Die Illuminaten und die Religion - Ein Überblick


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

26 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Kurze Geschichte des Illuminatenordens

Inhalte des Illuminatenordens

Rituale und Symbole der Illuminaten

Ritual zur Einführung in den Priestergrad

Analyse

Christliche und freimaurerische Symbole in den Ritualen der Illuminaten

Umfeld der Rituale der Illuminaten

Fazit

Quellen- Und Literaturverzeichnis

Vorwort

Mein Interesse an den die Illuminaten begann nicht, wie man derzeit wohl annehmen könnte, mit den in letzter Zeit zahlreich erschienenen Büchern oder Filmen, die sich der Thematik bedienen. Schon bevor die Illuminaten zum Thema in unserem Seminar wurden war mir klar, dass die Medien ein für ihre Zwecke verzerrtes Bild der Illuminaten liefern. Die Illuminaten haben mit ihrem modernen Mythos außer dem Namen wenig gemein. Erst während des Seminars wurde mir aber eigentlich klar, wie unspektakulär die Illuminaten in Wirklichkeit waren, mein Interesse war geweckt; ich wollte mehr darüber erfahren, wer die Illuminaten wirklich waren, wer die Köpfe hinter dem Orden waren, welche Ziele sie hatten und woran der Orden scheiterte.

Ziel meiner Hausarbeit ist es daher, nach einem kurzen Überblick über die Geschichte der Illuminaten die Ziele und Inhalte des Ordens sowie einige seiner Rituale näher zu beleuchten. Vor allem der Ursprung der Rituale stellte sich als äußerst interessant heraus. Ich habe versucht soweit wie möglich auf die Erstausgaben der Werke von Knigge, Weishaupt und Zwack zurückzugreifen, um Informationen über den Orden und seine Rituale zu erhalten. Allerdings sind diese Quellen mit Vorsicht zu behandeln, denn sie schildern die Ereignisse teilweise mit einem Abstand von bis zu zehn Jahren und sind, wie zum Beispiel die Apologie, in Folge heftiger Konfrontationen zwischen ehemaligen Illuminaten und ihren Anklägern entstanden. Adam Weishaupt war nach der Auflösung des Ordens sehr darauf bedacht diesen Abschnitt seines Lebens herunterzuspielen, um so seinen Ruf zu retten. Daher ist es wahrscheinlich, dass einige seiner Darstellungen nicht der Wahrheit entsprechen, sondern dass es sich dabei um Schutzbehauptungen handelt. Aber auch die Angriffe seiner Gegner sind zum Teil erfunden. Auch dies hat zur Mythenbildung beigetragen, so dass es heute erschwert wird, ein differenziertes Bild des Ordens zu entwerfen und seine Rituale und Ziele verständlich zu machen. Den Abschluss meiner Arbeit bildet ein kurzes Fazit, in dem ich einige Überlegungen zum Verhältnis der Illuminaten zur Religion zum Ausdruck bringen möchte.

Kurze Geschichte des Illuminatenordens

Adam Weishaupts Interesse für Geheimbünde begann etwa um 1774. Seine Versuche, einer Freimaurerloge beizutreten, scheiterten jedoch entweder an den ihm abverlangten Ansprüchen seitens der Maurer oder an seiner Erwartungshaltung.[1] Schließlich entschied sich Weishaupt dafür einen eigenen Geheimbund zu gründen, der seinen Ansprüchen genügen sollte und in dem er seine Anschauungen verbreiten konnte. Dies geschah 1776. Im Jahr der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung gründete Weishaupt in Ingolstadt den Geheimbund der ‘‘Perfectibilisten‘‘. Dieser bestand zunächst nur aus Weishaupt selbst und einigen von ihm ausgewählten Studenten. Weishaupt war bei den Studenten beliebt, obwohl er nicht zu den führenden Köpfen der Universität zählte. Die Aufgabe des Geheimbundes bestand nach Weishaupt darin, sich der Lektüre jener Literatur zu widmen, die Weishaupt durch Jesuiten und andere Feinde der Aufklärung bedroht hielt. Durch die Lektüre aufklärerischer Literatur und anderer von ihm ausgewählter Werke hoffte Weishaupt außerdem seine Schüler zu moralischen und sittlichen Menschen erziehen zu können. Weishaupt selbst bezeichnete dies als sein ‘‘System des Idealismus‘‘.[2]

