Der Körper in der NS-Propaganda während der Olympischen Spiele 1936

Moderne Körperbilder


Seminararbeit, 2011

24 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Ein kurzer Überblick: der Nationalsozialismus und seine Herrschaft
2.2 Begriffsklärung: Propaganda in der NS-Herrschaft
2.3 Die Olympischen Spiele
2.3.1 Wissenswertes
2.3.2 Ziele und Werte der Olympischen Bewegung
2.4 XI. Olympische Sommerspiele Berlin 1936: Die Propagandaspiele
2.4.1 Die besondere Bedeutung der Olympischen Spiele 1936
2.4.2 Der Propagandaapparat während der Olympischen Spiele 1936
2.5 Die Rolle des Körpers in der NS-Propaganda während der Olympischen Sommerspiele 1936
2.5.1 Der Körper im Bereich Sport..
2.5.2 Der Körper im Bereich Rassismus
2.5.3 Der Körper im Bereich Kunst.
2.5.4 Der Körper im Bereich Film
2.5.5 Der Körper im Bereich Werbung

3. Fazit

Abbildungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Anhang

„ Mit diesen Spielen ist uns ein unschätzbares

Propagandamittel in die Hand gegeben worden “ (Teichler, 1991, S. 164)1

1. Einleitung

Das angeführte Zitat untermauert den Inhalt dieser Arbeit, welche sich mit der NS2 - Propaganda während der Olympischen Sommerspiele 1936 auseinandersetzt. Dabei wird speziell auf den Körper eingegangen und erläutert inwieweit dieser für die Propaganda der Nationalsozialisten genutzt wurde. Zunächst wird jedoch ein kurzer Überblick über die NS-Herrschaft gegeben und der Begriff Propaganda geklärt. Neben wissenswerten Fakten zu den Olympischen Spielen werden Ziele und Werte der Olympischen Bewegung vorgestellt. Es werden die besondere Bedeutung der Olympischen Spiele3 1936 sowie die angewandten Propaganda maßnahmen herausgearbeitet. Da sich die Arbeit insbesondere mit der Fragestellung nach der Rolle des Körpers in der NS- Propaganda während der Spiele 1936 befasst, wird schlussendlich genauer darauf eingegangen. Mithilfe einschlägiger Literatur wird diese Rolle in den Bereichen Sport, Rassismus, Kunst, Film und Werbung dargelegt und untersucht.

2. Hauptteil

2.1 Ein kurzer Überblick: der Nationalsozialismus und seine Herrschaft

Um sich dem Thema der Arbeit nähern zu können, muss zunächst der Begriff Nationalsozialismus genauer definiert werden. Das Fremdwörterbuch gibt dafür folgende Definition:

„besonders reaktionäre, antisozialist., antidemokrat. u. antinationale Erscheinungsform des Faschismus in Deutschland […]“

(Dudenredaktion Bibliographisches Institut Leipzig, 1979, S. 506)

Im Politiklexikon von Schubert und Klein lässt sich nachstehende Begrifferklärung finden:

„eine politische Bewegung […] in D [,die] extrem nationalistische, antisemistische, rassistische und imperialistische Ziele [verfolgte]“ (Schubert, Klein, 2006, S. 204)

Um die aufgeführten Begriffsdefinitionen von Nationalsozialismus zu verdeutlichen, wird folglich genauer auf die Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft eingegangen.

Der Nationalsozialismus als politische Bewegung entstand in der krisenhaften Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Hohe Arbeitslosigkeit und wirtschaftliche Probleme ließen die republikanischen Parteien hilflos erscheinen, so dass sich immer mehr Menschen der NSDAP4 anschlossen. Jenes drückt sich auch im Vergleich der Wahlergebnisse von 1932 und 1933 aus, bei dem die NSDAP 10,8 % mehr Stimmen erhielt und somit mit 43,9 % die stärkste Partei darstellte (siehe Abb.1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1 Wahlergebnisse 1932 und 19335

Als Folge daraus ernannte Reichspräsident von Hindenburg am 30. Januar 1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler von Deutschland (vgl. Gutjahr, 2004, S.366). Hitler war ein absolutistischer „Führer“, der mit seinen vielen

Anhängern, Deutschland zu einem totalitären Staat formte. Loscher gibt im Rechtslexikon für den totalitären Staat folgende Definition:

„Totalitär ist ein Staat, der mittels in einer Hand konzentrierter Staatsgewalt alle Lebensbereiche seiner Bürger beherrschen will. D.h. auch die sozialen, geistigen und wirtschaftlichen Lebensbereiche. Entsprechend setzt die staatliche Lenkung und Beeinflussung möglichst früh ein (Deutsches Jungvolk, Hitlerjugend, FDJ).“

(Loscher, 2009, Suchbegriff: totalitärer Staat/Totalitarismus)

