zur Projektzielerreichung mittels einer individuellen Kosten-Nutzenanalyse. Je größer die persönliche Netto- Nutzen-Erwartung ist, die sich aus dem Saldo der zukünftig gebotenen Anreize und den zu leistenden Beiträgen ergibt, desto stärker ist das Interesse am Projekterfolg. Für detaillierte Ausführungen vgl. Schulte-Althoff (1992), S. 4ff

25 Vgl. Böttcher, Blattner (2006), S. 19f

26 Vgl. Schwanfelder, W. (1987): Exportfinanzierung für Großprojekte: national - international - mulitnational,, Wiesbaden, S. 155, zit. nach Gröhl (1990), S. 13

27 Vgl. Heintzeler , F.(1985): Projektfinanzierung, Stuttgart S. 17, zit. nach Gröhl (1990), S. 13

28 Vgl. Hinsch, L. C.; Horn, N. (1985): Das Vertragsrecht der internationalen Konsortialkredite und Projektfinanzierungen, Berlin/New York, S. 221, zit. nach Gröhl (1990), S. 13

29 Vgl. Böttcher, Blattner (2006), S. 20

30 Vgl. Millauer, K. M.(1985): Projektfinanzierung im Auslandsgeschäft, Diss, Wien, S. 20 f, zit. nach Ueckermann (1993), S. 19

31 Vgl. Tytko (1999), S. 25 ff

32 Vgl. Nevitt, Fabozzi (2000), S. 57ff

33 Vgl. Ueckermann (1993), S.20; Schill (1990), S. 32ff

34 Vgl. Tytko (1999), S. 29

35 Vgl. Tytko (1999), S. 26

36 Vgl. Pkt. 2.2. Off Balance Sheet-Financing

37 Vgl. Rieger (1990), S. 73

38 Vgl. Tytko (1999), S. 34

39 Vgl. Schmitt (1989), S. 64f

40 Vgl. Hupe (1995), S. 36ff

41 Vgl. Hupe (1995), S. 38f

42 Vgl. Hupe (1995), S. 39f

43 Vgl. Hupe (1995), S. 40f

44 Vgl. Hupe (1995), S. 41f

Ende der Leseprobe aus 41 Seiten

Details

Titel
Risikomanagement im Kontext der Projektfinanzierung
Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Karlsruhe, früher: Berufsakademie Karlsruhe
Note
1,4
Jahr
2007
Seiten
41
Katalognummer
V173855
ISBN (eBook)
9783640941278
ISBN (Buch)
9783640941407
Dateigröße
534 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
risikomanagement, kontext, projektfinanzierung
Arbeit zitieren
Anonym, 2007, Risikomanagement im Kontext der Projektfinanzierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173855

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Risikomanagement im Kontext der Projektfinanzierung


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden