"Benjamin Bridgman - Why are ethnically divided countries poor" - eine Analyse


Rezension / Literaturbericht, 2009

20 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Forschungsstand
2.1 Zusammenhang von ethnischer Heterogenität und Umverteilung
2.2 Zusammenhang von ethnischer Heterogenität mit Bürgerkriegen
2.3 Auswirkungen ethnischer Heterogenität auf den Output

3 Modell
3.1 Grundzüge
3.2 Bürgerkriege
3.3 Zeitlicher Ablauf innerhalb einer Periode
3.4 Glei chgewi cht

4 Numerische Simulationen

5 Ergebnisse
5.1 Reaktion des BIP auf ethnische Heterogenität
5.1.1 Gründe für den Einkommensverlust
5.1.2 Bedeutung der Nettobesteuerung [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]
5.2 Weitere Parameter
5.2.1 Pro-Kopf-Einkommen
5.2.2 Kapitalkoeffizient (K/Y)
5.2.3 Verhältni s von Kapital und Arbeit (K/L)
5.3 B edeutung von Bürgerkri egen
5.3.1 Variation der Simultanität
5.3.2 Variation von [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]
5.3.3 Einfluss des Parameters[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]

6 Handlungsempfehlungen für die Politik
6.1 Verringerung der Bedeutung ethnischer Heterogenität
6.2 Flexibilität der Regierungspolitik

7 Fazit und Bewertung

1 Einleitung

Bei dem zu behandelnden Text von Benjamin Bridgman, Why are ethnically divided countries poor?, handelt es sich um einen 2008 im Journal of Macroeconomics erschie­nenen Aufsatz. Hierin versucht der Autor, die empirisch belegten Einkommensunter­schiede zwischen ethnisch homogenen und ethnisch heterogenen Ländern durch die Entwicklung eines Modells zu erklären.

Empirische Untersuchungen haben gezeigt, dass Länder mit ethnischer Heterogenität ein niedrigeres Einkommen haben als ethnisch homogene Länder. Eine mögliche Ursa­che hierfür ist, dass sich Konflikte zwischen ethnischen Gruppen oftmals zu Bürger­kriegen verschärfen. Dass Kriegsschäden das BIP senken, ist laut Bridgman unbenommen. Er konstatiert aber, dass auch friedliche ethnisch heterogene Länder ein Einkommen aufweisen, das um ein Drittel unter dem von ethnisch homogenen Ländern liegt. Bridgman formuliert daher, unter Einbeziehung verschiedener empirischer Befun­de, ein dynamisches Wachstumsmodell eines ethnisch heterogenen Lands mit zwei Ethnien, um den Verlust an Wirtschaftsleistung gegenüber ethnisch homogenen Län­dern zu quantifizieren und den möglichen Ursachen zuzuweisen.

Er kommt zu dem Schluss, ethnische Heterogenität hemme in erster Linie dadurch Wachstum, dass die jeweils herrschende ethnische Gruppe Ressourcen zugunsten ihrer Mitglieder umverteilt. Dies führt zu Investitionsverzerrung, weil die Mitglieder der an­deren Gruppe nicht frei über ihr Kapital verfügen können, sondern die Umverteilung finanzieren müssen. Umverteilung führt auch dazu, dass die Gruppe, die nicht an der Macht ist, bestrebt ist, durch militärische Gewalt einen Machtwechsel zu erzwingen. Die herrschende Gruppe wiederum setzt auf militärische Stärke, um ihren Gegner von vornherein abzuschrecken. Armeen zu unterhalten verzerrt gleichfalls Investitionsent­scheidungen, da für das Militär benötigtes Kapital und Arbeit dem normalen Wirt­schaftsleben entzogen werden. Aus Konflikten zwischen den beiden Gruppen werden häufig Bürgerkriege, deren Kriegsschäden ebenfalls auf die Wirtschaftskraft schlagen. Bridgman beziffert den Einkommensverlust, der durch Militär und Kriegsschäden be­dingt wird, auf weniger als 25%. Von weitaus größerer Bedeutung sind nach seinem Modell die Umverteilungseffekte, die im Extremfall über 75% betragen.

Im Folgenden wird, nach einem Überblick über den Forschungsstand bezüglich der Auswirkungen ethnischer Heterogenität (2), Bridgmans Modell im Einzelnen vorge­stellt. Zunächst geht es um die Grundzüge und Eigenschaften des Modells (3), danach um numerische Simulationen (4) und Modellergebnisse und daraus folgende Politikan­sätze vorgestellt (5). Zuletzt soll eine kurze Einschätzung von Bridgmans Aufsatz vor­genommen werden (6).

