„Wir glauben an IHN, das Fliegende Spaghettimonster. ER hat die Welt erschaffen, […]. ER hat […] uns glauben gemacht, die Welt wäre entstanden und hätte sich selber geschaffen. […] Wir sind die einzigen, die den wahren Glauben erkennen und weitergeben. Beten Sie IHN an, denn ER ist Schöpfer und der Herr in der Nudelsauce. RAmen!“ - Diese Zeilen klingen wie ein Glaubensbekenntnis. Doch hier wird statt von Gott von einem fliegenden „Spaghettimonster“, einem „Herr in der Nudelsauce“ und von „RAmen“ statt „Amen“ gesprochen. Laut dem Begründer Bobby Henderson ist das Fliegende Spaghettimonster (abgekürzt FSM) eine eigene Religion. Anhand der Begriffe Religion und Religiosität, die bereits in der Vorlesung des Wintersemesters 2010/2011 „Einführung in die systematische Theologie“ behandelt wurden, möchte ich erörtern, ob man das FSM wirklich als Religion bezeichnen kann. Es soll geschildert werden, was Religion und Religiosität jeweils ist und warum diese Begriffe nicht miteinander gleichzusetzen sind bzw. warum man sie von einander unterscheiden muss. Außerdem ist es für die Klärung der Frage, ob das FSM eine Religion ist, von Belang, die Entstehung bzw. den Entstehungsort von Religiosität zu diskutieren. Als erstes möchte ich darauf eingehen, in welchem Kontext das Fliegende Spaghettimonster entstanden ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kontext der Entstehung des Fliegenden Spaghettimonsters
3. Religion und die Religion des FSM
4. Religiosität und die Religion des FSM
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht auf Basis systematischer Theologie, inwieweit die Bewegung des „Fliegenden Spaghettimonsters“ (FSM) die wissenschaftlichen Kriterien einer Religion oder Religiosität erfüllt und ob sie als solche klassifiziert werden kann.
- Analyse des Begriffs der Religion und Abgrenzung zum Begriff der Religiosität.
- Untersuchung des Entstehungskontextes als Reaktion auf die „Intelligent-Design“-Bewegung.
- Kritische Analyse des Glaubensbekenntnisses der „Pastafaris“.
- Bewertung des Pastafarianismus hinsichtlich religiöser Autonomie und Gemeinschaftsbildung.
- Einordnung des FSM als Religionsparodie und atheistische Ausdrucksform.
Auszug aus dem Buch
Religiosität und die Religion des FSM
Religiosität ist im Gegensatz zu Religion „die Geneigtheit, die eigene Endlichkeit als prinzipiell nichtig bzw. als real aufgehoben ansehen zu wollen.“ Wenn ein Mensch religiös ist - über Religiosität verfügt, neigt er dazu nicht endlich sein zu wollen und seine Sterblichkeit als überwindbar anzusehen. Aus der grundlegenden Form der Religiosität entfaltet und entsteht Religion. Zwar formt Religiosität Religion, ist aber selbst nicht Religion. Religiosität ist im Gegensatz zu Religion ein weitgefasster und übergeordneter Begriff. Deswegen sind die Begriffe Religiosität und Religion nicht gleichzusetzen. Schließlich bedeuten sie auch nicht das Gleiche. Kann man Personen, die an das FSM glauben, als religiös bezeichnen?
Diese Frage ist nur sehr schwer zu beantworten. Die Pastafaris glauben – wie bereits erwähnt - an ein Leben nach dem Tod. Heißt das aber gleichzeitig auch, dass sie daran interessiert sind, nicht sterblich oder ebenso erlösungsbedürftig zu sein? Das Interesse nicht begrenzt zu leben, ist nur ein Stadium der Religiosität, über welches viele Menschen nicht hinauskommen. „Die Religiosität des Standpunktes der Religion“ ist eine spezifische Art von Religiosität und erst dieser sagt aus, „Ich bin erlösungsbedürftig!“. Der Standpunkt der Religion des FSM ist, dass die Welt einzig und allein von einem Fliegenden Spaghettimonster erschaffen wurde (man bedenke den oben geschilderten Widerspruch im Glaubensbekenntnis), welches aber nicht nachweisbar ist. Außerdem spricht sich diese Religion „gegen Diskriminierung, Vorurteile, religiöse Dogmen, Nötigung und Frauenfeindlichkeit“ aus. Aus diesen Standpunkten ist es folglich nicht genau erschließbar, ob die Religion des FSM die Auffassung des Erlösungsbedürftig-sein vertritt. Denn die Standpunkte schreien nicht nach Erlösung. Das muss aber nicht heißen, dass der Pastafarianismus nicht religiös ist. Denn auf der anderen Seite muss das FSM religiös sein, da Religiosität – wie bereits erwähnt - Religion formt und sich von ihr her entfaltet. Dies lässt sich genauer mit Hilfe des Entstehungsortes von Religiosität erörtern.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema „Fliegendes Spaghettimonster“ und die Zielsetzung, dessen Status als Religion anhand theologischer Begriffe zu prüfen.
