„Die Frage ist wirklich eine höchst bedenkliche. Sie greift mit forschender Hand in das allerinnerste Wesen des Menschen.“ Mit diesem Zitat formuliert Schopenhauer treffend meine subjektive Empfindung bei meiner ersten Beschäftigung mit ebenjenem Problem, dem ich mich in dieser Arbeit widmen möchte: Die Frage nach der Freiheit des menschlichen Willens. Meine erste Beschäftigung mit deterministischen Theorien, die diese Frage verneinend beantworten, faszinierte und verunsicherte mich zugleich, da ich sie auf der einen Seite als logisch und nicht widerlegbar wahrnahm, ich aber auf der anderen Seite eine Art emotionale Ablehnung empfand, diese Antwort zu akzeptieren. Allein die Tatsache, dass sich beim Schreiben dieser Einleitung die Frage stellen ließe, ob ich in meiner Themenwahl frei gehandelt habe oder nicht, bestätigt meine Faszination für dieses Problem, welche mich dazu bewegt hat, diese Facharbeit zu nutzen, um mich näher mit ihm zu beschäftigen. Bei der Suche nach passender Literatur stieß ich auf die Preisschrift Arthur Schopenhauers mit dem Titel „Über die Freiheit des menschlichen Willens“, in der ich viele meiner eigenen Gedanken beeindruckend klar und eindeutig formuliert und weitergeführt fand, was mich überzeugte, diese als Grundlage für meine Arbeit zu verwenden. Ein weiterer Aspekt, der mein Interesse weckte, ist die Frage, warum die Ablehnung der Willensfreiheit, die mir nach einiger Beschäftigung sehr logisch und einleuchtend erschien, in unserer Gesellschaft kaum eine Rolle spielt. Ich werde daher im Verlauf dieser Arbeit versuchen, Schopenhauers Lösungsansatz anhand der bereits erwähnten Preisschrift vorzustellen und seine Relevanz in Bezug auf unsere Gesellschaft zu bewerten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Themenwahl
2. Das Problem der Willensfreiheit im Überblick
3. Schopenhauers Preisschrift „Über die Freiheit des menschlichen Willens“
3.1 Begriffsbestimmungen
3.1.1 Freiheit
3.1.2 Selbstbewusstsein
3.2 Der Wille vor dem Selbstbewusstsein
3.3 Der Wille vor dem Bewusstsein anderer Dinge
3.4. Vorgänger
3.5 Schluss und höhere Ansicht
4. Zeitgenössische Relevanz
4.1 Kritische Betrachtung der Preisschrift
4.2 Die geringe Präsenz deterministischer Standpunkte im bürgerlichen Bewusstsein
4.3 Mögliche Konsequenzen
5. Fazit
6. Literaturverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Themenwahl
2. Das Problem der Willensfreiheit im Überblick
3. Schopenhauers Preisschrift „Über die Freiheit des menschlichen Willens“
3.1 Begriffsbestimmungen
3.1.1 Freiheit
3.1.2 Selbstbewusstsein
3.2 Der Wille vor dem Selbstbewusstsein
3.3 Der Wille vor dem Bewusstsein anderer Dinge
3.4. Vorgänger
3.5 Schluss und höhere Ansicht
4. Zeitgenössische Relevanz
4.1 Kritische Betrachtung der Preisschrift
4.2 Die geringe Präsenz deterministischer Standpunkte im bürgerlichen Bewusstsein
4.3 Mögliche Konsequenzen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das philosophische Problem der Willensfreiheit anhand von Arthur Schopenhauers Preisschrift „Über die Freiheit des menschlichen Willens“. Ziel ist es, Schopenhauers deterministischen Lösungsansatz darzustellen, kritisch zu würdigen und dessen Relevanz für moderne gesellschaftliche Vorstellungen von Verantwortung und Schuld zu bewerten.
- Grundlagen der Willensfreiheit und des Determinismus
- Schopenhauers Analyse der Kausalität und Motive
- Die Vereinbarkeit von Determinismus und moralischer Verantwortung
- Rezeption deterministischer Positionen in der modernen Gesellschaft
Auszug aus dem Buch
3.2 Der Wille vor dem Selbstbewusstsein
Wie bereits angedeutet, sieht Schopenhauer den Willensakt als „Gegenstand des Selbstbewusstseyns“, welcher sich auf ein Objekt im Bewusstsein anderer Dinge, bzw. „ein Objekt des Erkenntnißvermögens“ richtet. Dieses Objekt bezeichnet er im gegebenen Zusammenhang als Motiv. Die Fragestellung laute nun, ob der Willensakt mit Notwendigkeit durch das Motiv hervorgerufen oder auch nach Eintritt des Motivs ins Bewusstsein frei bleibe. Die Aussage des Selbstbewusstseins bestehe aber lediglich in der Freiheit, dem Willen gemäß zu handeln („Ich kann thun, was ich will“), während die gestellte Frage sich auf die Freiheit des Wollens richte. Somit sei nach dem Kausalverhältnis zwischen den, im Bewusstsein anderer Dinge liegenden, Motiven und dem im Selbstbewusstsein begründeten Willensakt gefragt.
