Analyse "Psalm Salomos" aus "Die Physiker


Referat / Aufsatz (Schule), 2011
4 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Analysiere den Psalm Salomos aus dem Drama die Physiker

In Stichpunkten:

Darstellung des Weltalls:

-Zerstört, verwüstet
-teilweise erfroren
-tot, angsteinflößend, abstoßend

Handlung der Menschen:

-Flucht ins Weltall
-Mensch treibt in diesem Chaos ziellos umher
-bei jeder Station sterben Menschen
-abgetrieben
-Strebt Sterne an, obwohl er diese nicht erreichen kann
-wirkt verloren, ziellos
- je weiter er kommt, desto mehr verschwindet die Erinnernung an die Erde
-verwechselt Planeten und Sterne, orientierungslos

Sprache:

-negative, düstere, gar zum vulgären abweichende Sprache:

„Methanbrei“, „ verreckten“, „Ölpfützen der Venus“, „vollkotzen“

- als "atmende Erde" S. 42 (Vergangenheit nicht erinnerbar) adversativ zu
- menschenfeindliches Weltall (Gegenwart und Zukunft), Leben ist im Weltall nicht möglich ("versinken, verrecken, lösen sich auf"...) mächtig, unbesiegbar, gefährlich wobei die Tendenz zunehmend ist.

der wissenschaftliche Fortschritt (durch den Menschen entstanden = den Weltraumfahrern, die die Grenzen der Wissenschaft überschreiten und den Untergang der Welt "provozieren") wird als Bedrohung/Gefahr/Tod dargestellt.

der Fortschritt, der durch die Menschen, die die Gefahr, weil sie von Machtgier eingenommen waren, entstanden ist, ist nicht mehr steuerbar/ unkontrollierbar, sodass die Menschen orientierungslos ("[...] längst die Sonne mit Sirius verwechselt"...) sind.

In Textform:

Als sich der angeblich verrückte Physiker Johann Wilhelm Möbius und seine Familie, das heißt seine Frau Lina und ihre gemeinsamen drei Kinder Adolf-Friedrich, Wilfried-Kaspar und Jörg-Lukas zum ersten Mal seit 15 Jahren im „Les Cerisiers“ sehen, heißt es Abschied voneinander nehmen, da Linas neuer Mann Missionar Oskar Rose auf die Marianen versetzt werden soll. Anfänglich verläuft das Gespräch zwischen dem Physiker und seiner Familie relativ normal. Der Leser erfährt etwas über die drei Kinder und die neuen Lebensumstände der Familie Rose, als es jedoch zum Aufbruch kommt und die Söhne noch ein Abschiedslied spielen wollen springt Möbius auf und verfällt in einen Wahn, während er den Psalm Salomos zitiert. Diese Szene, oder besser gesagt diese Textstelle ist eine der wichtigsten im ganzen Stück und gleichzeitig auch der Wendepunkt, da Möbius in seinem Ausbruch seinen Gedanken und Gefühle Ausdruck verleiht, nämlich, dass er gar nicht verrückt sei und sich nur in dem Irrenhaus versteckt um die Menschheit vor der von ihm entdeckten Weltformel zu schützen. Immer leidenschaftlicher und aberwitziger wird sein apokalyptischer Vortrag, bis er sich schließlich in einen Tobsuchtsanfall steigert und seine Familie unter Verwünschungen aus dem Zimmer treibt - eine inszenierte Maßnahme, mit der er versucht, den Kontakt zu seiner Familie endgültig abzubrechen, ohne ihr den Abschied unnötig schwer zu machen. Dem Psalm Salomos wird deshalb ein besonderer Stellenwert zugesprochen, da Möbius mit seiner Hilfe seine Kritik an der Wissenschaft und dem ewigen Forschungswillen verdeutlicht. Im Folgenden werde ich den Psalm Salomos unter Berücksichtigung der Darstellung des Weltalls, der Handlung der Menschen und der verwendeten Sprache analysieren.