Die Nationalsozialisten wirkten demnach in allen Bereichen mit dem Ziel, die Deutschen ihrer Ideologie entsprechend zu formen und Gegner zu vernichten. Adolf Hitler und seine Anhänger beriefen sich dafür zum einen auf den Sozialdarwinismus, der die Theorie des englischen Naturforschers Charles Darwin vereinfachte und auf die Menschen übertrug (vgl. Lanzinner, 2008, S.324). Demnach lehrten die Sozialdarwinisten, dass sich im Kampf der Stärkere durchsetzen würde (vgl. Gutjahr, 2004, S. 366). Der Nationalsozialismus hatte also die Aufgabe, der „arischen Herrenrasse“ Macht zu verleihen, wobei die „Reinhaltung der Rasse“ als wichtige Voraussetzung galt. Dazu zählte das Entfernen von krankem beziehungsweise rassisch minderwertigem Erbgut aus der Volksgemeinschaft. Nach Hitlers Auffassung zielte diese Aufgabe vor allem auf die Juden ab, die in seinen Augen eine eigene „Rasse“ bildeten und die Weltherrschaft an sich reißen wollten. Die NS- Ideologie erteilte dem „Arier“ somit den Auftrag jenes zu verhindern und daher der „Retter der Weltkultur“ (Lanzinner, 2008, S.325) zu werden (vgl. ebd). Diese feindliche Einstellung und Hetze gegen die Juden ging als Antisemitismus in die NS-Ideologie ein. Neben dem Sozialdarwinismus und dem Antisemitismus verbreitete Hitler, dass der „arischen Herrenrasse“ gemäß ihrer Bedeutung für die Weltkultur ein angemessener „Lebensraum“ gebühre. Die Lebensraum- Theorie missbrauchte das deutsche Volk für die Weltwirtschaftspläne der Nationalsozialisten. Demnach konnte der „Lebensraum“ zum Beispiel nur durch Krieg langfristig erobert werden (vgl. ebd.). Darüber hinaus bestimmte das so genannte „Führerprinzip“ die NS-Ideologie, welches vorsah, das deutsche Volk zu entmündigen und es zu striktem Gehorsam dem „Führer“ gegenüber zu erziehen. Hitler bezeichnete sich selbst als herausragende Persönlichkeit, welche „eine führende Rolle innerhalb der Volksgemeinschaft einnehmen“ (Lanzinner, 2008, S.325) sollte. Für die Volksgemeinschaft entwickelte er sich zum „Identifikationssymbol“ (ebd.) und man empfing ihn mit dem offiziellen Gruß „Heil Hitler“. Der Glaube an den Nationalsozialismus wurde, wie auch Loscher beschreibt, schon früh gelenkt zum Beispiel mit dem Aufhängen des Führerbilds in allen Schulräumen. Nach Stapelberg und Aichinger missbrauchten die Nationalsozialisten ihr Volk, in dem sie behaupteten, dass die nationale Wiedergeburt des deutschen Volkes nur gelingt, wenn sie zu einem Ganzen verschmelzen würden und jeder einzelne sich dem vom Hitler diktiertem „Volkswillen“ unterwerfen würde (vgl. Stapelberg, Aichinger, o. J., S. 3).

2.2 Begriffsklärung: Propaganda in der NS-Herrschaft

Neben der Ideologie baute die NS-Diktatur für ihre Machtausübung einen gigantischen Propaganda apparat auf (vgl. Gutjahr, 2004, S. 367). Schlägt man im Fremdwörterbuch nach, findet man für den Begriff Propaganda folgende Definition:

„1. schriftl. u. mündl. Verbreitung u. Erklärung von Ideen, Lehren, Anschauungen, polit.Theorien“

(Dudenredaktion Bibliographisches Institut Leipzig, 1979, S. 619)

Schubert und Klein erweitern diese Definition mit den Worten:

„Der Begriff P. hat […] einen negativen Unterton und wird oft mit den politischen Manipulationen autoritärer und totalitärer Regime in Verbindung gebracht […].“

(Schubert, Klein, 2006, S. 242)

Hitler und seine Anhänger nutzten die Propaganda um die Gesellschaft nachhaltig zu beeinflussen. Für sie stellte sie die wirkungsvollste Form der „Volksaufklärung“ und Manipulation der Masse dar (vgl. Lanzinner, 2008, S. 337). Die wichtigsten Propagandamittel während der nationalsozialistischen Herrschaft waren Rundfunk, Fernsehen und Film. Zum Beispiel wurde bei einer Berliner Funkausstellung im Jahr 1933 das „Einheitsradio für den deutschen Haushalt“, der „Volksempfänger“ vorgestellt. Damit sollte sichergestellt werden, dass alle Deutschen von der nationalsozialistischen Propaganda erreicht wurden (vgl. Mestwerdt, 1998, S. 870).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2 Der „Volksempfänger“6

