John Rawls: Eine Theorie der Gerechtigkeit


Hausarbeit, 2010
25 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Annäherung an den Begriff „Gerechtigkeit“
1.2 Die Person JOHN RAWLS

2. Die Theorie der Gerechtigkeit
2.1 Gerechtigkeit als Fairness
2.2 Die beiden Grundsätze der Gerechtigkeit
2.3 Der Urzustand.
2.3.1 Die Maximin-Regel
2.3.2 Das Überlegungsgleichgewicht
2.3.3 Verschiedene Möglichkeiten im Urzustand

3. Vergleich mit der utilitaristischen Philosophie

4. Kritik an JOHN RAWLS‘ Theorie der Gerechtigkeit

5. Literaturverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.Einleitung

1.1 Annäherung an den Begriff „Gerechtigkeit“

Der Begriff der Gerechtigkeit gilt allgemein als schwer definierbar. Jeder Mensch hat zwar ein Verständnis dafür, was Gerechtigkeit ungefähr ausmacht. Jedoch wird es dann schwer, wenn beurteilt werden muss welche Situation als gerecht oder ungerecht eingestuft werden soll und welche Regeln dieses Verständnis für Gerechtigkeit definieren. Historisch gesehen stammt der Begriff der Gerechtigkeit von der Übereinstimmung des geltenden Rechtes. Gerechtigkeit bestimmt somit die Justiz und wird im Umkehrschluss von dieser bestimmt. Trotz ihrer engen Beziehung zum Recht wird der Gerechtigkeit heute eine viel tiefergehende, moralische Bedeutung zugeschrieben. So fordert sie objektiv gesehen nicht nur eine Richtigkeit des Rechts, sondern bestimmt auch subjektiv die Rechtschaffenheit und somit die Leitziele menschlicher und moralischer Sehnsüchte und Forderungen (HÖFFE, 2004, S. 9).

Innerhalb des Rechtes gerecht zu handeln, beinhaltet auch jeden Menschen als gleich anzusehen. So trägt die in der Kunst dargestellte Göttin Justitia eine Augenbinde, um diese Unparteilichkeit bildlich zum Ausdruck zu bringen (Ebd., S. 11). Diese Auffassung von Gerechtigkeit kann auch auf die Grundlage der Gerechtigkeit Gottes zurückgeführt werden. So bringt die Bibel zum Ausdruck „Gott ist Gerecht“ oder nennt Jesus Christus „den Gerechten“. Diese Verantwortung Gottes führt das deutsche Grundgesetz als Gerechtigkeit der Menschen untereinander weiter, indem es erklärt: „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich“ (Art. 3, Abs. 1 GG), „Männer und Frauen sind gleichberechtigt [..]“ (Art. 3, Abs. 2 GG), sowie „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ (Art. 3, Abs. 3 GG).

Trotz dieser historischen, biblischen und politische Auffassungen ist vor allem die Ethik oft der Ansicht, dass diese rechtlichen, aber auch moralischen, Maßstäbe in der Realität, vor allem in der Bewertung sozialer Verhältnisse, nicht immer gerecht, ohne jemanden zu benachteiligen oder zu bevorzugen, zum Ausdruck kommen. So hindern egoistische und auch materielle Interessen oder auch das Streben nach Macht die Menschen daran gerecht und in ihrer Verantwortung füreinander zu handeln.

Ein gutes, anschauliches und leider immer noch aktuelles Beispiel ist die Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Wenn Studien belegen, dass Männer in denselben Positionen für dieselbe Arbeit (!) rund 23 % mehr verdienen als Frauen (Statistisches Bundesamt, 2008, Pressemitteilung Nr. 427[1] ), dann frage ich mich, wo denn da die Gerechtigkeit bleibt - oder zumindest eine Rechtfertigung!? Oder auch wenn trotz einer herabgepredigten angeblich existierenden Chancengleichheit oder –Gerechtigkeit, Menschen aufgrund ihres Geschlechtes, ihres Alters oder ihrer sozialen Herkunft diskriminiert werden und somit nicht die gleichen Bildungs- oder Lebenschancen erhalten, wie andere.

