Cryptoporticus - Zur Entwicklungsgeschichte eines multifunktionalen Baukörpers - Supplementum I


Fachbuch, 2011
109 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Zielsetzungen der Arbeit

2. Weitere epigraphische Zeugnisse

3. Baudenkmäler
3.1. Die Cryptoporticus als Substruktionsgang in Terrassenanlagen
3.1.1. Die Cryptoporticus an der Terrassenkante
3.1.2. Die Cryptoporticus an zwei Seiten der Terrasse
3.1.3. Die Cryptoporticus an drei Seiten der Terrasse
3.1.4. Die Cryptoporticus, ein Podium an vier Seiten umschließend
3.2. Die Cryptoporticus als dreiflügelige Garteneinfassung
3.3. Die oberirdische Cryptoporticus
3.3.1. Die Cryptoporticus an der Rückseite einer Porticus
3.3.2. Die freistehende Cryptoporticus
3.4. Die Kreissegment- Cryptoporticus
3.5. Cryptoporticus triplex
3.6. Sonderformen der Cryptoporticus
3.7. Die Cryptoporticus in unbekanntem baulichen Umfeld

4. Abbildungsnachweise

5. Topographisches Register

Abkürzungsverzeichnis

Generell werden für den Anmerkungsapparat die Regeln des AA 1997, 611 ff. herangezogen. Neben dem dortigen Abkürzungsverzeichnis und jenem des AA 1993, gilt weiters jenes der Année philologique 2006. Für antike Autoren und Werktitel werden die Richtlinien des Neuen Pauly, Enzyklopädie der Antike 3 (1997) S. XXXVI ff. benutzt.

Darüber hinaus finden nachstehende Sigel Verwendung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Zielsetzungen der Arbeit

Ein knappes Jahrzehnt nach dem Erscheinen des Bandes “Cryptoporticus. Zur Entwicklungsgeschichte eines multifunktionalen Baukörpers” (ErghÖJh 5 (2002)) bietet es sich an, ein Supplement zu diesem Thema herauszugeben. Das vorliegende Buch versteht sich in erster Linie als Materialsammlung unter nachstehenden Gesichtspunkten:

- Jene Baudenkmäler, die einst nur im Rahmen einer Bibliographie gelistet wurden, werden ausführlich erläutert;
- In der Zwischenzeit publizierte neue Befunde werden in den Katalog aufgenommen;
- Denkmäler, die zwischenzeitig besser erforscht wurden, werden nochmals behandelt;
- Bislang nicht ausgewertete epigraphische Denkmäler zur Bauform der “crypta” werden erläutert.

Die Zahl der in ihrer Bedeutung über das jeweilige Einzeldenkmal hinausgehenden Neufunde ist überschaubar.

So hat S. Quilici Gigli eine Neubeschreibung der unter dem sog. “Carcere di San Francesco” in Capua befindlichen Cryptoporticus triplex vorgelegt und sowohl hinsichtlich der vorgeschlagenen Datierung des Bauwerks in die zweite Hälfte des 1. Jht. v. Chr. als auch seiner zentralen Position im Stadtzentrum die von mir vorgeschlagene Deutung als Teil eines zentralen Heiligtums bestätigt[1].

Die weiterführenden Grabungen im Tempelbezirk von Urbisaglia trugen nicht nur dazu bei, dass die einzelnen Bauphasen des Komplexes besser erfasst werden konnten, sondern ergaben auch, dass die Cryptoporticus eine Flachdecke besaß[2]. Eine abschließende Publikation sämtlicher Grabungsergebnisse steht bislang noch aus[3]. Ein Vorbericht zu den Wandmalereien hat erfreulicher Weise die von mir vorgeschlagene Deutung des Bildprogramms samt den von mir genannten ikonographischen Parallelen aufgegriffen und ebenso mit dem Kult der Salus Augusta in Beziehung gesetzt[4].

Überdies hat sich für das Forum in Köln das bereits bekannte Bild der Kreissegment-Cryptoporticus durch die Veröffentlichung der Grabungsbefunde durch B. Irmler vervollständigt[5].

Darüber hinaus haben Grabungsergebnisse auf der Agora von Magnesia am Mäander neue Hinweise auf die Zweigeschossigkeit hellenistischer Hallenbauten erbracht. Auch hier war das Untergeschoß bereits mit Wandmalerei versehen und ist daher den repräsentativen Räumlichkeiten zuzuordnen[6].

Nicht zuletzt bot sich mir selbst die Möglichkeit, unter Neuinterpretation von Grabungsberichten R. Eggers für das Forumsareal von Virunum ein modifiziertes Bild zu zeichnen und an anderer Stelle ausführlich darzulegen[7].

Da die genannten Baudenkmäler bereits im ersten Band ausführlich beschrieben wurden, wurde von einer nochmaligen katalogmäßigen Darstellung abgesehen und wird auf die zitierte neuere Literatur verwiesen.

Die Typologie der Denkmälergruppen wurde beibehalten, da es sich gezeigt hat, dass durch die Neufunde keine Modifizierung notwendig geworden ist. Der Katalog gliedert sich nach bislang bewährten, geographischen Kriterien: die Listung der Denkmäler orientiert sich an den modernen Ortsnamen und werden nur die westlichen europäischen Provinzen des Römischen Reiches berücksichtigt.

Zur besseren Erläuterbarkeit der Baudenkmäler wurden diesmal Text- und Tafelteil zusammengefügt. Die wesentliche Literatur ist bis zum Ende des Jahres 2010 berücksichtigt.

2. Weitere epigraphische Zeugnisse

2.1. AE 1983, 867 (= AE 1979, 520) (Drobeta)

C(aius) Iul(ius) Sabinus bis IIviralis/ et patr(onus) m(unicipii) H(adriani) D(robetae) ob honor(em)/ flamoni C(ai) Iul(i) Naesi Sabini/ nepotis sui cryptam vetus/tate dilapsam pecunia su/a reformavit et exalti/avit.