2 Forschungsstand

Bevor Bridgman sein Modell vorstellt, gibt er einen kurzen Überblick über bisherige empirische Forschungsarbeiten. Er unterteilt die Arbeiten in drei Bereiche und fasst sie stichpunktartig zusammen.

2.1 Zusammenhang von ethnischer Heterogenität und Umverteilung

Ethnische Heterogenität führt zu Umverteilungen. Dies geschieht oft in Form von direk­ten Transfers, wie z.B. in Kenia, wo nach der Wahl eines neuen Präsidenten dessen Volksgruppe plötzlich in größerem Umfang von öffentlichen Ausgaben profitierte als zuvor (Barkan/Chege, 1989, zit. n. Bridgman, 2008: 3).

Möglich ist auch Umverteilung durch Protektion, beispielsweise durch Beschäftigung im öffentlichen Sektor, wie es in ethnisch heterogenen Gegenden in den USA vor­kommt (Alesina et. al., 2000, zit. n. Bridgman, 2008: 3)

2.2 Zusammenhang von ethnischer Heterogenität mit Bürgerkriegen

In ethnisch heterogenen Ländern kommt es häufiger zu Bürgerkriegen als in ethnisch homogenen Ländern. Dieser Zusammenhang ist umso ausgeprägter, je gleichmäßiger die Bevölkerung auf die beiden Ethnien aufgeteilt ist. Ferner dauern Bürgerkriege in ethnisch heterogenen Ländern länger an als in ethnisch homogenen Ländern. Die Wahr­scheinlichkeit, dass sich ein ethnisch heterogenes Land zu einem gegebenen Zeitpunkt im Kriegszustand befindet, ist deshalb höher als für ein ethnisch homogenes Land.

Bridgman zitiert für diese Befunde Collier/Hoeffler (1998), Sandler (2000), Elbawa- si/Sambanis (2002) und Collier et al. (2004).

2.3 Auswirkungen ethnischer Heterogenität auf den Output

Ethnische Heterogenität geht mit niedrigerem Output und niedrigeren Wachstumsraten einher. Laut Easterly/Levine (1997) ist ein Gutteil der niedrigen wirtschaftlichen Leis­tungsfähigkeit in afrikanischen Ländern ist auf diese Tatsache zurückzuführen (zit. n. Bridgman, 2008: 3). Dieses Ergebnis wurde trotz Kritik an der Studie selbst durch nach­folgende Arbeiten bestätigt; ein Überblick findet sich in Alesina/La Ferrara (2005, zit. n. Bridgman, 2008: 3).

Die Begründung für die relative Armut ethnisch heterogener Länder liegt nicht nur dar­in, dass in ethnisch heterogenen Ländern häufiger und längere Bürgerkriege geführt werden als in ethnisch homogenen Ländern. Dies spielt natürlich eine Rolle, kann je­doch nicht der einzige Grund sein, denn die direkten Kriegsschäden machen nur einen geringen Teil der negativen Effekte ethnischer Heterogenität auf die wirtschaftliche Entwicklung aus (Easterly/Levine, 1997, zit. n. Bridgman 2008: 3).

3 Modell

Bei Bridgmans nachfolgend dargestelltem Modell handelt es sich um ein dynamisches Wachstumsmodell. Großbuchstaben bezeichnen dabei aggregierte Werte, kleine Buch­staben sind Pro-Kopf-Werte.

3.1 Grundzüge

- Es handelt sich um ein Modell für ein Land mit zwei Ethnien (! = !12).
- Die Haushalte gehören zu einer dieser beiden Ethnien. Sie streben die Nutzenmaxi- mierung ihrer eigenen Gruppe an und verhalten sich untereinander altruistisch, nicht aber gegenüber der anderen Gruppe. Innerhalb der jeweiligen Gruppe können die Haushalte ihre Handlungen vollständig und ohne Kosten koordinieren.
- Haushalte können zwischen Konsum- und Investitionsgütern wählen. Der Nutzen wird dabei allein durch den Konsum bestimmt, d.h. mehr Konsum führt zu einem höheren Nutzen. Innerhalb einer Gruppe haben alle Haushalte die gleichen Präferen­zen.
- Alle Haushalte verfügen über ein bestimmtes Anfangskapital K(0). Dieser Kapital­stock kann im Modell nur „hoch" KH oder „niedrig" KL sein. Investitionen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass der Kapitalstock in der nächsten Periode höher ist als der jetzige Kapitalstock.

