Credit Default Swaps


Seminararbeit, 2009
30 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG

2 GRUNDLAGEN ZU KREDITDERIVATEN
2.1 Begriffsdefinitionen
2.2 Systematik und Grundstrukturen
2.3 Marktüberblick

3 DER CREDIT DEFAULT SWAP
3.1 Funktionsweise, Vertragsbestandteile und Abwicklung
3.2 Standardisierung und Vertragsdokumentation
3.3 Anwendungsmöglichkeiten von Credit Default Swaps
3.3.1 Hedging
3.3.2 Spekulation
3.4 Die Entwicklung der Credit Default Swaps in jüngster Vergangenheit
3.4.1 Die Erfolgsgeschichte der Credit Default Swaps
3.4.2 Die Bedeutung der Credit Default Swaps in der Finanzkrise
3.4.3 Maßnahmen zur Regulierung des Marktes für Credit Default Swaps

4 SCHLUSSBETRACHTUNG

LITERATUR- UND QUELLENVERZEICHNIS

ANLAGEN

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Repertoir der Kreditrisikotransferprodukte

Abbildung 2: Entwicklung des weltweit ausstehenden Nominalvolumens von Kreditderivaten in Bil. USD

Abbildung 3: Marktanteile der Kreditderivate

Abbildung 4: Funktionsweise eines Credit Default Swap

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

“By design, this [CDS] market […] has been largely exempt from government regulation […] But regulation is not only unnecessary in these markets, it is potentially damaging, because regulation presupposes disclosure and forced disclosure of proprietary information can undercut innovations in financial markets […].” - Alan Greenspan, 2002.[1]

“Credit Default Swaps, I think, have serious problems associated with them” - Alan Greenspan, 2008.[2]

Seit der Erfindung der Credit Default Swaps ist über ein Jahrzehnt ver- gangen. Ursprünglich sollten „Kreditausfallswaps“ den Marktteilnehmern als innovatives Absicherungsinstrument dienen. Dieses Kreditderivat trennt das Kreditrisiko vom zugrunde liegenden Schuldtitel und überträgt es auf Dritte.[3] Dadurch, so versprach Alan Greenspan im September 2002, können Finanzsysteme negative Schocks durch die breitere Ver- teilung von Risiken auf unterschiedliche Finanzakteure besser kompen- sieren. Der ehemalige Vorsitzende des Federal Reserve Board plädierte deswegen für einen weitestgehend deregulierten Markt.[4]

Als im Jahr 2007 die Immobilienblase platzte und zahlreiche Kredite aus- fielen, mussten enorme Beträge in den Kreditportfolios abgeschrieben werden. Dies führte zur Akquisition von Bear Stearns, zur Insolvenz von Lehman Brothers und zur Verstaatlichung von AIG im Jahr 2008. Durch den Ausfall großer Marktteilnehmer entstand gleichzeitig die Gefahr einer systemischen Krise, die Finanzapokalypse des 21. Jahrhunderts. Dar- aufhin gestand Alan Greenspan im Oktober 2008 die Risiken und Prob- leme im Umgang mit CDS nur unzureichend reflektiert zu haben.[5]

Diese Arbeit beschäftigt sich daher mit der Entstehung des Gefahrenpotentials, das von CDS ausgeht, deren Auswirkungen auf die Finanzmärkte und den Maßnahmen zur Regulierung des Marktes.

Das erste Hauptkapitel befasst sich mit grundlegenden Definitionen und Strukturen von Kreditderivaten. Darauffolgend wird ein grober Überblick über die Marktzusammensetzung und -entwicklung in den letzten Jahren gegeben. Die Funktionsweise und Abwicklung von CDS-Geschäften, so- wie der ISDA-Rahmenvertrag, werden im Abschnitt 3.1 und 3.2 vorges- tellt. Zum Ende dieser Arbeit sind die signifikantesten Entwicklungen der CDS in jüngster Vergangenheit festgehalten und analysiert.