In der allgegenwärtigen Aussage des Selbstbewusstseins, „ich kann thun, was ich will“, sieht Schopenhauer den Grund dafür, dass der „philosophisch rohe“ Mensch die Willensfreiheit als feststehende Wahrheit ansehe, da der Mensch tagtäglich erlebt, frei (im Sinne von dem Willen gemäß) handeln zu können. Dieses Freiheitserlebnis beziehe sich aber nur auf die Folgen des Willensaktes und nicht auf seinen Ursprung.
Die Frage nach der Willensfreiheit bestehe also in der Frage, ob der Wille notwendigerweise aus den Motiven, welche ihn beeinflussen, hervorgeht oder nicht. Da das Selbstbewusstsein aber lediglich eine Aussage über das Verhältnis von Handlung und Wille mache, kann das Selbsbewusstsein keine Instanz bei der Beantwortung der gestellten Frage sein und die Freiheit des Willens somit nicht aus dem Selbstbewusstsein bewiesen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Themenwahl: Die Einleitung erläutert die persönliche Motivation des Autors, sich mit der Frage nach der Willensfreiheit und Schopenhauers deterministischem Ansatz auseinanderzusetzen.
2. Das Problem der Willensfreiheit im Überblick: Dieses Kapitel führt in die philosophischen Grundbegriffe ein, insbesondere in das Spannungsfeld zwischen Determinismus, Indeterminismus und dem Vereinbarkeitsproblem.
3. Schopenhauers Preisschrift „Über die Freiheit des menschlichen Willens“: Hier wird Schopenhauers Antwort auf die Preisfrage der Königlichen Norwegischen Gesellschaft der Wissenschaften zusammengefasst, wobei seine Definitionen von Freiheit und Selbstbewusstsein analysiert werden.
4. Zeitgenössische Relevanz: Dieser Abschnitt bewertet Schopenhauers Thesen aus moderner Sicht, diskutiert Kritikpunkte wie das Kausalprinzip und untersucht die gesellschaftlichen Implikationen bei Verneinung der Willensfreiheit.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass ein abschließender Beweis für oder gegen die Willensfreiheit nach aktuellem Wissensstand kaum möglich ist.
Schlüsselwörter
Willensfreiheit, Determinismus, Schopenhauer, Preisschrift, Kausalgesetz, Motive, Selbstbewusstsein, moralische Verantwortung, Kompatibilismus, Indeterminismus, Charakter, Handlungsfreiheit, Willensentscheidung, Ethik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit?
Die Arbeit analysiert Arthur Schopenhauers philosophische Abhandlung zur Willensfreiheit und hinterfragt, inwiefern ein deterministisches Weltbild mit menschlicher Verantwortung vereinbar ist.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit fokussiert auf philosophische Grundbegriffe der Freiheit, das Kausalitätsprinzip, die Rolle von Motiven im menschlichen Handeln und die Bedeutung von Verantwortung in einer determinierten Welt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Schopenhauers Argumentation gegen die Willensfreiheit verständlich darzulegen und deren Relevanz sowie Konsistenz aus heutiger wissenschaftlicher Perspektive zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine systematische Textanalyse der Primärquelle von Schopenhauer sowie den Vergleich mit aktueller Sekundärliteratur, um die philosophischen Positionen einzuordnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die inhaltliche Wiedergabe von Schopenhauers „Preisschrift“ (einschließlich seiner Definitionen und Kausalitätstheorie) sowie eine kritische Auseinandersetzung mit diesen Thesen unter Einbeziehung moderner wissenschaftlicher Erkenntnisse.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Determinismus, Kausalität, moralische Freiheit, Wille, Charakter und Verantwortung definiert.
Wie begegnet Schopenhauer dem Einwand, dass ohne Willensfreiheit keine Verantwortung möglich sei?
Schopenhauer unterscheidet zwischen der Freiheit des Handelnkönnens und der Notwendigkeit des Wollens, wobei er die Verantwortung im Charakter des Individuums verankert, anstatt in der willkürlichen Wahlmöglichkeit.
Inwiefern beeinflusst die moderne Physik Schopenhauers Theorie?
Der Autor weist darauf hin, dass Schopenhauers Argumentation stark auf einem klassischen Verständnis des Kausalprinzips beruht, welches durch Erkenntnisse der Quantenphysik und den Begriff des absoluten Zufalls heute in Frage gestellt wird.
- Arbeit zitieren
- Milan Heinrich (Autor:in), 2011, Das Problem der Willensfreiheit nach Arthur Schopenhauer und dessen zeitgenössische Relevanz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179207