Dass Bridgman hier einen probabilistischen und keinen deterministischen Ansatz verwendet, hat einerseits technische Gründe, andererseits kann so sichergestellt wer­den, dass tatsächlich ein Gleichgewicht existiert.

- Haushalte entscheiden sich nicht nur für Konsum, sondern auch für Investitionen, obwohl diese ihren Nutzen nicht direkt steigern. Durch Investitionen können die Haushalte mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit ihren Kapitalstock erhöhen und damit in der nächsten Periode mehr produzieren. So können sie mehr Einkommen generieren und das Mehreinkommen dann für mehr Konsum ausgeben.
- Nur eine der beiden Gruppen stellt die Regierung. Diese besteuert zwar brutto beide Gruppen, lässt jedoch die erhobenen Steuern nur derjenigen Gruppe zukommen, die zum jeweiligen Zeitpunkt an der Regierungsmacht ist. Die Nettobesteuerung wird daher allein von der Gruppe getragen, die nicht an der Regierung ist.
- Der Output ist determiniert durch die Faktoren Arbeit und Kapital, es wird eine Cobb-Douglas-Produktionsfunktion angenommen. Jeder Haushalt verfügt pro Perio­de über 1 Einheit an Arbeit.
- Ein bestimmter Anteil der insgesamt geleisteten Arbeit wird für die militärische Pro­duktion eingesetzt. Die Nachfrage nach Arbeit für militärische und zivile Produktion kann dabei höchstens gleich hoch sein wie das Gesamtangebot an Arbeit durch die Haushalte (Budgetbeschränkung).
- Der Output determiniert das Einkommen, das entweder für Konsum- oder für Inves­titionsgüter verwendet werden kann. Das verfügbare Einkommen ist nicht unbe­grenzt, es gilt die Budgetbedingung (Ausgaben für Konsum- und Investitionsgüter können höchstens genauso hoch sein wie das Nettoeinkommen).
- Alle Akteure verfügen über vollständige Informationen.

3.2 Bürgerkriege

- Gruppen können sich dafür oder dagegen entscheiden, um die Vorherrschaft im Land zu kämpfen. Die Wahrscheinlichkeit zu siegen wird durch " ausgedrückt. " ist eine lineare Funktion mit einem Grenzwert, der die größtmögliche Wahrscheinlichkeit 1 ausdrückt.
- Die Wahrscheinlichkeit ", einen Bürgerkrieg zu gewinnen, erhöht sich mit wachsen­der militärischer Stärke M. Da Arbeit der einzige Faktor ist, der die militärische Stärke bedingt (Kapital spielt für die Militärtechnologie keine Rolle), ist die zahlen­mäßig größere Gruppe im Vorteil. Ihre Haushalte müssen für die gleiche oder eine größere Armeestärke weniger Einheiten an Arbeit aufwenden als die kleinere ethni­sche Gruppe.
- Entschließt sich eine Gruppe zu kämpfen, so muss sie einen Teil ihres eigenen Out­puts für die Finanzierung des Bürgerkriegs aufwenden. Dies senkt den Output und das Einkommen des Landes insgesamt.
- Kommt es nicht zum Bürgerkrieg, so verteilt die bisherige Regierung die Steuerein­künfte weiterhin an ihre eigene Gruppe.
- Kommt es zum Bürgerkrieg, so kann die siegreiche Gruppe die nächste Regierung stellen und die Steuereinnahmen an ihre eigenen Gruppenmitglieder verteilen.
- Neben Bürgerkriegen können auch Schocks zum Regierungswechsel führen. Schocks sind unabhängig von der Stärke der beiden Armeen (z.B. Coups). Sie müs­sen jedoch nicht erfolgreich sein.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
"Benjamin Bridgman - Why are ethnically divided countries poor" - eine Analyse
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Wirtschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Seminar: Ausgewählte Fragestellungen der Volkswirtschaftslehre
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
20
Katalognummer
V174191
ISBN (eBook)
9783640945191
ISBN (Buch)
9783640945092
Dateigröße
1932 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bridgman, ethnische Heterogenität, Armut, dynamisches Modell, ehtnische Mehrheit, Umverteilung
Arbeit zitieren
M.A. Güde Thomas (Autor), 2009, "Benjamin Bridgman - Why are ethnically divided countries poor" - eine Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174191

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