Kurvenfahrten im Inline-Skating. Das Übersetzen als Mittel zur Zeitminimierung auf kurzen Distanzen?

Entwurf einer Sportstunde für eine 12. Klasse


Unterrichtsentwurf, 2011

10 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

1. Bemerkungen zur Lerngruppe

Seit Ende August 2011 unterrichte ich im Ausbildungsunterricht unter der fachlichen Betreuung von Herrn OStR B sechs Schülerinnen und zwölf Schüler1 des Kurses 502 a auf grundlegendem Niveau des Jahrgangs 12 mit zwei Wochenstunden im Fach Sport.

Der gesamte Kurs befindet sich bezüglich des biologischen Alters in der zweiten puberalen Phase (Adoleszenz). Beide Geschlechter können im Rahmen ihrer individuellen Leistungsfähigkeit sowohl konditionell als auch koordinativ maximal belastet werden. Das motorische Leistungspotential in dieser Entwicklungsstufe kann im Sportunterricht dazu genutzt werden die anspruchsvolle Technik „Übersetzen“ im Inline-Skating zu lernen. Die vermehrte psychische Ausgeglichenheit durch eine Stabilisierung der hormonellen Regulation unterstützt den Lernprozess und erlaubt es, in leistungsheterogenen und koedukativen Gruppen zielorientiert und kooperativ zu arbeiten [vgl. 7, S. 362]. Die Lern- und Arbeitsatmosphäre entspricht überwiegend dieser Darstellung. Ausnahmen bilden jedoch Felix und Björn. Sie sind schnell abgelenkt und stören besonders während der selbstständigen Auseinandersetzung mit den Inline-Skating-Techniken oftmals den Unterricht. Sie müssen daher wiederholt dazu angehalten werden, die Inhalte eigenverantwortlich zu bearbeiten. Die Schüler wurden über das Tragen von angemessener Schutzkleidung unterwiesen und können potentielle Gefahren des Fahruntergrundes erkennen und darauf angemessen reagieren.

Besonders Marc, Yannik, Laura und Lena sind dem Erlernen, Üben und Festigen neuer und bekannter Techniken gegenüber aufgeschlossen und zeigen sich sehr interessiert und motiviert. Dennis, Steffen und Monja haben, im Gegensatz zur übrigen Lerngruppe, vor der Unterrichtsreihe keine praktischen Erfahrungen im Inline-Skating sammeln können und bedürfen meist besonderer Unterstützung. Björn bereichert den Unterricht regelmäßig mit seinen Kenntnissen im Bereich des Schlittschuh-Laufens. Die Lerngruppe ist an kognitive Phasen im Unterricht gewöhnt und beteiligt sich durchaus rege. Die Schüler sind bei der Beschreibung von Phasenbildern geübt, brauchen jedoch erfahrungsgemäß zusätzliche Unterstützung seitens der Lehrkraft.

Sie beziehen ihre motorischen Vorerfahrungen bezüglich des Inline-Skatings lediglich aus dem Freizeitbereich. Die Lerngruppenanalyse zeigt große Schwankungen bezüglich des motorischen Ausgangsniveaus der Schüler. Diese Heterogenität wird bei der Planung der Lehrprobenstunde bedacht.

2. Curriculare Einordnung

Die Lehrprobenstunde ist die achte einer auf zwölf Stunden angelegten Unterrichtsreihe. Das Ziel der Unterrichtsreihe ist die Entwicklung und Erweiterung der Grundfertigkeiten im Inline-Skating sowie das prozessbegleitende Training der Grundlagen- und Schnelligkeitsausdauer. Im Verlauf der Unterrichtsreihe wurden zunächst die essentiellen Fertigkeiten der Gradeausfahrt und des Bremsens thematisiert. Anschließend wurde die Verlagerung des Körperschwerpunkts (KSP) als Mittel zur Ökonomisierung des Skating-Schrittes auf mittleren bis langen Distanzen erkannt. Der aktive Gebrauch der Innen- und Außenkante der Inline-Skates wurde theoretisch erarbeitet sowie praktisch erprobt. An diese Stelle knüpft die Lehrprobenstunde an. Die Fertigkeit des Übersetzens im Inline-Skating soll als Mittel zur Minimierung der Zeit auf kurzen Distanzen überprüft werden.

Für kommende Unterrichtsinhalte, wie der Technik des Doupble-Pushs, ist es unabdingbar das Zusammenwirken der Innen- und Außenkante zu verstehen. Die Inhalte der Lehrprobenstunde sind demzufolge bedeutungsvoll für die kommenden Unterrichtsinhalte und bauen sachlogisch aufeinander auf.

3. Rahmenbedingungen

Die Lehrprobe findet innerhalb der regulären Kurszeit im zweiten Teil einer Doppelstunde von 08.30 Uhr bis 09.15 Uhr statt. Aufgrund von Sanierungsarbeiten der Sporthalle und des unbeständigen Wetters findet die Lehrprobenstunde in der Aula statt. Der Lerngruppe steht die gesamte Aula sowie der dazugehörige Vorraum zur Verfügung. Die benötigte Schutzausrüstung ist in ausreichender Anzahl vorhanden.

4. Relevantes Eingangsverhalten

Die Schüler

1. sind mit den Sicherheitsregeln im Inline-Skating vertraut.
2. haben theoretische Grundkenntnisse bezüglich der vortriebwirksamen Wirkung der Innen- und Außenkante, wobei sie in der praktischen Umsetzung noch unsicher sind.
3. kennen die zentralen Bewegungsmerkmale des Übersetzens im Inline-Skating, bedürfen jedoch noch Hilfe bei der Anwendung der Fachsprache.
4. sind mit der Organisationsform der Lehrprobenstunde vertraut.
5. Didaktische Entscheidungen

Inline-Skating wird im Kerncurriculum für die gymnasiale Oberstufe dem Erfahrungs- und Lernfeld A zugeordnet. Die im Kerncurriculum geforderte Erweiterung des Repertoires der Basistechniken im Inline- Skating wird durch das Thema der Lehrprobenstunde eingelöst [vgl. 4, S. 8]. Gleichzeitig werden die konditionellen Grundlagen in den Bereichen der allgemeinen Ausdauer sowie der Schnelligkeitsausdauer trainiert. Die Thematisierung des Übersetzens im Inline-Skating vor dem Hintergrund der Sinnperspektiven „Leistung“ und „Eindruck“ [3, S. 15] weist für die Schüler einen hohen Aufforderungs- sowie Motivationscharakter auf. Die Tatsache, dass bei sicherer Beherrschung der Technik die messbare Leistungsfähigkeit vor allem auf den Sprintdistanzen erhöht werden kann [vgl. 2, S. 128] rechtfertigt die Vermittlung der schwierigen Wettkampftechnik. Der Verlauf der Unterrichtsreihe hat gezeigt, dass der Großteil der Schüler bereits über grundlegende Fertigkeiten im Inline-Skating verfügt. Die motorische Ausführung vollzieht sich meist jedoch intuitiv und erfordert eine Bewusstseinsschaffung ihrer Handlungsentscheidungen durch die Analyse, Funktion und Reflexion ihrer Fertigkeiten [vgl. 4, S. 14]. Der Fertigkeit des Übersetzens im Inline-Skating geht die Vermittlung des aktiven Gebrauchs der Innen- und Außenkante voraus. So baut die Lehrprobenstunde sinnvoll auf den Vorunterricht auf. Durch die Übertragbarkeit der Technik auf weitere motorische Fertigkeiten im Inline-Skating. erhält diese Technik einen exemplarischen Wert [vgl. 6, S. 302]. Die Inhalte der Lehrprobenstunde lassen sich außerdem auf weitere Sportarten, wie dem Eisschnelllauf, übertragen.

