Aspekte Politischer Kultur in Deutschland: Legitimitätsvorstellungen und Legitimitätsurteile: „Politische Gemeinschaft“


Hausarbeit, 2011

21 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1. Die Politische Kultur

3. Aspekte Politische Kultur in Deutschland
3.1. Die nationale Identität

4. Orientierung gegenüber der politischen Gemeinschaft
4.1. Die Politische Gemeinschaft
4.2. Orientierung gegenüber der politischen Gemeinschaft in der BRD bis 1990
4.3. Orientierung gegenüber der politischen Gemeinschaft seit der Wiedervereinigung

5. Der Fazit

6. Anhang
6.1. Literaturverzeichnis
6.2. Internetquellen
6.3. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Schon seit längerer Zeit wird die Entwicklung, der Orientierung der Deutschen gegenüber der politischen Gemeinschaft, in Deutschland thematisiert. Neller[1] behauptet das der historische Hintergrund Deutschlands ausreichend Inhalte liefert, die als Vorlage für politische Diskussionen dienen. Vor allem die Frage der nationalen Identität ist durch die Ereignisse im Dritten Reich negativ vorbelastet. Seit der Wiedervereinigung stehen sich zwei verschiedene Bevölkerungsteile gegenüber, die eine politische Gemeinschaft bilden sollen, obwohl beide völlig anderen politischen Erfahrungen ausgesetzt waren.

Trotz großer Skepsis, vor allem durch amerikanische Wissenschaftler[2], erholt sich Westdeutschland sehr schnell von den Folgen des zweiten Weltkriegs. Die Demokratie sorgt für einen raschen Wandel politischer Einstellungen und auch für die Stabilität im jungen Staat. Das politische System konnte sich seit den fünfziger Jahren bis heute halten. Die Demokratie in der BRD zählt heute zu den stabilsten Demokratien der westlichen Welt. Auch die Wiedervereinigung hat am politischen System nichts verändern können. Die Bürger in der ehemaligen DDR lebten währenddessen in einem totalitären Staat weiter. Obrigkeitsstaatliche Traditionen wurden durch die Staatsbürokratie und durch die SED-Herrschaft noch weiter verstärkt. Politikwissenschaftler vermuten, dass in mancher Hinsicht sich das politische Bewusstsein der Ostdeutschen sich wie auf dem Stand der frühen 60er Jahre in Westdeutschland befindet.

Dieser kleine Exkurs reicht dabei schon aus um zu zeigen, dass sich Unterschiede gegenüber der politischen Gemeinschaft zwischen Ost und West auftun. Die Frage der Orientierung gegenüber der politischen Gemeinschaft in Deutschland bleibt auch zentral in dieser Hausarbeit. Anhand von Grafiken und durchgeführten Umfragen soll dargestellt werden wie unterschiedlich die demokratischen Vorstellungen zwischen Ost und West sind. Vor allem der Indikator der nationalen Identität soll genauer untersucht und dargestellt werden. Des Weiteren soll auch der Begriff der politischen Kultur, als Teildisziplin der Politikwissenschaft, definiert und erläutert werden.

2. Hauptteil

2.1. Die Politische Kultur

Bevor man sich mit der politischen Kulturforschung auseinandersetzt, ist es sinnvoll den Begriff der politischen Kultur zu klären. In seiner Grundbegrifflichkeit umfasst er zwei Aspekte:

„1. Die narrativ-moralische Beziehung einer hoch entwickelten Kultiviertheit politischer Willensbildung oder
2. einen neutral-beschreibenden engeren Begriff im Sinne einer Beziehung der Gesamtheit der Werte, Glaubenüberzeugungen und Einstellungen der Bürger gegenüber Politik oder politischen Objekten.“[3]