Die Gründung des Geheimbundes an der Universität Ingolstadt war kein Zufall. Weishaupt selbst beschrieb die Universität als einen Ort, an dem ‘‘ein unaufhörliches Kämpfen und Ringen nach Macht, von Fallen und Steigen der einen oder anderen Parthey‘‘ herrschte.[3] Weishaupt verstand die Universität als den Ort, an dem aufklärerische und reaktionäre Kräfte um die Köpfe der Menschen rangen. Er hatte beobachtet wie die Jesuiten, trotz des Verbots ihres Ordens 1759, weiterhin massiv versuchten Einfluss auf die Studenten zu nehmen. Weishaupt gelangte zu dem Schluss, dass es am besten sei, sich ähnlicher Methoden wie die Jesuiten zu bedienen, auch wenn sein Ziel ein konträres war. Also versuchte er, ganz wie die Jesuiten, Einfluss auf die Studierenden zu nehmen.

Doch sein Geheimbund entwickelte sich zunächst nur schleppend. Weishaupt selbst war nicht charismatisch genug, um neue Mitglieder zu werben. Von Knigge beschrieb Weishaupt als einen großen Denker, dessen Vorträge jedoch zu anspruchsvoll waren und das Publikum daher nicht zu fesseln vermochten. Dies hinderte Weishaupt jedoch nicht daran sich zu beklagen, wie ‘‘saumselig, so schläfrig‘‘ die Aufnahme neuer Mitglieder verlaufe.[4] Erst als Franz Xaver von Zwack, ebenfalls ein ehemaliger Schüler Weishaupts, für den Orden gewonnen werden konnte, begann sich seine Entwicklung zu beschleunigen.

Von Zwack und dem später beigetretenen Adolph von Knigge gelang es, zahlreiche neue Mitglieder anzuwerben und den Orden damit rasch bis über Bayern hinaus zu verbreiten. Allein von Knigge warb nach eigenen Angaben innerhalb weniger Monate über 500 neue Ordensbrüder an.

In Folge dessen ergaben sich jedoch neue Probleme für den Orden, denn die durch von Zwack und von Knigge angeworbenen Ordensbrüder waren in der Mehrzahl bereits etablierte Hofbeamte oder wohlhabende Bürger. Einige gehörten sogar dem niederen Adel an. Weishaupts ‘‘System des Idealismus‘‘ griff bei ihnen nur schlecht, da sie älter, gesellschaftlich etabliert und in ihren Ansichten nicht so leicht beeinflussbar waren wie seine Studenten. Viele dieser neuen Mitglieder verbanden mit dem Orden Erwartungen, die mit den von Weishaupt gewollten Inhalten wenig zu tun hatten. Schuld daran war die bewusst schlechte Information der niederen Klassen. Weishaupt war dennoch verstimmt, denn er fürchtete um seine Autorität über die Ordensinhalte. Von Knigge war sich der Problematik bewusst und ging in ‘‘Philo’s endliche Erklärung und Antwort‘‘ darauf ein.[5] Anders als Weishaupt war von Knigge nicht der Meinung, dass der Orden am meisten erreichen konnte, wenn die Ordensmitglieder in Weishaupts ‘‘Pflanzschule‘‘ erst noch erzogen werden müssten und damit Weishaupt de facto alleiniger geistiger Führer des Ordens war. Von Knigge gab zu bedenken, dass es ein Jahrhundert dauern würde bis ein Orden überhaupt entstehen könnte, wenn nach Weishaupts Methode vorgegangen würde. Es sei daher besser sich zur Zeit geeignete Männer zu suchen und in der Folge auch verschiedene Meinungen innerhalb des Ordens zu dulden. Außerdem könnte der Orden durchaus davon profitieren, wenn ein Problem von verschiedenen Seiten betrachtet würde.[6]

