Jürgen Habermas - Theorie des kommunikativen Handelns


Hausarbeit, 2010

21 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Handlungstheorie nach Max Weber
1.1 Die offizielle Version- Orientierung am Verhalten
1.2 Die inoffizielle Version- reflexive Beziehung

2 Handlungstheorie nach Habermas
2.1 Handlungstypen
2.2 Die drei Geltungsansprüche und Weltbezüge

3 Lebenswelt

4 Schluss

Einleitung

Jede Person bedient sich der Sprache um sich mit anderen zu verständigen. Sie wird genutzt, um von einem Erlebnis zu berichten, um Gedankengänge auszudrücken oder um jemanden um Hilfe zu bitten. Die Sprache besteht aus Zeichen oder Symbolen, die in einer Lebenswelt akzeptiert, verstanden und angewendet werden. Doch selbst wenn eine Gesellschaft über eine Sprache verfügt, stößt sie auf viele Kommunikationsprobleme.

Um das Phänomen der Verständigung zu analysieren und begreiflich darstellen zu können haben sich Soziologen mit diesem komplexen Thema befasst und sogenannte Kommunikationsmodelle bzw. Kommunikationstheorien entwickelt. Die bekanntesten Kommunikationstheoretiker sind Harold Dwight Lasswell, Paul Watzlawick, Niklas Luhmann, Ludwig Wittgenstein, Max Weber und Jürgen Habermas.

Diese Hausarbeit soll einen Einblick in die Kommunikationstheorie nach Habermas geben. Sie wird mit der Theorie nach Max Weber beginnen, da die Theorie nach Habermas auf dieser aufbaut. Habermas beschreibt drei verschiedene Handlungstypen, die er nach ihren Handlungszielen einordnet. Dabei hat er auch eine Art Raster herausgearbeitet, wonach die Sprechhandlungen drei Geltungsansprüchen, sowie Weltbezügen zuzuordnen sind. Was sich genau hinter diesen Begriffen verbirgt und welche Schwierigkeiten bei der Kommunikation auftreten können, soll nun näher definiert werden.

1 Handlungstheorie nach Max Weber

Da die Theorie von Habermas auf der Handlungstheorie nach Max Weber aufbaut, soll zunächst Webers Theorie erklärt werden. Habermas geht in seinem Buch selbst auf diese Theorie ein und differenziert zwischen einer offiziellen und einer inoffiziellen Version der Handlungstheorie.

Weber geht nicht von einer Bedeutungstheorie aus, sondern hat eine intentionalistische Bewußtseinstheorie im Sinn. Das bedeutet, dass dem Handlungssubjekt zwar Meinungen und Absichten zugeschrieben werden, ihm jedoch kein sprachliches Medium zur Verfügung steht.[1] Um es noch präziser auszudrücken, soll kurz die Bedeutungstheorie erläutert werden: Diese Theorie ist durch St. R. Schiffe und J. Bennet geprägt und zeichnet sich im Wesentlichen dadurch aus, dass der Sprecher sich mit dem Hörer verständigen möchte, in dem er Symbole bzw. die Sprache verwendet. Die Bedeutung der sogenannten Symbole müssen sowohl vom Sprecher als auch vom Hörer verstanden werden. An dieser Stelle ist wichtig aufzuzeigen, dass der Hörer die Situation des Sprechaktes berücksichtigt und dass die Symbole vom Sprecher anders interpretiert werden können als es der Hörer selbst tut. Der Sprechgehalt wird nun vom Hörer unter zwei verschiedenen Aspekten bewertet. Zum einen unter dem Sinngehalt der Symbole und zum anderen unter dem Zweck des Sprechers. Es geht also darum zu bewerten, welche Absicht der Sprecher mit dieser Handlung verfolgt. Der Erfolg der Verständigung wird daran festgemacht, ob die Absicht vom Sprecher mit dem Hörer zu kommunizieren, auch von dem Hörer selbst als Verständigung begriffen wird. Er muss dabei aber auch den Sinngehalt, also die Bedeutung der Symbole, verstanden haben.[2]

Dagegen handelt das Subjekt, nach der Bewußtseinstheorie, wenn hinter der zwecktätigen Handlung ein subjektiver Sinn steht. Das Subjekt kann zielgerichtete Handlungen ausführen. Dabei unterscheidet Weber zwischen utilitarischen (egoistischen), affektiven (Lust Befriedigung) und werthaften (Werte; Moral) Zielen. Während bei Habermas eine kommunikative Handlungssituation zwischen zwei sprach-und handlungsfähigen Subjekten durch die Verständigung und Einigung entsteht, entsteht sie bei Weber dadurch, dass er annimmt, jedes Subjekt habe seinen eigenen Sprechakt und die Hörer reagierten ebenfalls mit einem eigenen Sprechakt. Die einzelnen Sprechakte orientieren sich somit an der Erwartung des Hörers, dass er den gemeinten Sinngehalt versteht. Dadurch dass Weber sein teleologisches Handlungsmodell so eng gehalten hat, dass das soziale Handeln nicht mitberücksichtigt werden kann, führt er zwei Bestimmungen ein. Die erste ist „[…]die Orientierung am Verhalten anderer Handlungssubjekte und […][3] die zweite ist, dass die Handlungsorientierungen mehrerer Interaktionspartner sich in einer reflexiven Beziehung befinden.[4]

Habermas beschreibt Webers „Idee“ zu den zwei Bestimmungen als schwankend. Auf der einen Seite, muss sich Weber auf die Mittel-und Zweckrationalität beschränken und auf der anderen überlegt er, ob sich die reflexive Beziehung in weitere Abstufungen unterteilen lässt, wodurch die Handlungen einen rationalen Charakter erhalten können.[5]