2.2. AE 1991, 1619 ( = AE 2005, 1662) (Al-Khums/ Lebdah/ Lepcis Magna)

Imp(eratoris) Caes(aris) L(uci) Septimi S]eve[ri Pii Pertinacis Aug(usti) Arabici A]diaben[ici Par]thici maximi [pontificis max]imi [tribunici]ae potes[tati]s X[3] imp[eratoris 3 p(atris)] p(atriae) et I[mp(eratoris)]/ [Caes(aris) M(arci) Aurelli Antonini 3 et I]uliae [Augu]stae [matris Augusti et cas]tror[um totiusque] divinae domus/ [3] Rusonianus fl[am(en)] augur IIvir q(uin)q(uennalis) cellam f[rigi]darii et [c]ry/[pta(?)] rui[na con]labsas [e]x pollicitatione m[un]eris gladiato[rii o]b honorem/ [quinquennalita]tis p[romissa(?)] permissu sacratiss[imi pr]incipis divi M(arci) Antonin[i f(ilii)] a fundamentis/ [3] marmoribus et co[l]umnis exornavit stat[u]am Aesculapii novam/ [3 res]tituit ceter[as] refe[c]it ex [multi]s aliis [m]une[ribu]s rei p(ublicae) suae conlatis et/ [3]uli nomine vi[3]iti[ // ]bus[.

Die aus severischer Zeit stammende Inschrift belegt Renovierungsarbeiten an einem Thermengebäude. Es ist nahe liegend, auch die crypta als dessen Bestandteil zu sehen. Demnach handelte es sich dabei um keine Cryptoporticus im eigentlichen Sinn, sondern um einen Gewölbebau neben den eigentlichen Baderäumen.

2.3. AE 1994, 1065 (Satabis)

E(ques?) illustris D(ecius) S(3) Murina(?)/ pu[b]l(icanus) gerens [3]is[3]/ gloria ingen[ti fistu?]/las sarc(sit)(!) et cr[yptam s(uis) su]mp/tibus erexit [cum? locum?)/ concessisset [r(es)? p(ublica)? Saetab(ensium)?]/ presidente C(aio) F[ulvio? ---]/ filiis suis roga[ntibus].

Sollte es sich bei dem in der Inschrift genannten Gebäudeteil tatsächlich um eine crypta gehandelt haben, könnte dieser Bestandteil eines Thermengebäudes gewesen sein, welches von Decius S. Murina renoviert wurde. Die Lesung des in der vierten Zeile auf den Buchstaben C folgenden Buchstabens ist jedoch unsicher, auch wenn die Ergänzung des Wortes mit crypta auf Grund der wenigen, in Frage kommenden architektonischen Termini, plausibel erscheinen mag. Die Nennung von Wasserleitungsrohren, die geflickt wurden, und die Übergabe des Gebäudes an die öffentliche Hand lassen vermuten, dass sich die Renovierungstätigkeit auf ein Thermengebäude bezogen hat. In diesem Fall könnte die crypta entweder ein unterirdischer Gewölberaum im Heizungsbereich der Thermen oder aber ein überwölbter Verbindungsgang zwischen den Baderäumen gewesen sein. Die Inschrift ist keinem architektonischen Kontext mehr zuweisbar und wird aufgrund des Schriftbildes ins 1. Jht. n. Chr. datiert.

2.4. AE 2005, 301 (Ostia)

Terentia A(uli) f(ilia) Cluvi/ cryptam et calchid(icum) solo suo sua pecun(ia) fecit ex s(enatus) c(onsulto) et d(ecurionum) d(ecreto).

AE 2005, 303 (Ostia)

M(arco) Lepid[o L(ucio) Arru]ntio/ [co(n)s(ulibus)] pridie Idus Ian(uarias)/ [Tere]ntia A(uli) f(ilia) Clu(v)i cryptam [et] / [ca]lchidicum solo suo su[a]/ [pecuni]a [e]x s(enatus) c(onsulto) et d(ecurionum) d(ecreto) quod/ [decretum fa]ctum est at[3]/ [3] RIS [3] E [1] A/ [scrib(endo) adfuer(unt)] Q(uintus) Setinus Volscus/ [3]a IIviri proximo/ [3] decretum fecerunt/ [ut eadem di]e qua crypta et/ [calchid(icum) Caes]ari dedicatum esset/ [Div]o Caesari sacrificium/ [atque Pieta]ti publice facerent/ [ac permit]terent.

Bislang belegen drei Inschriften die Existenz einer crypta, die von Terentia A. f. im Jahr 6 n. Chr. in Ostia gestiftet wurde[8]. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Stiftung sowohl eine crypta als auch ein chalcidicum zum Gegenstand hatte. Da dies ex senatus consulto geschah, kann es sich dabei nur um einen öffentlichen Bau gehandelt haben. Aus AE 2005, 303 ist nicht nur das Jahr der Stiftung bekannt, sondern geht auch hervor, dass das Bauwerk (C. Iulius) Caesar geweiht war und jeweils am Jahrestag der Stiftung ein Opfer zu Ehren des Divus Caesar abgehalten werden sollte. Ein Fragment der Fasti Ostienses berichtet, dass die crypta im Jahr 94 n. Chr. renoviert wurde[9]. Da die eigentliche, in buntem Marmor gefertigte Stifterinschrift in einer Zweitverwendung als Schwelle in den sog. “Terme Bizantine” (IV, 4, 8) gefunden wurde, liegt es nahe, den Standort der crypta im Stadtzentrum von Ostia zu lokalisieren. Da hier die Geländeverhältnisse keine Terrassierungsmaßnahmen erforderten, ist es sehr wahrscheinlich, dass es sich dabei um eine oberirdische Cryptoporticus gehandelt haben mag. Die zeitgleiche Parallele des sog. “Edificio di Eumachia” in Pompeji[10] lässt vermuten, dass auch der von Terentia gestiftete Bau ein Porticushof mit Vorhalle zur Straße hin gewesen ist. Das Gebäude bestand offenbar in der Spätantike nicht mehr[11], könnte aber eventuell im Bereich des späteren “Caseggiato dell’ Ercole” (IV, 2, 2-3) zu suchen sein[12]. Terentia ist auch als Stifterin im Heiligtum der Bona Dea bekannt[13]. Wie im Fall der Eumachia in Pompeji tritt in Ostia Terentia als Privatperson auf, welche sich die Kaisergattin Livia zum Vorbild genommen hat. Bona Dea galt nämlich als die persönliche Schutzgöttin der Livia[14].

2.5. AE 2007, 614 (Treviso)

[Ca]ssius [3 tes]/[t]amento s[ester]/tieis XX(milibus) ma[cel]/lum fieri iussi[t]/ [p]ecuniam here[des]/ ex d(ecreto) d(ecurionum) in crypta[m]/ dedere Vale[ria 3]/ uxor HS XV(milia) [3]/ in cryptam [dedit].

