Börsengänge chinesischer Unternehmen in Deutschland: Motivation und kritische Würdigung


Seminararbeit, 2011
15 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Derzeitige Situation des Börsenmarktes
1.1. Gründe für einen Börsengang
1.2. Chinese-IPO in der Vergangenheit
1.3. Wieso kein IPO am heimischen Börsenmarkt?

2. Chinesische Unternehmen auf ausländischen Handelsplattformen
2.1. Herausforderungen von Erstnotierungen in China
2.2. Gründe für einen Börsengang im Ausland
2.3. Bestimmungen für Mergers & Acquisitions

3. Börsengänge chinesischer Unternehmen in
3.1. Kurzprofil Joyou
3.2. Kurzprofil Kinghero
3.3. Kurzprofil Madison Property
3.4. Kurzprofil Euro Asia Premier Real Estate

4. Gründe für ein Listing in Deutschland
4.1. Deutschland für das Image
4.2. Börsenvergleich

5. Finanzplatz Frankfurt bietet attraktive Rahmenbedingungen

6. Bedeutung für den Finanzplatz Deutschland

7. Ausblick

8. Literaturverzeichnis

Diese Arbeit soll dem Leser eine Übersicht darüber geben, mit welchem Umfeld chinesische Unternehmen am deutschen Börsenmarkt zu rechnen haben.

Dafür werden Gründe für ein IPO an der deutschen Börse aufgezählt und einige Kurzprofile von in Deutschland börsennotierten chinesischen Unternehmen vorgestellt. Als Schlusswort wird eine kurze Prognose darüber erstellt, was wir in naher Zukunft diesbezüglich erwarten dürfen.

1. Derzeitige Situation des Börsenmarktes

1.1. Gründe für einen Börsengang

Ein Börsengang dient einem Unternehmen nicht nur zur Kapitalstärkung.

Die umfangreiche vorgeschriebene oder freiwillig erhöhte Publizität, schafft den Kunden, Mitarbeitern und Banken zusätzliche Informationssicherheit und Vertrauen. Durch diesen Schritt gewinnt das Unternehmen auch an Bekanntheitsgrad[1].

Ein Ausstieg des bisherigen Haupteigners oder die Motivationssteigerung der Mitarbeiter durch Beteiligungen am Unternehmen könnten weitere Gründe für einen Börsengang (im Folgenden auch „Initial Public Offering“ oder kurz „IPO“) sein.

1.2. Chinese-IPO in der Vergangenheit

Nachdem die globale Wirtschaftskrise 2008/2009 durch die volatile Lage der Finanzmärkte die Lust der Unternehmen gebremst hat, Kapital über die Börsen Geld aufzunehmen, können mit der Erholung der gesamtwirtschaftlichen Situation seit 2010 wieder bedeutsame Erstnotierungen an den internationalen Aktienmärkten beobachtet werden. Allem voran führt China den Markt für Börsengänge an. Sei es auf den heimischen Handelsplätzen oder auf den Börsenplätzen in Nordamerika oder Europa. Im ersten Halbjahr 2010 waren es zusammen 207 IPO´s in HongKong, Shenzhen und Shanghai. Im gleichen Zeitraum waren es in Europa lediglich 168, und an den US-Börsen sogar nur 66[2].

Mit dem 22,1 Mrd. US-Dollar großen Börsengang von Agricultural Bank of China erfolgte im Juli 2010 der größte IPO aller Zeiten. Bisher hielt die Industrial and Commercial Bank of China mit 21,9 Mrd. US-Dollar in 2006 den Rekord. Als mittlerweile zweitgrößte Wirtschaftsmacht nach den USA unterstreicht die Volksrepublik unübersehbar ihre Bedeutung an den internationalen Finanzmärkten.

Aufgrund der Liberalisierung des Marktes und des sich entwickelnden Binnenkonsums mit hohen Wachstumsraten in China gibt es naturgemäß sehr viele Unternehmen mit Eigenkapitalbedarf.

1.3. Wieso kein IPO am heimischen Börsenmarkt?

Durch die rasant wachsende Wirtschaft in China gibt es Jahr für Jahr mehr Börsenkandidaten, als die beiden Aktienmärkte in Shanghai und Shenzhen aufnehmen können. Der Zugang zu den heimischen Börsen wird durch die eigene Behörde begrenzt[3].

Neben den stark reglementierten Börsen, die an strengen Voraussetzungen geknüpft sind, ist des Weiteren das Netzwerk („Guanxi“) zu Behörden unumgänglich - dies gilt sowohl für den inländischen als auch für den ausländischen IPO. Dabei geht es darum, dass in China fast alle Geschäfte und Genehmigungen, durch persönliche Beziehungen entstehen, bzw. ohne diese scheitern können, welches der Grund für einige Ablehnungen vergangener versuchte IPO´s sein wird. Als Resultat bleibt für einige Unternehmen nur der Gang an eine Börse fern der Heimat.

2. Chinesische Unternehmen auf ausländischen Handelsplattformen

2.1. Herausforderungen von Erstnotierungen in China

Die „Financial Times Deutschland“ zitiert nach Berechnungen von China Ventures, dass es allein im Jahr 2010 86 Börsengänge chinesischer Konzerne außerhalb Chinas gab.