1.1 Die offizielle Version- Orientierung am Verhalten

Weber hat vier verschiedene Handlungsarten herausgearbeitet, die alle separat von ihm betrachtet werden. Das rationale (utilitarische), das affektuelle und das wertrationale Handeln sind bekannt, da sie bereits oben im Text, in Verbindung mit den Handlungsabsichten, genannt wurden. Desweiteren gibt es noch das traditionale Handeln. Das zweckrationale Handeln ist dadurch gekennzeichnet, dass das Subjekt die Verhaltenserwartungen von anderen Akteuren und Gegenständen beachtet und diese zugleich als Bedingung oder Mittel ansieht um seine persönlichen Zwecke zu realisieren. Der zweite Handlungstyp ist das wertrationale Handeln und zeichnet sich durch altruistische, glaubensgeprägte Handlungen aus. Sollte eine Handlung sich sehr an eine gegenwärtige Gefühlslage anlehnen, so lässt sie sich dem affektuellen Handeln zuordnen. Die traditionale Handlung lässt sich dagegen der Gewohnheit zuschreiben.[6] Beispielsweise ist Zwangsverheiratung in einigen Ländern eine Sittennorm und somit gänzlich normal. So wurde es vor Jahrzehnten praktiziert und diese Gewohnheit wird auch in der Zukunft beibehalten.

Weber hat die vier Handlungstypen in eine Hierarchie eingeordnet, wobei der Rationalitätsgrad entscheidend für die Positionen ist.

Nach Weber besitzt das Subjekt nur bei der zweckrationalen Handlung sein volles Bewusstsein und kann rational handeln. „Zweckrational verhält sich der Handelnde, der aus einem klar artikulierten Wert horizont Zwecke wählt und unter Berücksichtigung alternativer Folgen geeignete Mittel organisiert.“[7] Beispielsweise, wenn der Handelnde von einer Kindesmisshandlung erfährt. Aus seinem Werthorizont schließt das Subjekt, dass dies ein strafbares Vergehen ist. Um das zu unterbinden sollte es das Jugendamt oder die Polizei benachrichtigen, dies wäre der Zweck seiner Handlung. Seine Mittel wären ein Telefon um anzurufen oder ein Auto bzw. der Bus um zu der hilfeleistenden Stelle zu gelangen. Der Akteur ist sich auch darüber im Klaren, dass sein Handeln Folgen auslöst, sowohl für ihn (z.B. Aussage als Zeuge) als auch für die Familie (evtl. Sozialpädagogische Einzelfallhilfe).

Die wertrationale Handlung behält die Komponenten „Mittel, Zweck und Werte“, verliert aber den Sinn der Folgen. Die affektuelle Handlung beschränkt sich nur noch auf den Zweck und das Mittel. Und das traditionale Handeln besteht nur noch aus der „Mittel“- Komponente und verfügt somit über den geringsten Rationalitätsgrad. An dieser Stelle kritisiert Habermas Webers Ansicht. Er meint, dass das wertrationale Handeln in der von Weber beschriebenen Konstellation nur einen gesinnungsehtischen Gehalt einnimmt. Der Kern einer Handlung sollte laut Habermas aber mit einem verantwortungsethischen Gehalt besetzt sein. Desweiteren berücksichtigt Weber nicht den individuellen Charakter des Subjekts, der durch eigene Werte und Prinzipien geprägt ist.[8]

1.2 Die inoffizielle Version- reflexive Beziehung

Weber charakterisiert das soziale Handeln, mit Hilfe der Handlungskoordination, danach, ob eine soziale Beziehung durch die Interessenlage oder durch das normative Einverständnis besteht. Weiter unterscheidet er dabei ob eine Wirtschaftsordnung oder Rechtsordnung herrscht. Bei einer Wirtschaftsordnung entstehen soziale Beziehungen dadurch, dass sich die Interessen der Handelnden überlappen, während bei der Rechtordnung normative Geltungsansprüche erhoben werden. Dies geschieht sowohl zwischen Subjekten, als auch zwischen Subjekt und staatlichen Instanzen, wohinter sich juristische Personen befinden. Damit aber eine Handlungskoordinierung in der Wirtschaftsordnung entsteht, müssen die Subjekte das Einverständnis akzeptieren. Das bedeutet, dass sich die Subjekte auf bestimmte Normen beziehen, die sie selbst einhalten und von denen sie die Einhaltung anderer erwarten.[9] Vorab waren diese Normen Traditionen, die die Subjekte gebildet haben. Durch die Gewohnheit wurden sie allmählich zur Sitte und zuletzt dann den gesellschaftlichen Normen zugeordnet.

[...]


[1] Vgl. TKH I, S.377

[2] Vgl. TKH I, S.371

[3] Weber zit.n. TKH I, S.378

[4] Vgl. TKH I, S.378

[5] Vgl. TKH I, S.379

[6] Vgl. Weber, S.17 zit.n. THK I, S.380

[7] TKH I, S.380

[8] Vgl. TKH I, S.380f.

[9] Vgl. Weber, S.247 zit.n. TKH I, S.381f.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Jürgen Habermas - Theorie des kommunikativen Handelns
Hochschule
Katholische Fachhochschule Nordrhein-Westfalen - Abteilung Paderborn
Veranstaltung
Soziale Arbeit zwischen System und Lebenswelt
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
21
Katalognummer
V178159
ISBN (eBook)
9783656000211
ISBN (Buch)
9783656000426
Dateigröße
460 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Handlungstheorie, Weber, Handlungstypen, Geltungsansprüche, Weltbezüge, Lebenswelt
Arbeit zitieren
B.A. Agnes Tluczikont (Autor), 2010, Jürgen Habermas - Theorie des kommunikativen Handelns, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178159

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