Über den baulichen Zusammenhang dieser crypta können nur Vermutungen angestellt werden. Da die Bauarbeiten ex decreto decurionum erfolgt sind, ist auszuschließen, dass es sich bei der crypta um einen privaten Bau – etwa ein Grabmal – gehandelt hat. Mit den von Cassius testamentarisch für den Bau eines macellum vorgesehenen 20.000 Sesterzen durften dessen Erben stattdessen eine crypta errichten, wofür auch die Witwe Valeria zusätzliche 15.000 Sesterzen stiftete. Für die Umwidmung des testamentarisch vermachten Kapitals war die Zustimmung des Stadtrates nötig. Es ist nahe liegend, dass die Inschrift auf dem Bau, dessen Bestandteil die crypta war, angebracht wurde. Ob diese im baulichen Zusammenhang mit einer porticus stand, die durch andere und daher nicht in der Inschrift genannte Geldmittel finanziert wurde, ist unbekannt. Die Inschrift stammt aus der ersten Hälfte des 1. Jht. n. Chr.

3. Baudenkmäler

3.1. Die Cryptoporticus als Substruktionsgang in Terrassenanlagen

3.1.1. Die Cryptoporticus an der Terrassenkante

KatNr. 1 : Frascati, Casalaccio, Villa (Abb. 1)

Th. Ashby, BSR 5, 1910, 298; M. Valenti, Forma Italiae, Ager Tusculanus (2003) 121 Nr. 79 – 82.

Die in einem Flügel erhaltene Cryptoporticus verläuft an der Südostseite der basis villae und ist auf einer Länge von 16.44 Metern erhalten. Den 1.5 Meter breiten Innenraum überspannt ein Tonnengewölbe, an welchem noch Reste von färbigem Verputz festgestellt werden konnten. Lediglich ein trichterförmiges Fenster existiert im erhaltenen Verlauf des Ganges, dessen talseitige Außenwand in nachantiker Zeit an zwei Stellen durchbrochen wurde. Es ist aufgrund der Ausdehnung der Terrasse nahe liegend, dass der Gang sich noch weiter bis zu einer Gesamtlänge von ca. 100 Metern entlang der basis villae erstreckte. Mangels genauer Kenntnis des eigentlichen Baus auf der Terrasse kann die Errichtungszeit des Denkmals nur ungefähr mit dem 2./1. Jht. v. Chr. angegeben werden, eine Nutzung dürfte jedenfalls bis in die hohe Kaiserzeit hinein erfolgt sein.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

KatNr. 2: Frascati, Casale Fiorano, Villa

Th. Ashby, BSR 5, 1910, 314; G. Mancini, NSc 1913, 54 f.; M. Valenti, Forma Italiae, Ager Tusculanus (2003) 124 ff. Nr. 93 – 99.

Die ca. 200 x 180 Meter große basis villae wurde an drei Seiten von Terrassenmauern umgeben. An der Südostseite wurde bereits Ende des 19. Jht. eine damals noch zugängliche Cryptoporticus auf einer Länge von neun Metern und einer Breite von 1.8 Metern sowie einer Höhe von 2.7 Metern nachgewiesen.

Die Besonderheit des Befundes lag im stuckierten Tonnengewölbe, dessen Schmuck in fünf Reihen zu jeweils vier quadratischen Kassetten bestand. Im Zentrum einer jeden Kassette befanden sich auf einer runden Trägerplatte verschiedene in Relief abgebildete Motive wie Fruchtkörbe, Kratere, Pegasoi, Schilder, Pfeile und Köcher sowie Lorbeerkränze. Die Dekoration wurde von R. Ling dem Stil nach in das zweite oder letzte Drittel des 1. Jht. datiert, wofür auch das im Komplex verwendete opus reticulatum sprechen würde. Weitere Mauern in opus incertum lassen eine frühere Bauphase der Villa vermuten, sodass die Cryptoporticus einer spätrepublikanischen Erweiterung zuordenbar wäre.

KatNr. 3: Frascati, Cocciano, Villa (Abb. 2)

Th. Ashby, BSR 5, 1910, 316; F. Grossi Gondi, Il Tuscolano nell’ età classica (1908) 167 ff.; M M. Valenti, Forma Italiae, Ager Tusculanus (2003) 168 ff. Nr. 206.

Die nördlich des modernen Ortskerns von Frascati nahe der Bahnlinie gelegene Villa ist nur unzureichend erforscht. Die ursprüngliche Ausdehnung der basis villae muss an die 330 x 200 Meter betragen haben und wurde letztere an ihrer Nordseite von einer aus 36 Gewölbekammern gebildeten Stützkonstruktion aus opus reticulatum begrenzt. Von der Bebauung der Terrasse ist mangels Grabungen wenig bekannt. Ungefähr im Zentrum der heute landwirtschaftlich genutzten Fläche haben sich in einem rezenten Gebäude drei Gewölbekammern mit angrenzender Cryptoporticus erhalten. Diese Cryptoporticus ist einflügelig ausgeführt (3.83 x 20,49 Meter), jedoch nicht in ihrer ursprünglichen Länge erhalten. Die Eingangssituation an ihren Enden wurde ebenso neuzeitlichen Veränderungen unterworfen wie auch eine Trennwand nachantiken Ursprungs ist. Die angrenzende Raumgruppe mag primär als Trassierungsmaßnahme für die eigentliche Villa gedient haben, da sich an ihrer Rückseite weitere, vollständig verschüttete Räume befinden.

Aus der Tatsache, dass südwestlich dieser Ruinen ein kreisrundes Becken von ca. 40 Metern Durchmesser zu liegen kommt, kann die Schlussfolgerung gezogen werden, dass ein Großteil der Terrasse als Park genutzt wurde und das eigentliche Haupthaus nur einen verhältnismäßig kleinen Teil der Fläche einnahm, dafür aber am höchsten Punkt gelegen war.

Die Datierung kann derzeit nicht gesichert erfolgen, wie bei vielen Villen ist mit einer mehrhundertjährigen Nutzungszeit ab dem 1. Jht. v. Chr. zu rechnen.

