Die sozialistische Stadt am Beispiel von Moskau unter dem Einfluss von Stalin und Chruschtschow


Facharbeit (Schule), 2010

36 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A Explikation der Beziehung zwischen Stalin und Chruschtschow mithilfe des Titelblattes der „Time“ vom 30. April 1956

B Die sozialistische Stadt am Beispiel von Moskau unter dem Einfluss von Stalin und Chruschtschow
I. Die typisch sozialistische Stadt
1. Merkmale eines solchen Stadttyps
2. Übertragung dieser Kennzeichen auf Moskau
II. Einfluss Macht habender Personen auf Moskaus Stadtbild
1. Bauten Josef W. Stalins
a) Moskauer Metro
b) Sieben Schwestern
c) Palast der Sowjets
2. Gebäude Nikita Sergejewitsch Chruschtschows
a) Palast der Sowjets
b) „Chruschtschowkas“
c) Kongresspalast des Kremls
III. Gegenüberstellung von Stalins und Chruschtschows Bauwerken

C Stalins als Visionär und Mythos Moskaus

D Literaturverzeichnis

E Anhang

A Explikation der Beziehung zwischen Stalin und Chruschtschow mithilfe des Titelblattes der „Time“ vom 30. April 1956

Menschen wollen Macht. Nach Macht zu streben ist menschlich. Diese Tatsache oder besser gesagt diese Eigenschaft kann im Laufe der Geschichte und auch noch in der Gegenwart häufig beobachtet werden. Manchmal wird Menschen Macht gegeben oder sie erlangen diese. Wie jene Personen damit umgehen, ist im Falle meiner Arbeit leicht erkennbar. Sie zeigt sich durch das Errichten von Bauwerken. Es handelt sich um Städtebau. Städtebau ist ein hervorragendes Mittel, um seine Überlegenheit zu demonstrieren. Besonders konstruierte oder große Bauten waren schon immer ein Zeichen von Macht. Vor allem Stalin und Chruschtschow bedienten sich dieses Mittels. Jene sowjetischen Herrscher sahen es als eines ihrer Hauptziele, die große Stärke der Sowjetunion und vor allem die besondere Stellung Moskaus und ihrer selbst darzustellen, indem sie Gebäude im Zeichen des Sozialismus’ erbauten. Natürlich führten beide diese „Aufgabe“ auf verschiedene Art und Weise aus, da diese zwei Männer wohl kaum unterschiedlicher hätten sein können. Einzig und allein ähnelten sie sich in ihrem Maß an „Feingefühl“. Stalin zeigte durch Zitate wie „der Tod eines Mannes ist eine Tragödie, aber der Tod von Millionen nur eine Statistik“ 1 seine Wahnvorstellungen und auch Chruschtschow wies anhand von Sprüchen wie „wenn der Kopf ab ist, weint man den Haaren nicht nach“ 2 auf seine etwas sonderbare Denkweise hin.

Die besondere Beziehung zwischen Stalin und Chruschtschow lässt sich mithilfe des Titelblattes der „Time“ vom 30. April 1956, welches unter Abbildung 1 im Anhang zu sehen ist, gut darstellen. Auf der linken Seite des Titelblattes ist Chruschtschows Kopf, leicht erkennbar an Warze und grauem Haar, zu sehen. Dieser Mann war dato Staatschef der UdSSR. Sein unsicheres Lächeln lässt darauf schließen, dass er irgendetwas zu verbergen hat oder muss. Gleich rechts neben ihm ist ein personifiziertes Gebäude zu erkennen, welches Moskau, die Metropole und Hauptstadt der Sowjetunion, verkörpern soll. Auch dieses trägt ein ähnliches Lächeln wie Chruschtschow, wodurch man auf eine engere Verbundenheit oder auf die gleiche Situation der beiden hinweisen will. In der rechten Hand hält es einen Blumenstrauß, dem es anscheinend dem Löwen, der für den Rest der Welt und in diesem Falle besonders für die USA, assoziiert mit dem Kalten Krieg, steht, zu überreichen versucht. Dieser schaut sehr skeptisch, da er dem Gebäude und damit Moskau und Chruschtschow nicht vertraut. Der Grund hierfür ist an zwei Details zu erkennen. Zum einen symbolisiert die Keule, die das Bauwerk in seiner linken Hand hält, Gewalt. Diese versucht es selbstverständlich hinter seinem „Rücken“ zu verstecken, doch der Löwe schöpft Verdacht. Zum anderen steht es mit seinem linken Fuß auf einem Blatt Papier. Auf diesem ist Josef W. Stalin, erkennbar an markantem Schnurrbart und vollen Augenbrauen, abgebildet. Dieser Mann war der Vorgänger Chruschtschows. Auch er besitzt genau wie der Löwe einen skeptischen Blick, was aber nicht heißt, dass diese auf derselben Seite stünden. Genau das Gegenteil ist der Fall. Stalin selbst ist der Grund des Konfliktes zwischen Chruschtschow und dem Löwen. Der bereits verstorbene Herrscher besaß während seiner Regierungszeit diktatorische Gewalt und übte sie dementsprechend über die Sowjetunion und damit auch über Moskau aus. Er benutzte den sozialistischen Städtebau als Zeichen seiner Macht.

