Die Meinung, der Bildungsauftrag von Schule beziehe sich nur auf die Funktion der Wissensvermittlung, ist weit verbreitet. Doch Bildung, welche junge Menschen zu einer selbstständigen Lebensführung befähigen soll, beinhaltet verschiedene Dimensionen, sowohl kognitive als auch soziale. Eine effektive Förderung der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen muss daher auch die gezielte Stärkung der sozialen Kompetenzen beinhalten.
Da die Förderung der Sozialkompetenzen von Kindern und Jugendlichen eines der Hauptziele der Jugendhilfe ist, kann diese die Schule bei der Erfüllung dieser Aufgabe unterstützen. In der vorliegenden Bachelor-Thesis soll auf Grundlage wissenschaftlicher Literatur der Frage „Welche Möglichkeiten und Grenzen bestehen in Bezug auf die Stärkung der Sozialkompetenzen von Kindern und Jugendlichen durch die Institution Schule?“ nachgegangen werden. Ziel ist es aufzuschlüsseln, warum die Förderung sozialer Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen eine wichtige schulische Aufgabe ist und wie diese umgesetzt werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition und Begriffsbestimmung
2.1 Der Kompetenzbegriff
2.2 Soziale Kompetenz und sozial kompetentes Verhalten
2.3 Dimensionen des Kompetenzbegriffes
2.4 Verwandte Konzepte
3. Entwicklung sozialer Kompetenzen
3.1 Die Theorie „Lernen am Modell“ von Albert Bandura
3.2 Prägung durch Familie und Gleichaltrige
3.3 Das Zusammenspiel von emotionaler und sozialer Kompetenz
3.4 Die Bedeutung des „Selbst“ für die Entwicklung sozialer Kompetenzen
4. Auffälligkeiten im Sozialverhalten
4.1 Definition und Merkmale
4.2 Ursachen
4.3 Auswirkungen
5. Die schulische Verantwortung
5.1 Schule als Sozialisationsinstanz
5.2 Förderung sozialer Kompetenzen im Sinne von Chancengleichheit
5.3 Rechtliche Grundlagen
5.4 Aktuelle Situation
6. Sozialkompetenzförderung in der Schule
6.1 Fördermöglichkeiten
6.2 Gelingensbedingungen
6.3 Förderung durch Zusammenarbeit mit der Jugendhilfe
6.3.1 Umsetzungsmöglichkeiten
6.3.2 Auswirkungen der Einführung der Ganztagsschule
6.3.3 Herausforderungen
7. Das Sozialtrainingskonzept „Fit for Life“
7.1 Zielgruppe
7.2 Trainingsmethoden
7.3 Module
7.4 Effekte des Trainings
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Bachelor-Thesis untersucht die Möglichkeiten und Grenzen der Förderung sozialer Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen durch die Institution Schule. Dabei wird insbesondere die Rolle der Schule als zentrale Sozialisationsinstanz beleuchtet und der Frage nachgegangen, wie Kooperationen mit der Jugendhilfe zu einer effektiven Stärkung dieser Kompetenzen beitragen können, um Chancengleichheit zu fördern und Verhaltensauffälligkeiten präventiv zu begegnen.
- Bedeutung sozialer Kompetenzen für die persönliche und gesellschaftliche Integration
- Die Rolle der Schule als Sozialisationsinstanz und ihre gesetzliche Verantwortung
- Möglichkeiten und Herausforderungen der Zusammenarbeit zwischen Schule und Jugendhilfe
- Vorstellung und Analyse des Sozialtrainingskonzepts „Fit for Life“
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Theorie „Lernen am Modell“ von Albert Bandura
Das Erlernen sozialer Verhaltensweisen lässt sich anhand der sozialen Lerntheorie „Lernen am Modell“ von Bandura und Walters (1973) erklären. Diese besagt, dass Kinder in erster Linie durch Nachahmung von Verhaltensweisen (älterer) Vorbilder lernen, wodurch die Persönlichkeitsentwicklung - mit all ihren dazugehörigen Fähigkeiten und Kompetenzen - stark geprägt wird. Diese Art des Lernens ist für das Hineinwachsen in die jeweilige Gruppe, Familie und Gesellschaft (Sozialisation) von großer Bedeutung (Bandura 1979: 31 und Roth 2006: 19 ff.).
