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Das Bild der Hanse in der Forschung während des Nationalsozialismus

Title: Das Bild der Hanse in der Forschung während des Nationalsozialismus

Term Paper (Advanced seminar) , 2001 , 31 Pages , Grade: sehr gut

Autor:in: Christoph Osterholt (Author)

History of Germany - National Socialism, World War II
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Geschichte läuft immer Gefahr, im Rahmen von Gegenwartsdeutung missbraucht zu werden. Dieser Umstand begründet sich in verschiede- nen menschlichen Grundbedürfnissen, die den Rahmen des Ge- schichtsbewusstseins des Individuums bilden. Historische Neugier, die die Quelle jedweder Beschäftigung mit Geschichte ist, Historische Iden- tität des Subjekts, das dieses im Abwägen kollektiver Erinnerungen ge- geneinander entwickelt und sich damit seines eigenen Platzes in der Geschichte vergewissert, sowie Historische Legitimation und Argumen- tation zur gezielten Beeinflussung anderer und zur Erklärung von be- stimmten Verhaltensweisen im Großen wie im Kleinen. Die Ge- schichtswissenschaft soll in der Erwartung der Öffentlichkeit in diesem Rahmen eine regulierende Funktion einnehmen und Instanz für die his- torische Wahrheit sein. Problematisch am Verhältnis zwischen Ge- schichtswissenschaft und öffentlichen Erwartungen ist, dass das öffent- liche Bedürfnis nach einfachen Symbolen, Gewissheiten und Wahrheiten durch die Geschichtswissenschaft, deren „Produkt“ der Diskurs und der Austausch von Argumenten ist, nicht gestillt werden kann.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Der Hansische Geschichtsverein und die Hanseforschung

3. Fritz Rörig

4. Das nationalsozialistische Geschichtsbild

5. Tendenzen der deutschen Geschichtswissenschaft in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

6. Die Publikationen in den Hansischen Geschichtsblättern

6.1 Überlegenheit germanischer Völker

6.2 Überlegenheit einheitlich handelnder Gesellschaften

6.3 Machtgedanke

6.4 Reichsgedanke

6.5 Ostbewegung

7. Schlusswort

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Einflussnahme des nationalsozialistischen Weltbildes auf die deutsche Hanseforschung in der Zeit von 1933 bis 1945. Ziel ist es zu analysieren, ob und inwieweit Fachpublikationen dieser Ära – insbesondere die „Hansischen Geschichtsblätter“ – von ideologischen Vorgaben geprägt waren und wie Historiker historische Gegebenheiten im Sinne aktueller politischer Anforderungen umwerteten.

  • Analyse der Hanseforschung während des Nationalsozialismus
  • Untersuchung der Publikationen in den „Hansischen Geschichtsblättern“ (1920–1957)
  • Bewertung der Rolle des Historikers Fritz Rörig
  • Zusammenhang zwischen Fachwissenschaft und NS-Propaganda
  • Reflexion über Machtgedanken, Ostbewegung und Reichsgedanken in der Geschichtsschreibung

Auszug aus dem Buch

6.1 Überlegenheit germanischer Völker

Walther Ziesemer publizierte im Jahre 1928 seinen Aufsatz „Siedlungsgeschichte Ost- und Westpreußens“, der offensichtlich der Legitimation des deutschen Anspruchs auf diese Gebiete – insbesondere auf Westpreußen – dienen sollte. So verpflichtet sich der Autor zunächst der Wahrheit und lehnt eine politische (die aktuellen Grenzen respektierende) Betrachtung ab. Seine grundlegende Frage ist: Welches Volk besitzt in diesen Gebieten das Heimatrecht? Zur Beantwortung führt er zwei Kriterien an. Zunächst gehöre das Land den Menschen, die es bebauen, des weiteren konstituiere der Besitz einer höheren Kultur das Heimatrecht. Um die Deutschen im Sinne dieser beiden Kriterien zu rechtfertigen, greift er weit in die Geschichte zurück.

In dieser Tradition der germanischen Siedlung konnten sich lt. Ziesemer einzig die Masuren als „Mischvolk“ sowie die alten Preußen (Pruzzen) halten, die zwar nicht germanisch gewesen seien, jedoch einen „starken germanischen Einfluß“ aufgewiesen hätten. Im Mittelalter wurden schließlich Deutsche ins Land gerufen, um es friedlich zu besiedeln, zu kolonisieren und um neue Techniken einzuführen. Ihr Erfolg führte zu Konflikten, denn „deutscher Fleiß und deutscher Reichtum erregten Neid und nationale Gegensätze.“ Der erfolgreichen Besiedelung dieser Regionen steht lt. Autor der Misserfolg des Besiedelungsversuchs im Baltikum gegenüber. Hier war es der Mangel an bäuerlicher deutscher Bevölkerung, der verhinderte, dass die Balten „für die Nationalität ihrer Herren gewonnen werden“ konnten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung: Die Einleitung beleuchtet die allgemeine Problematik des geschichtswissenschaftlichen Missbrauchs zu politischen Legitimationszwecken und führt in die spezifischen Propagandabände zur Hanse im Zweiten Weltkrieg ein.