2 Grundlagen zu Kreditderivaten

Um ein tieferes Verständnis für die Thematik der Credit Default Swaps zu ermöglichen, erläutert dieses Kapitel die wichtigsten Grundlagen zu Kre- ditderivaten. Hierzu wird zunächst der Begriff der derivativen Finanzin- strumente, Kreditderivate und des Kreditrisikos erklärt. Danach wird die Stellung der Kreditderivate innerhalb der Produkte des Kreditrisikotrans- fers systematisiert und schließlich ein Überblick über den Markt gegeben.

2.1 Begriffsdefinitionen

Derivative Finanzinstrumente sind bilaterale Finanzkontrakte, deren Wert aus der Börsen- oder Marktpreisentwicklung des zugrunde liegenden Ba- sisinstruments (Underlying, Basiswert) abgeleitet wird. Als Basiswerte können z. B. Wertpapiere, Währungen, Zinssätze oder Indizes herange- zogen werden. Mit Hilfe der Derivate - in ihrer einfachsten Form sind das Termin-, Options- und Swapgeschäfte - ist es möglich Marktrisiken abzu- sichern (Hedging), Preisdifferenzen auf den Märkten auszunutzen (Arbi- trage) oder auf Preisschwankungen zu spekulieren (Trading).[6]

Auf Basis der genannten Finanzderivate wurde es Mitte der 80er erstmals möglich das Kreditrisiko vom Basiswert zu separieren und auf Dritte zu transferieren. Der Begriff „Kreditderivat“ wurde allerdings erst 1992 von der International Swaps and Derivates Association erwähnt. In den Fol- gejahren erfreuten sich diese derivativen Finanzinstrumente großer Be- liebtheit, was vor allem auf die Vermarktung durch große US-Investment- firmen wie JP Morgan oder Merryll Lynch zurückzuführen war.[7]

Kreditderivate sind, wie jedes andere Finanzderivat, von der Entwicklung des Referenzwertes (Referenzaktivum) abhängig. Im Gegensatz zu her- kömmlichen Derivatekontrakten bestimmt sich der Wert bzw. die Auszah- lung des Kreditderivats nicht nach der Zins-, Wechselkurs- oder Preis- entwicklung des Underlying, sondern nach dessen Kreditrisiko. Dabei ist die Auszahlung an verschiedene Kreditrisikoparameter, wie bspw. das Eintreten eines negativen Kreditereignisses, die Veränderung des Kredit- ratings oder der Kreditprämie, gekoppelt. Hinsichtlich der Referenzwerte eignen sich Anleihen und Kredite, sowie Portfolios von Kreditrisiken, so- genannte Körbe und Indizes.[8]

An dieser Stelle wird auch auf die Bedeutung des Kreditrisikos eingegan- gen. Neben den Marktpreisrisiken, operationellen Risiken und Liquiditäts- risiken zählen die Kreditrisiken (Adressrisiken) zu den größten Risikoblö- cken einer Bank. Letztere bezeichnen die Gefahr, dass ein Kreditnehmer seinen Zahlungsverpflichtungen nicht, nur teilweise oder verspätet nachkommen kann oder will. Im Rahmen der Adressrisiken muss noch zwischen Bonitäts-, Kontrahenten- und Länderrisiko differenziert werden. Im weiteren Verlauf der Arbeit ist ein besonderes Augenmerk auf das Bonitätsrisiko, der mögliche Ausfall oder die Verschlechterung der Zahlungsfähigkeit eines Debitors, und auf das Kontrahentenrisiko, der mögliche Ausfall eines Kontraktpartners, zu richten.[9]

2.2 Systematik und Grundstrukturen

Kreditderivate zählen zu den kapitalmarktorientierten Instrumenten des Kreditrisikotransfers. Daneben gibt es noch ein anderes Marktsegment von Risikotransferprodukten. Dies sind traditionelle Produkte wie Kredit- versicherungen oder -garantien, die schon lange Zeit vor der Einführung der Kreditderivate existierten. Eine weitere kapitalmarktorientierte Pro- duktgruppe stellen die Kreditverbriefungen dar. Durch die Kombination von Kreditverbriefungen und Kreditderivaten entstehen hybride Produkte wie z. B. synthetische Collateralized Debt Obligations.[10] Diese Systematik veranschaulicht nachfolgende Abbildung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Repertoir der Kreditrisikotransferprodukte.[11]

