Einblicke in Brechts episches Theater


Facharbeit (Schule), 2010

10 Seiten, Note: 14 Punkte


Leseprobe

Einblicke in Brechts episches Theater

1. Vorwort

In meiner folgenden Hausarbeit möchte ich Einblicke in Bertolt Brechts episches Theater bieten, die sowohl seine Beweggründe, diese neue Form des Theaters zu entwickeln, als auch seine Umsetzung aufzeigen. Zudem werde ich den wohl bekanntesten Punkt des epischen Theaters, den Verfremdungseffekt anhand einer kritischen Betrachtung behandeln, wobei auch die Verwendung der Musik zum Ausdruck kommen soll. Außerdem werde ich an ausgewählten Beispielen gesondert darauf eingehen, inwieweit Brecht sich und seine Kunstform neu „erfunden“ bzw. inwiefern er sie auf alten Traditionen aufgebaut hat. Anschließend an den vorherigen Punkt will ich dann auch Einblicke geben, wie bzw. ob die Nachfolge Brechts das epische Theater im Sinne Brechts weiterführte.

2. Gründe für die Entwicklung des epischen Theaters

Allgemein bekannt ist, dass Bertolt Brecht stets ein Parodist und Satiriker war, der die zu seiner Zeit bestehenden Gesellschafts- und Dichtungsform(en) in Frage stellte. Daraus ergibt sich, dass er mehrere Kritikpunkte aufzuweisen hatte, die ihn offensichtlich so stark störten und auch in seinem eigenen Schaffen einschränkten, dass er keinen anderen Weg sah, als sich selbst eine seinen Ansprüchen genügende Theaterform zu schaffen. Brecht vertrat die Auffassung, dass das zeitgenössische Theater seiner Zeit die Menschen nicht nur nicht ansprach, da sie es meist nicht einmal verstehen konnten und auch nicht in der Lage waren, es mit ihrem eigenen Leben in Verbindung zu bringen (was zudem an der grob mangelnden Aktualität des Stoffes lag), sondern darüber hinaus auch so etwas Wichtiges wie den Spaß schon längst verloren hatte. Dies begründet Brecht zum einen darin, dass die Schauspieler selbst keinen Spaß an ihrer Arbeit hatten und zum anderen darin, dass das „alte Theater“ einfach nicht mehr produktiv genug war, was zu sinnlosem Experimentieren und somit einem reinem Provisorium führte.[1]Somit forderte er, dass das Publikum selbst Interessen entwickeln sollte, auf die die Regisseure eingehen konnten, damit wieder ein Theater mit Gesicht entsteht, ein Theater, dass einen klar erkennbaren Stil besitzt und keine übertragbare Routine (in der Behandlung des Publikums) als Stil verkauft, da seiner Meinung nach ein Theater ohne Kontakt mit dem Publikum sinnlos ist.[2]Auch kritisiert Brecht, dass die Menschen, wenn sie einmal erkannt haben, wie etwas gut zu sein scheint, alles dafür tun, diesen von ihnen definierten Begriff von „gut“ zu entsprechen, auch wenn dabei etwas vollkommen anderes herauskommt, da die Menschen dies dann in der Regel stets für das Beste halten, was jedoch lediglich daran liegt, dass sie sich nichts Besseres leisten oder vorstellen können. Somit regt das Theater die Menschen nicht zum Denken an, sondern kreiert nur eine große Masse, die stets darauf bedacht ist „nicht klug, aber pflichtbewusst“ zu handeln, so dass infolgedessen nur eine Einheitsmeinung entsteht.[3]

