Die Subkultur der Hippies in den USA und Deutschland


Hausarbeit, 2007

16 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.0 Einleitung

2.0 Definitionen der Termini Kultur und Subkultur

3.0 Hippiebewegung in den USA
3.1 Pioniere der Hippiebewegung
3.2 Soziale Herkunft der Hippies
3.3 Politische Weltanschauung und moralische Wertvorstellung
3.4 Spiritualität
3.5 Literatur
3.6 Antimode
3.7 Musik
3.8 Drogenkonsum
3.9 Ende einer Bewegung

4.0 Vergleich zwischen den Hippies in der Bundesrepublik Deutschland und denen in den USA

5.0 Zusammenfassung

6.0 Bibliographie

1.0 Einleitung

Der im Mai 1967 von Scott McKenzie gesungene Song ” San Francisco (Make sure to wear some flowers in your hair) “ wurde zur Hymne einer neuen Ära -- die Hippiebewegung. Eine Subkultur, die sich in weitaus mehr als nur in der Musik ausdrückte. So spiegelte sie sich ebenso, in den Bereichen Mode, Literatur, Politik und Religion wider, aber auch in dem Drogenkonsum. Die Hippiekultur erreichte 1965 Europa und fand auch dort vielen Anhänger. Im Folgenden sollen die einzelnen zuvor genannten Ausführungen der nordamerikanischen und der europäischen Hippiebewegung - am Beispiel der Bundesrepublik Deutschland - untersucht werden und gegenüber gestellt werden. Auch wird Bezug auf deren Ursprung und soziales Gefüge genommen. Vorerst muss der Begriff Subkultur vom Begriff Kultur unterschieden werden.

2.0 Definitionen der Termini Kultur und Subkultur

Da es sich bei der 1965 entstandenen Hippiebewegung um eine Subkultur handelt, muss definiert werden, welche Besonderheiten eine Subkultur ausmachen und inwieweit sie sich vom Begriff Kultur unterscheidet. Die deutsche Übersetzung des lateinischen Präfix Sub- lautet „unter“ oder „unterhalb“1 und wird häufig im Zusammenhang der Unterordnung oder Abhängigkeit benutzt.2 Demzufolge handelt es sich um eine Kultur, die in Rangfolge und Akzeptanz unter der allgemein gültigen Kultur steht und sich von dieser unterscheidet. Zunächst bedarf es der Klärung des Terms Kultur. Prof. Laszlo A. Vaskovics versteht unter dem Begriff Kultur: „Die gesamte Konfiguration von Verhaltensmustern, die den Angehörigen einer Gesellschaft gemeinsam sind.“3 Kultur ist folglich die Gesamtheit aller Einrichtungen, Werkzeuge, Traditionen und Riten, Normen und Werte, Präferenzen und Notwendigkeiten usw. in einer Gesellschaft.4 Der Begriff Kultur beschreibt jenes Ganze, das sich aus Wissen, Glauben, Kunst, Moralauffassung, Gesetzen, Sitten und anderen Fähigkeiten und Gewohnheiten zusammensetzt.5 Dies bedeutet, dass es sich bei einer Subkultur um einen Teil der Gesellschaft handelt, der sich in seinen Einrichtungen, Werkzeugen, Normen und Werten, Präferenzen und Notwendigkeiten in großem Maß von den gegebenen Einrichtungen etc. der existierenden Gesellschaft abhebt.6 Jede Gesellschaft besteht aus verschiedenen Kulturen und Subkulturen, wobei sich diese mit ihren Verhaltensnormen, Wertmaßstäben und ihrem Lebensstil gegenüber der dominanten Kultur beweisen müssen.7 Aus diesen Definitionen wird deutlich, dass der Begriff Subkultur eine Gegenkultur gegenüber der allgemein gültigen Kultur beschreibt. Die Lebensformen der Subkultur sind Teil eines größeren kulturellen Ganzen, weisen jedoch Normordnungen auf, die von der Gesamtkultur abweichen.8

