Es handelt sich um eine Klasse der gymnasialen Oberstufe. Dabei kann und sollte diese Unterrichtsreihe bzw. das Thema der Stunde von einem Leistungs-, Prüfungskurs oder Abdeckerkurs behandelt werden.
Inhaltsverzeichnis
1.) Lerngruppenbeschreibung
2.) Unterrichtszusammenhang
3.) Sachanalyse
4.) Didaktische Analyse
5.) Methodische Reflexion
6.) Lernziele
Zielsetzung & Themen
Ziel dieses Unterrichtsentwurfs ist es, Schülern der gymnasialen Oberstufe die Thematik der Sprachkrise und Sprachskepsis anhand des Gedichts "Linguistik" von Hilde Domin näherzubringen und die historische Dimension der Lyrik nach 1945 zu erschließen.
- Analyse des Gedichts „Linguistik“ hinsichtlich Form, Inhalt und Sprachfunktion.
- Untersuchung der Sprachskepsis als Indiz für den historischen Umbruch nach 1945.
- Deutung symbolischer Motive wie des Obstbaums im Kontext von Lebenskrise und Neuanfang.
- Verknüpfung von literaturwissenschaftlicher Analyse mit historischem Wissen über die NS-Zeit.
- Erprobung interpretativer Methoden im Rahmen eines schülerorientierten Unterrichts.
Auszug aus dem Buch
Sachanalyse
Hilde Domin, eigentlich Hilde Palm (1909-2006) ist eine deutsche Schriftstellerin, die hauptsächlich als Lyrikerin bekannt geworden ist. Als Tochter einer bürgerlichen, jüdischen Familie emigriert sie im Oktober 1932 mit dem Kunsthistoriker Erwin Walter Palm nach Rom wegen des immer stärker werdenden Nationalsozialismus. Nach 22 Jahren Exil kehrte sie 1954 nach Deutschland zurück. Hilde Palm nannte sich seitdem Hilde Domin. Seit dem Jahr 1957 erschienen ihre ersten Gedichte und vier Jahre später war Hilde Domin als freie Schriftstellerin tätig: Neben Gedichten, Erzählungen und einem Roman in Montageform schrieb sie auch Essays und literaturwissenschaftliche Abhandlungen und war als Übersetzerin und Herausgeberin tätig. In ihrem Gedicht „Linguistik“ (1963) wird das Erfinden einer neuen Sprache thematisiert. Dabei wird betont, dass diese „Gefühlssprache“ eine Sprache ist, die man nur allein für sich selber lernen und verstehen kann.
Während des gesamten Gedichts beschreibt das lyrische Ich in dialogischer Kommunikationssituation an ein gerichtetes „Du“ die neue Sprache. Diese wirkt unschuldig, leicht und beruhigend, da die naturverbundenen Beschreibungen und Bilder positive Empfindungen und Gefühle wecken. Die Zartheit des Ausdrucks wird durch die verwendeten Farbadjektive („rosa und weiße Worte“, V.5) und den Bildbereich erzeugt. Dieser deutet auf Frühling oder Neuanfang hin. Dennoch ist die Beschreibung der Sprache assoziativ schwer zu begreifen. Das lyrische Ich macht durch die zahlreichen Aufforderungen einen ungeduldigen, aber dennoch hilfsbereiten Eindruck. Es fällt auf, dass trotz der dialogischen Angehensweise keine Reaktion oder Antworten erfolgen. Die Kommunikation ist somit sehr einseitig. Es ist unklar, ob der Inhalt des Gedichts an den Leser gerichtet ist und dieser damit nicht nur Zuhörer bliebe oder ob das lyrische Ich womöglich Selbstgespräche führt.
Zusammenfassung der Kapitel
1.) Lerngruppenbeschreibung: Einordnung der Lerngruppe im Kontext der gymnasialen Oberstufe für Leistungs- oder Prüfungskurse.
2.) Unterrichtszusammenhang: Kurze Skizze der Einbettung der Stunde in die Unterrichtsreihe.
3.) Sachanalyse: Biografischer Hintergrund zu Hilde Domin sowie inhaltliche und formale Analyse des Gedichts „Linguistik“.
4.) Didaktische Analyse: Begründung der Themenwahl vor dem Hintergrund der Lehrpläne und der historischen Relevanz der Nachkriegsliteratur.
5.) Methodische Reflexion: Erläuterung des geplanten Unterrichtsverlaufs und der didaktischen Entscheidungen zur methodischen Umsetzung.
6.) Lernziele: Auflistung der kognitiven und affektiven Lernziele für die Schülerinnen und Schüler.
Schlüsselwörter
Hilde Domin, Linguistik, Sprachkrise, Sprachskepsis, Lyrik nach 1945, Nachkriegsliteratur, Gedichtanalyse, Literaturunterricht, Naturmotivik, Gefühlssprache, NS-Zeit, Interpretation, Oberstufe, Deutschunterricht, Identität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Unterrichtsentwurf primär?
Der Entwurf befasst sich mit der Planung einer Doppelstunde Deutsch in der Oberstufe zum Gedicht „Linguistik“ von Hilde Domin im Rahmen der Unterrichtsreihe „Sprachkrise/Sprachskepsis“.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die Analyse von Lyrik nach 1945, die Auseinandersetzung mit Sprachskepsis und die Bedeutung von Sprache nach historischen Brüchen wie dem Nationalsozialismus.
Was ist das primäre Ziel des Unterrichts?
Das Ziel ist, dass die Schüler das Gedicht inhaltlich und formal durchdringen, die Sprachskepsis als Ausdruck historischer Belastung verstehen und die symbolischen Elemente zur Bewältigung von Lebenskrisen interpretieren können.
Welche wissenschaftliche Methode wird für die Analyse verwendet?
Es wird eine klassische, textnahe Gedichtanalyse und -interpretation angewandt, ergänzt durch die Einbettung in einen historischen und epochenspezifischen Kontext.
Was wird im Hauptteil des Unterrichts erarbeitet?
Im Hauptteil analysieren die Schüler das Gedicht auf formale Aspekte wie Metrum und Struktur sowie auf inhaltliche Aspekte wie die Dialogsituation und die Symbolik des „Obstbaums“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen neben der Autorin Hilde Domin vor allem Sprachskepsis, Nachkriegslyrik, Interpretation und Gefühlssprache.
Welche Rolle spielt die „Linguistik“ in der Überschrift des Gedichts?
Der Titel wirkt im Kontrast zum gefühlsbetonten, naturorientierten Inhalt des Gedichts bewusst wissenschaftlich, was die Sprachskepsis des lyrischen Ichs unterstreicht.
Warum wird im Unterricht mit dem Symbol des Baums gearbeitet?
Der Baum dient als Einstiegshilfe, da er als traditionelles Lebens- und Fruchtbarkeitssymbol dem „Du“ im Gedicht eine positive Zukunftsperspektive und einen Ausweg aus der Sprachnot bietet.
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- Luise Ostendoerfer (Author), 2008, Entwurf einer Lehreinheit im Fach Deutsch in der Unterrichtsreihe Sprachkrise/ Sprachskepsis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175921