Der physisch-geographische Naturraum Südamerikas


Hausarbeit (Hauptseminar), 1988

45 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Lage und Fläche

3. Relief

4. Geologie und Tektonik
4.1 Geologie
4.2 Erdbeben und Vulkanismus
4.2.1 Erdbeben
4.2.2 Vulkane

5. Klima

6. Vegetation

7. Böden

8. Natürliche Ressourcen
8.1 Land- und Waldwirtschaft
8.2 Bodenschätze
8.3 Energierohstoffe

9. Abbildungsverzeichnis

10. Literaturangaben

1. Einleitung

In der vorliegenden Arbeit soll der physisch-geographische Naturraum Süd- amerikas behandelt werden. In diesem Überblicksreferat können nur die Großregionen in vereinfachender Form vorgestellt werden. Südamerika bietet hinsichtlich seiner natürlichen Ausstattung eine regional differenzierte Groß- gliederung, die sich in den einzelnen Geofaktoren widerspiegelt. Die riesige Spannbreite der natürlichen Ausstattung lässt sich in drei Kategorien fassen:

- Relief, Geologie und Tektonik
- Klima, Vegetation und Böden
- Bodenschätze

Entgegen dem häufig üblichen wissenschaftlichen Vorgehen erwies sich die Verwendung von Zeitschriftenartikeln für das gestellte Thema nicht als besonders sinnvoll.1 Stattdessen stützt sich die Arbeit auf Handbücher, deren Inhalt durch einzelne Monographien überprüft und ergänzt wurde.

2. Lage und Fläche

Südamerika nimmt mit 17,8 Millionen km² etwa 12 % der Landoberfläche der Erde ein.2 Der viertgrößte Kontinent bildet zusammen mit Nord- und Mittelamerika die Westfeste der Erde.3

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Geographische Grundkarte4

Die Hauptmasse Südamerikas liegt beiderseits des Äquators. Die Gesamtlänge erstreckt sich von 12° nördlicher Breite bis 55° südlicher Breite mit insgesamt 7.500 km. Die größte West-Ost-Ausdehnung liegt bei 7° südlicher Breite mit 5.000 km. Nach Süden verschmälert sich die Landmasse rasch.5 Im Westen ist Südamerika vom Pazifischen Ozean und im Osten vom Atlantischen Ozean umgeben. Im Norden ist Südamerika durch schmale Landbrücken mit Mittelund Nordamerika verbunden.

3. Relief

Der einfach gebaute Kontinent zeichnet sich durch eine deutliche Längsgliederung aus.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Physische Karte6

Orographisch und morphologisch lassen sich in einer ersten Grobgliederung drei Großräume unterscheiden: die Anden, die Bergländer und die Tiefländer.7

- Anden

Die Anden, die auch Kordilleren genannt werden, erstrecken sich in Nord-Südrich- tung auf der pazifischen Seite. Es handelt sich um ein Hochgebirge, das Höhen von fast 7.000 m erreicht (6.953 m bei Acongua in der Nähe von Santiago de Chile). Die Anden sind etwa 8.000 km lang und bis zu 700 km breit.

Die verschiedenen Höhenlagen und die unterschiedliche Breite des Gebirgskör- pers gliedern die Anden hauptsächlich in drei Bereiche. Der nördliche Bereich in Kolumbien und Venezuela ist stark aufgefächert. Die einzelnen Ketten, West-, Zentral- und Ostkordilleren, werden durch Flüsse wie den Rio Magdalena stark aufgegliedert. In Ecuador haben sich zwei orographische Ketten entwickelt. Von der Grenze von Ecuador/Peru beginnt der Bereich der Zentralanden. Die Kordillere Perus wird von Längstalfurchen durchzogen, in denen die wichtigsten Quellflüsse des Amazonas entspringen, so der Rio Marañon und der Rio Ucayali. In der Küstenzone von Südperu und Nordchile hat sich vor den Anden eine extreme Wüste, die Atacama-Wüste entwickelt. Bei Antofagasta (Nordchile) liegt mit einem Höhenunterschied von fast 14 km auf 250 km der größte Höhensprung der Erde, zwischen der Spencer F. Byrd-Tiefe (- 8.066 m) und dem Vulkan Llullaillaco (+ 6.723 m). In den Zentralanden liegen die meisten der Gipfel auf über 6.000 m. Ab 35° Süd, etwa von Santiago de Chile südlich, kann man die südlichen Anden ansetzen. Die Höhen nehmen stark ab und pendeln sich auf knapp 4.000 m ein. Das Gebirge ist durch zahlreiche fjordartige Flüsse und glazigene Seen stark zerklüftet. Dieses Gebiet wird auch „südchilenische Schweiz“ genannt. Ab 50° Süd fallen die Höhen auf etwa 2.000 m.