Chruschtschow, der bei seiner Amtseinführung und ebenso danach stets bekräftige der größte Feind des Stalinismus’ und der Stalinistischen Architektur gewesen zu sein, lässt hier durchaus berechtigte Zweifel beim Löwen aufkommen. Die Keule, die somit aus Stalins Zeit stammt, „tragen“ er und Moskau immer noch, aber sie versuchen sie zu verstecken. Sie wollen den Löwen mit den Blumenstrauß von ihren guten Absichten überzeugen, wobei dieser bemerkt, dass der Geist des Diktators immer noch vorhanden sein und folglich Chruschtschow und auch Moskau beeinflussen könnte.

In meiner Arbeit werde ich zuerst die Merkmale einer typisch sozialistischen Stadt anhand des Beispiels Moskau darlegen. Danach möchte ich Stalins und Chruschtschows Ausführung des sozialistischen Städtebaus in der russischen Hauptstadt darstellen, indem ich Gebäude dieser beiden Männer aufzeige und deute. Ein Vergleich der Bauwerke der zwei ehemaligen Herrscher zum Schluss soll mein Thema abrunden.

B Die sozialistische Stadt am Beispiel von Moskau unter dem Einfluss von Stalin und Chruschtschow

I. Die typisch sozialistische Stadt

1. Merkmale eines solchen Stadttyps

Die typisch sozialistische Stadt besitzt vier wesentliche städtebauliche Merkmale. Das erste Erkennungszeichen ist ein zentraler Platz, auf welchem große Aufmärsche und Militärparaden initiiert werden, um die jeweilige Staatsmacht zu präsentieren. Die eigene Bevölkerung und auch das Ausland sollen erkennen, was für ein machtvolles und wohlhabendes Land bzw. was für eine machtvolle und wohlhabende Stadt besteht.

Das zweite Kennzeichen ist eine Magistrale mit repräsentativen Gebäuden. Eine Funktion hiervon ist wiederum die Machtdemonstration, da die Magistrale eine sehr große und breite Straße verkörpert. Deswegen praktiziert man dort große Paraden und Aufmärsche, die im Normalfall zum Schluss auf dem zentralen Platz konzentriert werden. Darüber hinaus fungiert der Gleichschritt des Militärs bei den Paraden als Verbildlichung einer Einheit. Dies ist auch typisch sozialistisch. Zwischen den beiden erstgenannten städtebaulichen Merkmalen besteht also ein Zusammenhang, da sie mehr oder weniger demselben Zweck dienen.

Ferner stellt die Magistrale eine wichtige Verkehrsader der Stadt dar. Viele wichtige Einrichtungen und Bauwerke sind direkt mit ihr verbunden.

In einem monumentalen Gebäude als Sitz der Staatspolitik liegt das dritte Erkennungszeichen. Ebenfalls soll dieses genauso wie die zwei oben genannten Kennzeichen der Machtdemonstration dienen. Während es bei dem zentralen Platz und der Magistrale noch in Form von Paraden und Aufmärschen geschieht, erfolgt es bei diesem Bauwerk schon alleine durch seine Größe und Schönheit. Durch eine prunkvolle Beschmückung und ein weit gefächertes und vor allem großes Gelände um dieses herum soll Überlegenheit dargestellt werden, was wiederum typisch sozialistisch ist.

Ein letztes städtebauliches Merkmal ist die Existenz und das Errichten von Plattenbauten für die Bevölkerung als Wohnbereich. Eine sozialistische Stadt „soll(te) klassenlos sein“ 3. Mit den Plattenbauten will man zum Ausdruck bringen, dass alle gleichgestellt sind, da diese Gebäude ein einheitliches äußeres Erscheinungsbild aufweisen. „Geplant waren [folglich] in der Theorie keine unterschiedlichen Wohntypen für einzelne soziale Gruppen. […] In der Realität [aber] existierten ‘bessere’ Wohnbereiche für die sog. Nomenklatura [4] […].“ 5 Die typisch sozialistische Stadt besteht also nicht nur aus Plattenbauten, aber sie spielen wegen ihres gleichen Aussehens eine wichtige Rolle in der Wohnungsplanung.