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KatNr. 4: Ladispoli, Marina d. S. Nicola, Villa (Abb. 3)

I. Caruso in: N. Christie (Hrsg.), Settlement and economy in Italy, 1500 BC – AD 1500. Papers of the Fifth Conference of Italian Archaeology, 41. Oxbow Monograph (1995) 291 ff.; G. M. De Rossi – D. P. Di Domenico, Quaderni dell’ Instituto di Topografia Antica della Università di Roma 4, 1968, 44 f. Nr. 76; F. Enei in: M. Valenti (Hrsg.), Residenze imperiali nel Lazio. Atti della Giornata di studio Monte Porzio Catone, 3 aprile 2004 (2008) 117 ff.; X. Lafon – I. Caruso, BA 4, 1990, 15 ff.; X. Lafon, MEFRA 100, 1988, 528 f.; ders., MEFRA 102, 1990, 474 ff.; ders., MEFRA 103, 1991, 343 ff.; ders., MEFRA 106, 1994, 452 ff.; L. Tacco, BdI 1867, 209 ff.

Die gewaltige Ausdehnung der direkt am Meer gelegenen Villenanlage ist schon seit Luftaufnahmen in den fünfziger Jahren bekannt, eine flächendeckende Untersuchung steht bislang noch aus. Traditionell wurde die Villa dem Pompeius zugesprochen, doch gibt es keine Hinweise darauf, dass es sich hierbei tatsächlich um das “Alsium” handelt[15]. Ein Stempel auf einem Bleirohr mit dem Namen des Elagabal weist darauf hin, dass die Villa zumindest zu diesem Zeitpunkt zum kaiserlichen Vermögen gehörte. Es gilt als sicher, dass die erste Phase monumentaler Ausgestaltung in augusteische Zeit zu setzen ist, da in der basis villae und auch in der Cryptoporticus opus reticulatum zum Einsatz kam. Eine Nutzung der Anlage ist mindestens bis ins 4. Jht. n. Chr. nachgewiesen. Das Zentrum des Baus bildet eine 200 x 130 Meter große Plattform, welche heute teilweise von Sanddünen bedeckt ist.

An der Südecke der basis villae tritt eine 3.4 Meter breite Cryptoporticus offen zutage. Der Eingangsbereich ist freigelegt, der weitere Verlauf über 84 Meter hinaus nicht gesichert. 15 Fenster im Gewölbeansatz, in regelmäßigem Abstand zueinander, entsprechen der üblichen gehobenen Ausstattung, von Wand- und Bodenbelag sind keinerlei Reste erhalten. L. Tacco erwähnt, dass der Innenraum mit »intonaco di finissimo stucco« versehen war. Unmittelbar an die Cryptoporticus schließt ein Vorraum an, der über einen rechtwinkelig umbiegenden Treppenaufgang zugänglich war. Auf der Terrasse kamen Peristylhöfe, dazugehörige Raumgruppen und eine Gartenanlage zu liegen. Über der Cryptoporticus konnten im 19. Jht. noch Reste einer Porticus von gleicher Ausdehnung festgestellt werden. An die basis villae schloss sich ein Parkareal an, welches von einer oberirdischen Cryptoporticus (KatNr. 58) begrenzt wurde.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

KatNr. 5: Mentana, Le Molette, Villa

C. Pala, Forma Italiae, Nomentum (1976) 126 f. Nr. 174.

Von der zu dieser Substruktion gehörenden Villa sind keinerlei Reste bekannt. Der einflügelige, 2.7 Meter breite und auf 32 Metern erhaltene Gang ist bis knapp unter den Gewölbeansatz verschüttet. Fenster existieren auf der bekannten Länge nicht. Opus incertum legt eine Datierung in republikanische Zeit nahe.

KatNr. 6: Monte Porzio Catone, “Casale Celli ” , Villa (Abb. 4)

M. Valenti, Forma Italiae, Ager Tusculanus (2003) 197 f. Nr. 315.

Der bislang dokumentierte Befund zeugt von mehreren Umbauten im Innenraum der Cryptoporticus, die in ihrer Abfolge chronologisch nicht genau einordenbar sind. In seiner ersten Phase war der einflügelige Gang (29.03 x 3.95 Meter) talseitig mit einer Reihe trichterförmiger Fenster versehen, die in weiterer Folge verschlossen wurden. Als besonderes technisches Element muss ein hangseitig gelegener, schmaler, fensterloser Gang erwähnt werden, der parallel zur Cryptoporticus verläuft. Dieser scheint als Drainagierungsmaßnahme errichtet worden zu sein, mündet er doch in einen Stollen, der noch nicht weiter untersucht wurde. Eine ähnliche Konstruktion findet sich auch in der nahe gelegenen Villa unter der Abtei von Grottaferrata[16]. In einer späteren Bauphase wurde zirka in der Mitte des Verlaufs der Cryptoporticus, in rechtem Winkel zu dieser, ein weiterer Stollen durch die Mauer gebrochen. Ebenso dürften die beiden im Süden angrenzenden Räume nachträgliche Zubauten sein. Wasserdichter Verputz lässt darauf schließen, dass die Cryptoporticus in eine Zisterne umgebaut wurde. Dies könnte mit tief greifenden Umbauten auf der Terrasse einhergegangen sein. Ruinen aus opus mixtum können eventuell einer Thermenanlage zuweisbar sein. Bauliche Veränderungen in neuerer Zeit, wie der Ausbruch eines breiteren Zuganges und der Einzug von Zwischenwänden erfolgten im Zuge der landwirtschaftlichen Nutzung des Gebäudes. Als besonderes Merkmal ist zu nennen, dass an beiden Seiten der Cryptoporticus das Bodenniveau erhöht ist.

Bislang ist nicht klar, ob dies bereits in der ersten Bauphase ausgeführt wurde. Auch der genaue Zweck dieser Maßnahme bleibt unklar, könnte aber mit dem Umbau in eine Zisterne zusammenhängen. Der Kern der Villa stammt jedenfalls aufgrund des eingesetzten opus reticulatum aus republikanischer Zeit.

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KatNr. 7: Poggio Mirteto, S. Oreste, “ Giardino ” , Villa (Abb. 5)

G. F. Gamurri – A. Cozza – A. Pasqui – R. Mengarelli, Forma Italiae, Materiali per l’ Etruria e la Sabina (1972) 329 Nr. 59 Abb. 191.

Die an den Abhängen des Mt. Soratte gelegene Villa ist nicht genau untersucht. Aus der zitierten Kurznotiz ist nur zu entnehmen, dass auch opus reticulatum im Komplex verwendet wurde, jedoch ist unklar, in welchem Ausmaß dies geschehen ist. Die basis villae wird an einer Seite durch eine Cryptoporticus gestützt, welche auch mehrflügelig gewesen sein könnte. Die Wände sind mittels Pilaster in regelmäßigen Abständen gegliedert. In der Nähe des Einganges schließt ein weiterer Raum an, der mit einem Tonnengewölbe versehen ist. Fenster sind nicht dokumentiert. Hinweise auf eine Datierung der Anlage stehen bislang noch aus.