- Bergländer

Im Ostteil des Kontinents herrscht dagegen Mittelgebirgscharakter vor. Es handelt sich um ein zweigliedriges Bergland. Im Nordosten das Bergland von Guayana und jenseits der breiten Amazonassenke das Bergland von Brasilien. Die maximalen Höhen liegen bei etwa 2.800 m (Roraima 2.810 m - Bergland von Guayana; Pico de Bandeira 2.890 m - Bergland von Brasilien). Die Bergländer werden von allen Seiten von Fluss-Systemen angezapft. Östlich des Berglandes von Brasilien befindet sich das Hochland von Mato Grosso mit Höhen von etwa 800 m. Im Süden Argentiniens schließlich liegt das ostpatagonische Tafelland.

- Tiefländer

Zwischen den Anden und den Bergländern gibt es im Zentrum des Kontinents scharf abgegrenzte Tiefländer. Die durchschnittlichen Höhen liegen bei 200 m. Allen voran ist das Amazonastiefland zu nennen, das so groß ist wie Europa. Der Rio Amazonas ist mit 6.500 km Länge und mit über 200 Nebenflüssen eines der größten Fluss-Systeme der Welt und prägt ein geschlossenes Waldgebiet. Nörd- lich davon liegt in Venezuela das Orinoco-Becken. Mit 2.500 km Länge ent- wässert der Rio Orinoco die Ebenen Kolumbiens und Venezuelas.

Südlich des Amazonas, von 15° Süd an, sind es die Fluss-Systeme des Rio Paraná und des Rio Paraguay mit 4.700 km Länge, die durch das Tiefland der La-Plata-Länder Paraguay, Uruguay und Argentinien fließen.

Zwischen den Anden und dem Rio Paraná erstreckt sich der Raum des Gran Chaco, eine Ebene, die von 100 auf 300 m ansteigt und in den Ländern Paraguay und Argentinien liegt. Der Gran Chaco geht nach Süden allmählich in die Pampa Argentiniens und ins Patagonische Tiefland über.

4. Geologie und Tektonik

4.1 Geologie

Die Gliederung des Reliefs entspricht im Großen und Ganzen dem geologischen Aufbau. In Südamerika stehen sich im Wesentlichen folgende drei verschiedene geologisch-tektonische Einheiten gegenüber: die Bergländer, die Anden und die Tiefländer.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Karte Geologie/Tektonik8

Der Osten des Erdteils ist bedeckt mit Grundgebirgsschilden, dem Guayanaschild und dem brasilianischen Schild, auch brasilianische Masse genannt. Sie gehören zu den ältesten Gliedern der Erdkruste und wurden schon in präkambrischer Zeit gebildet.9 Diese alten Gebirgsmassen sind wie die südliche patagonische Masse Teile des kristallinen Grundgebirges.10 Sie sind heute ruhige tektonische Zonen; aktiver Vulkanismus und Erdbeben fehlen. Ihre Struktur ist seit 500 Millionen Jahren weitgehend unverändert geblieben, da seit dem Ende des Präkambriums keine Gebirgsbildung mehr außerhalb des andinen Raums ablief. Die einzelnen Blöcke wurden durch Bruchbildung zerlegt und durch weitgespannte epirogene Bewegungen erfasst.11 Die Oberfläche ist während einer langen Denudations- phase zur Zeit der archäischen Faltungen eingeebnet worden und wurde mit einer Rumpfzone überzogen. Im Altpaläozoikum ist das Becken zwischen dem Bergland von Guayana und dem von Brasilien abgesunken. Es kam zu Bruch- bildungen und Überschiebungen von Schollen. Sowohl die Transgression des Silur- wie des Devonmeeres folgte. Die in der Folgezeit auf diesen Einebnungs- flächen abgelagerten paläozoischen und mesozoischen Deckschichten wurden wenig gestört, so dass sie großen Teilen der Bergländer von Brasilien und Guayana den Charakter von Schichtstufenländern haben.12 In den pampinen Gebirgen treten nochmals Teile der alten brasilianischen Masse als Horste und Keilschollen an die Oberfläche.13