2. Der Hansische Geschichtsverein und die Hanseforschung: Dieses Kapitel beschreibt die Entwicklung und den Anspruch des Vereins sowie die wissenschaftliche Ausrichtung unter namhaften Mediävisten wie Dietrich Schäfer.

3. Fritz Rörig: Hier wird der Werdegang von Fritz Rörig, der als einflussreichster Hanseforscher dieser Zeit gilt, und seine stadtgeschichtlichen Forschungsschwerpunkte detailliert dargelegt.

4. Das nationalsozialistische Geschichtsbild: Die Darstellung umreißt die zentralen Axiome der NS-Ideologie, insbesondere das Rasseprinzip und das Führerprinzip, und deren Einfluss auf die zeitgenössische Geschichtsdeutung.

5. Tendenzen der deutschen Geschichtswissenschaft in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts: Dieses Kapitel analysiert die Kontinuität und die methodische Selbstwahrnehmung deutscher Historiker in der Auseinandersetzung mit den Anforderungen des NS-Regimes.

6. Die Publikationen in den Hansischen Geschichtsblättern: Der Hauptteil untersucht anhand konkreter Aufsätze die inhaltlichen Tendenzen, darunter die Themenbereiche Überlegenheit, Machtgedanken und Ostbewegung.

7. Schlusswort: Das Fazit stellt fest, dass die Forscher trotz inhaltlicher Überschneidungen mit nationalsozialistischen Deutungsmustern keine direkte Übernahme rassistischer Ideologie im fachwissenschaftlichen Kern nachgewiesen werden kann, wohl aber eine bewusste Sinngebung für aktuelle politische Zustände.

Schlüsselwörter

Hanse, Nationalsozialismus, Fritz Rörig, Geschichtswissenschaft, Hansische Geschichtsblätter, Reichsgedanke, Ostsiedlung, Ostbewegung, Ideologie, Geschichtsdeutung, Historiographie, Machtgedanke, Mittelalterforschung, deutsche Kultur, Siedlungsgeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es grundsätzlich in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert die inhaltliche Ausrichtung und die politische Instrumentalisierung der Hanseforschung während der Zeit des Nationalsozialismus.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die Konzepte von deutscher Überlegenheit, Machtdenken, der Reichsgedanke und die sogenannte „Ostbewegung“ in Bezug auf die hanseatische Geschichte.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es zu klären, ob das in den fachwissenschaftlichen Publikationen der NS-Zeit vermittelte Bild der Hanse den nationalsozialistischen Weltbildern entsprach und wie Historiker ihre Arbeit rechtfertigten.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?

Die Methode umfasst die systematische Untersuchung der „Hansischen Geschichtsblätter“ zwischen 1920 und 1957 sowie eine vergleichende Analyse der Argumentationsmuster führender Historiker jener Zeit.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse spezifischer Themen wie die vermeintliche Überlegenheit germanischer Völker, die Rolle einheitlich handelnder Gesellschaften und die Bedeutung der Hanse für die koloniale Ostpolitik.

Welche Rolle spielt Fritz Rörig in dieser Analyse?

Fritz Rörig wird als die zentralste Figur der Hanseforschung untersucht, dessen Werk exemplarisch die Gratwanderung zwischen wissenschaftlicher Forschung und zeitgenössischer politischer Sinngebung verdeutlicht.

Inwiefern beeinflusste das NS-Regime die Hanseforschung?

Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Wissenschaftler geschichtliche Ereignisse an den Erfordernissen der NS-Eroberungspolitik orientierten, ohne dabei zwangsläufig rassistische Positionen explizit zu übernehmen.

Wie unterscheidet sich die Hanseforschung vor und nach 1945?

Die Arbeit identifiziert einen abrupten Bruch nach 1945, wobei Historiker ihre Deutungsmuster von der „gegenwartsbezogenen“ Geschichte der NS-Zeit hin zu einer scheinbar unpolitischen, neutralen Forschung verlagerten.

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Details

Title
Das Bild der Hanse in der Forschung während des Nationalsozialismus
College
University of Münster  (Abteilung für Westfälische Landesgeschichte)
Course
Hauptseminar zur Fachdidaktik: Störtebeker - 600 Jahre nach seiner Hinrichtung
Grade
sehr gut
Author
Christoph Osterholt (Author)
Publication Year
2001
Pages
31
Catalog Number
V17418
ISBN (eBook)
9783638220033
Language
German
Tags
Bild Hanse Forschung Nationalsozialismus Hauptseminar Fachdidaktik Störtebeker Jahre Hinrichtung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christoph Osterholt (Author), 2001, Das Bild der Hanse in der Forschung während des Nationalsozialismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17418
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