Wirkung von Daily Soaps auf Jugendliche und die Anschlusskommunikation im Internet


Seminararbeit, 2009
11 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Daily Soaps in Deutschland

2. Nutzungsmotive von Jugendlichen

3. Wirkung auf den Alltag von Jugendlichen

4. Anschlusskommunikation im Internet

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Daily Soaps in Deutschland

Die Ära der Daily Soaps beginnt in Deutschland mit der Erstaustrahlung von Gute Zeiten Schlechte Zeiten[1] am 11. Mai 1992 auf RTL.[2] Es folgen Marienhof[3], Unter uns[4] und Verbotene Liebe[5], die sich bis heute auf dem Fernsehmarkt behaupten können. Einige neue Daily Soaps, zum Beispiel Geliebte Schwestern[6] versuchten in den Folgejahren an den Erfolg der etablierten Soaps anzuknüpfen, scheiterten jedoch nach einem Jahr Laufzeit an mangelndem Interesse.[7] Eine herausgehobene Stellung nimmt Gzsz als die erfolgreichste deutsche Daily Soap ein. Allgemein betrachtet lassen sich Daily Soaps durch eine werktägliche Ausstrahlung, eine Netto-Spielzeit von circa 22-23 Minuten[8] und eine endlos erzählte Geschichte charakterisieren. Jugendliche sind die Hauptzielgruppe, besonders weibliche[9], da sie sich mit den meist gleichaltrigen Soap-Darsteller identifizieren können.

In wie weit sich die Rezeption von Soaps auf das Alltagsleben von Jugendlichen auswirkt und aus welchen Gründen sie diese täglich schauen, ist ein Thema dieser Arbeit. Im Übrigen stellt sich die Frage, wie die Kommunikation über Soaps auf deren Websites Einfluss auf Jugendliche nehmen kann. Dazu wird ein Überblick über die Nutzungsmöglichkeiten auf der Gzsz-Website geschaffen und erläutert, wie diese von Jugendlichen genutzt wird und sich auf ihren Alltag auswirkt.

2. Nutzungsmotive von Jugendlichen

Ein Motiv, Daily Soaps zu rezipieren, liegt in der Befriedigung der Neugier. Die Jugendlichen wollen wissen, wie die Geschichte weitergeht. Spannung wird besonders durch den so genannten Cliffhanger erzeugt, bei dem die Geschichte in einem Moment der höchsten Anspannung beendet wird und den Zuschauer damit anregt, am nächsten Tag wieder einzuschalten.[10] Durch den seriellen Charakter und die „auf Endlosigkeit angelegte[…] Geschichte“[11] wird die Neugier noch mehr verstärkt. Der Zuschauer will nicht nur wissen, wie es in der nächsten Folge weitergeht, sondern auch wie „Handlungsstränge sich entwickeln und Figurenkonstellationen sich ändern“[12]. Es entsteht eine Art Kreislauf, in dem die Daily Soap selbst das Bedürfnis kreiert am nächsten Tag wieder einzuschalten, es dann auch gleichzeitig mit der nächsten Folge wieder befriedigt und am Ende erneut durch den Cliffhanger wieder hervorruft.[13] Der Rezipient muss daher die Serie jeden Tag schauen, um zu wissen wie die Folge vom Vortag weitergeht.

Ein weiteres Nutzungsmotiv stellt die Kommunikation über Daily Soaps im Freundeskreis und in der Schule, also der Peer-Group, dar. Viele Jugendliche rezipieren die Serie, um mitreden zu können und nicht als Außenseiter dazustehen.[14] Wissen wird nicht nur durch die Serie selbst, sondern auch durch Lesen von Zeitschriften und Internetseiten über Daily Soaps aufgebaut. Denn ein reichhaltiges Wissen über die von der Peer-Group des Jugendlichen rezipierte Soap bringt Prestige ein.[15] Durch die Auseinandersetzung und Diskussion über die Serienstars und die Handlung der Soap im Freundeskreis, in Fanclubs und im Rahmen von Internetseiten, werden die Soaps „auch außerhalb des Rezeptionszeitraums zu einem Stück der eigenen Alltagsrealtität“[16]. Die Geschichten und Probleme der Soap spielen auch nach der Ausstrahlung noch eine Rolle im Alltag der Jugendlichen. Mit dem Soap-Wissen versuchen Jugendliche außerdem Gemeinsamkeiten mit anderen Jugendlichen zu entwickeln, um so die Kontaktaufnahme zu vereinfachen und eine Basis für Gesprächstoff zu schaffen.

Bei den Jugendlichen besteht ein hohes Bedürfnis nach den neusten Trends von Mode, Musik und Freizeitgestaltung, da „der Besitz aktueller Produkte bzw. die Kenntnis bestimmter Moden das Ansehen bei Freunden und in der Peer-Group fördern kann.“[17] Die Jugendlichen wollen neue Trends nicht verpassen und bei Gesprächen immer mitreden können. Die Soaps ermöglichen durch ihren kurzen Produktionsvorlauf, dass immer der aktuellste Trend dargestellt und thematisiert werden kann.[18]

Als letztes seien noch Nutzungsmotive wie Gewohnheit, Bekämpfung von Langeweile und Hilfesuche bei eigenen Problemen genannt, auf die aus Platzgründen nicht weiter eingegangen werden kann.

3. Wirkung auf den Alltag von Jugendlichen

Die oben genannten Nutzungsmotive sind eng mit der Wirkung der Daily Soaps auf Jugendliche verbunden. Die Soaps werden oft rezipiert, um sich im Alltag und im sozialen Umfeld besser integrieren zu können.