Aus Weishaupts politischen Ambitionen und der raschen Expansion des Ordens entstanden noch weitere Probleme. Die Situation wurde kritisch, nachdem von Knigges Werbefeldzug durch die deutschen Staaten erfolgreich verlaufen war. Mehr und mehr Fragen wurden nun laut; die neuen Mitglieder verlangten Auskunft über die höheren Grade und Weihen des Ordens. Schließlich musste Weishaupt von Knigge gegenüber eingestehen, dass die Strukturen des Ordens noch gar nicht fertig ausgearbeitet seien und die höheren Grade bislang lediglich in seiner Vorstellung existierten.[7] 1781 beauftragte Weishaupt daher von Knigge damit, das Ordenssystem auf Basis seiner Unterlagen auszuarbeiten. Zu diesem Zweck wurde von Knigge in die oberste Riege des Ordens aufgenommen.[8] Von Knigge akzeptierte. Vor allem weil er seinen guten Ruf gegenüber den von ihm geworbenen Personen wahren wollte.

Als von Knigge jedoch gegen Ende 1781 damit fertig war, kam es zum Streit mit Weishaupt. Dieser empfand das von Knigge ausgearbeitete Ordenssystem als zu trocken und zu wenig emotional. Auch war Weishaupt entschieden dagegen die Freimaurer in den Orden zu integrieren; in seiner Vorstellung lösten die Illuminaten die Freimaurer ab. Von Knigge beklagte später Weishaupts Unkenntnis über die Freimaurer: ‘‘Keiner hatte […] Bekanntschaft mit den maurerischen Systemen, von welchen Spartacus am allerwenigsten wusste.‘‘[9] Die Frage, wie sich der Orden gegenüber den Maurern verhalten sollte spaltete die Führungsebene des Ordens in zwei Lager. Auf dem Wilhelmsbader Freimaurerkonvent gelang es Ditfurth, einem Anhänger Weishaupts, und von Knigge zahlreiche Freimaurer für den Orden zu gewinnen. Wie sie dabei vorgingen ist symptomatisch für die Spaltung des Ordens in dieser Frage: Ditfurth tat alles um die ‘‘Strikte Observanz‘‘, eine Dachorganisation mehrerer Maurerlogen, zu zerschlagen. Von Knigge dagegen war subtiler und versuchte die Freimaurer durch Beredsamkeit zu beeinflussen. Als die ‘‘Strikte Observanz‘‘ schließlich zerbrach, nutzte Ditfurth die Gelegenheit und brachte im neu gegründeten ‘‘Elektischen Bund‘‘ mehrere Maurerlogen unter die Kontrolle des Ordens.

Trotz Meinungsverschiedenheiten und schlechter Organisation entwickelte sich der Orden zunächst jedoch rasch weiter. Ab 1781/82 hatten sich in Bayern und anderen deutschen Ländern mehrere Logen gebildet. Das Zentrum der Illuminaten in Bayern war und blieb München. Vor allem dort traten die Illuminaten ab 1782 immer offener in Erscheinung; die von Weishaupt gewünschte Zurück- und Geheimhaltung wurde oftmals vernachlässigt oder ignoriert. Weishaupt kritisierte dieses Fehlverhalten mit drastischen Worten: ‘‘[…]wie Elend es in Athen aussieht; welchen Auswurf von unmoralischen Menschen, von Huren, Lügnern, Schuldenmachern, Großsprechern und eitlen Narren, sie unter sich haben?‘‘[10] Weishaupt sollte Recht behalten: München wurde zum Ausgangspunkt der Illuminatenverfolgung und damit zum Untergang des Ordens.