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.3 Die Wochenschau7

Sogar durch Plakate (siehe Abb.2) wurde der „Volksempfänger“ zum Kauf empfohlen, da damit alle ihrem „Führer“Hitler zuhören konnten. Dass der „Volksempfänger“ erschwinglich für die Deutschen war, zeigt sich in der ansteigenden Zahl der Registrierungen des Rundfunkempfängers. Dabei kletterte die Anzahl von 4,3 Millionen im Jahr 1933 auf knapp 12,6 Millionen bis zum Juni 1939 (vgl. Brechtken, 2004, S. 69). Neben dem Rundfunk war auch das Fernsehen als Mittel zur Propaganda verwendet worden. Ein wichtiger Teil war hierbei die Wochenschau, die bestimmte Leitbilder des Nationalsozialismus propagierte. Die Abbildung 3 zeigt beispielsweise deutsche Soldaten, die durch eine starke Unterperspektive („low shot“) als überlegen inszeniert wurden (vgl. Lanzinner, 2008, S. 341)8. Brechtken fasst zusammen, dass der Aufstieg des Nationalsozialismus im Wesentlichen dem Erfolg seiner Propaganda zu verdanken ist (vgl., Brechtken, 2004, S. 66). Ebenso spricht er von einem eindeutigen Ziel der Propaganda, das auf die „permanente Indoktrination und ideologische Gehirnwäsche im Dienst der NS-„Weltanschauung“ und ihrer langfristigen politischen Ziele“ (ebd., S. 70) ausgerichtet war. Inwieweit Propaganda bei einer Massenveranstaltung wie der der Olympischen Sommerspiele 1936 eingesetzt wurde, wird unter 2.4.2 noch genauer betrachtet. Weiterhin wird im Punkt 2.5 geklärt, welche Rolle speziell der Körper in der NS-Propaganda während dieser Olympiade eingenommen hat.

2.3 Die Olympischen Spiele

2.3.1 Wissenswertes

Die Olympischen Spiele sind das größte Sportereignis der Welt. In verschiedenen olympischen Sportarten treten Teilnehmer aller Nationen einzeln oder als Mannschaft gegeneinander an. Sie werden regelmäßig durchgeführt und gehen auf die Spiele im antiken Griechenland zurück. Hier wurde alle vier Jahre die damals so genannte „Olympiade“ fast 1000 Jahre lang in der Stadt Olympia ausgetragen, um den Gott Zeus zu ehren. Nach dem Verbot der Olympischen Spiele im Zuge der Christianisierung 393 n.Chr. entwickelte sich die „Idee, die Olympischen Spiele >>in modernisierter Gestalt, aber unter möglichster Annäherung an die Antike und auf internationaler Grundlage << wieder aufleben zu lassen“ (Der Fischer Weltalmanach, 2008, Stichwort online: Olympische Spiele). Vater dieser Idee war der französische Gelehrte Pierre de Coubertin, der mit der Gründung des Olympischen Komitees 1994 einen großen Schritt für die Wiedergeburt und - entdeckung der Olympischen Spiele getan hatte. Im Jahr 1896 begannen bereits die ersten olympischen Sommerspiele der Neuzeit in Athen, die wie in der Antike alle vier Jahre stattfanden. Im Jahr 1924 wurden erstmalig die Olympischen Winterspiele eingeführt, die im gleichen Jahr wie die Sommerspiele ausgetragen wurden. Seit 1994 werden sie jedoch im zweijährigen Wechsel mit den Sommerspielen durchgeführt. Die Olympischen Spiele werden schon immer als ein großes Sportfest gesehen, welches ihre Zuschauer aus aller Welt mit sportlichen Höchstleistungen und den kulturellen Darbietungen begeistert (vgl. Deutsche Olympische Gesellschaft, 2010, Rubrik: Olympia/ Olympische Spiele).

[...]


1 zitiert nach Angermeyer, F.: Hymne an Berlin. In: “Reichssportblatt“ 2 (1935) 21, 583.

2 Aus Gründen der sprachlichen Vereinfachung verwende ich NS als Abkürzung für den Begriff Nationalsozialismus.

3 Aus Gründen der sprachlichen Vereinfachung werden die Formulierungen „Olympische Spiele 1936 “ oder „Spiele 1936“ im Folgenden für die Olympischen Sommerspiele 1936 verwendet.

4 Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei

5 Gutjahr, 2004, S.366

6 Mestwerdt, 1998, S. 870

7 Lanzinner, 2008, S. 341

8 Umfassende Erläuterungen zu den einzelnen Propagandamitteln werden hier aufgrund der Seitenvorgabe ausgelassen.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Der Körper in der NS-Propaganda während der Olympischen Spiele 1936
Untertitel
Moderne Körperbilder
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
24
Katalognummer
V178613
ISBN (eBook)
9783656008071
ISBN (Buch)
9783656007784
Dateigröße
1501 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sport, Rassismus, Kunst, Film, Werbung
Arbeit zitieren
Julia Uhlitzsch (Autor), 2011, Der Körper in der NS-Propaganda während der Olympischen Spiele 1936, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178613

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