Zu den Grundstrukturen bzw. Kreditderivaten i. e. S. zählen die Credit Default Swaps, Total Return Swaps und Credit Spread Options. Im All- gemeinen handelt es sich bei den genannten Konstruktionen um eine Art Kreditversicherung. Dabei verpflichtet sich der Sicherungsgeber gegen- über dem Sicherungsnehmer zur Erbringung einer Leistung, sofern sich eine an das Referenzaktivum geknüpfte Risikomessgröße verändert. Im Gegensatz zu einer Kreditversicherung ist die Leistung selbst dann zu erbringen, wenn dem Sicherungsnehmer kein Schaden aus dieser Verän- derung entstanden ist. Auch die Exoten unter den Kreditderivaten, wie der Equity Default Swap, bauen auf die drei o. g. Grundbausteine auf.[12]

2.3 Marktüberblick

In den vergangenen Jahren konnte der Markt für Kreditderivate enorme Wachstumsraten verzeichnen. Dieser Umstand ist insbesondere auf den hohen Grad der Produktstandardisierung, der wachsenden Akzeptanz als alternatives Investmentinstrument, der zunehmenden Liquidität und Preis- transparenz zurückzuführen.[13] Zudem wurde dieser Trend durch die Ein- führung von Basel II und zahlreiche Kreditausfälle, wie z. B. von Enron oder Swiss Air in den Jahren 2001 und 2002, unterstrichen.[14] Betrug das ausstehende Nominalvolumen aller Kreditderivate im Jahr 2001 noch vergleichsweise geringe 900 Mrd. USD, so hatte sich dieser Wert 2007 auf 62.200 Mrd. USD versiebzigfacht.[15]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Entwicklung des weltweit ausstehenden Nominalvolumens von Kreditderivaten in Bil. USD.[16]

Der erste Rückgang, seit Einführung der Marktumfragen durch die BBA 1996, wurde im Jahr 2008 mit 12% gegenüber 2007 verzeichnet. Ursache für diesen Einbruch waren erste Erfolge der US-Behörden bei der Ein- dämmung des Spekulationsgeschäfts mit CDS, infolge der Übernahme Bear Stearns durch JP Morgan Chase im Frühjahr 2008.[17] An diesem gigantischen Marktvolumen ist der CDS auf Einzelnamen (Single-Name) mit einem Marktanteil von 33% wesentlich beteiligt, was sich durch Standardisierung und langjährige Marktetablierung erklären lässt. Produkte auf mehrere Adressen (Multi-Name) wie die Dow Jones iTraxx Indizes konnten seit 2004 Boden gutmachen und mit 30% auf- schließen. Diese Indexfamilien bilden Kreditrisiken verschiedener Bran- chen und Regionen ab und können mittels Kreditderivate in standardi- sierter Form gehandelt werden. Aber auch hybride Produkte gewannen zunehmend an Bedeutung.[18]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Marktanteile der Kreditderivate.[19]

Auf dem Markt für Kreditderivate agieren Banken als größte Sicherungs- nehmer (Risikoverkäufer, SN) mit einem Anteil von 59%. Diese Tatsache ist auf ein voluminöses Handelsgeschäft und die Diversifizierung der Kre- ditportfolios zurückzuführen. Auch als Sicherungsgeber (Risikokäufer, SG) dominieren sie mit 43% den Markt. Hedge Fonds gewannen als SG und SN von 2004 bis 2006 jeweils 15% hinzu, was insbesondere auf In- vestments in risikoreichere Marktsegmente beruht. Weitere wichtige Marktteilnehmer sind Investmentfonds, Pensionsfonds Unternehmen, Versicherungen (Traditionelle und Monoline Versicherungen) und in ge- ringem Umfang auch staatliche Institutionen.[20]

An den beiden größten Handelsplätzen für Kreditderivate, London und New York, werden ca. 1.500 bis 2.000 Adressen von Unternehmen, Fi- nanzinstituten und Staaten aktiv gehandelt.[21] In Anlage A1 ist eine Liste der, gemessen am Nominalvolumen, 25 meist gehandelten Referenz- schuldner beigefügt.

