Gegenwärtig erfolgt ein Prozess des schnellen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturwandels. Die Veränderung zur Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft geht mit direkten Konsequenzen auf die Lebens- und Arbeitswelt jedes Einzelnen einher. Aber auch Unternehmen haben durch den gesellschaftlichen Wandel und dem damit verbundenen Wettbewerbs- und Innovationsdruck Reorganisationsprozesse veranlasst, die zu veränderten Rahmenbedingungen für Arbeiten und Lernen der Arbeitnehmer führten. „Lebenslang zu lernen und sich ständig weiterzuentwickeln gilt als die Agenda, um die notwendigen Ver-änderungsprozesse möglichst erfolgreich zu bewältigen“1. Somit vollzieht sich seit einigen Jahren ein tiefgreifender Wandel der betrieblichen Organisation der Arbeit. Im Rahmen dieser arbeitsorganisatorischen betrieblichen Prozesse der Umstrukturierung ist nach Schröder (2009) die beruflich betriebliche Weiterbildung gefordert, mit entsprechend neuen und ver-änderten Strukturen der Weiterbildung und Angeboten der Weiterbildung zu reagieren. Dem-entsprechend ist das Gefüge der beruflich betrieblichen Weiterbildung selbst vielseitigen Tendenzen der Anpassung und Veränderung unterworfen, infolgedessen sich altbewährte berufs- und funktionsbezogene betriebliche Weiterbildung stückweise zu einer prozess-orientierten Weiterbildung entwickelt hat. Dies bedingt den angemessen Umgang mit den veränderten betrieblichen und auch gesellschaftlichen Ansprüchen, wie eben der Förderung des lebenslangen Lernens.2 „Zur Aneignung, zum Erhalt und zum Ausbau einer reflexiven Handlungsfähigkeit und einer beruflichen Handlungskompetenz bedarf es eines fundierten [...] Begleitungs- und Beratungsspektrums innerhalb und außerhalb der Arbeit“3. Begleitung und Beratung stellten nicht nur in der alltäglichen Lebenswelt wichtige Dienstleistungen dar, sondern ebenso in der Arbeits- und Berufswelt. Eine über die Beratung hinausgehende fortwährende Begleitung von Entwicklungs- und Lernprozeesen nimmt zu, ebenso wie in Weiterbildungs- und Coachingprozessen.4 Nach Dehnbostel (2010) existierten in der Berufs-bildung drei Typen von Begleitung: Mentoring, Coaching und Lernprozessbegleitung (LPB).5
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ein Zugang zur Thematik der Begleitung der beruflich betrieblichen Weiterbildung
3. Coaching
3.2. Eigenschaften von Coaching
3.3. Der Coach
4. Lernprozessbegleitung
4.2. Eigenschaften von Lernprozessbegleitung
4.3. Der Lernprozessbegleiter
5. Ein Vergleich zwischen Coaching und Lernprozessbegleitung
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die Begleitungskonzepte Coaching und Lernprozessbegleitung (LPB) im Kontext der beruflich betrieblichen Weiterbildung. Ziel ist es, Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede herauszuarbeiten und zu bewerten, welches Konzept für die Unterstützung von Lernprozessen im Arbeitsalltag besser geeignet ist, um eine reflektierte Handlungskompetenz bei Mitarbeitern zu fördern.
- Bedeutung der Begleitung in der modernen Weiterbildung
- Definition und Eigenschaften von Coaching
- Struktur und Aufgaben der Lernprozessbegleitung (LPB)
- Detaillierter Vergleich der beiden Begleitungsansätze
- Rollenverständnis von Coach und Lernprozessbegleiter
Auszug aus dem Buch
3.1. Eigenschaften von Coaching
Unabhängig von den unterschiedlichen Definitionsansätzen handelt es sich beim Coaching um eine Form von Unterstützung im beruflichen Kontext. Dabei ist Coaching ein interaktiver, personenzentrierter Beratungs- und Betreuungsprozess, der berufliche und damit einhergehend auch private Inhalte umfasst. Die Förderung von Selbstreflexion, Selbstwahrnehmung und Verantwortung ist ein Leitziel von Coaching, um im Prozess der Begleitung Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Eine entscheidende Voraussetzung für den Coachingprozess ist ein ausgearbeitetes Konzept, welches im Allgemeinen das Vorgehen des Coachs definiert und die Rahmenbedingungen eingrenzt. Auch die angewendeten Methoden, Techniken und Interventionen gehören zu einem Coachingkonzept, ebenso der Prozessverlauf. Coaching kann als Einzel-Coaching oder Gruppen-Coaching stattfinden. Diese beiden Formen haben in jüngster Zeit in Unternehmen als Typen der Weiterbildungsbegleitung Einzug gehalten. Beim Einzel-Coaching erfolgt eine systematische Begleitung eines Mitarbeiters zur Kompetenzverbesserung durch einen professionellen Coach. Im Rahmen des Gruppen-Coaching arbeitet der Coach durch systematische Begleitung mit einer Gruppe zur Verbesserung der Kompetenz der Gruppe und der einzelnen Mitglieder.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung beschreibt den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturwandel, der Unternehmen zu neuen Formen der betrieblichen Weiterbildung zwingt, wobei die Begleitung durch Coaching und LPB an Bedeutung gewinnt.