2. Übertragung dieser Kennzeichen auf Moskau

Die vier sozialistischen Merkmale lassen sich problemlos auf Russlands Hauptstadt Moskau übertragen, da diese ein Paradebeispiel für einen solchen Stadttyp ist. Auch wenn Russland heute offiziell kein sozialistischer Staat mehr ist, prägt jene Ideologie dieses Land und damit auch Moskau immer noch.

Natürlich besitzt die russische Metropole einen zentralen Platz. Es gibt wahrscheinlich auf der ganzen Welt nichts, abgesehen vom Kim Il Sung-Platz in Pjöngjang, was man in dieser Form mit dem Roten Platz (siehe dazu Abbildung 2 im Anhang) vergleichen könnte. Jene riesige und wirklich beeindruckende Sehenswürdigkeit, die im Zentrum der Moskauer Altstadt liegt, dient, wie bereits erläutert, der Machtdemonstration. Besonders während des Zweiten Weltkrieges benutzte man militärische Aufmärsche auf dem Roten Platz als Zeichen der Überlegenheit. Auch den Siegeszug nach erfolgreicher Beendigung des Krieges hielt Stalin selbstverständlich hier ab.

Des Weiteren befinden sich um den Roten Platz herum bedeutende historische Bauwerke wie das Minin-und-Poscharski-Denkmal 6 (siehe dazu Abbildung 3 im Anhang) und das Lenin-Mausoleum 7 (siehe dazu Abbildung 4 im Anhang), welche die Besonderheit dieses Ortes zusätzlich betonen sollen.

Verständlicherweise ist auch eine Magistrale in Moskau vorhanden. Die „Twerskaja-Straße“ ist eine zentrale und besonders breite Straße der russischen Hauptstadt. Darüber hinaus stellt diese eine der repräsentativsten ihrer Art dar. Neben unzähligen noblen Geschäften und Boutiquen finden sich hier auch Wohnhäuser, die in Stalins Auftrag erbaut wurden, wieder. Die „Twerskaja-Straße“ wird gelegentlich auch für politische Aufmärsche genutzt, wodurch sie ihrer Bezeichnung als Magistrale endgültig gerecht wird.

Ebenso ist in Moskau ein monumentales Gebäude als Sitz der Staatsmacht vorhanden. Nicht einmal das Weiße Haus der USA kann dem sowjetischen bzw. russischen Kreml das Wasser reichen. Dieser, welcher in Abbildung 5 im Anhang zu sehen ist, war ursprünglich eine im Mittelalter entstandene Burg. Zwischen den Jahren 1485 und 1499 wurde das Gelände, das unter anderem aus 20 Türmen besteht und noch sehr gut erhalten ist, um das Bauwerk herum ausgebaut. Im 18. Jahrhundert fungierte der Kreml als Residenz der regierenden Zaren. Im Jahr 1917 wurde dieser nach der Oktoberrevolution ebenso Sitz der russischen Staatsmacht. Diese Funktion hat er bis heute inne.

Ferner besitzt Moskau viele Plattenbauten, die derzeit noch von zahlreichen Menschen bewohnt werden. Dies hängt allerdings weniger mit dem sozialistischen Grundgedanken der Klassenlosigkeit als viel mehr mit der herrschenden Armut zusammen. Es ist für die meisten Leute der Mittel- und Unterschicht nicht erschwinglich ein besseres Leben in einer komfortableren Wohnung zu führen. Zudem bestehen aufgrund des maroden Zustandes in den meisten Bauten menschenunwürdige Lebensbedingungen, was dem Sozialismus eigentlich so nicht entspricht.

Neben „gewöhnlichen“ Plattenbauten ist außerdem noch eine Vielzahl der sogenannten „Chrutschtschowkas“ in der russischen Hauptstadt vorhanden. Diese Bauwerke werde ich im Laufe meiner Arbeit noch genauer unter die Lupe nehmen.