Das Andensystem verdankt seine Entstehung der jüngsten, der tertiären Gebirgs- bildungsära, wenngleich stellenweise tektonisch ältere Glieder mit eingebaut sind. Die Anden treten hart an den Pazifischen Ozean heran, so dass nur an wenigen Stellen größere Küstenebenen auftreten.14 Die Anden, die in mehreren Phasen in der Kreidezeit und im Alttertiär entstanden sind, werden von zahlreichen Gebirgsketten gebildet. Sie werden durch Hochebenen (Altiplano) und tief eingeschnittenen, südlich ausgerichteten Talfurchen gegliedert.

[...]


1 Dies ergab sich aus der Bibliographie führender geographischer Zeitschriften. So wurde in der Zeitschrift „Erdkunde“ für den Zeitraum 1976 bis 1985 nur 13 Artikel gefunden, die sich mit der physischen Geographie Südamerikas beschäftigten. Diese Artikel behandeln jedoch nur Spezialfragen, wie folgende drei Beispiele exemplarisch zeigen sollen:
- C. Schubert, Evidence of former glaciation in the Sierra de Perija, western Venezuela, in: Erdkunde Bd. 30 (1976), S. 222-224.
- W. Lauer, Ökologische Klimatypen am Ostabfall der mexikanischen Meseta, in: Erdkunde Bd.
32 (1978), S. 101-110.
- W. Golte, Die südandine und die brasilianische Araukarie. Ein ökologischer Vergleich, in: Erdkunde Bd. 32 (1978), S. 279-296.

2 Vgl. Zeil, Südamerika, S. 1.

3 Vgl. Neef, Gesicht der Erde, S. 430.

4 Quelle: Alexander-Weltatlas, S. 92.

5 Vgl. Neef, Gesicht der Erde, S. 430.

6 Quelle: Alexander-Weltatlas, S. 86.

7 Vgl. für dieses Kapitel: Zeil, Südamerika, S. 1-5.

8 Quelle: Alexander-Weltatlas, S. 85.

9 Vgl. Neef, Gesicht der Erde, S. 431.

10 Vgl. Lateinamerika-Ploetz, S. 11.

11 Vgl. Zeil, Südamerika, S. 26.

12 Vgl. Schmieder, Neue Welt, Bd. 1, S. 208.

13 Vgl. Schmieder, Neue Welt, Bd. 1, S. 209.

14 Vgl. Neef, Gesicht der Erde, S. 431.

Ende der Leseprobe aus 45 Seiten

Details

Titel
Der physisch-geographische Naturraum Südamerikas
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Geographisches Institut)
Veranstaltung
Regionale Probleme Südamerikas
Autor
Jahr
1988
Seiten
45
Katalognummer
V175493
ISBN (eBook)
9783640964666
ISBN (Buch)
9783640964918
Dateigröße
3287 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Südamerika, Geographischer Naturraum, Physisches Potential, Relief Südamerikas, Geologie Südamerikas, Tektonik Südamerikas, Erdbeben Südamerikas, Vulkanismus Südamerikas, Klima Südamerikas, Vegetation Südamerikas, Böden Südamerikas, Natürliche Ressourcen Südamerikas, Land- und Waldwirtschaft Südamerikas, Bodenschätze Südamerikas, Bergbauprodukte Südamerikas, Energierohstoffe Südamerikas
Arbeit zitieren
Roland Engelhart (Autor), 1988, Der physisch-geographische Naturraum Südamerikas, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175493

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