Kreativität ist charakterisiert durch divergentes und produktives Denken, das in seiner Ideenfülle zu außergewöhnlichen oder seltenen Ergebnissen führt, mehrere Lösungswege hervorbringt und sogar eine Veränderung des Ziels veranlassen kann. (Homberger 1/1997, S. 14) Ist diese Definition nicht schon Grund genug, kreativen Texten die Unmöglichkeit der Bewertung zu unterstellen?
Doch Yvonne Greven zufolge können „[k]reative Schülertexte [...] im Deutschunterricht nur gleichberechtigt neben Textanalysen, -interpretationen und Erörterungen Gültigkeit haben, wenn auch sie beurteilt und zensiert werden.“ (Greven, S. 47)
Deshalb setzt sich diese Bachelorarbeit mit den Möglichkeiten und Grenzen der Bewertung kreativen Schreibens im Deutschunterricht der Sekundarstufen I und II auseinander, indem sie auf Grundlage der aktuellen Forschungsliteratur empirische Beispiele aus der Erfahrung des Autors auswertet und einen eigenen Kriterienkatalog vorlegt. Dabei stimmt der Ton der Arbeit die Förderung von Schülerautonomie sowie Selbstbewertungskompetenz und die Nutzung der subjektiven Bewertung nicht nur an, sondern führt konkrete Unterrichtsbeispiele zur Umsetzung an. Damit geht die vorliegende Bachelorarbeit über den theoretischen Rahmen hinaus und strebt nach einer praxisnahen Hilfe zur Unterrichtsvorbereitung.
Inhaltsverzeichnis
1 Vorwort
2 Einleitung
2.1 Die Hürden der Bewertung kreativer Texte
2.2 Die Relevanz der Bewertung kreativer Texte
2.3 Ziele und Grundlagen dieser Arbeit
3 Die Auseinandersetzung mit dem Forschungsstand zur Bewertung kreativer Texte
3.1 Der Gegenstand der Bewertung
3.1.1 Das Textprodukt mithilfe geeigneter Kriterien bewerten
3.1.2 Den Kriterienkatalog an die Schüler vermitteln
3.1.3 Den Schreibprozess berücksichtigen
3.1.4 Die Textfunktion berücksichtigen
3.1.5 Die theoretischen Forderungen in die Praxis umsetzen
3.2 Strategien der Bewertung durch den Lehrer
3.2.1 Eine geeignete Methode der Bewertung wählen
3.2.2 Den Schüler in einem schriftlichen Kommentar beurteilen
3.2.3 Die subjektive Bewertung als Chance nutzen
3.3 Alternativen zur externen Lehrerbewertung
3.3.1 Die Schüler in die Fremdbeurteilung einbeziehen
3.3.2 Die Fähigkeit zur realistischen Selbstbeurteilung fördern
4 Die Analyse der Bewertung kreativer Schülertexte in der Praxis
4.1 Kreatives Schreiben als Klausuraufgabe
4.2 Der Lehrerkommentar zu Schülergedichten
4.3 Die Überarbeitung eines kreativen Textes im Unterricht
4.4 Schlussfolgerungen
5 Schluss
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist die Entwicklung eines umsetzbaren Bewertungssystems für kreative schriftliche Erzeugnisse im Deutschunterricht. Die Autorin untersucht dabei, wie der Lehrer trotz der Herausforderungen hinsichtlich Objektivität und Vergleichbarkeit eine fördernde und transparente Beurteilung gewährleisten kann, die nicht nur das Endprodukt, sondern auch den individuellen Lernprozess des Schülers würdigt.
- Herausforderungen und Relevanz der Bewertung kreativer Schülertexte
- Forschungsstand zu Kriterienkatalogen und prozessorientierter Beurteilung
- Methoden des Lehrerkommentars und Einbeziehung von Schülerfeedback
- Analyse praktischer Beispiele aus verschiedenen Schultypen
- Entwicklung und Reflexion von Bewertungsprämissen für die Praxis
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Das Textprodukt mithilfe geeigneter Kriterien bewerten
Ein Kriterienkatalog ist zweifelsohne unentbehrlich, um im Schreibunterricht Objektivität, Reliabilität und Validität bei der produktorientierten Bewertung herzustellen, auch wenn ein Raster nicht immer alle Eigenheiten eines kreativen Textes zu erfassen vermag. Je nach Schreibaufgabe verändern sich die Gesichtspunkte des Kriterienkatalogs.