II. Einfluss Macht habender Personen auf Moskaus Stadtbild

1. Bauten Josef W. Stalins

a) Moskauer Metro

Ein erstes Werk des Diktators, welches ich vorstellen und behandeln möchte, ist die Moskauer Metro. So paradox es für die Denkweise des damaligen Staatsoberhauptes auf den ersten Blick erscheinen mag, wurde diese tatsächlich zur Unterstützung der sowjetischen Bevölkerung und insbesondere der Einwohner Moskaus errichtet. Auch Stalin erkannte in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts, dass Straßenbahnen alleine nicht ausreichten, um täglich zehntausende Fahrgäste zu transportieren. So wurde am 15. Juni 1931 der Bau dieser besagten U-Bahn beschlossen. Auf Anweisung des Diktators musste die Bevölkerung die Metro aus eigener Kraft erbauen. Dies sollte möglichst mit geringer oder gar keiner Bezahlung erfolgen. Da viele Arbeiter daher unqualifiziert waren, konnte Stalin so den minimalen Lohn rechtfertigen.

Des Weiteren rief er die „Beschäftigten“ auf, vollsten Einsatz für den Sozialismus zu zeigen. Sie sollten für den Ruhm und die Ehre jener Ideologie arbeiten und nicht für das eigene Wohl. Dieses Beispiel zeigt gut, dass der Diktator, der durchaus ein überzeugter Sozialist war, diese Weltanschauung auch dazu benutzte, um die Bevölkerung für seine Zwecke zu missbrauchen.

Ferner wurden prunkvolle U-Bahn-Stationen, die man aufgrund ihrer anspruchsvollen Architektur ebenso als „unterirdische(n) Paläste“ 8 bezeichnen konnte, konstruiert. Sie erfüllten einen propagandistischen Zweck, indem sie die Bevölkerung von der Macht, der Schönheit und der Einzigartigkeit der UdSSR durch übermäßigen Prunk überzeugen sollten.

Außerdem verfolgte man mittels Propagandaplakaten in den einzelnen Haltestellen das Ziel, ein sozialistisches und einheitliches Denken der Bevölkerung zu erreichen. Es fand also gewissermaßen eine Manipulation der Einwohner statt.

Die Station „Kropotkinskaya“ bzw. „Palast der Sowjets“ ist einer der architektonisch anschaulichsten ihrer Art. Sie trägt den gleichen Namen wie das unverwirklichte Gebäude „Palast der Sowjets“, welches ich im weiteren Verlauf meiner Arbeit noch genauer beleuchten werde. Bei dieser Station orientierten sich die Architekten an „klassischen Archetypen“ 9 (siehe dazu Abbildung 7 im Anhang). Stalin selbst bezeichnete sie als eine der schönsten Stationen überhaupt, was direkt mit seiner Vorliebe für den eigentlichen „Palast der Sowjets“ zusammenhing.

Auch sollten mit der Moskauer Metro viele wichtige Einrichtungen und Bauwerke innerhalb Moskaus schnell erreichbar sein. Für den Diktator ganz wichtig war die Verknüpfung mit dem „Palast der Sowjets“. Jene „Aufgabe“ war für die Station „Kropotkinskaya“ vorgesehen .

Zudem ist diese U-Bahn auch heute noch für Moskau von großer Bedeutung. Die Errichtung war durchaus sinnvoll, da eine bessere und schnellere Verbindung innerhalb Moskaus zu Stalins Zeit unentbehrlich war. Somit musste in der späteren Neuzeit keine neue Metro konstruiert werden und auch die jetzige Bevölkerung akzeptiert diese als Verkehrsmittel ihrer Stadt.

Weniger sinnvoll war bzw. ist dagegen die Gestaltung der Haltestationen. Die Beschmückung, die einem propagandistischen Zweck im Sinne des Sozialismus’ dienen sollte, kostete dem Staat damals sehr viel Geld. Bekanntermaßen braucht niemand irgendwelche speziellen Säulen und Verzierungen in einer Haltestelle. Die meisten Menschen sind mit einer Sitzgelegenheit und einer Möglichkeit, sich etwas zum Essen und zum Trinken zu erwerben, zufrieden. Doch Stalin war anscheinend anderer Meinung. Inwiefern die künstlerische Ausstattung der Haltestationen ihren Zweck erfüllte, ist nicht eindeutig zu klären, weil derartige Befragungen hierüber meinem Wissen nach nie durchgeführt wurden.

Dem Idealbild der sozialistischen Stadt bleibt die Moskauer Metro und damit Josef W. Stalin aber treu. Wie gesagt, die Konstruktionen einer sozialistischen Stadt sollen Eindruck erwecken. Die Schienen dieser Metro tun das sicherlich nicht. Vielmehr sind die Haltestationen das sozialistische Merkmal hiervon.

