„Einer der bedeutendsten und bemerkenswertesten Vorgänge im menschlichen Leben ist die
Wandlung vom hilflosen Kleinkind zum reifen Erwachsenen. Kein anderes Lebewesen
erfährt einen so anhaltenden und intensiven Entwicklungsprozeß, und nirgendwo in der
Tierwelt ist der Unterschied zwischen Neugeborenem und Erwachsenem so groß. Im Laufe
seiner Entwicklung lernt das Kind eine oder mehrere Sprachen, eine Fülle von
Erfahrungstatsachen (...) und eine Unmenge an Wissenstoff. Parallel dazu übernimmt es
Einstellungen und Werte, von denen einige sich auf moralische Standards beziehen und
einige bestimmte Arten der Beziehung zur Umwelt ausdrücken, etwa Liebe und Haß,
Hilfsbereitschaft oder Kränkung gegenüber anderen.“ 1
Die Sozialpsychologie beschäftigt sich hauptsächlich mit den sozialen Gesichtspunkten dieser
Entwicklung und bezeichnet die Prozesse, die aus der Beziehung des einzelnen zu anderen
Personen resultieren, als Sozialisation.
In diesem Teil der Seminararbeit möchte ich mich dieser Sozialisation bzw. Soziales Lernen aus
sozialpsychologischer Sicht nähern. Es geht mir vor allem darum, die Meinung bzw.
Annäherungsweise der Sozialspsychologie an dieses Forschungsthema darzustellen. Dabei
erhebe ich jedoch nicht den Anspruch, jeglichen Aspekt dieses Themas abzudecken, sondern
werde nur einen Einblick in diesen Gegenstand gewähren.
Zu Beginn dieser Arbeit möchte ich mich kurz mit den Ursprüngen der Sozialpsychologie
auseinandersetzen und eine Defintion dieser Disziplin festlegen. Der Hauptteil konzentriert sich
auf die Sozialisation im allgemeinen und im speziellen auf das Soziale Lernen. Hier werde ich
mit Hilfe der Darstellung von anerkannten Lerntheorien versuchen, die verschiedenen
Perspektiven der Sozialpsychologie zu erörtern. Außerdem wird der Prozess des Rollenlernens
und die Theorie der sozialen Identität von Tajfel Platz finden.
1 Secord/Backman, 1997, S. 575
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 URSPRÜNGE UND DEFINITION DER SOZIALPSYCHOLOGIE
3 SOZIALISATION
3.1 SOZIALES LERNEN
3.1.1 DIE VERHALTENSPSYCHOLOGISCH-BEHAVIORISTISCHE PERSPEKTIVE
3.1.1.1 SKINNERS LERNTHEORIE
3.1.2 DIE KOGNITIVE PERSPEKTIVE
3.1.2.1 LERNEN AM MODELL (BANDURA)
3.1.3 ROLLENLERNEN
3.1.4 DIE THEORIE DER SOZIALEN IDENTITÄT
4 AUSBLICK
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit setzt sich mit den sozialpsychologischen Grundlagen der Sozialisation und des sozialen Lernens auseinander. Ziel ist es, die Perspektiven der Disziplin auf diese Entwicklungsprozesse darzustellen, Lerntheorien zu erläutern und zentrale Konzepte wie das Rollenlernen sowie die Theorie der sozialen Identität zu analysieren.
- Ursprünge und Definition der Sozialpsychologie
- Sozialisation als interaktionaler Prozess
- Behavioristische Lerntheorien am Beispiel von Skinner
- Kognitive Perspektiven und das Lernen am Modell nach Bandura
- Theorie der sozialen Identität nach Tajfel
Auszug aus dem Buch
3.1.2.1 Lernen am Modell (Bandura)
Der von Albert Bandura eingeführte kognitive Lernprozess liegt vor, wenn ein Individuum als Folge der Beobachtung des Verhaltens anderer Individuen sowie der darauffolgenden Konsequenzen sich neue Verhaltensweisen aneignet oder schon bestehende Verhaltensmuster weitgehend verändert.
Der Lernende wird dabei Beobachter genannt, der Beobachtete Modell oder Leitbild. Wichtig für diesen Lernprozess, der nur unter bestimmten Voraussetzungen (z. B. weitgehende Identifikation des Beobachters mit dem Modell) stattfindet, ist die stellvertretende Verstärkung. Er bezeichnet den Vorgang des Lernens am Modell als das Auftreten einer Ähnlichkeit zwischen dem Verhalten eines Modells und dem einer anderen Person unter Bedingungen, bei denen das Verhalten des Modells als der entscheidende Hinweisreiz für die Nachahmungsreaktionen gewirkt hat.
Für Bandura stand fest, dass menschliches Verhalten nicht allein durch Reiz-Reaktions-Zusammenhänge zu erklären sei. Er nimmt an, dass zwischen Reiz und Reaktion höhere Prozesse ablaufen. Bandura beschäftigt sich gezielt mit der Frage, wie Verhaltensweisen speziell im sozialen und sprachlichen Bereich erworben werden.