Für die Beurteilung kreativer Texte dürfen nicht einfach die normativen Kriterien aus dem Aufsatzunterricht übernommen werden. Um neben der sachlichen die individuelle Bezugsnorm mehr in den Fokus zu nehmen, bedürfen die Kriterien einer Anpassung, indem sie von der Besonderheit des vorliegenden Schülerproduktes ausgehen. Mit diesem Ansatz verschiebt sich der Fokus der Korrekturhandlung, die neben Fleiß, Wissen und kognitiver Leistung nun mehr Wert auf den Einfall, die emotionale Durchdringung, das handelnde Engagement und die produktive Beschäftigung mit der Sache legt.
An dem Bewertungsraster von Ulrich Liebnau lässt sich exemplarisch darstellen, wie ein ungeeignetes Anforderungsmuster aussieht. Er formuliert drei Fragen für kreative Produktionsaufgaben mit verbindlichen Inhalten: „1. Sind die gestellten Forderungen erfüllt?“, „2. Wie wird der vorgegebene Rahmen genutzt?“, „3. Gibt es qualitätsmindernde Faktoren?“. Die Fragen eins und zwei sind ausschließlich normativ. Sie berücksichtigen keine individuellen Unterschiede, die selbst bei Texten mit verbindlichen Inhalten, zum Beispiel hinsichtlich ihrer Sprache, aufkommen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Vorwort: Die Autorin begründet ihre Arbeit mit den im Praktikum erlebten Schwierigkeiten bei der Bewertung kreativer Schreibaufgaben und dem Mangel an fachdidaktischen Lösungsangeboten.
2 Einleitung: Hier werden die Hürden der Bewertung (z.B. mangelnde Objektivität) sowie die Relevanz der Benotung diskutiert und das Ziel definiert, ein eigenes Bewertungssystem zu erarbeiten.
3 Die Auseinandersetzung mit dem Forschungsstand zur Bewertung kreativer Texte: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Fundierung zu Bewertungskriterien, Lehrerstrategien und alternativen Feedbackmöglichkeiten durch Schüler und Selbstreflexion.
4 Die Analyse der Bewertung kreativer Schülertexte in der Praxis: Anhand von drei Fallbeispielen reflektiert die Autorin die Anwendung theoretischer Forderungen im Schulalltag und deckt typische Defizite auf.
5 Schluss: Die Arbeit resümiert, dass eine gelungene Bewertung umfassender Planung bedarf und das Ziel der kontinuierlichen Förderung des Schreiblernprozesses stets im Vordergrund stehen muss.
Schlüsselwörter
Kreatives Schreiben, Deutschunterricht, Leistungsbewertung, Zensierung, Kriterienkatalog, Lernprozess, Schreibdidaktik, Schülertext, Feedback, Lehrerkommentar, Selbstevaluation, Fremdbeurteilung, prozessorientierte Bewertung, Objektivität, pädagogische Sensibilität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Problematik, wie kreative Leistungen von Schülern im Deutschunterricht fair und sinnvoll bewertet werden können, ohne die Kreativität durch zu starre normative Kriterien zu ersticken.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Entwicklung von Kriterien für kreative Texte, die Bedeutung des Schreibprozesses gegenüber dem bloßen Produkt und die Rolle des Lehrers als fördernder Begleiter statt als rein exekutiver Bewerter.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Hauptziel ist die Erstellung eines praxisnahen Bewertungssystems, das dem Lehrer hilft, individuellen Lernfortschritt und kreative Eigenleistungen angemessen zu würdigen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Autorin kombiniert eine theoretische Aufarbeitung des Forschungsstands mit einer retrospektiven Analyse eigener praktischer Erfahrungen (Fallbeispiele aus Abiturprüfung, Mittelschule und Nachhilfe).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert, wie Kriterienkataloge angepasst werden müssen, welche Rolle der Lehrerkommentar einnimmt und wie alternative Formen wie die Mitschülerbewertung oder Selbstevaluation zur Förderung der Schreibkompetenz beitragen können.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Kreatives Schreiben, prozessorientierte Bewertung, Kriterienkataloge, individuelle Bezugsnorm, förderndes Beurteilen und Schreiblernprozess.
Warum hält die Autorin die klassische Ziffernnote bei kreativen Texten für problematisch?
Die Autorin argumentiert, dass Ziffernnoten oft nur Vergleichbarkeit schaffen, aber dem Schüler keine Hinweise zur Verbesserung geben oder seine individuelle Lernentwicklung vernachlässigen.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des Fehlers (z.B. Orthographie) in kreativen Texten?
Sie empfiehlt, den Fokus nicht ausschließlich auf Rechtschreibung und Grammatik zu legen, da dies Schreibblockaden auslösen kann, sondern diese Aspekte vom eigentlichen kreativen Inhalt zu trennen.
- Arbeit zitieren
- Anne Decker (Autor:in), 2011, Das Problem der Bewertung kreativer Schülertexte am empirischen Beispiel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174635