Die zweite Definition hat sich innerhalb der wissenschaftlichen Diskussionen verfestigt. Des Weiteren wird politische Kultur als wertfrei und analytisch bezeichnet.[4] Vor allem setzt sich aber die politische Kulturforschung mit der subjektiven Seite der Politik auseinander. Damit wäre die politische Orientierung einer Bevölkerung gegenüber politischen Institutionen gemeint. Zur politischen Orientierung zählen Meinungen, Einstellungen und Werte. Während sich eine Meinung schnell ändert, bleiben die Einstellungen eher stabil (Parteitreue). Die Werte, unter denen die Grundüberzeugungen zu verstehen sind, werden so gut wie gar nicht gewechselt. Die politische Kulturforschung entstand in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg als Folge des Nationalsozialismus und nachdem viele Staaten die bis dahin unter der Kolonialverwaltung standen in die Selbständigkeit entlassen wurden. Die politische Kulturforschung sollte beantworten wie lange neue politische Institutionen sich der Unterstützung der Bevölkerung sicher sein konnten. Um diese Prozesse zu untersuchen, bedient sich die politische Kulturforschung empirischer Untersuchungen. Dabei wendet man vergleichende Methoden an. Eine Bevölkerungsgruppe wird mit ihren Zuständen und Geschichte mit einer anderen Gruppe verglichen. Bei diesen Vergleichen spielen die Trends eine größere Rolle als die Ist-Aussagen.[5] Vor allem sollen Faktoren herausgefunden werden die für den Bewusstseinswandel der Befragten eine bedeutende Rolle gespielt haben.

Von entscheidender Bedeutung der Begriffsbildung politische Kultur sind die Untersuchungen Gabriel Almonds und Sidney Verbas[6] in der Nachkriegszeit. Ihre empirischen Untersuchungen sind als „Civil-Culture-Studie“[7] bekannt und gelten auch gleichzeitig als der Ausgangspunkt der Kulturforschung. Durch die Studie konnte sich der Begriff der politischen Kultur in der politischen Wissenschaft etablieren und verankern. Dabei unterschieden Almond und Verba drei unterschiedliche Arten von Orientierungen. Die evaluative, die kognitive und die affektive Orientierung. Die evaluative Orientierung setzt sich mit der Bewertung des politischen Systems und dessen Rollenträgern auseinander, die kognitive bezieht sich auf das grundlegende Verständnis des politischen Systems und die affektive auf die gefühlsmäßige Orientierung gegenüber dem politischen System und seinen Trägern.[8]

Ein Kernproblem, mit welchem sich die Kulturforschung in Deutschland beschäftigt, ist die Frage der Legitimität des politischen Systems[9]. Wird das System durch die Bürgerinnen und Bürger des Landes anerkannt und unterstützt. Von dieser Anerkennung und Unterstützung hängt die Stabilität der demokratischen Ordnung.

3. Aspekte Politische Kultur in Deutschland

3.1. Die nationale Identität

Die Frage der nationalen Identität ist in Deutschland durch geschichtliche Ereignisse sehr negativ vorbelastet. Trotzdem dient die Frage des Nationalstolzes als wichtiger Indikator bei empirischen Untersuchungen der Orientierung der politischen Gemeinschaft. In diesem Kapitel wird aufgezeigt wie die Debatte um die nationale Identität politisch beeinflusst wurde. Seit dem Missbrauch des Nationalstolzes durch die Nationalsozialisten konnte man nach dem zweiten Weltkrieg nicht an ein gesundes Nationalgefühl anknüpfen. Erst am Anfang der 60er Jahre wurde die Frage des entstandenen „Identitätsvakums“[10] auch politisch besprochen. Dabei wurde diskutiert ob man an die traditionellen Nationalvorstellungen anknüpfen sollte, oder sollte diese durch eine neue Form der nationalen Identität abgelöst werden. Diese Diskussion wurde bis in die 80er Jahre geführt und erreicht ihren Höhenpunkt mit dem „Historikerstreit“[11]. Der Historiker Ernst Nolte forderte das Ablegen historisch begründeter Schuldgefühle, die den negativen Nationalismus in Deutschland förderten. Während dies der Philosoph Jürgen Habermas als Verdrängung der Geschichte darstellte. Habermas lehnte den traditionellen Nationalismus ab, stattdessen war er Befürworter des Verfassungspatriotismus. Unter diesem versteht man ein staatbürgerliches Konzept auf gemeinsamen politischen Werten und Meinungsfreiheit. Ethnische und sprachliche Zugehörigkeit spielt dabei keine Rolle. Mit der Wiedervereinigung gewann die Debatte in den 90er Jahren wieder an Gewicht. Die konservativen Parteien erhofften sich dadurch eine Steigerung des nationalen Selbstwertgefühls, während das Linke Lager die Befürchtung vor einen übersteigerten Nationalismus hatte. Trotz negativer Meldungen in den Medien, die immer wieder das Thema des Nationalismus in Deutschland aufgreifen, haben empirische Untersuchungen aufgezeigt das der Nationalismus nicht gestiegen ist. Die Resultate zeigen dass die Mehrheit der Deutschen mit einem demokratischen System zufrieden ist. Interessant ist hierbei die Situation in Ostdeutschland. Hier stellt sich die Frage in welche Richtung sich die nationale Identifikation der Ostdeutschen entwickeln wird. Zwar ist die Frage des Nationalismus in Deutschland durch den historischen Kontext, aber auch durch immer wieder kehrende politische Diskussionen vorbelastet. Trotzdem bedient sich die politische Kulturforschung bei ihren Untersuchungen dieses Indikators. Denn gerade durch diesen lassen sich bei empirischen Untersuchungen die Unterschiede bei Orientierung der politischen Gemeinschaft zum politischen System feststellen. Mit dem Indikator des Nationalismus lässt sich auch der Unterschied zwischen Ost und West aufzeigen.