2. Ein Zugang zur Thematik der Begleitung der beruflich betrieblichen Weiterbildung: Das Kapitel erläutert, dass Begleitung in der Berufsbildung auf eine kontinuierliche Entwicklung abzielt und Lernprozesse durch gezielte Unterstützung stärkt, ohne den selbstgesteuerten Charakter zu untergraben.
3. Coaching: Es wird dargelegt, dass Coaching als Sammelbegriff für professionelle Unterstützung fungiert, um Individuen bei beruflichen Konflikten und Lernprozessen durch Hilfe zur Selbsthilfe zu unterstützen.
3.2. Eigenschaften von Coaching: Hier werden Coaching als interaktiver, personenzentrierter Prozess definiert und die verschiedenen methodischen Rahmenbedingungen sowie Einzel- und Gruppenformate erläutert.
3.3. Der Coach: Dieses Kapitel definiert den Coach als Kompetenz- und Prozessbegleiter, dessen Aufgabe in der Diagnose sowie im Geben von Feedback zur Förderung der Selbstwirksamkeit des Gecoachten liegt.
4. Lernprozessbegleitung: Dieses Kapitel stellt die LPB als ein Konzept vor, das sowohl formelles als auch informelles Lernen am Arbeitsplatz integriert und auf die Förderung individueller Kompetenzentwicklung zielt.
4.2. Eigenschaften von Lernprozessbegleitung: Die LPB wird hier als Synthese aus Lernberatung und Coaching beschrieben, die sich durch starke Prozessorientierung und Kontinuität von anderen Modellen unterscheidet.
4.3. Der Lernprozessbegleiter: Es wird die veränderte Rolle des Weiterbildners beschrieben, der nun als zentraler Ansprechpartner den gesamten Qualifizierungsprozess von der Lernzielklärung bis zur Dokumentation begleitet.
5. Ein Vergleich zwischen Coaching und Lernprozessbegleitung: Das Kapitel stellt die beiden Ansätze gegenüber und verdeutlicht, dass Coaching stärker auf die Reflexion von Veränderungsprozessen setzt, während die LPB den Fokus auf die direkte Begleitung des Lernens legt.
6. Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass beide Konzepte in einer wissensbasierten Wirtschaft unverzichtbar sind, wobei die Wahl des Konzepts von der spezifischen Ausgangslage und Zielsetzung des Unternehmens abhängen sollte.
Schlüsselwörter
Beruflich betriebliche Weiterbildung, Coaching, Lernprozessbegleitung, Kompetenzentwicklung, Selbstgesteuertes Lernen, Prozessorientierung, Lernberatung, Personalentwicklung, Reflexion, Hilfe zur Selbsthilfe, Mentoring, Arbeitsplatzlernen, Handlungskompetenz, Bildungsarbeit, Weiterbildungskonzepte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Begleitungskonzepten Coaching und Lernprozessbegleitung (LPB) in der modernen beruflich betrieblichen Weiterbildung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Anforderungen an betriebliche Bildungsarbeit, die Definition und Methodik von Coaching und LPB sowie deren jeweilige Rolle bei der Förderung individueller Kompetenzen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Coaching und LPB zu vergleichen, um aufzuzeigen, welches Konzept bei unterschiedlichen betrieblichen Anforderungen zur Unterstützung von Lernprozessen am besten geeignet ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf Fachliteratur zur betrieblichen Weiterbildung und aktuellen Begleitungsansätzen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Eigenschaften und Funktionen von Coachs und Lernprozessbegleitern sowie deren spezifische methodische Ansätze innerhalb betrieblicher Lernprozesse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Kompetenzentwicklung, Prozessorientierung, berufliche Weiterbildung, Coaching und Lernprozessbegleitung.
Wo liegt der Hauptunterschied zwischen Coaching und LPB laut der Arbeit?
Während Coaching stark auf die Förderung der Selbstreflexion und die Bewältigung persönlicher sowie beruflicher Veränderungsprozesse zielt, fokussiert die LPB primär auf die direkte, prozessbegleitende Unterstützung des individuellen Lernens.
Warum ist die Wahl des Begleitungstyps für Unternehmen relevant?
Die Wahl hängt von der Ausgangslage ab: Soll die Begleitung von Lerninhalten im Vordergrund stehen, bietet sich die LPB an; geht es hingegen um eine tiefere Kompetenzentwicklung und Selbststeuerung, ist Coaching oft die bessere Wahl.
- Quote paper
- Marc Ehlert (Author), 2011, Coaching und Lernprozessbegleitung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174142