Die Neue Reichskanzlei in Berlin

Repräsentationsbau von Albert Speer


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011

23 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Albert Speer

3. Die Reichskanzlei

4. Die Geschichte der Neuen Reichskanzlei
4.1. Die Alte Reichskanzlei
4.2. Die Neue Reichskanzlei
4.3. Zerstörung der Neuen Reichskanzlei

5. Architektonische Analyse
5.1. Der Grundriss
5.2. Der Außenbau
5.3. Der Innenbau
5.4. Hitlers Arbeitszimmer

6. Ideologischer Bedeutungsgehalt

7. Schlussbemerkung

8. Literaturverzeichnis

1. Einführung

Die Neue Reichskanzlei in Berlin war eines der repräsentativsten Bauwerke, die Albert Speer für das nationalsozialistische Regime in Deutschland geschaffen hat. Der Bau, in dem Hitler nur selten anzutreffen war, bietet eine Fülle von Absurditäten.

Diese Arbeit soll einen ersten Einblick in die Geschichte des Baus geben und auch seine Ideologie etwas genauer beleuchten, welche im NS—Regime eine besonders auf Adolf Hitler abgestimmte Rolle spielte.

Nach dieser kurzen Einführung soll zuerst der Architekt Albert Speer vorgestellt werden. Weiter geht es mit einer Einführung über die Reichskanzlei im Allgemeinen. Daraufhin folg die Auseinandersetzung mit der Geschichte sowohl der alten Reichskanzlei, sowie dem Neu- und Umbau Speers. Als weiteres Unterkapitel schließt sich eine Betrachtung der Zerstörung des Baus am Ende des zweiten Weltkrieges an.

Die architektonische Analyse von Grundriss, Außenbau, Innenbau und besonders dem Arbeitszimmer Hitlers bildet das folgende Kapitel, in dem der Bau im Detail vorgestellt und analysiert werden soll.

Eine fortführende Analyse des Baus und seiner Funktion findet sich im abschließenden Kapitel über den ideologischen Bedeutungsgehalt. Ein wichtiger Aspekt bei der Analyse des Bauwerkes ist seine Funktion innerhalb des Machtapparates der Nationalsozialisten.

Nach der Schlussbemerkung, in der nochmal ein abschließendes Resümee über den Bau gezogen werden soll, folgen das obligatorische Literaturverzeichnis.

Selbstverständlich erhebt diese Hausarbeit keinen Anspruch auf Vollständigkeit, da eine detaillierte Auseinandersetzung mit dem Bau der Neuen Reichkanzlei die zur Verfügung stehende Seitenzahl deutlich überschreiten würde. Jedoch soll dem Leser eine möglichst gute Vorstellung des zerstörten und inzwischen durch einen Parkplatz und Wohnhäuser ersetzten Baus vermittelt werden.

2. Albert Speer

Albert Speer wurde am 19. März 1905 als Sohn des Architekten Albert Speer und dessen Frau in Mannheim geboren.

Der junge Speer nimmt auf Geheiß des Vaters 1923 ein Architekturstudium in Karlsruhe auf. Bereits im Folgejahr wechselt er an die Technische Hochschule in München. 1925 verlegt er seinen Studienort erneut und setzt das Studium in Berlin fort.

Nach der Diplomprüfung 1928 wird Albert Speer Universitätsassistent und macht sich in den folgenden Jahren praktisch mit der Baukunst vertraut. An der Berliner Universität hört Speer 1930 erstmals eine Rede des späteren Diktators Adolf Hitler. Albert Speer, welcher sich zuvor politisch nicht betätigt hatte, zeigte sich beeindruckt von Hitlers Persönlichkeit und ist von dessen Vision der Zukunft Deutschlands überzeugt.

Im Januar des Jahres 1931 tritt Speer in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) sowie in deren Sturmabteilung (SA) ein. Im gleichen Jahr lässt er sich als selbständiger Architekt in seiner Geburtsstadt Mannheim nieder. Die ersten Bauaufträge der NSDAP folgen im Jahr 1932. Im März 1933, nachdem die Nationalsozialisten im Januar die Macht übernahmen, wird Speer von Joseph Goebbels mit dem Umbau des Propagandaministeriums beauftragt. Adolf Hitler ist von Speers Organisationstalent beeindruckt. Er bestimmt den jungen Architekten als technischen Assistenten seines bevorzugten Architekten Paul Ludwig Troost und beauftragt ihn mit dem Umbau der Reichskanzlei. Innerhalb kürzester Zeit steigt Albert Speer zu einem von Hitlers engsten Vertrauten empor. Er übernimmt die Planung und Gestaltung von Großkundgebungen der Partei. Mit dem Einsatz geschickter Lichteffekte, wie beispielsweise dem Lichtdom auf dem Zeppelinfeld, inszeniert er die Nürnberger Reichsparteitage. Nach dem Tod Troosts im Januar 1934 wird Speer Hitlers wichtigster Architekt. Er entwirft zahlreiche monumentale Repräsentationsbauten mit klassizistischer Prägung. In der Deutschen Arbeitsfront (DAF) leitet er das Amt "Schönheit der Arbeit". Weiterhin wird er im gleichen Jahr Unterabteilungsleiter der Reichspropagandaleitung und Beauftragter für den Städtebau im Stab von Rudolf Heß.

Für die Weltausstellung 1937 in Paris konzipiert Albert Speer den Deutschen Pavillon. Speer erhält dort auch den "Grand Prix" für die Gestaltung der Nürnberger Reichsparteitage und die Goldmedaille für den Deutschen Pavillon in Paris. Adolf Hitler ernennt Speer im gleichen Jahr zum Generalbauinspekteur für die Neugestaltung der Reichshauptstadt Berlin und anderer deutscher Städte.

1938 folgt Speers Berufung in den Preußischen Staatsrat und die Auszeichnung mit dem Goldenen Parteiabzeichen der NSDAP. Gemeinsam mit Hitler entwickelt er den Generalplan für den Umbau Berlins zur Welthauptstadt Germania. Er gestaltet eine neue Reichskanzlei und entwirft Modelle für zahlreiche weitere Monumentalbauten und NS-Kultstätten. Hitler verfolgt diese Pläne nicht nur aufmerksam und bringt selbst Vorschläge ein, sondern er bietet Speer auch einen unbegrenzten finanziellen Spielraum.

Seit Beginn des Zweiten Weltkriegs im September 1939 ist Speer zunehmend mit Wehrbauten befasst, für welche er seine eigene Organisation "Baustab Speer" aufbaut.

In den Jahren 1941 bis 1945 ist Albert Speer nicht nur als Architekt für die Partei tätig, sondern auch Mitglied des Reichstags für den Wahlbezirk Berlin- West.

Nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion 1941 wird er vom Rüstungsminister Fritz Todt mit dem Wiederaufbau der Fabriken und des Eisenbahnnetzes in der besetzten Ukraine beauftragt.

Am 15. Februar 1942 ernennt Hitler Speer zum Nachfolger Todts, da dieser bei einem Flugzeugabsturz tödlich verunglückt ist. Er wird Reichsminister für Bewaffnung und Munition, Generalinspekteur für das Straßenwesen sowie Generalinspekteur für Wasser und Energie. In dieser Funktion wird Speer zum verantwortlichen Leiter der gesamten Kriegswirtschaft.

Als hervorragendem Organisator gelingt ihm die Umstellung der Rüstungsindustrie auf die totale Kriegswirtschaft. Trotz der Beschädigung der deutschen Infrastruktur und die starken Beeinträchtigung der Rohstoffversorgung durch die alliierten Bombenangriffe kann Speer die Rüstungsproduktion bis 1944 auf einen Höchststand steigern. Speers Organisation der Kriegswirtschaft beruht wesentlich auf dem Einsatz von Zwangsarbeitern und Häftlingen aus Konzentrationslagern. Dafür arbeitete er eng mit SS-Chef Heinrich Himmler Speers verschiedene Verwaltungsapparate werden am 2. September 1943 zum Reichsministerium für Rüstung und Kriegsproduktion zusammengefasst. Speer erkrankt 1944 schwer und kann über das Frühjahr sein Amt nicht ausüben.

Aufgrund des zunehmenden Mangels an Rohstoffen und Arbeitskräften zeichnet sich der Zusammenbruch der Kriegswirtschaft ab. Obwohl Albert Speer für eine Beendigung des Krieges plädiert, kann ihn Hitler überzeugen, im Amt zu bleiben. Nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli tauchen Dokumente von Widerstandskämpfern auf, in denen Speer als Minister für eine neue Regierung vorgeschlagen wird. Speer kann jedoch glaubhaft versichern, darüber nicht informiert gewesen zu sein und keine Kontakte zu den Verschwörern gehabt zu haben.

Kurz vor Ende des Krieges 1945 widersetzt er sich Hitlers "Politik der verbrannten Erde". Er sabotiert Befehle, die auf die Zerstörung der deutschen Industrie und Landwirtschaft zielen. Nach eigenen Angaben hatte Speer sogar einen Giftanschlag auf Hitler geplant, wofür jedoch Beweise fehlen. Am 23. Mai wird Speer verhaftet und in das alliierte Kriegsgefängnis in Nürnberg überführt. Im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess wird gegen ihn Anklage erhoben. Während des Prozesses gehört er zu den sieben Angeklagten, die ihre Schuld eingestehen. Am 1. Oktober 1946 wird Albert Speer von dem Internationalen Gerichtshof in Nürnberg wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu 20 Jahren Haft im ehemalige Militärgefängnis Berlin-Spandau verurteilt. Zahlreiche Gnadengesuche der Familie und verschiedener Politiker scheitern am Einspruch der Sowjetunion. Speer sitzt seine Haftzeit voll ab und wird schließlich am 30. September 1966 aus der Haft entlassen. Drei Jahre später veröffentlicht er seine "Erinnerungen", die er während der Haft verfasst hat. Weitere Veröffentlichungen, wie 1975 seine Aufzeichnungen aus der Haft, die "Spandauer Tagebücher" oder 1981 die Studie "Der Sklavenstaat", erscheinen.

Am 1. September 1981 verstirbt Albert Speer schließlich während eines Besuchs in London.[1]

3. Die Reichskanzlei

Die Reichskanzlei war die Behörde des Reichskanzlers des Deutschen Reiches von 1871 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs im Mai 1945. Seit 1875 hatte sie ihren Sitz in der sogenannten „Alten Reichskanzlei“ in der Berliner Wilhelmstraße 77, dem ehemaligen Palais des Fürsten Anton

Radziwill, auch „Palais Radziwill“, „Palais Schulenburg“ oder „Reichskanzlerpalais“ genannt.

Die Reichskanzlei wurde 1871 auf Drängen Otto von Bismarcks in diesem bereits bestehenden Gebäude im Zentrum Berlins eingerichtet. Die Behörde war vor allem für den Verkehr des Reichskanzlers mit den übrigen Reichs- und Staatsorganen verantwortlich.

Die Leitung oblag einem Staatssekretär.

Ab 1934 plante die NSDAP eine neue repräsentative Reichskanzlei für Adolf Hitler, die dann auch kurze Zeit später, ab 1938 in Bau ging.

4. Die Geschichte der Neuen Reichskanzlei

4.1. Die Alte Reichskanzlei

Das Gebäude der Alten Reichskanzlei in der Berliner Wilhelmstraße war 1738/1739 von Carl Friedrich Richter erbaut worden.

Im Jahre 1869 wurde das Palais von Otto von Bismarck für Zwecke der preußischen Staatsregierung angekauft. Und seiner Bestimmung als Regierungsgebäude übergeben.

1875 erwarb das Deutsche Kaiserreich das Gebäude, welches in Zukunft als Wohn- und Amtssitz des jeweiligen Reichskanzlers genutzt wurde. In den Jahren 1875 bis 1878 erfolgte im Inneren des Gebäudes ein Umbau nach den Plänen von Georg Joachim Wilhelm Neumann.

Ab 1878 nutzte Bismarck das Palais als Residenz und die neu gegründete Behörde „Zentralbüro des Reichskanzlers“ bezog mit ihm zusammen das 2005, S. 262 - 265. --- Joachim Fest, Speer. Eine Biographie, 3. überarb. Aufl., Frankfurt am Main 2003. --- Rudolf Wolters, Deutsche Künstler unserer Zeit. Albert Speer, Berlin 1943, S. 7 - 8.

Palais. Bismarck schlug zudem die Umbenennung des Palais in Reichskanzlei vor.

Zwischen 1928 und 1930 entstand der für die damalige Zeit moderne Erweiterungsbau südlich des alten Palais an der Ecke Wilhelmstraße und Voßstraße durch die Architekten Eduard Jobst Siedler und Robert Kisch. 1932 und 1933 diente das Reichskanzlerpalais vorübergehend als Dienstwohnung des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg, da zu dieser Zeit Hindenburgs Wohnung im Reichspräsidentenpalais renoviert wurde. In den Jahren 1934 und 1935 erfolgte ein erneuter Um- und Ausbau sowie eine Neueinrichtung der Wohn- und Arbeitsräume für den Diktator Adolf Hitler, die sogenannte „Führerwohnung“ durch die regimetreuen Architekten Paul Ludwig Troost, Gerdy Troost und Leonhard Gall.

4.2. Die Neue Reichskanzlei

Offiziell beauftragte Adolf Hitler am 11. Januar 1938 den Generalbauinspektor Albert Speer mit einem Neubau der Reichskanzlei entlang der gesamten Voßstraße im Zentrum Berlins , was einer Gebäudefront von 421 Metern Länge entspricht.

Die Planungen hatten jedoch bereits im Jahr 1934 begonnen, und ab 1935 wurden die 18 Gebäude der betroffenen Straße Stück für Stück aufgekauft. Das ebenfalls seit 1934 in Reichsbesitz befindliche Palais Borsig an der Voßstraße 1 wurde nicht abgerissen, sondern in den Neubau integriert. Abgerissen wurden dagegen bis ins Jahr 1937 die Gebäude der Voßstraße 2 bis 10. Das beinhaltete auch die Bayerische Gesandtschaft (Hausnummer 3), das Justizministerium (Hausnummer 4 und 5) und die Württembergische Gesandtschaft (Hausnummer 10).

Erst mit der offiziellen Vergabe des Bauauftrages an Albert Speer wurde damit begonnen, die Gebäude westlich der bereits abgerissenen Bauten, Voßstraße 11 bis 19, darunter auch die Gauleitung Groß-Berlin der NSDAP und die Sächsische Gesandtschaft, dem Erdboden gleich zu machen.

[...]


[1] Zu diesem Kapitel vgl.: http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/SpeerAlbert/index.html (27.11.2010) --- Karl Arndt, Albert Speer Architektur. Arbeiten 1933-1942, Berlin 1978, S. 113. --- Joachim Fest, Die unbeantwortbaren Fragen. Notizen über Gespräche mit Albert Speer zwischen Ende 1966 und 1981, Hamburg

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die Neue Reichskanzlei in Berlin
Untertitel
Repräsentationsbau von Albert Speer
Hochschule
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)  (Institut für Kunstgeschichte)
Veranstaltung
HS BK II: Architektur und Städtebau im Nationalsozialismus
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
23
Katalognummer
V176861
ISBN (eBook)
9783640983032
ISBN (Buch)
9783640983148
Dateigröße
455 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Speer, Reichskanzlei, Repräsentationsbau, Berlin, NS, Albert Speer, Germania, Neue Reichskanzlei
Arbeit zitieren
B.A. David Kiefer (Autor), 2011, Die Neue Reichskanzlei in Berlin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176861

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