Bandura stellte in zahlreichen Experimenten zum Erwerb von sozialem Verhalten bei Kindern verschiedener Altersstufen fest, dass bestimmte Vorraussetzungen erfüllt sein müssen, damit das Verhalten anderer Menschen nachgeahmt und ins eigene Verhaltensrepertoire übernommen wird. Die Wahrscheinlichkeit hierfür ist verhältnismäßig hoch, wenn:
Das Kind die jeweilige Person sympathisch findet, sie respektiert oder gar bewundert
Aus Sicht des Kindes Ähnlichkeit zwischen ihm und dem Vorbild besteht, auch wenn diese nur in seiner Fantasie existiert
Das beobachtete Verhalten von anderen belohnt und anerkannt wird oder die Ausführung Freude bereitet
Das Kind dafür belohnt wird, dass es dem Vorbild aufmerksam zuschaut
Das Kind aufgrund seines Entwicklungsstandes und seiner Fähigkeiten auch tatsächlich in der Lage ist das beobachtete Verhalten nachzuahmen (Bandura 1979: 33 ff. und Kasten 2008: 25).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet den gesellschaftlichen Handlungsbedarf hinsichtlich der Förderung sozialer Kompetenzen und begründet, warum die Schule hierbei eine zentrale Verantwortung trägt.
2. Definition und Begriffsbestimmung: Es erfolgt eine theoretische Einordnung des Konstrukts „Soziale Kompetenz“ und die Abgrenzung zu verwandten Begriffen.
3. Entwicklung sozialer Kompetenzen: Dieses Kapitel erläutert die Einflussfaktoren auf die Entwicklung sozialer Kompetenzen, insbesondere durch Vorbilder, Familie, Gleichaltrige sowie emotionale und selbstbezogene Prozesse.
4. Auffälligkeiten im Sozialverhalten: Hier werden Ursachen und Auswirkungen von Defiziten in der sozialen Kompetenz sowie das Spektrum von Verhaltensauffälligkeiten und -störungen dargestellt.
5. Die schulische Verantwortung: Das Kapitel begründet die Notwendigkeit schulischer Förderung aus soziologischer und rechtlicher Sicht und analysiert die aktuelle bildungspolitische Situation.
6. Sozialkompetenzförderung in der Schule: Es werden konkrete methodische Ansätze und Gelingensbedingungen für die Förderung in der Schule sowie das Potenzial einer Kooperation mit der Jugendhilfe erörtert.
7. Das Sozialtrainingskonzept „Fit for Life“: Eine exemplarische Vorstellung und Analyse des „Fit for Life“-Programms als Instrument zur gezielten Förderung Jugendlicher.
8. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und einem Plädoyer für eine verstärkte systematisierte Förderung in Kooperation mit der Jugendhilfe.
Schlüsselwörter
Soziale Kompetenz, Schule, Jugendhilfe, Sozialverhalten, Sozialisation, Persönlichkeitsentwicklung, Verhaltensstörungen, Fit for Life, Prävention, Chancengleichheit, Bildungsauftrag, Kooperation, Training, Selbstkonzept, Lernmodelle
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelor-Thesis grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Förderung sozialer Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen am Lebensort Schule und untersucht, welche Möglichkeiten und Grenzen dabei bestehen.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Arbeit ab?
Die Arbeit verbindet theoretische Grundlagen der sozialen Kompetenzentwicklung mit der praktischen schulischen Verantwortung, der Zusammenarbeit mit der Jugendhilfe und einer konkreten Interventionsmaßnahme.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, aufzuzeigen, warum die Förderung sozialer Kompetenzen eine essenzielle schulische Aufgabe darstellt und wie diese durch systematisierte Ansätze und Kooperationen erfolgreich umgesetzt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine theoretisch orientierte Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse aktueller wissenschaftlicher Quellen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Definition von Sozialkompetenz, ihre Entwicklungsprozesse, die Folgen von Defiziten im Sozialverhalten, die gesetzliche Verankerung in der Schule sowie konkrete Interventionsmöglichkeiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Soziale Kompetenz, Schule, Jugendhilfe, Sozialverhalten, Prävention und Kompetenzförderung.
Welche Bedeutung kommt der Kooperation zwischen Schule und Jugendhilfe zu?
Die Kooperation gilt als entscheidender Faktor, da die Jugendhilfe eine hohe Fachexpertise im Bereich des sozialen Lernens besitzt, die die Schule bei der ganzheitlichen Bildungsaufgabe unterstützt.
Was zeichnet das vorgestellte Sozialtrainingskonzept „Fit for Life“ aus?
Es ist ein strukturiertes, verhaltensorientiertes Kompetenztraining in 15 Modulen, das insbesondere darauf ausgelegt ist, benachteiligte Jugendliche in ihrer persönlichen Entwicklung und Integrationsfähigkeit zu stärken.
Warum ist eine präventive Förderung bereits im Grundschulalter sinnvoll?
Prävention ist laut der Autorin effektiver, da sie der Entstehung ernsthafter Verhaltensstörungen und dem damit verbundenen erhöhten Förderbedarf bereits in einem frühen Entwicklungsstadium vorbeugt.
- Citar trabajo
- Theresa Reckstadt (Autor), 2010, Förderung sozialer Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen am Lebensort Schule, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176524