Für ihn erklärt sein Ansatz des Modelllernens die schnelle und effiziente Übernahme solcher Verhaltensweisen. Durch das Lernen am Modell ist der Mensch in der Lage, sich auch komplexe soziale Handlungen anzueignen. Der Mensch wird hierbei von einem Modell beeinflußt. Dieses Modell kann sowohl eine konkrete Person als auch beispielsweise ein Buch oder ein Person in einem Film sein. Durch das Betrachten eines Modells, wird man dazu angeregt, bestimmte Verhaltensalternativen genauer zu hinterfragen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung führt in das Thema der Sozialisation ein und definiert den Rahmen der Seminararbeit als sozialpsychologische Annäherung an den Entwicklungsprozess vom Kind zum Erwachsenen.
2 URSPRÜNGE UND DEFINITION DER SOZIALPSYCHOLOGIE: Dieses Kapitel erläutert die interdisziplinären Wurzeln der Sozialpsychologie und grenzt den Forschungsgegenstand als empirische Wissenschaft zwischen Soziologie und Psychologie ab.
3 SOZIALISATION: Hier wird Sozialisation als lebenslanger, interaktionaler Prozess der Vergesellschaftung und Identitätsbildung definiert.
3.1 SOZIALES LERNEN: Dieser Abschnitt fokussiert auf die Mechanismen des sozialen Lernens als wesentlichem Bestandteil der Sozialisation.
3.1.1 DIE VERHALTENSPSYCHOLOGISCH-BEHAVIORISTISCHE PERSPEKTIVE: Es wird die behavioristische Sichtweise vorgestellt, die menschliches Verhalten primär als erlernt durch Konditionierungsprozesse betrachtet.
3.1.1.1 SKINNERS LERNTHEORIE: Dieses Unterkapitel detailliert das Modell der operanten Konditionierung nach B.F. Skinner anhand von Versuchsaufbauten wie der Skinner-Box.
3.1.2 DIE KOGNITIVE PERSPEKTIVE: Die kognitive Perspektive wird als Gegenentwurf eingeführt, die den Menschen als aktiven Verarbeiter von Erfahrungen und Informationen betrachtet.
3.1.2.1 LERNEN AM MODELL (BANDURA): Hier wird Banduras Ansatz erläutert, nach dem Menschen neue Verhaltensweisen durch die Beobachtung von Modellen und stellvertretende Verstärkung erwerben.
3.1.3 ROLLENLERNEN: Dieses Kapitel behandelt das Erlernen sozialer Rollen als Prozess der Anpassung und Interpretation von Erwartungen innerhalb eines sozialen Systems.
3.1.4 DIE THEORIE DER SOZIALEN IDENTITÄT: Abschließend wird die Theorie von Henri Tajfel diskutiert, die erklärt, wie soziale Identität durch Kategorisierung, Vergleich und das Streben nach positiver Distinktheit entsteht.
4 AUSBLICK: Das Kapitel reflektiert über die gesellschaftspolitische Verantwortung der Sozialpsychologie und die Notwendigkeit, Humanität und Gerechtigkeit stärker in die Sozialisationsforschung einzubeziehen.
Schlüsselwörter
Sozialpsychologie, Sozialisation, Soziales Lernen, Behaviorismus, Operante Konditionierung, Kognitive Psychologie, Lernen am Modell, Albert Bandura, Rollenlernen, Soziale Identität, Henri Tajfel, Soziale Kategorisierung, Sozialer Vergleich, Interaktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Grundlagen der Sozialisation und des sozialen Lernens aus der Perspektive der Sozialpsychologie.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Geschichte der Sozialpsychologie, verschiedene Lerntheorien (behavioristisch vs. kognitiv), das Rollenlernen sowie die Theorie der sozialen Identität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, einen Einblick in die sozialpsychologische Betrachtungsweise von Sozialisationsprozessen zu geben und theoretische Konzepte zur Erklärung menschlichen Verhaltens in sozialen Kontexten zu erläutern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und Darstellung etablierter sozialpsychologischer Konzepte und Lerntheorien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert verschiedene Lerntheorien, angefangen bei Skinners operanter Konditionierung bis hin zu Banduras Modelllernen, sowie soziale Prozesse wie das Rollenlernen und die Identitätsbildung in Gruppen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Sozialisation, soziales Lernen, behavioristische und kognitive Perspektiven, soziale Identität sowie interpersonale und intergruppale Interaktion.
Was unterscheidet das Lernen am Modell von der operanten Konditionierung?
Während die operante Konditionierung auf direkter Belohnung und Bestrafung basiert, betont das Lernen am Modell nach Bandura kognitive Prozesse und das Lernen durch Beobachtung von Modellen.
Warum ist das Streben nach positiver sozialer Identität laut Tajfel so wichtig?
Das Streben nach einer positiven sozialen Identität ist ein grundlegender motivationaler Prozess, der Gruppenmitglieder dazu antreibt, ihre eigene Gruppe gegenüber anderen aufzuwerten, um ein positives Selbstbild zu sichern.
- Quote paper
- Thomas Hanifle (Author), 2002, Sozialpsychologie: Sozialisation und Soziales Lernen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17700