Ende 1783 kehrten die ersten Illuminaten in München dem Orden den Rücken zu. Sie gehörten mehrheitlich dem patriotischen, konservativen Bürgertum an. Schon kurze Zeit später wurden erste öffentliche Anklagen gegen den Orden laut, der bis dahin ungestört seinen Tätigkeiten nachgehen hatte können. Die ehemaligen Illuminaten, allen voran Utzschneider, bezeichneten den Orden als religionsfeindlich, antipatriotisch und österreichfreundlich. Vorausgegangen war ein Disput zwischen Weishaupt und Utzschneider, den Weishaupt in der Apologie schildert.[11] Ein Versuch der Münchner Illuminaten Anfang 1783, den Kurfürsten als Schutzherren des Ordens zu gewinnen, war zuvor gescheitert. Offenbar kam der Zusammenbruch nicht gänzlich unerwartet.[12]

Die Illuminaten versuchten sich gegen die Anklagen zu verteidigen, indem sie Herzogin Maria Anna gegenüber behaupteten, ihre politischen Aktionen wären stets patriotisch und gegen Österreich gerichtet gewesen. Dies war gelogen; die Illuminaten hatten nach Kräften versucht in Österreich Fuß zu fassen. Zudem sollte diese gelogene Behauptung sich noch als fatal für den Orden erweisen, denn sie bestätigte, dass der Orden politische Ziele verfolgt hatte.[13] Doch zunächst reagierte Kurfürst Karl Theodor verhalten. Im April 1784 erließ er ein allgemeines Verbot aller ohne ‘‘öffentliche Autorität und landesherrliche Bestättigung‘‘ gegründeten ‘‘Communitäten, Gesellschaften und Verbindungen‘‘, das als erstes Illuminatenmandat in die Geschichte einging. Doch die Illuminaten widersetzten sich. Da das kurfürstliche Mandat sie nicht explizit erwähnt hatte , schöpften sie neuen Mut. Erst als ein Flugblatt in den Straßen Münchens zu kursieren begann, spitzte sich die Situation gefährlich zu.

[...]


[1] Van Dülmen, Richard, Der Geheimbund der Illuminaten, Friedrich Frommann Verlag, Stuttgart, 1975, S.

[2] Van Dülmen, Der Geheimbund der Illuminaten, S. 26

[3] Van Dülmen, Der Geheimbund der Illuminaten, S. 25

[4] Van Dülmen, Der Geheimbund der Illuminaten, S. 28

[5] Von Knigge, Adolph, Philo’s endliche Erklärung und Antwort auf verschiedene Anforderungen und Fragen, die an ihn ergangen, seine Verbindung mit dem Orden der Illuminaten betreffend, Schmidtsche Buchhandlung, Hannover, 1788

[6] Von Knigge, Adolph, Philo’s endliche Erklärung und Antwort, S. 66 - 67

[7] Knigge, Philo’s endliche Erklärung und Antwort, S. 54

[8] Nachtrag von weiteren Originalschriften welche die Illuminatensekte überhaupt, sonderbar aber den Stifter derselben Adam Weishaupt, gewesen Professor zu Ingolstadt betreffen, und bei der auf dem Baron Baffusischen Schloß zu Sandersdorf, einem bekannten Illuminaten-Neste, vorgenommenen Visitation entdeckt, sofort auf Churfürstlich höchsten Befehl gedruckt, und zum geheimen Archiv genommen worden sind, um solche jedermann auf Verlangen zur Einsicht vorlegen zu lassen, München, 1787, S. 101

[9] Knigge, Philo’s endliche Erklärung und Antwort, S. 71

[10] Nachtrag von weiteren Originalschriften, S. 42

[11] Weishaupt, Adam, Apologie der Illuminaten, Grattenauerische Buchhandlung, Frankfurt und Leipzig, 1786, S. 63 - 69

[12] Van Dülmen, Der Geheimbund der Illuminaten, S. 84

[13] Van Dülmen, Der Geheimbund der Illuminaten, S. 86

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Die Illuminaten und die Religion - Ein Überblick
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Veranstaltung
HS
Note
2,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
26
Katalognummer
V174150
ISBN (eBook)
9783640944965
ISBN (Buch)
9783640944835
Dateigröße
1382 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
illuminaten, religion
Arbeit zitieren
Christian Wirkner (Autor), 2009, Die Illuminaten und die Religion - Ein Überblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174150

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Illuminaten und die Religion - Ein Überblick



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden