Sozialpsychologie: Sozialisation und Soziales Lernen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002
23 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Ursprünge und Definition der Sozialpsychologie

3 Sozialisation
3.1 Soziales Lernen
3.1.1 Die verhaltenspsychologisch-behavioristische Perspektive
3.1.1.1 Skinners lerntheorie
3.1.2 Die kognitive Perspektive
3.1.2.1 Lernen am Modell (Bandura)
3.1.3 Rollenlernen
3.1.4 Die Theorie der sozialen Identität

4 Ausblick

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Einer der bedeutendsten und bemerkenswertesten Vorgänge im menschlichen Leben ist die Wandlung vom hilflosen Kleinkind zum reifen Erwachsenen. Kein anderes Lebewesen erfährt einen so anhaltenden und intensiven Entwicklungsprozeß, und nirgendwo in der Tierwelt ist der Unterschied zwischen Neugeborenem und Erwachsenem so groß. Im Laufe seiner Entwicklung lernt das Kind eine oder mehrere Sprachen, eine Fülle von Erfahrungstatsachen (...) und eine Unmenge an Wissenstoff. Parallel dazu übernimmt es Einstellungen und Werte, von denen einige sich auf moralische Standards beziehen und einige bestimmte Arten der Beziehung zur Umwelt ausdrücken, etwa Liebe und Haß, Hilfsbereitschaft oder Kränkung gegenüber anderen.“[1]

Die Sozialpsychologie beschäftigt sich hauptsächlich mit den sozialen Gesichtspunkten dieser Entwicklung und bezeichnet die Prozesse, die aus der Beziehung des einzelnen zu anderen Personen resultieren, als Sozialisation.

In diesem Teil der Seminararbeit möchte ich mich dieser Sozialisation bzw. Soziales Lernen aus sozialpsychologischer Sicht nähern. Es geht mir vor allem darum, die Meinung bzw. Annäherungsweise der Sozialspsychologie an dieses Forschungsthema darzustellen. Dabei erhebe ich jedoch nicht den Anspruch, jeglichen Aspekt dieses Themas abzudecken, sondern werde nur einen Einblick in diesen Gegenstand gewähren.

Zu Beginn dieser Arbeit möchte ich mich kurz mit den Ursprüngen der Sozialpsychologie auseinandersetzen und eine Defintion dieser Disziplin festlegen. Der Hauptteil konzentriert sich auf die Sozialisation im allgemeinen und im speziellen auf das Soziale Lernen. Hier werde ich mit Hilfe der Darstellung von anerkannten Lerntheorien versuchen, die verschiedenen Perspektiven der Sozialpsychologie zu erörtern. Außerdem wird der Prozess des Rollenlernens und die Theorie der sozialen Identität von Tajfel Platz finden.

2 Ursprünge und Definition der Sozialpsychologie

Ihre Wurzeln hat die Sozialpsychologie in der kulturvergleichenden Psychologie (Völkerpsychologie), der pragmatistischen Gesellschaftsanalyse und der experimentellen Psychologie, die sich um die Jahrhundertwende zu einer neuen Sozialwissenschaft verdichteten. Sie wird als ein Grenzgebiet zwischen Soziologie und Psychologie angesehen, in dem psychische Sachverhalte (Vorstellungen, Emotionen, Handlungsbereitschaften) als Wirkungen sozialer Bedingungen und Beziehungen und zwischenmenschliche Beziehungen als Grundlage für umfassendere soziale Strukturen und Prozesse analysiert werden. Beide Betrachtungsweisen treten in ihrer Extremform als Soziologismus (sozialer Determinismus) bzw. psychologischer Reduktionismus auf. Sozialpsychologie ist in ihrem Selbstverständnis keine soziale Psychologie, die sich vorrangig mit gesellschaftlichen Problemfeldern befaßt, sondern eine empirische Disziplin, die im Bereich sozialer Mikrophänomene, wie Einstellungswandel, Interaktionsprozesse oder Gruppenstrukturen, Grundlagenforschung betreibt und dabei Erklärungen anstrebt, die weder auf individuelle Eigenschaften reduziert noch unmittelbar von historisch-gesellschaftlichen Strukturzusammenhängen abgeleitet werden. Obwohl ihre mögliche Anwendung in alle gesellschaftlichen Bereiche hineinreicht, kann gegenwärtig erst ansatzweise von einer angewandten Sozialpsychologie in Verbindung mit Sozialisationsforschung, Meinungs-, Marktforschung und der Analyse von Arbeitsprozessen gesprochen werden.

Die ersten Arbeiten zur Sozialpsychologie standen im Banne der biologisch-evolutionären Theorie, im Sinne eines auf soziale Zusammenhänge übertragenen Darwinismus, der soziale Erscheinungsformen von Kooperation und Konflikt, Konformität und Abweichung auf gutartige und bösartige menschliche Instinkte, Bedürfnisse und Fähigkeiten zurückführte. Wurzeln der Sozialpsychologie sind jedoch auch in den Arbeiten des amerikanischen Soziologen W. I. Thomas (1965) zu finden, der von den Problemen der Verstädterung und der sozialen Minderheiten ausgehend den Gegenstand der Sozialpsychologie aus der krisenhaften Konstitutionsperiode der Vereinigten Staaten zu einer multirassischen kapitalistischen Industriegesellschaft mit krassen sozialen Gegensätzen bestimmt hat. Sein Einstellungsbegriff und die Formel der „Definition der Situation“, d. h. was Menschen als real definieren, ist für sie real, haben bis heute eine an Sprache und symbolischer Interaktion interessierte Sozialpsychologie beeinflußt. Seither gilt auch die Untersuchung von Einstellungen der Individuen gegenüber verschiedenen gesellschaftlichen Problembereichen als einer der wesentlichen Forschungsbereiche der empirischen Sozialpsychologie.

Der soziale Charakter jedes einzelnen ist der bedeutendste Zug menschlichen Lebens: wir agieren in Gemeinschaft mit anderen, spielen und arbeiten mit anderen. In der Interaktion können wir uns miteinander über den Bedeutungsinhalt der verschiedenen Handlungen verständigen. Die Reaktionen auf dieser Interaktion werden dabei durch den Bedeutungsinhalt bestimmt.

Die Sozialpsychologie beschreibt und erklärt nicht nur die Interaktionen zwischen Menschen, sondern untersucht auch die Ursachen und Wirkungen dieser Interaktionen. Diese Definition grenzt sie von anderen psychologischen Teildisziplinen ab, die das Verhalten und Erleben des einzelnen als ihren Forschungsgegenstand betrachten. Die Sozialpsychologie beschäftigt sich hingegen nicht mit einzelnen Individuen, sondern mit den zwischenmenschlichen Interaktionen: wie wird das Erleben und Verhalten von Menschen durch andere Menschen beeinflußt? Diese Forschungsfrage grenzt sie auch von der Soziologie ab, die sich nicht auf Individuen beschränkt, sondern auf größere Einheiten wie z.B. soziale Schichten oder Institutionen.

Die Sozialpsychologie behandelt zwei Extremtypen der Interaktion: die symmetrische (zweiseitige) und asymmetrische (einseitige) Interaktion. Dabei geht sie davon aus, dass das Verhalten einer Person einen Reiz für eine andere Person darstellt, der auf irgendeiner Weise wahrgenommen wird. Eine symmetrische Interaktion liegt z.B. bei einem Gespräch vor: das Verhalten von A wird nicht nur von B wahrgenommen, sondern auch durch eigenes Verhalten „beantwortet“. Gleichzeitig reagiert A auf den Reiz von B mit eigenem Verhalten etc.

Eine asymmetrische Interaktion liegt vor, wenn das Verhalten von A nicht sichtbar oder nicht wirksam B beeinflusst. Eine solche einseitige Wirkung einer Interaktion liegt kaum vor, denn selbst passive Zuhörer zeigen irgendeine Reaktion: sie wirken gelangweilt, uninteressiert etc.

Da es in der Regel selten zu nur einer einseitigen oder zweiseitigen Interaktion kommt, geht die Sozialpsychologie von einem Kontinuum von möglichen Interaktionsformen aus, die mehr oder weniger symmetrisch bzw. asymmetrisch sind.

Die Erklärung dieser beobachteten Phänomenen erfolgt mit Hilfe von Hypothesen und Theorien, die nicht nur die Interaktionen selbst beschreiben, sondern auch deren Ursachen und Wirkungen. Einige zentrale Fragen der Sozialpsychologie sind deshalb:

Welche Bedingungen beeinflussen Art und Häufigkeit von Interaktionen?

- Wann sucht man überhaupt die Gesellschaft anderer Menschen auf?
- Wann wird besonders viel gesprochen?
- Wovon hängt die Häufigkeit bestimmter Gesprächsthemen ab?
- Wann kommt es zu Überredungsversuchen? ...

Welche Wirkungen haben bestimmte Arten der Interaktion?

- Durch welche Interaktionsformen kommen Einstellungsänderungen zustande?
- Wie werden dauerhafte Verhaltensänderungen – z.B. Verminderung der Aggressivität – bewirkt?
- Wie werden Gefühle beeinflußt, z.B. Angst beseitigt?

3 Sozialisation

„Begriff zur Beschreibung und Erklärung der Vergesellschaftung des Menschen im Sinne der Übernahme und Verinnerlichung (Internalisierung) von sozialen Wertorientierungen, Verhaltenserwartungen und sozialen Rollen einerseits und der Individuation des Menschen im Sinne der eigenverantwortlichen, kreativen und selbstverwirklichenden Entfaltung des Individuums in der Gesellschaft und gegenüber den in ihr geltenden Werten und Normen andererseits. Durch Prozesse der Sozialisation gewinnt das Individuum seine Identität als eine in der Gesellschaft handlungsfähige Persönlichkeit.“[2]

Sozialisation wird in der Gesellschaft gerne mit Erziehung gleichgesetzt. Sozialisation umfaßt jedoch weit mehr Vorgänge: sie ist ein interaktionaler Prozess, in dem der Mensch Verhaltensweisen, Meinungen und Werthaltungen einer Gruppe annimmt, dem er zugehört. Sozialisation führt also dazu, dass sich Menschen mehr oder weniger dem Wert- und Normensystem der Gesellschaft, in der sie leben, anpassen bzw.ihm angepaßt werden.

Anfangs wurde der Begriff Sozialisation nur auf die Lernerfahrungen der Kindheit angewandt – Aspekte des Erwachsenenverhaltens wurden hingegen ausgeblendet. Nach und nach setzte sich jedoch die Meinung durch, dass Sozialisation nicht mit einer bestimmten Altersstufe endet, sondern während des ganzen Lebens stattfindet. In dem Moment, in dem sich der Mensch den Standards einer Gruppe anpasst, findet also ein Sozialisationsprozess statt: sei es in der Familie, in der Schule, am Arbeitsplatz, im Verein ...

[...]


[1] Secord/Backman, 1997, S. 575

[2] http://www.medpsych.uni-freiburg.de/OL/glossar/body_sozialisation.html vom 28.01.03

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Sozialpsychologie: Sozialisation und Soziales Lernen
Hochschule
Universität Wien  (Publizistik)
Note
2
Autor
Jahr
2002
Seiten
23
Katalognummer
V17700
ISBN (eBook)
9783638221993
Dateigröße
530 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sozialpsychologie, Sozialisation, Soziales, Lernen
Arbeit zitieren
Thomas Hanifle (Autor), 2002, Sozialpsychologie: Sozialisation und Soziales Lernen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17700

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