Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem 'Chat' als Kommunikationsform zwischen den Polen der Mündlichkeit und Schriftlichkeit: Nach Vorstellung der technischen Grundlagen eines Chats und Funktionen von Nicknames soll untersucht werden, welche Merkmale der gesprochenen Sprache in der Chat-Kommunikation auftreten und auf welche Weise sie in diesem schriftlichen Medium realisiert werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Grundlagen eines Chats
2.1 Technische Voraussetzungen
2.2 Nicknames
3 Chat-Kommunikation – zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit
3.1 Syntax
3.1.1 Syntaktische Strukturen
3.1.2 Verbstämme
3.1.3 Zuschreibungsturns
3.2 Morphologie
3.2.1 Akronyme
3.3 Lexik
3.3.1 Lexikalische Merkmale der Umgangssprache
3.3.2 Jugendsprache und Anglizismen
3.4 Phonetik
3.4.1 Phonetische Merkmale der Umgangssprache
3.5 Semiotik
3.5.1 Smileys
3.5.2 Graphostilistische Mittel
4 Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die sprachlichen Besonderheiten der Chat-Kommunikation, um zu klären, wie diese computervermittelte Kommunikation zwischen den Polen Mündlichkeit und Schriftlichkeit einzuordnen ist. Das primäre Ziel ist die Analyse sprachlicher Phänomene, die eine Annäherung an gesprochene Sprache im schriftlichen Medium ermöglichen.
- Technische Grundlagen und soziale Funktion von Nicknames in Chaträumen.
- Kommunikationstheoretische Verortung von Chats im Modell der konzeptionellen Mündlichkeit.
- Analyse syntaktischer, morphologischer und lexikalischer Merkmale der Chatsprache.
- Rolle von Emoticons und graphostilistischen Mitteln zur Kompensation nonverbaler Aspekte.
- Einfluss von Ökonomieprinzipien auf die Textproduktion in synchronen Online-Gesprächen.
Auszug aus dem Buch
2 Die Grundlagen eines Chats
Chatten (engl. to chat) bedeutet soviel wie ‚plaudern’ oder ‚schwatzen’. Die Online-Kommunikation im Chat erfolgt synchron und kann mit dem Telefon oder CB-Funk verglichen werden. Der wesentliche Unterschied des Chats besteht jedoch darin, dass die Mitteilungen nicht mündlich, sondern in schriftlicher Form übermittelt werden. Die Interaktionspartner geben ihre Nachrichten über die Tastatur in ein Eingabefeld ein, die nach dem Betätigen der ‚Enter’-Taste (nahezu) zeitgleich auf dem Bildschirm der beteiligten Kommunikanten erscheinen. „Wie beim Telefonieren und beim CB-Funk erfolgt die Interaktion also direkt, synchron und wechselseitig, aber eben nicht sprechsprachlich, sondern schriftsprachlich.“ (Runkehl et al. 1998: 73)
Der Zugang zu den Chaträumen kann auf unterschiedlichen Wegen erfolgen: Der wohl bekannteste und meistgenutzte Chat ist der Internet Relay Chat (kurz: IRC). Der öffentlich zugängliche IRC – auch als die ‚Grande Dame’ des Netzchats bezeichnet – stellt ebenso wie das World Wide Web einen Teilbereich des Internet dar. Das im Jahre 1988 von dem Finnen Jarkko Oikarinen entwickelte Chat-System fand in einem Zeitraum von 10 Jahren beachtliche Verbreitung „und ist nunmehr ein weltumspannendes Kommunikationssystem mit Tausenden von Teilnehmern.“ (Ebd.: 73) Hohen Bekanntheitsgrad erreichte der Internet Relay Chat laut einer Weblegende „durch den Golfkrieg in Persien […], als Statusberichte in einem bestimmten Kanal durchgegeben wurden, in dem sich angeblich bald rund um die Uhr Tausende Leser aus der ganzen Welt tummelten, um Nachrichten über den Krieg zu hören.“ (Heine 2001: 92)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der computervermittelten Kommunikation ein und legt den Fokus auf den Chat als neuartiges, synchrones Kommunikationsmedium.
2 Die Grundlagen eines Chats: Dieses Kapitel erläutert die technischen Voraussetzungen von IRC, Web-Chats und Instant Messengern sowie die identitätsstiftende Rolle von Nicknames.
3 Chat-Kommunikation – zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit: Dieses zentrale Kapitel analysiert anhand linguistischer Parameter (Syntax, Lexik, Phonetik etc.), warum Chatten konzeptionell als mündlich, medial jedoch als schriftlich einzuordnen ist.
4 Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass Chatter innovative Strategien nutzen, um die Distanz des schriftlichen Mediums durch Merkmale der gesprochenen Sprache zu überbrücken.
Schlüsselwörter
Chat-Kommunikation, Mündlichkeit, Schriftlichkeit, computervermittelte Kommunikation, Nicknames, Syntax, Verbstämme, Inflektive, Akronyme, Emoticons, Netzsprache, Internet Relay Chat, Sprachökonomie, konzeptionelle Mündlichkeit, Medienlinguistik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den sprachlichen Aspekten der Chat-Kommunikation und untersucht, wie Nutzer in diesem virtuellen Raum trotz des schriftlichen Mediums eine Nähe zur gesprochenen Sprache herstellen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den technischen Grundlagen des Chattens, der Rolle von Pseudonymen sowie einer detaillierten sprachwissenschaftlichen Analyse syntaktischer, morphologischer, lexikalischer und phonetischer Merkmale.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Untersuchung zielt darauf ab, die kommunikationstheoretische Einordnung von Chat-Beiträgen im Spannungsfeld zwischen den Polen Mündlichkeit und Schriftlichkeit zu bestimmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine korpusbasierte Analyse realer Chatmitschnitte, die im Hinblick auf linguistische Parameter wie das Modell der konzeptionellen Mündlichkeit von Koch und Österreicher ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert, wie Chat-Nutzer durch innovative Schreibweisen (z.B. Verbstämme, Akronyme), den Verzicht auf orthographische Regeln und den Einsatz von Emoticons paraverbale Informationen aus der Face-to-Face-Kommunikation in Textform simulieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Chat-Kommunikation, konzeptionelle Mündlichkeit, Medialität, Netzsprache, Inflektive und computervermittelte Kommunikation.
Was ist die Funktion von Nicknames im Chat?
Nicknames dienen nicht nur der technischen Zuordnung von Beiträgen, sondern fungieren als „Visitenkarte“, über die Identitäten konstruiert und soziale Interaktionen im virtuellen Raum initiiert werden.
Warum verwenden Chatter Emoticons wie Smileys?
Emoticons dienen als Ersatz für nonverbale Signale wie Mimik oder Gestik, um emotionale Zustände oder evaluative Haltungen in der rein schriftlichen Umgebung des Chats für den Partner interpretierbar zu machen.
- Quote paper
- Florian Hoffarth (Author), 2003, Aspekte konzeptioneller Mündlichkeit in der Chat-Kommunikation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17536