Anhand der Übersetzbewegung gegen den Uhrzeigersinn wird der erste Abstoß näher erläutert. Zwecks einer allgemeinen Fertigkeitsschulung soll in der Lehrprobenstunde eine beidbeinige Ausbildung des Übersetzens geschult werden. Der Schüler gleitet auf dem kurveninneren linken Skate und stößt sich mit dem äußeren rechten Skate ab. Schon bevor der rechte Skate gekreuzt vor den linken Skate in Kurvenrichtung auf den Boden gesetzt wird, beginnt das linke Bein sich zu strecken. Das gesamte Körpergewicht wird auf die Außenkante des linken Beines verlagert. Dieses streckt sich diagonal unter den Körperschwerpunkt nach hinten-außen durch. Die Streckbewegung muss nach schräg-hinten ausgeführt werden, da sonst die Gefahr des Strauchelns besteht. Der Abdruckswiderstand und die Beschleunigungsleistung sind demzufolge am höchsten. In der Mitte der Abstoßbewegung wird das Körpergewicht von der linken Außenkante auf die rechte Innenkante verlagert [vgl. 2, S. 129]. Das linke Abstoßbein wird völlig gestreckt, um den Abdruckweg und somit die Kurvengeschwindigkeit zu maximieren. Die Verkleinerung des Kniewinkels erlaubt zusätzlich einen erhöhten Abdrucksweg. Außerdem erleichtert die Streckung die Kreuzbewegung des rechten Beins. Nach Beendigung der Streckbewegung wird der linke Skate hinter dem rechten Bein nah an die Kurvenlinie zurückgeführt und parallel neben den rechten Skate aufgesetzt. Die Rückführung erfolgt dicht über dem Boden, weil eine erhöhte Körperschwerpunktposition eine Verlangsamung der Rückführbewegung des Abstoßbeines zur Folge hätte. Je enger die Kurve ausgeführt wird, desto weiter muss das Körpergewicht nach hinten verlagert sein [vgl. 6, S. 312]. Das gesamte Gewicht verlagert sich auf die Innenkante des rechten Skates. Der Unterschenkel und der Skate bilden einen Anstellwinkel von 45° zum Boden, damit die ausgeübte Kraft ausreichend Bodenkontakt auf den Untergrund übertragen kann. Das Abstoßbein drückt sich mit der Innenkante nach außen ab. Die Abstoßbewegung beginnt auf dem hinteren Teil der Skates. Sukzessive verlagert sich das Körpergewicht auf den vorderen Teil des Skates. Diese Belastungsreihenfolge ist für die Kraftausschöpfung und Stabilität der Fahrposition von Bedeutung, da eine frühzeitige Belastung der vorderen Rollen kein Abstoß in Fahrtrichtung ermöglichen würde. In der Mitte der Abstoßbewegung wird das Körpergewicht von der Innenkante des rechten Skates auf die Außenkante des linken Skates verlagert. Das linke Bein ist während der Abstoßbewegung gebeugt. Das Abstoßbein (rechts) streckt sich und wird dicht über dem Boden gehalten. Nach dem Abdruck wird das Abstoßbein schnell über die Spitze des Gleitbeines (links) gekreuzt. Das gekreuzt aufgesetzte Abstoßbein übernimmt das Körpergewicht in der Mitte der zweiten Abstoßbewegung auf der Innenkante. Beim zweiten Abstoß führt das kurveninnere Bein wiederum die Abstoßbewegung aus.

Der beschriebene Einsatz der Außen- und Innenkante der Skates ist für Anfangslerner des Inline-Skatings von besonderer Bedeutung. Aufgrund der komplexen Bewegungsstruktur, antizipiere ich bei der sofortigen Anwendung der Gesamtbewegung motorische Probleme. Als besondere Lernschwierigkeit sehe ich die Beschleunigung über die Kanten während der Kurvenfahrt. Der Übergang von der Geradeaus- in die Kurvenfahrt auf der Außenkante des kurveninneren Skates, stellt für viele Schüler eine starke mentale Überwindung aufgrund der unbekannten Fahrposition dar. Aufgrund dessen wird die erste praktische Unterrichtsphase sich vorwiegend auf die Wiederholung der Kantenbewegung und die Einführung in das Überkreuzen beziehen. Das Vertrauen in die Stabilität der Kanten sehe ich als zwingende Vorraussetzung für den weiteren Unterrichtsprozess. Übungen zur Kantengewöhnung sowie zur Wahrnehmung des Unterschieds der Außen- und Innenkante sind vorab im Unterricht zwar in grundsätzlicher Weise thematisiert worden, bilden jedoch eine zu wiederholende Grundvorrausetzung für den weiteren Unterrichtsprozess.

