Das "Rote Wien" - "Sozialisierung von unten"


Referat (Ausarbeitung), 2008

9 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Das „rote Wien“ – Eckdaten der Reformbewegung

2. Die drei Säulen der Arbeiterbewegung
2.1. Die Partei und ihr nahe stehende Organisationen und Vereine
2.2. Gewerkschaftsorganisationen
2.3. Die Konsumgenossenschaften

3. Fazit

1. Das „rote Wien“ – Eckdaten der Reformbewegung

Die Bezeichnung des „roten Wiens“ beschreibt die Jahre Wiens nach Ende des 1. Weltkrieges unter der Regierung der Sozialdemokratischen Arbeiter­partei (SDAP). War Wien bis 1921 noch Hauptstadt des Bundeslandes Nie­derösterreich, das von einer schwarz-roten Koalition regiert wurde, kam es in dieser großen Koalition jedoch immer wieder zu inhaltlichen Auseinander­setzungen, und auch in der Bevölkerung fand die Koalition wenig Rückhalt. So fand sich in großen Teilen Niederösterreichs eine eher konservative Wählerschaft, die sich nicht in der vor allem in Wien verankerten Sozial­demokratie wiederfand. Auf gemein­samen Antrag der sowohl konservativ christlich sozialen Partei und der SDAP kam es zu einer Verfassungsände­rung, mit deren Inkrafttreten zum 1. Januar 1922 Wien eigenständiges Bundesland wurde. Durch diese Änderung war die sozialdemokratische Regierung Wiens nun in der Lage, u.a. eigene Gesetze zu beschließen, was für die spätere Reformbewegung von enormer Wichtigkeit sein sollte. So wurden unter der Sozialdemokratischen Regierung u.a. folgende Gesetze und Reformen verabschiedet:

Die Wohnbausteuer, welche 1923 verabschiedet wurde und progres­siv veranschlagt war. Diese Steuer war von allen Eigentümern vermietbarer Immobilien zu entrichten. Die progressive Staffelung hatte zur Folge, dass die teuersten 0,5% der vermieteten Objekte 44,5% des gesamten Steuer­aufkommens einbrachten. Dadurch wurde privaten Immobilienbesitzern eine Ausbeutung der Mieter nahezu unmöglich. Folge daraus war, dass private Wohnungsbauten deutlich zurückgingen, was wiederum die Preise von Baugrund­stücken deutlich senkte.

Dies ermöglichte der Gemeinde Wien den Erwerb großer Flächen Bau­grund, was wichtig war, um den kommunalen Wohnungsbau voran­zutrei­ben.

Die Wohnbaureform, im Rahmen des Kommunalen oder auch Gemeinde­wohnungsbau. Anfang 1900 waren vor allem im Industrie- und Arbeiterviertel Wiens 3/4 aller Wohnungen überbelegt. Die von der Regie­rung geplanten und geschaffenen sogenannten „Superblocks“, 382 Blocks bis 1934 boten Platz für rund 65.000 neue Wohnungen. Diese waren zumeist nicht sehr groß und bewegten sich in Bereichen von 40-60m², diese Zahl beschrieb zumeist die reine Wohnfläche. Zwar wurde die Idee, nahezu alle Wirtschaftseinrichtungen eines Haushaltes in Gemeinschaftseinrichtungen zu verwandeln, nicht immer realisiert, so blieb es bei einem einmaligen Bau eines solchen „Superblocks“, in dem man die Küchen aus den einzelnen Wohnun­gen auslagerte und durch Gemeinschaftsküchen ersetzte, gemeinsam hatten aber fast alle der neu geschaffenen Gemeindebauten „inte­grierte, kollektiv nutzbare Gemein­schaftseinrichtungen wie zentrale Waschhäuser, Kindergärten, Beratungsstellen für Mütter, Volks­bibliothe­ken, Veranstaltungs- und Versammlungsräume, Werkstätten und Geschäftslokale der Konsumgenossenschaften“[1].

Die Schulreform, die 1922 realisiert wurde und die sich im wesent­lichen auf folgende drei Pfeiler stützte:

- Demokratisierung der Schulverwaltung (Einrichtung von Leh­rer­kammern und Elternvereinen).
- Vereinheitlichung der Schule im Mittelstufenbereich (gemein­same Mittelstufe der 10- bis 14jährigen, Einheits­schule).
- Innere Schulreform mit den Prinzipien des Arbeitsunter­richts und einer Neuordnung der Unterrichtsstoffe.

Über diese Schulreform sagte deren Mitbegründer Otto Renner: “ Eine neue Schulorganisation ist entstanden, das innere Wesen der Schule hat sich von Grund auf geändert. Das ist das Werk der Sozialdemo­kraten, die in Wien 1919 zur Herrschaft gelangten“. In der Sorge um die Jugend, in der Erkenntnis, dass die Demokratie sich erst dann voll entfalten kann, wenn das Volk eine möglichst demokratische Ausb­ildung genossen hat, ging die Gemeinde planmäßig und wohlüberlegt vor. Solange die Sozialdemokraten in der Bundesregierung saßen, waren von dort Anregungen zum Schul umbau ausgegangen[2].

[...]


[1] http://www.dasrotewien.at/kommunaler-wohnbau.html

[2] http://www.dasrotewien.at/wiener-schulreform.html

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Das "Rote Wien" - "Sozialisierung von unten"
Hochschule
Fachhochschule Bielefeld  (Sozialwesen)
Veranstaltung
Soziologie
Autor
Jahr
2008
Seiten
9
Katalognummer
V173982
ISBN (eBook)
9783640944194
ISBN (Buch)
9783640944415
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rote, wien, sozialisierung
Arbeit zitieren
André Brüggenthies (Autor), 2008, Das "Rote Wien" - "Sozialisierung von unten", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173982

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