Möbius stellt das „zerstörte“ und „verwüstete“ Weltall als krassen Gegensatz zur „atmende[n] Erde“ (Z. 50) dar. Es ist teilweise „gefroren“ (Z. 29) und wird durch die Verwendung von Wörtern wie „Wüsten“ (Z. 11), „Bleidämpfe“ (Z. 14) und „Mumien“ (Z. 43) als lebensunfreundlich beschrieben. Die abstoßende Wirkung des Weltalls wird durch, die von Möbius benutzte, negative und vor allem vulgäre Sprache erschaffen: „[V]erreckten“ (Z. 12), „Ölpfütze[]“ (Z. 15), „Methanbrei“ (Z. 21) und „vollkotzten“ (Z. 23). Dies lässt darauf schließen, dass ein Leben im Weltraum nicht möglich ist, da sich alles „auflöst“ (Z. 14) und alles „versinkt“ (Z. 11). So lässt sich alles in allem sagen, dass das Weltall als etwas Mächtiges und vielleicht auch Unbesiegbares beschrieben wird, was für die Intention, die ich oben ansprach und auf die ich später eingehen werde, von enormer Bedeutung ist.

Der Psalm des Salomos handelt von elanvollen „Weltraumfahrern“ (Z. 9), die das Weltall erkunden und gleichzeitig von der Erde/von den anderen Menschen abhauen möchten (vgl. Z. 10). Doch ihre zuvor angestrebten Ziele erweisen sich schnell als Unerreichbar, „[e]inige weiße Sterne, die wir gleichwohl nie erreichten“ (Z. 38/39) und ihre Reise entpuppt sich als Todesfahrt: „Lautlos verreckten“ (Z. 12) und „die meisten verkochten [i]n den Bleidämpfen des Merkurs […]“ (Z. 13/14).

Zum Aufbau des Psalms lässt sich sagen, dass er antibiblische Züge vorweist, was der vom christlichen Glauben geprägten Vorstellung der Familie Rose stark widerspricht. So richtet sich dieser Psalm nicht an Gott, sondern an die Menschen und die sonst so hoch gepriesene Erde wird fluchtartig verlassen.

Um nun auf die Intention zu sprechen zu kommen, lässt sich sagen, dass Möbius versucht, mit den Gefahren des Weltalls, vor den Gefahren der Wissenschaft zu warnen. So lässt sich eine parallele zwischen den aufbrechenden Astronauten und den Wissenschaftlern ziehen, beide haben das Ziel neues Wissen zu erlangen. Im Falle der Astronauten, so geht es aus dem Psalm hervor, endet dies tödlich. Dies ist auch gleichzeitig die Nachricht, die Möbius überbringen möchten: Wir können die Folgen unserer wissenschaftlicher Erkenntnisse, welche wir durch Machtgier und verantwortungsloses Verhalten erlangen, nicht absehen. Sie sind unkontrollierbar, weshalb wir Menschen orientierungslos („Hatten wir schon längst die Sonne mit Sirius verwechselt“ (Z. 34/35)) in der Welt der Forschung umhertreiben und mehr Schaden als Nutzen anrichten. Nach Möbius sind wir in Gebiete vorgedrungen, von denen wir momentan noch nichts verstehen und identifiziert diese als eine Art Bedrohung für die Menschheit. Dies wird auch noch einmal durch die „donnernde, radioaktive und gelbe Sonne“ (Z. 16/17) verdeutlicht, welche mit sehr großer Wahrscheinlichkeit für die Atombombe steht, die als größte und gefährlichste Waffe in der Menschheitsgeschichte gilt. Dies passt auch zu Möbius, der einzige der drei Physiker, welcher gegen die Atomphysik ist.

Abschließend lässt sich sagen, dass Möbius versteckt die Kontroverse zwischen Gesellschaft und Wissenschaft anspricht und den Forschungswillen, allein um den Fortschrittswillen, kritisiert und vor den wissenschaftlichen Gefahren warnen möchte. Eine letzte persönliche Bemerkung sei erlaubt. Ob Möbius gezielt die Atombombe anspricht, weil er weiß, dass im kalten Krieg Atombombentests auf den Marianen durchgeführt wurden und somit hofft, dass seine Familie nicht dorthin zieht ist fraglich und geht aus der vorliegenden Textpassage nicht hervor.

[...]

Ende der Leseprobe aus 4 Seiten

Details

Titel
Analyse "Psalm Salomos" aus "Die Physiker
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
4
Katalognummer
V176361
ISBN (eBook)
9783640975570
Dateigröße
373 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
analyse, psalm, salomos, physiker
Arbeit zitieren
Tom Schnee (Autor), 2011, Analyse "Psalm Salomos" aus "Die Physiker, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176361

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