2. Kontext der Entstehung des Fliegenden Spaghettimonsters: Darstellung der Ursprünge des FSM als kritische Antwort auf die „Intelligent-Design“-Bewegung im Jahr 2005.
3. Religion und die Religion des FSM: Analyse des pastafarianischen Glaubensbekenntnisses und Vergleich mit christlichen Dogmen sowie der wissenschaftlichen Definition von Religion.
4. Religiosität und die Religion des FSM: Untersuchung des Verhältnisses von Religiosität und Religion, inklusive der Frage nach der individuellen religiösen Entwicklung der „Pastafaris“.
5. Fazit: Abschließende Einordnung des FSM als Religionsparodie und als Ausdruck einer Auseinandersetzung mit der Willkür von Schöpfungsgeschichten.
Schlüsselwörter
Fliegendes Spaghettimonster, FSM, Religion, Religiosität, Pastafarianismus, Intelligent Design, Bobby Henderson, Systematische Theologie, Glaube, Religionsparodie, Atheismus, Schöpfung, Jenseitsvorstellung, Religionswissenschaft, Pastafaris.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen des „Fliegenden Spaghettimonsters“ und prüft, ob dieses kritische Konzept nach wissenschaftlichen Maßstäben als echte Religion eingestuft werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit verknüpft Themen wie Religionsdefinitionen, das Verhältnis zwischen Religiosität und Religion, die Geschichte des Intelligent-Design-Konflikts und die soziologische Rolle von Religionsparodien.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Status des FSM als „Religion“ theoretisch zu hinterfragen und zu analysieren, ob die Anhänger (Pastafaris) nach theologischer Definition als „religiös“ gelten können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein religionswissenschaftlicher bzw. systematischer Ansatz gewählt, der theoretische Definitionen (nach Schrödter u.a.) auf das Glaubensbekenntnis und die Praxis der Pastafaris anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Entstehungsgeschichte, der detaillierten Analyse des pastafarianischen Bekenntnisses sowie einer Differenzierung zwischen den Begriffen „Religion“ und „Religiosität“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Schlagworte sind Fliegendes Spaghettimonster, Pastafarianismus, Religionsparodie, Religiosität, Glaube und Intelligent Design.
Wie unterscheidet der Autor zwischen Religion und Religiosität beim FSM?
Der Autor argumentiert, dass Religion ein konkretes Glaubenssystem ist, während Religiosität eine übergeordnete menschliche Geneigtheit beschreibt, die Endlichkeit zu überwinden; das FSM erfüllt nach dieser Logik eher die Kriterien der Religiosität als die einer klassischen christlichen Religion.
Welche Rolle spielt die „Nudeltaufe“ in der Argumentation?
Die Nudeltaufe dient als Beispiel für „religiöse Gemeinschaftserlebnisse“, die laut der herangezogenen Theorie von Oser und Furrer notwendig sind, um eine höhere Stufe religiöser Entwicklung zu erreichen.
Warum wird das FSM auch als atheistische Ausdrucksform gewertet?
Weil das FSM Gott und den Glauben an ihn negiert, indem es eine parodistische „Schöpfungsgeschichte“ entwirft, die die Argumente der Intelligent-Design-Bewegung ad absurdum führt.
- Arbeit zitieren
- Antonia Zentgraf (Autor:in), 2011, "Das Fliegende Spaghettimonster" - Eine Religion!?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175348