Zudem war der Bau der U-Bahn zur Zeit des Diktators, wie bereits erläutert, unentbehrlich. Diese Tatsache lässt viele Kapitalisten sicherlich über die wenig sinnvolle und teure Gestaltung der Haltestationen hinwegsehen.

Doch schon das nächste Bauwerk, das ich behandeln werde, lässt das damalige Staatsoberhaupt in einem ganz anderen Licht erscheinen. Die Moskauer Metro mit ihren „unterirdischen Paläste[n]“ 10 markierte lediglich den Anfang seines städtebaulichen Wahnsinns.

b) Sieben Schwestern

„Sieben Schwestern“ ist der Name für einen aus sieben Hochhäusern bestehenden Gebäudekomplex, der in den letzten zehn Jahren von Stalins Herrschaft in Moskau erbaut wurde. Die Benennung mag vielleicht ungewöhnlich und komisch erscheinen, aber sie ist bei näherer Betrachtung durchaus nachvollziehbar. Da alle Bauwerke Teil desselben Projekts waren, nannte man sie „Schwestern“. Diese Bezeichnung kann wiederum als sozialistisch angesehen werden, weil mit dem Begriff „Schwestern“ eine enge Verbundenheit und somit im übertragenen Sinne ein „Gemeinschaftsgefühl“ assoziiert ist.

Jene Konstruktionen wurden nach dem Zweiten Weltkrieg, also nach Stalins Sieg, errichtet. Sie sollten die besondere Stellung der UdSSR und Moskaus in der Welt zusätzlich unterstreichen. Eng verknüpft mit dieser „Aufgabe“ war die Demonstration der Macht des Diktators. Er wollte allen anderen Staaten zeigen, zu welchen Dingen er fähig war.

Das erste Gebäude der „Sieben Schwestern“ ist die „Lomonossov-Universität“ (siehe dazu Abbildung 8 im Anhang). Sie markiert mit 235 Metern das höchste der „Sieben Schwestern“. Diese sollte zeigen, dass es Stalin sogar möglich war, bis in den Himmel zu bauen“. Es war also wiederum eine Machtdemonstration, die ebenfalls als Einschüchterung diente. Auch heute ist diese Konstruktion noch eines der schönsten Sehenswürdigkeiten in Moskau. Ihre Funktion als Universität hat sie bis dato inne.

Die nächste „Schwester“, das „Wohnhaus an der Kotelnitscheskaja-Uferstraße“, war damals eines der luxuriösesten Wohnhäuser der Welt. So konnten es sich nur ganz wenige reiche Persönlichkeiten leisten, dort zu wohnen. Hierdurch wird deutlich, dass Stalin lieber prunkvolle Gebäude für seine sozialistischen Zwecke baute als Wohnungen für die Moskauer Bevölkerung zu errichten und damit die Obdachlosigkeit zu bekämpfen, was eigentlich seine Aufgabe als Staatsoberhaupt gewesen wäre.

Wenn man sich diese Konstruktion, welche unter Abbildung 9 im Anhang zu sehen ist, einmal näher anschaut, kann man die Bauweise, die Stalin bei den „Sieben Schwestern“ verwendet hat, sehr gut erkennen. Für ihn war die Spitze seiner Bauwerke von entscheidender Bedeutung, da diese die Besonderheit seiner Konstruktionen verdeutlichen sollte. An das Hauptgebäude sind mehrere Nebengebäude angeschlossen, die es im übertragenen Sinne „beschützen“. Dieser Gedanke ist wiederum sozialistisch, da eine enge Verbundenheit und „Fürsorge“ herrscht. Dennoch ist das Hauptgebäude stets größer als die Nebengebäude, um dessen besondere Stellung herauszukristallisieren. Es herrscht daher eine gewisse „Hierarchie“.

[...]

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Die sozialistische Stadt am Beispiel von Moskau unter dem Einfluss von Stalin und Chruschtschow
Hochschule
Franken-Landschulheim, Schloss Gaibach
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
36
Katalognummer
V175989
ISBN (eBook)
9783640971541
ISBN (Buch)
9783640972616
Dateigröße
2795 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
stadt, moskau, einfluss, stalin, chruschtschow, Sozialismus
Arbeit zitieren
David Ruß (Autor), 2010, Die sozialistische Stadt am Beispiel von Moskau unter dem Einfluss von Stalin und Chruschtschow, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/175989

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