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KatNr. 8 : Roma, Domus Aurea (Abb. 6)

Blake, Construction II, 46 ff.; P. Gros, L’ architecture romaine du début du IIIe siècle av. J. C. à la fin du Haut Empire. 2. Maisons, palais, villas et tombeaux (2001) 244 ff.; P. Meyboom – E. Moormann, BA 16 – 18, 1992, 139 ff. bes. 140 Abb. 17; Nash, Rom I 339 ff. s. v. Domus Aurea; L. Richardson, A New Topographical Dictionary of Ancient Rome (1992) 119 f. s. v. Domus Aurea; F. Weege, JdI 28, 1913, 182 ff. Taf. 11 - 17; G. Zander, Palladio 15, 1965, 157 ff.

Der auf dem Abhang des Oppius gelegenen Teil der Domus Aurea, welcher später von den Thermae Traiani teilweise überbaut wurde, war auf einem komplizierten System von Gewölbebauten errichtet worden. Anders als in vergleichbaren Fällen, wie etwa der Villa im sog. “Barco Borghese” in Frascati (KatNr 43), waren jedoch hier diese Räume dem repräsentativen Trakt des Palastes zuzuordnen und überaus aufwändig ausgestattet. Möglicherweise muss der Aufbau des Palastes symmetrisch ergänzt werden. Innerhalb des weitläufigen Terrassierungssystems sind zwei Gänge aufgrund ihrer Länge, ihrer Ausstattung und ihrer Funktion als Verbindung zwischen Teilen der Anlage als Cryptoporticus anzusprechen.

An der Rückseite des Peristylhofs verläuft ein geschlossener Gang, der durch Öffnungen im Gewölbescheitel beleuchtet wird. Die drei übrigen Seiten des Hofes werden hingegen von Säulenhallen umgeben. Zusammen ergaben die Hallen ein Untergeschoß eines mehrstöckigen Peristylhofs. Die Cryptoporticus wurde hier einerseits eingesetzt, um den Hangdruck abzufangen, andererseits um das Erscheinungsbild der ambulacra zu variieren.

Eine weitere Cryptoporticus führte nach Osten und verlief an der Rückseite der Gewölberäume, welche an den berühmten oktogonalen Raum grenzten. Dieser Gang und seine Wandmalerei sind heute durch eintretendes Wasser stark in Mitleidenschaft gezogen, sodass die einst durch F. Weege beschriebene prachtvolle Ausstattung in ihrem Bestand bedroht ist. Der Gang wurde durch Fenster im nordöstlichen Gewölbeansatz beleuchtet. Wie die gesamte Anlage der Domus Aurea ist auch dieser Teil relativ genau in die Jahre zwischen 64 und 69 n. Chr. datierbar.

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KatNr. 9: Roma, Via Anagnina, “ Villa dei Centroni ” (Abb. 7)

Th. Ashby, BSR 4, 1907, 121; L. Cozza, NSc 1952, 257 ff.; F. Di Matteo, RendLinc 13, 2002, 243 ff.; ders., NSc 2002/2003, 257 ff.; G. M. De Rossi, Forma Italiae, Bovillae (1979) 70 ff. Nr. 101; Lugli, Tecnica 428. 431. 480. 482. 652. Taf. 102, 3; 122, 3; 132, 3.

Von der auf einem Hügel gelegenen Villa sind zwei große Terrassen mit Substruktionsbauten sichtbar. Die erste planimetrische Aufnahme erfolgte durch Th. Ashby. Untersuchungen von größerem Umfang fanden bislang nur auf der Terrasse mit der natatio statt.

Wie bei einer aus mehreren Terrassen bestehenden basis villae durchaus üblich, befinden sich die Gewölberäume der Substruktionen auf der obersten Terrasse und bilden ein größeres System miteinander verbundener Räume. An der Nordwest- und Südostseite der Terrasse verläuft jeweils eine einflügelige Cryptoporticus. Die Gänge waren nicht unmittelbar miteinander verbunden und sind auch von ihrem architektonischen Aufbau her völlig unterschiedlich gestaltet. Gemeinsam ist ihnen, dass sie als Verbindungsweg und Lichtraum für die im Terrasseninneren liegenden Räume dienten.

Der Gang an der Südostseite ist sehr schlecht erhalten, sein Gewölbe auf weite Strecken verstürzt. Sechs Nischen gliedern die Außenwand, wobei die zwei größeren Nischen gegenüber jenen Gängen liegen, die weiter in die basis villae hineinführen. Spuren der Fenster sind nicht erhalten. Die schmale, an der Nordwestseite verlaufende Cryptoporticus ist durch einige architektonische Besonderheiten bemerkenswert[17]. Die Höhe von ca. 5.5 Metern ist im Verhältnis zur Raumbreite von nur 1.44 m gewaltig. Zwei übereinander liegende Fensterreihen von je sieben Fenstern sorgten für eine gleichmäßige Beleuchtung der im Terrasseninneren liegenden Räume. Eine zwischen den Fensterreihen befindliche Reihe von Balkenlöchern zu beiden Seiten des Raumes lässt auf die Konstruktion einer hölzernen Zwischendecke schließen. Somit war der Gang zweistöckig. Die Regelmäßigkeit der Abmessung der Balkenlöcher lässt vermuten, dass die Holzdecke bereits in der ersten Bauphase vorgesehen war.

Die Außenfassade der basis villae war in diesem Bereich durch ein Nischenprospekt gegliedert. Reste von Verputz belegen die farbliche Gestaltung der Außenfläche. Auf der Terrasse davor befand sich eine große natatio, die über einen eigenen Aquädukt und ein Zisternensystem gespeist wurde. Die Konstruktion findet ihre nächste Parallele in der “Villa di Quintilio Varo” bei Tivoli[18]. Während L. Cozza noch davon ausging, dass die Villa in spätrepublikanischer Zeit errichtet wurde[19], favorisiert F. Di Matteo eine Entstehung am Ende des 2. Jht. v. Chr.[20]. Insbesondere ein Ziegelstempel spricht für eine frühe Entstehungszeit[21], aber auch das erste Auftreten von Nischenfassaden in dieser Zeit, wie etwa beim Heiligtum von Praeneste oder der “Villa di Q. Varo”. Die Villa wurde bis ins 13. Jht. hinein genutzt[22].