[...]


[1] Vgl. Neller, Katja. Aspekte Politischer Kultur in Deutschland: Legitimitätsvorstellungen und Legitimitätsurteile: „Politische Gemeinschaft. In: Politische Kultur: Eine Einführung. Hg. v. Bettina Westle; Oscar W. Gabriel. : Nomos 2009. S. 56

[2] Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung. Die politische Kultur der BRD URL: http://www.bpb.de/wissen/02712574004001511332396985392489,2,0,Politische_Kultur.html#art2 (18.01.2011.)

[3] Pickel, Susanne; Pickel, Gert. Politische Kultur- und Demokratieforschung. Grundbegriffe, Theorien, Methoden. Eine Einführung. 1. Aufl. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften 2006. S. 49

[4] Vgl. Pickel, Susanne; Pickel, Gert. Politische Kultur- und Demokratieforschung. Grundbegriffe, Theorien, Methoden. Eine Einführung. 1. Aufl. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften 2006. S. 49

[5] Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung. Forschungskonzept URL: http://www.bpb.de/wissen/02712574004001511332396985392489,1,0,Politische_Kultur.html#art1 (19.01.2011)

[6] Vgl. Pickel, Susanne; Pickel, Gert. Politische Kultur- und Demokratieforschung. Grundbegriffe, Theorien, Methoden. Eine Einführung. 1. Aufl. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften 2006. S. 59

[7] Vgl. Ebd. S. 59

[8] Vgl. Pickel, Susanne; Pickel, Gert. Politische Kultur- und Demokratieforschung. Grundbegriffe, Theorien, Methoden. Eine Einführung. 1. Aufl. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften 2006. S. 77

[9] Vgl. Kipke, Bellers. Einführung in die Politikwissenschaft. 4. Aufl. München: Oldenbourg 2006. S. 155

[10] Neller, Katja. Aspekte Politischer Kultur in Deutschland: Legitimitätsvorstellungen und Legitimitätsurteile: „Politische Gemeinschaft. In: Politische Kultur: Eine Einführung. Hg. v. Bettina Westle; Oscar W. Gabriel. : Nomos 2009. S. 57

[11] Ebd. S. 57

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Aspekte Politischer Kultur in Deutschland: Legitimitätsvorstellungen und Legitimitätsurteile: „Politische Gemeinschaft“
Hochschule
Pädagogische Hochschule Freiburg im Breisgau  (Fakultät III)
Veranstaltung
Politische Kultur der BRD
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
21
Katalognummer
V176213
ISBN (eBook)
9783640975297
ISBN (Buch)
9783640974931
Dateigröße
534 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Politische Gemeinschaft
Arbeit zitieren
Haris Imamovic (Autor), 2011, Aspekte Politischer Kultur in Deutschland: Legitimitätsvorstellungen und Legitimitätsurteile: „Politische Gemeinschaft“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176213

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