An dieser Stelle könnten etliche Formen der Gerechtigkeit, wie die juristische, die soziale, die Generationen- oder Umverteilungsgerechtigkeit angeprangert werden. Doch trotz aller Verstöße gegen die Prinzipien der Gerechtigkeitsauffassung, hilft es nicht Moral zu predigen. Es bedarf einer konkreten, durchdachten Lösung, eines Vorschlags, wie diese Ungerechtigkeit beseitigt, oder zu mindestens gelindert, werden kann. Die „Theorie der Gerechtigkeit“ von JOHN RAWLS stellt dabei einen durchaus zu durchdenkenden Vorschlag, eine Theorie, dar, wie mit Gerechtigkeit umgegangen werden könnte. Auf die Grenzen der RAWLSschen Konzeption soll in dieser Arbeit erst am Schluss eingegangen werden.

„[..] denn wenn die Gerechtigkeit untergeht, so hat es keinen Werth mehr, daß Menschen auf Erden leben“

(KANT, 1979, zit. nach SCHRAMM, 2004)

1.2 Die Person JOHN RAWLS

JOHN BORDEN (Bordley) RAWLS wurde am 21. Februar 1921 in Baltimore (Bundesstaat Maryland) als zweiter von fünf Söhnen des Ehepaars William Lee und Anna Abell Rawls geboren (POGGE, 1994, S. 11). Es wird vermutet, dass sein Interesse an der Philosophie schon in seiner frühen Jugend geprägt wurde, als zwei seiner Brüder an der Infektionskrankheit Diphterie, an welcher er selbst ebenfalls erkrankt war, starben. Auch sein Gerechtigkeitssinn wird oft darin begründet, dass er bereits in seiner Kindheit von seiner Mutter, welche sich öffentlich für das Recht der Frauen engagierte, beeinflusst wurde. Darüber hinaus galt seine Heimatstadt Baltimore bereits zu seiner Zeit als eine Region mit einem hohen Anteil afroamerikanischer Einwohner. RAWLS wurde somit schon früh mit den von Rassismus und Ungerechtigkeit geprägten Lebensumständen afroamerikanischer Bürger konfrontiert. Nicht zuletzt da es seine Eltern nicht gerne sahen, wenn er mit „schwarzen“ Kindern spielte oder diese sogar zu sich nach Hause einlud (Ebd., S. 14). In seinen später veröffentlichen Werken gibt er an verschiedene „eingeborene“ Spielkameraden gehabt zu haben und beschreibt, dass er sich schon früh des „Privilegs“ bewusst wurde mit weißer Hautfarbe und den damit verbundenen Bildungsmöglichkeiten und weitaus besseren Lebenschancen geboren zu sein. Nicht nur seine Hautfarbe, sondern auch der finanziell recht gut bestellte Stand seiner Eltern ermöglichte es ihm später Philosophie an der Princeton University zu studieren (Ebd., S. 15).[2]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Als während seiner Studienzeit, welche mit dem zweiten Weltkrieg zusammenfiel, Polen von den deutschen Soldaten überfallen wurde, beschäftigte sich RAWLS sehr ausführlich mit Büchern über den ersten Weltkrieg und trat nach Erlangen seines Bachelorabschlusses 1943 selbst der amerikanischen Armee bei. In seiner Zeit als Soldat wurde er unter anderem als Infanterist in Neuguinea, den Philippinen und in Japan eingesetzt. Nicht zuletzt wegen den prägenden Eindrücken, die ein Besuch nach Abwurf der Atombombe in Hiroshima hinterließen, schlug er 1946 das Angebot eines Offiziersposten aus und verließ die Armee um an die Princeton Universität zurück zu kehren (Ebd., S. 20).

Seine Doktorarbeit in Philosophie, mit welcher er 1950 in Princeton promovierte, handelte von der moralischen Beurteilung menschlicher Charakterzüge und ähnelte schon sehr seiner späteren Idee eines Überlegungsgleichgewichtes, auf welches in dieser Arbeit an späterer Stelle näher eingegangen werden soll.

1949 heiratete er Margaret Warfield Fox und lehrte anschließend zwei Jahre als Instructor an philosophischen Seminaren in Princeton. Während dieser Zeit lernte er den aus England stammenden Gastprofessor J.O. Urmson kennen, welcher ihm viel über die Oxforder Philosophie berichtete, die sich mit J.L. Austin, Gilbert Ryle, H.L.A. Hart, Isaiah Berlin, Stuart Hampshire und anderen zu dieser Zeit in einer besonders produktiven Phase befand (Ebd., S. 22). Durch ein Stipendium verbrachte er 1952 ein Jahr als Student in Oxford. Geprägt von der Lehre der Oxforder Philosophen und Werken von Kant, Rousseau und G.E. Moore entwickelte er bereits zu dieser Zeit seine Idee des Urzustandes.

Nach seiner Rückkehr aus Oxford im Jahre 1953 nahm RAWLS eine Assistenzprofessur an der Cornell University an, wo er 1956 zum Associate Professor mit Tenure befördert wurde. 1959 wechselte der inzwischen vierfache Vater an das Massachusetts Institute of Technology (MIT) und drei Jahre später an die Harvard Universität, an welcher er daraufhin mehr als 30 Jahre lehrte (Ebd., S. 26).

Die 60er Jahre seines Jahrhunderts waren politisch stark von dem derzeit herrschenden Vietnamkrieg geprägt, mit welchem sich RAWLS zu dieser Zeit ausführlich beschäftigte. RAWLS hielt den Krieg von vornherein für moralisch unzulässig und gab seine Meinung auch an seine Studenten weiter. Er kritisierte zudem den hohen politischen Einfluss der Rüstungsindustrie und reicher Investoren und prangerte die Regierung an politisch unfair im Hinblick auf Vermögensverteilungen zu walten. Daneben forderte er die gleiche Aussicht auf politische Ämter für gleich Begabte und Motivierte und kämpfte dafür, dass nicht nur „normalbürgerliche“ junge Männer in die Army und somit in den Vietnamkrieg einberufen wurden, sondern gleichermaßen auch Söhne von Industriellen und Politikern (Ebd., S. 27).

[...]


[1] Bundesweit wurde für das Jahr 2007 ein Verdienstunterschied zwischen den Geschlechtern in Höhe von 23% ermittelt. In den Wirtschaftszweigen, in denen viele Frauen tätig sind, fällt der geschlechterspezifische Verdienstabstand überdurchschnittlich hoch aus. Dies gilt insbesondere für die Wirtschaftszweige Unternehmensnahe Dienstleistungen (30%), Verarbeitendes Gewerbe (29%), Handel (25%) sowie Gesundheits-, Veterinär- und Sozialwesen (24%).

[2] Abb. 1: JOHN RAWLS, Bruder Bill und Eltern mit Bruder Dick, Sommer 1935 aus POGGE, 1994

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
John Rawls: Eine Theorie der Gerechtigkeit
Hochschule
Universität Hohenheim
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
25
Katalognummer
V178948
ISBN (eBook)
9783656011958
ISBN (Buch)
9783656012078
Dateigröße
931 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
John Rawls, Gerechtigkeitstheorie, Utilitarismus, Gerechtigkeit, Fairness, Urzustand, Maximin Regel, Überlegungsgleichgewicht, Harsanyi, Gesellschaftsvertragstheorie, Schleier des Nichtwissens, Differenzprinzip, Jeremy Bentham, John Stuart Mill, Durchschnittsnutzenprinzip, Karl Homann, Robert Nozick
Arbeit zitieren
Bianca Alle (Autor), 2010, John Rawls: Eine Theorie der Gerechtigkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178948

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