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KatNr. 10: Roma, Via Appia, Villa di Massenzio (Abb. 8)

D. A. Colin, MemAmAc 51/52, 2006/2007, 347 ff.; G. Lugli, BCom 52, 1925, 120 ff.; Neudecker, Skulpturenausstattung 184 f. Nr. 37; G. Pisani Satorio – R. Calza, La Villa di Massenzio sulla Via Appia (1976) 28 ff.

Die Cryptoporticus ist der am besten erhaltene Teil des republikanischen Baukerns der Villa. In typischer Art als Terrassierung eingesetzt, wurde sie jedoch starken Umbauten unterzogen. Teilweise konnten von ihrem ursprünglich 115 Meter langen Verlauf nur mehr geringe Reste festgestellt werden. Der Gang wird durch regelmäßige Pfeilerstellungen in zwei Schiffe geteilt, wobei das bergseitige in den anstehenden Tuff eingetieft ist. Das Gewölbe ist nur mehr am Westende und bei den später eingebauten Räumen erhalten, die Raumhöhe beträgt 2.4 Meter. In der Innenfläche des Gewölbes ist Wandmalerei über größere Strecken gut erhalten. Bodenbelag konnte nicht festgestellt werden. Zahlreiche trichterförmige Fenster sind in unregelmäßigen Abständen auf der gesamten Länge des Ganges erhalten. In diesem Teil der Villa kam opus incertum zum Einsatz, mit einer Entstehungszeit am Anfang bzw. in der ersten Hälfte des 1 Jht. v. Chr. wird daher zu rechnen sein. Die Cryptoporticus blieb lange Zeit von Eingriffen verschont, obwohl in der frühen Kaiserzeit der Gesamtkomplex stark erweitert wurde. Erst im 2. Jht. n. Chr. wurde die Fassadengestaltung der Villa radikal verändert, indem man an den Enden der Cryptoporticus je einen runden Turm platzierte. Dazu kam eine zusätzliche Terrassenmauer, welche in einem Abstand von 2.3 Metern vor der bisherigen verlief. Der Verlauf der Cryptoporticus wurde durch drei Räume unterbrochen (“Stanze del Piranesi”). Ihr Bodenniveau liegt um 0.5 Meter tiefer als jenes des Gewölbeganges, ihre prachtvolle Ausstattung mit Wandmalerei und das verwendete opus mixtum mit den vorgefunden Ziegelstempeln datieren den Umbau um die Mitte des 2. Jht. n. Chr. Vermutlich im Zuge dieser Veränderungen wurde der östliche Teil der Cryptoporticus aufgegeben.

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KatNr. 11: Roma, Via Appia, Tenuta di Fiorano, Casal Fresca, Villa (Abb. 9)

G. M. De Rossi, Forma Italiae, Bovillae (1979) 332 f. Nr. 332.

Von der Gesamtanlage der Villa ist nur die 42 Meter lange und 2.6 Meter breite Cryptoporticus dokumentiert. Erhalten sind vier trichterförmige Fenster der üblichen Form im Gewölbeansatz. Für die Beleuchtung sorgten weiters noch zwei rechteckige Öffnungen im Gewölbescheitel bei Laufmeter 21 und 32. Am nördlichen Ende der Cryptoporticus sind Reste einer teilweise verschütteten Nische oder eines schmalen Ganges erkennbar. Es könnte sich um einen Aufgang zur Villa handeln. Von der Mauertechnik her erscheint eine Datierung ins 1. Jht. v. Chr. möglich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

KatNr. 12: Roma, Via Cavona, Località Maruffi, Villa (Abb. 10)

G. M. De Rossi, Forma Italiae, Bovillae (1979) 361 ff. Nr. 417.

Diese Anlage bietet das übliche Bild eines einflügeligen Ganges an der Trennlinie zweier Terrassen. An der Ostseite der Nordterrasse ist eine Stützmauer mit Nischenprospekt in schlechtem Erhaltungszustand sichtbar. Die Cryptoporticus trägt besonders in der Gewölbetonne Reste von weißem Verputz. Zwei Wandöffnungen befinden sich ca. in der Mitte des erhaltenen Gewölbeabschnitts: eine kleine, sich nach oben trapezförmig verjüngende Nische und ein tiefer ins anstehende Erdreich reichender schmaler Gang. Ihr genauer Zweck muss ohne weitere Untersuchung unerklärt bleiben. Nach dem Mauerwerk in opus quasi reticulatum datiert das Bauwerk in die Mitte des 1 Jht. v. Chr., eine Annahme, die auch durch ein seit dem Zweiten Weltkrieg verschollenes Mosaik zusätzlich gestützt werden könnte. Zahlreiche Streufunde aus diesem Areal tragen allerdings nichts zu einer Bestätigung dieser Vermutung bei.

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KatNr. 13: Roma, Via Cavona, Località Messer Paoli, Villa (Abb. 11)

Th. Ashby, BSR 5, 1908, 282 f.; G. M. De Rossi, Forma Italiae, Bovillae (1979) 382 ff. Nr. 432; R. Lanciani, BCom 12, 1884, 194.

Die in spätrepublikanische Zeit datierende Villa bestand aus mindestens zwei Terrassen. Reste der 4.7 Meter breiten Cryptoporticus sind auf 12 Metern erkennbar, das Gewölbe mit einem Fenster im Ansatz ist jedoch nur auf einigen Metern vollständig erhalten. An der Bergseite jedoch verläuft ein 1.4 Meter breiter Kanal, an dessen Ende zwei Drainagierungsleitungen einmünden. Eine derartige Konstruktion findet ihre nächste Parallele in Grottaferrata[23] oder in Monte Porzio Catone, “Casale Celli” (KatNr. 6). Ein tonnenüberwölbter Nebenraum könnte eventuell auch als zweiter Flügel der Cryptoporticus zu deuten sein. Reste von Verputz sind an einigen Stellen erhalten, das Mauerwerk besteht aus opus reticulatum mit einigen Ausbesserungen, zu welchen gelbliche Ziegel herangezogen wurden. Diese Reparaturen werden spätestens in die zweite Hälfte des 1. Jht. n. Chr. datiert.

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KatNr. 14: Roma, Via Cavona, Villa

Th. Ashby, BSR 5, 1908, 261; G. M. De Rossi, Forma Italiae, Bovillae (1979) 354 ff. Nr. 404.

Die Cryptoporticus liegt auf der dritten und obersten Terrasse dieses Komplexes. Es dürfte sich hierbei auch um einen einflügeligen Gang an der Terrassenkante gehandelt haben. Auf einer Länge von knapp 25 Metern ist die Gewölbetonne gänzlich verstürzt, an manchen Stellen ist der Gewölbeansatz jedoch noch erhalten geblieben. Weiters ist eine Nische an der Bergseite dokumentiert. Die talseitige Außenmauer der Cryptoporticus ist nur mehr in einem kurzen Teilstück am Ende des Ganges erhalten. Auf der dritten Terrasse sollen im 19. Jht. noch die Reste einer Porticus festgestellt worden sein. Da der gesamte Bau in opus reticulatum errichtet wurde, liegt eine Entstehung in spätrepublikanischer Zeit nahe.

KatNr. 15: San Giovanni Incarico, Fabrateria Nova, Tempel (Abb. 12)

C. P. Venditti, Fastionline 211, 2010, 5 ff.

Die auf einer Schotterterrasse an einer Schleife des Flusses Liris gelegene Stadt wurde in den letzten Jahren mittels Georadar und punktuellen Grabungen untersucht. Dabei konnten sowohl das Straßensystem im Stadtzentrum als auch einige der wichtigsten Großbauten dokumentiert werden. Die Orientierung des Straßennetzes folgt den natürlichen Gegebenheiten und bilden vier cardines in Ost-West-Richtung dessen Hauptachsen.

An der Ostseite der Schotterterrasse konnte ein von einer Triporticus (ca. 90 x 100 Meter) umgebener Tempelbezirk festgestellt und teilweise ergraben werden. Ob es sich bei der Anlage um das Forum handelt, ist derzeit noch unklar. Auch die Gottheit, welche im Podiumstempel (22 x 15.10 Meter) verehrt wurde, konnte noch nicht zuverlässig bestimmt werden. Eine Inschrift aus dem späten 3. Jht. n. Chr. belegt die Verehrung des Jupiter Conservator in Fabrateria Nova zu dieser Zeit[24], bietet jedoch für die Ansprache des Baus als Kapitol keinen Nachweis. Gesichert erscheint jedoch, dass die Anlage zu den ältesten Bauten der Stadt gehört und jedenfalls im 1. Jht. v. Chr. errichtet wurde[25]. Träfe diese Datierung zu, könnte es sich bei der sich unter dem Ostflügel der Porticus befindlichen Cryptoporticus um eines der ältesten Denkmäler an einer Platzanlage handeln. Die einflügelige, zweischiffig ausgeführte, in opus incertum errichtete Cryptoporticus ist auf 80 Metern erhalten und augenscheinlich als Terrassierungsmaßnahme geplant worden, um die bebaubare Fläche zum Fluss hin zu erweitern. Mittels Grabung dokumentiert werden konnte die Eingangslösung am nördlichen Ende des Flügels, welche in einem rechtwinkelig umbiegenden schmalen Treppengang bestand, der auf die höher gelegene Nordporticus führte. Reste eines trichterförmigen Fensters sowie von weißem Verputz zeugen von der gehobenen Ausstattung des Innenraumes. Fußbodenbelag konnte bislang nicht festgestellt werden.

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KatNr. 16: Sezze, Mt. Trevi, “ Le Grotte ” , Villa (Abb. 13)

Letzner, Nymphaea 300 Nr. 60; Neuerburg, Nymphaea 150 f. Nr. 65; L. Zaccheo, Lunario Romano 12, 1982, 442 ff.

Die Villa liegt unweit der Straße von Setia nach Privernum an den Ausläufern des Mt. Trevi und erstreckte sich über zwei Terrassen. Die untere Terrasse wird durch zwölf, an der Frontseite ursprünglich offene Gewölbekammern gebildet, welche in der Folgezeit mehrmaligen Umbauten ausgesetzt waren. An der oberen Terrasse verläuft eine zweischiffige Cryptoporticus, deren talseitiger Teil beinahe gänzlich zerstört ist. Reste einer Außenmauer sind mittels Lisenen in unregelmäßigen Abständen gegliedert, in den Zwischenräumen öffnen sich Fenster mit Bogenabschluss. Das innere Schiff ist durch eine Mauer, welche ebenfalls in unregelmäßigen Abständen Öffnungen aufweist, getrennt. Die größte dieser Öffnungen kommt in einer Achse mit dem Nympaeum zu liegen. Auch Fenster öffnen sich auf das vordere Schiff, sie liegen aber nicht in einer Flucht mit den Außenfenstern der Cryptoporticus. Vier Räume schließen bergseitig an. Ihres wasserfesten Verputzes wegen spricht sie L. Zaccheo als Zisternen an, bleibt jedoch die Erklärung der Verbindungstüren zur Cryptoporticus schuldig. Im Zentrum der basis villae liegt ein Nymphaeum mit Tonnengewölbe, welches von einem Reservoir in seiner Rückwand gespeist wird. Der Innenraum des Brunnens war durch Nischen gegliedert und trägt Reste von Verputz. Über eine genaue Beschaffung der Wasserbecken gibt es keine Kenntnis, da der Raum wie auch weite Teile der Cryptoporticus noch relativ hoch mit Schutt gefüllt sind.

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KatNr. 17: Sperlonga, Acque Salse, Villa (Abb. 14)

F. Fasolo – G. Spagnesi, Quaderni dell’ Instituto di Storia dell’ Architettura 27 – 29, 1958, 1 ff.; G. M. De Rossi, Lazio meridionale (1980) 186 Taf. 12.

Die Villa wurde im Wesentlichen in zwei Bauabschnitten errichtet. Die noch aus dem 2. Jht. v. Chr. stammende Terrasse aus Polygonalmauerwerk wurde im darauffolgenden Jht. großflächig erweitert. Dies geschah durch eine Reihe von vorgelagerten Räumen mit Tonnengewölben. An der Terrassenkante verlief auf einer Länge von beinahe 100 Metern eine 6 Meter breite Cryptoporticus, deren Gewölbe heute verstürzt ist. Die Raumhöhe muss an die 5 Meter betragen haben, Fenster sind nicht erhalten. Es ist grundsätzlich denkbar, dass – wie in der Rekonstruktion von F. Fasolo dargestellt – großflächige Fenster die Fassade gliederten. Die Front der untersten Terrasse wurde durch eine große Nische und drei kleine Bastionen gegliedert. Von den aufgehenden Teilen der Villa sind nur mehrere langgezogene Tonnengewölbe bekannt, welche vermutlich als Zisternen genutzt wurden.