Die habitualisierte, das heißt gewohnheitsmäßige Nutzung von Soaps, ergibt sich vor allem aus den immer gleich bleibenden Sendezeiten, der werktäglichen Ausstrahlung und der Endlosigkeit der Serie. Dadurch nehmen Soaps einen festen Platz im Tagesablauf der Jugendlichen ein und tragen außerdem zu seiner Strukturierung bei.[19] Eine negative Auswirkung der Soaps sind Sucht- und Gewöhnungseffekte, denn der Jugendliche ist an einen festen und regelmäßigen Rezeptionsrythmus gebunden, was bis hin ins Erwachsenenleben wirken kann.[20] Er will immer wieder wissen, wie es weitergeht und möchte auf die Unterhaltung der Soap nicht mehr verzichten.[21] Auch wenn die Geschichte langweilig ist, wird die Serie weiter rezipiert, nur um auf dem Laufenden zu bleiben.[22]

Ein weiteres Nutzungsmotiv ist, dass Soaps den Jugendlichen Lösungsvorschläge für Probleme in der Schule, mit Freunden oder in der Familie aufzeigen, da in Soaps hauptsächlich junge Hauptdarsteller mitspielen, die die Probleme des Erwachsenwerdens der Jugendlichen durchleben und lösen müssen. Das Zusammenleben von Jugendlichen wird häufig mit Hilfe von Wohngemeinschaften thematisiert.[23] Dadurch können sich die Jugendlichen mit den Serienstars identifizieren und an ihnen orientieren.

Soaps werden zu einer Folie für die Alltagskommunikation von Jugendlichen, d.h. durch bestimmte Zielgruppensprache, Herausgabe von Magazinen, Merchandising, Events, Musikproduktionen, etc. spielen die Geschichten der Soaps und das Marketing gezielt zusammen und zeigen den Jugendlichen so auf, was der neuste Trend ist.[24] Folgendes Zitat verdeutlicht noch einmal wie die Soaps den Alltag der Jugendlichen einnehmen.

Bei den deutschen Daily Soaps handelt es sich nicht nur um ein fiktionales Fernsehformat, sondern um ein crossmedial vermarktetes Instrument, welches auf vielfältige Weise Einzug in den Zuschaueralltag hält. Die Rezeption findet nicht nur per Fernsehen, sondern auch im Internet, über Spezialzeitschriften, Events und mancherlei Merchandisingprodukte statt.[25]

[...]


[1] Gute Zeiten Schlechte Zeiten, D 1992-2009, Erstausstrahlung: 11.05.1992. Nachfolgend GZSZ genannt.

[2] Jeannine Simon: Angewandte Medienforschung. Wirkungen von Daily Soaps auf Jugendliche. [Schriftenreihe des Medien Instituts Ludwigshafen Band 30]. München 2004, S. 63.

[3] Marienhof, D 1992-2009, Erstaustrahlung: 01.10.1992.

[4] Unter uns, D 1994-2009, Erstaustrahlung: 28.11.1994.

[5] Verbotene Liebe, D 1995-2009, Erstaustrahlung: 02.01.1995.

[6] Geliebte Schwestern, D 1997-1998, Erstaustrahlung: 02.06.1997.

[7] Udo Göttlich/Friedrich Krotz/Ingrid Paus-Haas (Hrsg.): Daily Soaps und Daily Talks im Alltag von Jugendlichen. Eine Studie im Auftrag der Landesanstalt für Rundfunk Nordrhein-Westfalen und der Landeszentrale für private Rundfunkveranstalter Rheinland Pfalz [Schriftenreihe Medienforschung der Landesanstalt für Rundfunk Nordrhein-Westfalen Band 38]. Opladen 2001, S. 27.

[8] Vgl. ebd., S. 28.

[9] Ebd., S. 72.

[10] Vgl. Lothar Mikos: Es wird dein Leben! Familienserien im Fernsehen und im Alltag der Zuschauer. Münster 1994, S. 153.

[11] Simon: Wirkungen von Daily Soaps auf Jugendliche, S. 181.

[12] Göttlich: Daily Soaps und Daily Talks im Alltag von Jugendlichen, S. 320.

[13] Vgl. Simon: Wirkungen von Daily Soaps auf Jugendliche, S. 194.

[14] Vgl. ebd., S. 187.

[15] Vgl. ebd.

[16] Ebd., S.188.

[17] Ebd., S. 177.

[18] Vgl. ebd.

[19] Vgl. ebd., S.189.

[20] Vgl. ebd., S.172.

[21] Vgl. ebd., S.173.

[22] Vgl. Göttlich: Daily Soaps und Daily Talks im Alltag von Jugendlichen, S. 320.

[23] Vgl. ebd., S. 35.

[24] Vgl. ebd., S. 50 ff.

[25] Simon: Wirkungen von Daily Soaps auf Jugendliche, S. 253.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Wirkung von Daily Soaps auf Jugendliche und die Anschlusskommunikation im Internet
Hochschule
Universität zu Köln  (Theater- Film- und Fernsehwissenschaft)
Veranstaltung
Fernsehen
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
11
Katalognummer
V176031
ISBN (eBook)
9783640971794
ISBN (Buch)
9783640972821
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Daily Soaps, Anschlusskommuniktaion, Internet, Jugendliche
Arbeit zitieren
Sabine Wipperfürth (Autor), 2009, Wirkung von Daily Soaps auf Jugendliche und die Anschlusskommunikation im Internet, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176031

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