3.0 Hippiebewegung in den USA

3.1 Pioniere der Hippiebewegung

Die im Sommer 1965 von dem Stadtteil Haight-Ashbury in San Francisco ausgehende Hippiekultur folgte ein Jahr nach dem Free Speech Movement an der University of California in Berkeley im Herbst 1964. Ein Verbot auf einem wenige Meter breiten Bürgersteig vor dem Haupteingang des Campus, Geld für politische Aktivitäten außerhalb der Universität zu sammeln und Mithelfer anzuwerben, führte zu lang anhaltenden Konflikten und teilweisem Stillstand der University. Das Free Speech Movement gilt bis heute als das Urmodell der darauf folgenden weltweiten Studentenbewegungen. Die Hippies profitierten von dem politischen Engagement ihrer Vorläufer. Diese hatten ihren Weg gebahnt für die 1965 an verschiedenen Universitäten beginnende teach-in -Bewegung, die auf die aggressive Vietnampolitik der USA aufmerksam machte.9 Mit ihren Lebensvorstellungen knüpfte die Hippiebewegung an die Ideen der Beaten Generation an . Diese Gruppe von Schriftstellern war Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre auf der Suche nach neuen Werten und einer neuen Menschlichkeit. Sie waren hip und galten als erfahren und eingeweiht im Umgang mit politischen Problemen und setzten sich für politische Alternativen ein. Der Hipster stand in der Vereinigten Staaten in den 50er Jahren für die Verkörperung des Existentialismus und war aufgrund seiner Ideale gezwungen, Ausgrenzungen zu erfahren. Die Beaten Generation kann als Anstoß für die einzelnen Protestbewegungen nach dem Zweiten Weltkrieg gesehen werden und in diesem Zuge auch als Vorreiter der Hippiebewegung. Das gemeinsame Ziel - die Verabschiedung von bürgerlichen Zwängen und Karriere, um den wahren Lebenssinn zu erfahren- blieb aber auch in der Hippiekultur erhalten.10

3.2 Soziale Herkunft der Hippies

Es stellt sich die Frage, welcher sozialen Schicht die Anhänger dieser Bewegung größtenteils angehörten. Einen Einblick in das soziale Gefüge der Subkultur geben die Werte der Schichtverteilung des damaligen Zeitraumes 1965-1967 in New Yorks East Village und San Francisco, den Hochburgen der Bewegung. Das Kriterium Schicht gibt Merkmale, Indikatoren und Faktoren - wie z.B. Beruf, Einkommen und Bildung - wieder, die für die Unterteilung einer Gesellschaft bestimmend sind.11 Aus New Yorks East Village gehörten 12% der Hippies zur sozialen Oberschicht, 87% zur Mittelschicht und 1% zur Unterschicht. Eine ähnliche Verteilung liegt in San Francisco vor: 8% der Hippiebewegung entstammen der Oberschicht, 84% der Mittelschicht und 8% entstammen der Unterschicht.12 Es bleibt die Schlussfolgerung zu ziehen, dass der Großteil der Hippies zur Mittelschicht13 gehörte14. Tausende dieser Mittelschichtsjugendlichen verließen ihre Familien, um nach den Grundsätzen der Hippieideale in frei gewählter Armut zu leben, mit einem durchschnittlichen Verdienst von 1000 Dollar im Jahr.15 Sie waren Jahre lang mit den Gepflogenheiten des spießigen Daseins zu Hause konfrontiert worden und hatten erlebt, wie hart ihre Eltern arbeiteten, um die Familie zu ernähren. Es war nicht nur die Suche nach einem Abenteuer, sondern auch eine Flucht vor der Vorstellung, eines Tages wie die eigenen Eltern zu leben.16 Die jungen Erwachsenen versuchten, den von den Eltern ausgehenden Druck abzuschütteln und sich gegen die in der Gesellschaft vorgesehenen sozialen Rollen aufzulehnen.

3.3 Politische Weltanschauung und moralische Wertvorstellung

Mit Slogans wie ” Make love, not war! “ und ” Love, peace and happiness! “ machten sie ihren politischen Standpunkt deutlich: Die Liebe sollte die Welt verbessern. Anlässlich des Vietnamkrieges wurden teach-ins an Universitäten veranstaltet. Hierbei handelte es sich um friedliche Diskussions- und Informationsveranstaltungen, die die schnelle Eskalation der militärischen Eingriffe der USA in Vietnam unter dem 1964 als Friedenskandidat gewählten Lyndon B. Johnson kritisierten.17 Sie wollten die Welt auf friedliche Weise verändern, um ein Leben in einer besseren, schöneren und gerechteren Gesellschaft führen zu können.18 Im Mittelpunkt ihrer Weltanschauung stand der natürliche Mensch, der mit der Vorherrschaft der Normen und Werte der kapitalistischen Gesellschaftsideale, seinem eigentlichen Wesen gegenüber fremd, leben musste. Sie forderten vorrangig kein neues Gesellschaftssystem, sondern die Sensibilisierung und Veränderung des einzelnen. Ihre Kritik galt nicht dem Kapitalismus als solchem, vielmehr dem Rationalismus, der Technokratie und der Bürokratie.19 Die Vertreter der Hippiekultur zweifelten an Amerikas Grundwerten, vor allem an der spießigen Doppelmoral der Mittelschicht und an dem korrupten Verhalten der amerikanischen Oberschicht.20 Sie waren nicht an einer kommunistischen Lebensform interessiert, auch wenn sie alternative Lebensformen in Kommunen praktizierten21 und materielle Werte ablehnten.22 Der täglichen Arbeit verweigerten sie sich ebenso wie der standardisierten Geschlechterverteilung.23 In so genannten bed- oder love-ins übten die Blumenkinder die freie Liebe aus.24 Als Zeichen ihrer friedfertigen und gewaltfreien Handlungen steckten sich die Hippieanhänger Blumen in die Haare.