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KatNr. 18: Sulmona, Casino S. Lucia, Villa (Abb. 15)

F. v. Wonterghem, Forma Italiae, Superaequum Corfinium Sulmo (1984) 256 f. Nr. 143.

Die heute nur mehr in sehr geringem Umfang erhaltenen Reste der Villa befinden sich in einem rezenten Landhaus. Die einflügelige Cryptoporticus war über einen Eingang in der Mitte des Flügels zugänglich. Weder Fenster noch die ursprüngliche Länge des Ganges sind bekannt. An den Ecken des Eingangs verstärken mehrere polygonale Steinblöcke das Mauerwerk. Die Aufgänge zur oberen Terrasse sind nicht erhalten. Auf Grund des opus incertum in allen Bauteilen der Villa und durch Vergleiche mit weiteren Konstruktionen in dieser Mauertechnik in dieser Region[26], besonders den Stützmauern des Herkules Curinus- Heiligtums[27], erscheint eine Datierung an den Anfang des 1. Jht. v. Chr. durchaus möglich.

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KatNr. 19: Terracina, Forum Aemilianum (Abb. 16 )

M. R. Coppola, MEFRA 96, 1984, 325 ff.; G. Lugli, Forma Italiae, Anxur – Terracina (1926) Zona III 77 ff. Nr. 23 – 28; Nünnerich-Asmus, Basilika 210 ff.

[...]


[1] S. Quilici Gigli in: L. Quilici – S. Quilici Gigli (Hrsg.), Spazi, forme e infrastrutture dell’ abitare. Atlante tematico di topografia antica 18 (2008) 93 ff.; Luschin, Cryptoporticus I 101 ff.

[2] F. Becker, Architectura 35, 2005, 15 ff. bes. 24.

[3] An Vorberichten sind insbesondere zu nennen: G. M. Fabrini, Picus 20, 2000, 113 ff.; P. Quiri in: H. Lenzi (Hrsg.), L’ Archeologia dell’ Adriatico dalla Preistoria al Medioevo. Atti del Convegno 7 – 9 giugno 2001, Archeologia dell’ Adriatico I (2003) 400 ff.; D. Marziali, Annali della Facoltà di Lettere e Filosofia della Università di Macerata 38, 2005, 11 ff.

[4] Luschin, Cryptoporticus I 107 f.; Ch. Delplace, Picus 27, 2007, 103 ff. bes. 125 f.

[5] Luschin, Cryptoporticus I 95 f.; B. Irmler in: H. G. Horn (Hrsg.), Fundort Nordrhein-Westfahlen. Millionen Jahre Geschichte. Schriften zur Bodendenkmalpflege in Nordrhein-Westfahlen 5 (2000) 324 ff.; ders., Colonia Claudia Ara Agrippinensium. Architektur und Stadtentwicklung, Dissertation TU München I (2005) 26 ff. 35 ff.

[6] O. Bingöl in: R. Biering – V. Brinkmann – U. Schlotzhauer – B. Weber (Hrsg.), Maiandros. Festschrift für Volkmar von Graeve (2006) 25 ff.

[7] E. M. Luschin, ÖJh 72, 2003, 149 ff.

[8] AE 1940, 92; AE 2005 301, 303.

[9] AE 1940, 92.

[10] CIL X 810 = 811. Zum sog. “Edificio di Eumachia” in Pompeji s. Luschin, Cryptoporticus I 88 ff. mit weiterer Literatur.

[11] A. Licordari, ArchCl 36, 1984, 351.

[12] Die porticus entlang des cardo maximus bestand schon im 1. Jht. n. Chr., während der Komplex des “Caseggiato dell’ Ercole” erst Mitte des 2. Jht. n. Chr. errichtet wurde. s. dazu C. Pavolini, Ostia. Guide archeologiche Laterza² 8 (1988) 197.

[13] AE 2005, 304: Terentia A(uli) f(ilia) Clu(v)i Bonae Deae.

[14] s. dazu F. Zevi, ArchCl 49, 1997, 450 f.

[15] Dieses Anwesen des Pompeius wird u. a. genannt bei Cic. fam. 9, 6, 1; Att. 13, 50; Mil 20, 54; Val. Max. 8, 1, 7.

[16] M. Valenti, Forma Italiae, Ager Tusculanus (2003) 326 ff. Nr. 720; Luschin, Cryptoporticus I 55 f.

[17] F. Di Matteo, NSc 2002/03, 285 betont zu recht, dass es sich bei diesem Gang auf Grund seiner baulichen Besonderheiten um keine Cryptoporticus im engeren Sinn handelt.

[18] Luschin, Cryptoporticus I 67.

[19] L. Cozza, NSc 1952, 257 ff.

[20] F. Di Matteo, NSc 2002/2003, 309 ff.

[21] ders. a. O. 311 f. Abb. 62 zum hohen Alter des Ziegelstempels, der vielleicht aus einer Brennerei der Gens Plaetoria stammt. Ob die Villa auch im Eigentum dieser Familie stand, ist bislang nicht bewiesen.

[22] Der heutige Name leitet sich von einem im 11. Jht. hier stationierten Regiment, den “Centrones”, ab.

[23] Luschin, Cryptoporticus I 55 f.

[24] CIL X 5576: Imp(erator) Caesar C(aius) Valerius Diocletianu[s]/ Pius Felix Invictus Aug(ustus)/ Iovi Conservatori.

[25] C. P. Venditti, Fastionline 211, 2010, 6.

[26] Vgl. die basis villae bei F. v. Wonterghem, Forma Italiae, Superaequum Corfinium Sulmo (1984) 264 ff. Nr. 156 Abb. 371 – 373.

[27] ders. a. O. 240 ff. Nr. 140 Abb. 327. 332 – 333.

Ende der Leseprobe aus 109 Seiten

Details

Titel
Cryptoporticus - Zur Entwicklungsgeschichte eines multifunktionalen Baukörpers - Supplementum I
Hochschule
Universität Wien
Autor
Jahr
2011
Seiten
109
Katalognummer
V176564
ISBN (eBook)
9783640979868
ISBN (Buch)
9783640979813
Dateigröße
10397 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Römische Architektur, Gewölbebau, Platzanlagen, Villa, Italien, Cryptoporticus
Arbeit zitieren
Dr. MMag. Edgar Markus Luschin (Autor), 2011, Cryptoporticus - Zur Entwicklungsgeschichte eines multifunktionalen Baukörpers - Supplementum I, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176564

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