Die zu erwartenden Bewertungen sowie die IPO-Erträge sind auf den einheimischen Kapitalmärkte zwar höher, aber die unübersichtlichen Zulassungsprozesse (gerade für Privatunternehmen problematisch), Umsetzungsprozesse und die lange Wartezeiten motivieren die chinesischen Marktteilnehmer auf ausländische Börsenplätze auszuweichen, wo ein stabileres Markt- und Regelungsumfeld vorzufinden ist.

2.2. Gründe für einen Börsengang im Ausland

Die chinesischen Unternehmen haben im Ausland nicht nur einen besseren Zugang zu Kreditmärkten und langfristig orientierte Investoren, sondern genießen dadurch auch steigende Bekanntheitsgrade. Dabei sind institutionelle Anleger besonders an solche Aktien interessiert, da sie sich durch das chinesische Wirtschaftsboom eine höhere Rendite versprechen, während der Leitzins weiterhin niedrig bleibt.

Bisher war der direkte Erwerb von chinesischen Unternehmensaktien durch ausländische Investoren über den chinesischen A- bzw. B-Aktienmarkt nicht möglich, welche grundsätzlich Chinesen vorbehalten bzw. aufgrund des illiquiden Charakters wenig attraktiv waren.

Seit 2006 unterliegt der Zulassungsprozess für einen ausländischen Börsengang chinesischer Unternehmen einer Reihe von Beschränkungen nach chinesischem Recht.

2.3. Bestimmungen für Mergers & Acquisitions

Chinesische Emittenten unterliegen bei einem ausländischen Börsengang neben den umfangreichen Genehmigungs- und Registrierungspflichten auch den 2006 erlassenen Mergers & Acquisitions (M&A)- und einigen Ergänzungs- und Zusatzbestimmungen.

Die Transaktionsgenehmigungen erhalten in der Regel nur Staatsunternehmen und keine Privatunternehmen[4].

Seit März 2011 müssen M&A-Transaktionen zusätzlich unter dem Gesichtspunkt der nationalen Sicherheit überprüft werden. Betroffen sind Branchen wie Landwirtschaft, Energie und Rohstoffe, Infrastruktur, Transport, Technologie oder Zubehörfertigung, sofern die Geschäftstätigkeit von zentraler Bedeutung ist und die nationale Sicherheit bedrohen könnte.

Hat der Geschäftsbereich Militär auf die nationale Sicherheit Auswirkung, so kann das Vorhaben untersagt werden.

Diese Bestimmungen sind nicht primär auf die Kapitalaufnahme chinesischer Unternehmen im Ausland gezielt, sondern auf M&A-Aktivitäten ausländischer Investoren in sensiblen Industriesektoren.

Trotz allem werden sich die erlassenen Bestimmungen auf die zukünftigen Börsengänge chinesischer Emittenten aus den betroffenen Branchen auswirken[5].

Ein Abflauen der IPO-Aktivitäten chinesischer Unternehmen im Ausland ist aufgrund der globalen Wirtschaftskraft Chinas nicht zu befürchten.

3. Börsengänge chinesischer Unternehmen in 2010

In Deutschland gab es im Jahr 2010 insgesamt 14 IPOs (Vorjahr: 3). Neben den bekannten deutschen Namen, wie der Chemiedistributeur Brenntag, der Kabelnetzbetreiber Kabel Baden-Württemberg oder dem Bekleidungsunternehmen Tom Tailor, wagten vier chinesische Firmen die Erstnotierung auf dem Frankfurter Parkett[6]. Im folgenden Abschnitt werden diese Unternehmensprofile näher vorgestellt.

3.1. Kurzprofil Joyou

Das Unternehmen „Jouyou“ entwickelt, produziert und vertreibt Wasserhähne und andere Sanitärprodukte. Unter eigener Marke verkauft es in China im Kerngeschäft Bad-Armaturen, Küchenprodukte, DuschArmaturen sowie andere Ausrüstungen für den Sanitärbedarf. Im europäischen und US-amerikanischen Ausland ist Jouyou als Lieferant für internationale Marken und Großhändler aktiv.

[...]


[1] Vgl. Corona-AG (o.J.), Gründe für einen Börsengang, Stand 30.5.2011

[2] Vgl. PwC (2011), Börsenlandschaft für IPOs wird vielfältiger, Stand 30.5.2011

[3] Vgl. Miß, H., Picard, N. (2011), S. 67

[4] Vgl. Klante, C., Zanner, A. (2010), S. 3

[5] Vgl. Kroymann, B. (2911), S. 30-31

[6] Vgl. Kirchhoff (2011), Wichtige Erkenntnisse aus dem IPO-Jahr 2010, S. 4

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Börsengänge chinesischer Unternehmen in Deutschland: Motivation und kritische Würdigung
Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Veranstaltung
International Finance & Accounting
Note
2,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
15
Katalognummer
V177362
ISBN (eBook)
9783640989959
ISBN (Buch)
9783640990313
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
börsengänge, unternehmen, deutschland, motivation, würdigung
Arbeit zitieren
Yan Kuo (Autor), 2011, Börsengänge chinesischer Unternehmen in Deutschland: Motivation und kritische Würdigung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177362

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