3 Der Credit Default Swap

In den letzten Jahren haben CDS ein stürmisches Wachstum erfahren und sind das am weitesten verbreitete und bedeutendste Instrument aller Kreditderivate. Doch viele Ökonomen und Großinvestoren sahen in dieser Finanzmarktinnovation nicht nur stabilitätsfördernde Chancen, sondern auch eine ernstzunehmende Bedrohung für die Finanzmärkte.[22] Im Fol- genden wird der CDS und seine Entwicklung in jüngster Vergangenheit beschrieben.

3.1 Funktionsweise, Vertragsbestandteile und Abwicklung

Der CDS ist ein nicht standardisierter, bilateraler Finanzkontrakt. Dieses Kreditderivat wird außerbörslich (over-the-counter) gehandelt, um auf die individuellen Bedürfnisse der Vertragspartner eingehen zu können. Bei einem CDS zahlt der Sicherungsnehmer (Protection Buyer) eine regel- mäßige Prämie (Spread) an den Sicherungsgeber (Protection Seller), um sich gegen das Eintreten eines Kreditereignisses (Credit Event) und des daraus entstehenden Verlustes abzusichern. Der Sicherungsgeber ver- pflichtet sich zur Kompensation (Settlement), sofern beim Referenzakti- vum (Obligation) ein Kreditereignis eintritt.[23]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Funktionsweise eines Credit Default Swap.[24]

[...]


[1] Vgl. Dickinson (2008), S. 3.

[2] Vgl. Dickinson (2008), S. 3.

[3] Vgl. Das Erste (2008) u. Deutsche Bundesbank (2004b), S. 43ff.

[4] Vgl. The New York Times (2008).

[5] Vgl. Dickinson (2008), S. 15ff. u. Engdahl (2008).

[6] Vgl. Grill, Perczynski (2007), S. 304f.

[7] Vgl. Gruber, Schmid (2005a), S. 5f.

[8] Vgl. Burghof, Henke (2005a), S. 33.

[9] Vgl. Grill, Perczynski (2007), S. 529 u. Burghof, Paul (2005), S. 3f.

[10] Vgl. Burghof, Henke (2005b), S. 105f.

[11] Quelle: Selbst erstellt in Anlehnung an Burghof, Henke (2005b), S. 106.

[12] Vgl. Neske (2005), S. 56 u. Gruber, Schmid (2005a), S. 13.

[13] Vgl. Gruber, Schmid (2005a), S. 7f.

[14] Vgl. Lause (2005), S. 21.

[15] Vgl. ISDA (2008), S. 1.

[16] Quelle: Selbst erstellt in Anlehnung an ISDA (2008), S. 1.

[17] Vgl. Handelsblatt (2008) u. BBA (2006), S. 8.

[18] Vgl. BBA (2006), S. 6, Deutsche Bundesbank (2004a), S. 32f. u. Schüler (2005), S. 79 ff.

[19] Quelle: Selbst erstellt in Anlehnung an BBA (2006), S. 6.

[20] Vgl. Dülfer (2005), S. 133ff., BBA (2006), S. 5f. u. IMF (2008), S. 79f.

[21] Vgl. Dülfer (2005), S. 137ff. u. Lause (2005), S. 23f.

[22] Vgl. Deutsche Bundesbank (2004b), S. 43f., S. 48f. u. Die Zeit (2008).

[23] Vgl. Deutsche Bundesbank (2004b), S. 44f. u. Lause (2005), S. 24.

[24] Quelle: Selbst erstellt in Anlehnung an Neske (2005), S. 57 u. Lause (2005), S. 25.

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Credit Default Swaps
Hochschule
Hochschule Aschaffenburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
30
Katalognummer
V177038
ISBN (eBook)
9783640984817
ISBN (Buch)
9783640985081
Dateigröße
803 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
credit, default, swaps
Arbeit zitieren
Tim Bachmann (Autor), 2009, Credit Default Swaps, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177038

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