[...]


1 Vgl. Ernst Klett Sprachen GmbH: Pons Wörterbuch für Schule und Studium: Latein-Deutsch. Stuttgart 2003, S.

2 „ sub potestatem redigere “ bedeutet unterwerfen; „ sub rege “ heißt unter der Herrschaft eines Königs. Vgl. Pons (2003), S. 876.

3 Klaus Farin: Generation kick.de: Jugendsubkulturen heute. München 2001, S.18.

4 Vgl. Farin (2001), S.18.

5 Vgl. Mike Brake: Soziologie der jugendlichen Subkulturen: Eine Einführung. Frankfurt am Main 1981, S.15.

6 Vgl. Farin (2001), S.18.

7 Vgl. Brake (1981), S.15.

8 Vgl. Wolfgang Lipp: „Subkultur“, in: Günter Endruweit/ Gisela Trommsdorff (Hrsg.): Wörterbuch der Soziologie. Stuttgart 1989, S.711-713, hier S.712.

9 Vgl. Klaus R. Allerbeck: Soziologie radikaler Studentenbewegungen: Eine vergleichende Untersuchung in der Bundesrepublik Deutschland und den Vereinigten Staaten. München 1973, S.20.

10 Vgl. Michael G. Symolka: Hippie -Lexikon. Psychodelic, Peace & freie Liebe - Das ABC der Flower-Power- Ära. Berlin 1999, S. 33.

11 Vgl. Ernst M. Wallner: Soziologie: Einführung in Grundbegriffe und Probleme. Darmstadt 1972, S.124.

12 Vgl. Farin (2001), S.65.

13 Die Mittelschicht weist Grundverhaltensweisen wie Ausbildungs-, Aufstiegs- und Zukunftsorientierung auf. Ebenso Gewissenhaftigkeit, Strebsamkeit und Ehrlichkeit. Zu ihr gehören mittlere und größere Unternehmer, Handwerker und Einzelhändler mit vorwiegend unsicherer und defensiver Haltung. Vgl. Wallner (1972), S.122- 124.

14 In der von mir verwandten Literatur gibt es keinen Hinweis auf die Rassenverteilung der Hippies. Es bleibt jedoch der Eindruck, dass es sich um eine vorwiegend weiße Mittelschichtsbewegung handelt.

15 Untersuchungen belegen, dass die überwiegende Mehrheit der Vertreter der Hippiebewegung aus einem Elternhaus stammt, das ein jährliches Einkommen von über 100.000 Dollar erwirtschaftet. Vgl. Farin (2001), S.65.

16 Aufforderungen wie 'Aus dir soll mal etwas Anständiges werden', und 'Du sollst es eines Tages besser haben als wir' gehörten zum täglichen Ton.

17 Vgl. Allerbeck (1973), S.20.

18 Vgl. Jan Feddersen: Woodstock: Ein Festival überlebt seine Jünger. Berlin 1999, S. 11.

19 Vgl. Farin (2001), S.65.

20 Vgl. Symolka (1999), S.126.

21 Ihre Beschäftigung mit Ökologie führte zur Eröffnung von Naturkostläden und zu Ansätzen der alternativen Medizin. Sie setzten sich mit der Verseuchung der Umwelt auseinander und erprobten biodynamische Anbauformen. Vgl. Brake (1981), S.115.

22 Vgl. Farin (2001), S.65.

23 Vgl. Corinna Wodarz: Flower Power & Weltraumdesign: Lebens -und Wohnkultur der 60. und 70. Jahre. Oldenburg 2001, S.15.

24 Vgl. Symolka (1999), S.205.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Subkultur der Hippies in den USA und Deutschland
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Note
2,0
Jahr
2007
Seiten
16
Katalognummer
V174796
ISBN (eBook)
9783640955329
ISBN (Buch)
9783640955671
Dateigröße
417 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Subkultur, Hippies, USA, BRD, Mode, Kultur
Arbeit zitieren
Anonym, 2007, Die Subkultur der Hippies in den USA und Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174796

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