3. Unterschiede und Grundgedanken des epischen Theaters

Im aristotelischen Theater ist es so, dass das gesellschaftliche Sein das Denken bestimmt und dieses Denken durch nichts verändert wird (vgl. als Beispiel „Iphigenie auf Tauris“ von Johann Wolfgang Goethe). In Brechts epischem Theater hingegen soll es so sein, dass das Denken selbst das Sein bestimmt und somit auch von äußeren Einflüssen, wie z. B. dem Ausgenutzt werden, beeinflusst wird (vgl. als Beispiel „Der gute Mensch von Sezuan“ von Bertold Brecht). Eine weitere Abgrenzung, die Brecht zum dramatischen Theater vornimmt, ist die Beabsichtigung, dass bei seinen Zuschauern kein Miterleben und somit auch kein Mitfühlen stattfindet, sondern ein Gefühl der Aussichtslosigkeit entsteht und sich demnach niemand mit der Rolle, z. B. der des letztendlichen Verräters (vgl. Bertold Brechts „Heilige Johanna der Schlachthöfe“), identifizieren möchte. So werden dem Zuschauer Entscheidungen abverlangt, anstatt Gefühle ermöglicht und Kenntnisse an Stelle von Erlebnissen vermittelt. Zudem wird im Drama (fast) immer ein Lösungsweg aufgezeigt, so dass sich ein Dilemma beispielsweise durch das Ideal der Wahrhaftigkeit lösen lässt, wohingegen im epischen Theater keine Möglichkeit vorgestellt wird, wie es zu handeln gilt. Vielmehr wird aufgezeigt, was (meist in der Gesellschaft) falsch läuft, so gut wie immer also die Bertold Brecht nach schlechte Moral der Gesellschaft. So stellt er der schlechten gesellschaftlichen Moral z. B. die Nächstenliebe gegenüber, um die Zuschauer selbst dazu anzuregen darüber nachzudenken, was falsch gemacht wird. Es wird also die Neugierde und Aktivität des Publikums geweckt, anstatt verbraucht. Darauf, wie Brecht dieses Hauptmerkmal der Distanzierung zum Publikum schaffen konnte, gehe ich im nachfolgenden Punkt noch genauer ein.[4]

4. Mittel und Merkmale

Bertolt Brecht verwendet mehrere verschiedene Merkmale, um eine Distanz des Zuschauers zum Theaterstück zu schaffen, die sich im Grunde genommen alle unter dem Verfremdungseffekt (V-Effekt) zusammenfassen lassen könnten. Zum einen gibt es einen Erzähler, der mit einer kritischen Kommentierung des Stückes beginnt und durch Prologe und Projektionen zu Beginn der einzelnen Szenen wird der Betrachter zusätzlich immer wieder aus der einfachen Betrachtung gerissen, wodurch die Spannung genommen wird. Zum anderen wird auch auf die Zuspitzung des Dramas verzichtet, indem immer wieder Lieder eingeschoben werden. Außerdem wird der Illusion der perfekten Scheinwelt bewusst durch das Sichtbarmachen der Bühnentechnik entgegengewirkt, genau wie der Identifikation mit der gespielten Rolle der Schauspieler, da diese eine sichtbare Distanz zu dem Gespielten bewahren, indem sie z. B. einfach aus ihrer Rolle heraustreten und eine andere annehmen können.

[...]


[1]vgl. Brecht, Bertolt (1986): Über experimentelles Theater. Hecht, Werner (Hrsg.), Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main (1970) 1. Auflage, S. 7-8, S. 12-15.

[2]vgl. Brecht, Bertolt (1986): Über experimentelles Theater. Hecht, Werner (Hrsg.), Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main (1970) 1. Auflage, S. 13-14, S. 26.

[3]vgl. Brecht, Bertolt (1986): Über experimentelles Theater. Hecht, Werner (Hrsg.), Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main (1970) 1. Auflage, S. 7.

[4]vgl. Brecht, Bertolt: Gesammelte Werke. Bd. 15 (Schriften zum Theater). Frankfurt (1967), S. 262-273.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Einblicke in Brechts episches Theater
Note
14 Punkte
Autor
Jahr
2010
Seiten
10
Katalognummer
V178032
ISBN (eBook)
9783656002970
Dateigröße
875 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
einblicke, brechts, theater, punkte
Arbeit zitieren
Viktoria Szotka (Autor), 2010, Einblicke in Brechts episches Theater, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178032

Kommentare

  • Gast am 9.10.2013

    könnte ich eine Inhaltsangabe haben? Bin mir nicht sicher ob ichs kaufen will.. würde mich interessieren was noch so in der Facharbeit behandelt wird.

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