In der zweiten praktischen Unterrichtsphase stehen die Anwendung des Übersetzens sowie die Maximierung der Kurvengeschwindigkeit durch den bewussten und aktiven Einsatz der Kanten im Vordergrund, was eine sinnvolle, kompetenzorientierte und kumulative Lernprogression innerhalb des Stundenverlaufs darstellt. Der erwartete Lernfortschritt während der Stunde äußert sich in der zunehmenden Beherrschung komplexer Bewegungsabläufe. Die Grobform des Übersetzens im ersten Unterrichtsabschnitt ermöglicht anschließend die vertiefte Ausdifferenzierung einzelner Bewegungsteile. Die schrittweise Realisierung der ganzheitlichen Bewegung steht somit im Zentrum des Unterrichtsprozesses [vgl. 5, S. 200].

Sinnvolle Alternativkonzepte stellen Formen des offenen Lernens dar. Aufgrund der komplexen Bewegungsstruktur der Technik wurde eine weitere Öffnung des motorischen Lernens aufgrund der geringeren Zielführung ausgegrenzt.

Durch die Struktur der Stunde werden verschiedene inhalts- und prozessbezogene Kompetenzbereiche gefördert [vgl. 4, S. 24]. Als inhaltsbezogene Kompetenzen rücken vor allem die Analyse der Bewegungsstruktur und die praktische Ausführung der spezifischen Fertigkeit in den Vordergrund [4, S. 32]. Die Schüler sollen weiterhin das Übersetzen im Inline-Skating als Mittel zur Zeitminimierung auf kurzen Distanzen beurteilen, indem sie „das eigene Handeln anhand angemessener Kriterien überprüfen“ [4, S. 5]. Dies entspricht der wissenschaftspropädeutischen Arbeitsweise an Gymnasien. Die Beurteilung der Messergebnisse gibt Aufschluss über den erfolgten Lernzuwachs der praktischen Unterrichtsphasen. Da es sich in der Lehrprobenstunde um eine Einführungsstunde handelt, wird das Übersetzen im Inline-Skating größtenteils grobmotorisch ausgeführt werden. Dieses kann zu geringen Differenzen der beiden Messergebnissen führen. Deshalb ist die Stundenfrage kontrovers zu bewerten.

Die prozessbezogenen Kompetenzen nehmen einen besonderen Stellenwert in der Examensstunde ein. Die Übungen und der Stundenaufbau sind so strukturiert, dass den Schülern das selbstständige Lernen ermöglicht wird und bewegungsspezifische Zusammenhänge klar werden. Außerdem wird die Reflexionskompetenz der Schüler gefördert. Dies ist von besonderer Bedeutung, da weitere Fertigkeiten auf den Inhalten der Stunde aufbauen und motorischen Problemen entgegengewirkt werden kann. Die NStS und leistungsstarke Schüler nehmen in den praktischen Unterrichtsphasen eine beobachtende und rückmeldende Funktion wahr, welche auf die Förderung der Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit abzielt.

6. Stundenziel

Die SuS entwickeln die Fertigkeit des Übersetzens im Inline-Skating gemäß ihrem individuellen Leistungsstand.

[...]


1 Aus Gründen der besseren Lesbarkeit verwende ich im Folgenden die maskuline Form.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Kurvenfahrten im Inline-Skating. Das Übersetzen als Mittel zur Zeitminimierung auf kurzen Distanzen?
Untertitel
Entwurf einer Sportstunde für eine 12. Klasse
Note
1,5
Autor
Jahr
2011
Seiten
10
Katalognummer
V180032
ISBN (eBook)
9783668255876
ISBN (Buch)
9783668255883
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sport, Inline-Skating, Unterrichtsentwurf, Examen, Sportexamen, Referendariat, Niedersachsen, Kurven, Inline, Skakting, Inlineskating, rechts, links, sinnperspektive, leistung, eindruck, ausdruck, wissenschaftspropädeutisches arbeiten, gymnasium, klasse 12, kursstufe 12, leistungskurs, grundlegendes Niveau
Arbeit zitieren
Marco Franke (Autor), 2011, Kurvenfahrten im Inline-Skating. Das Übersetzen als Mittel zur Zeitminimierung auf kurzen Distanzen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180032

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Kurvenfahrten im Inline-Skating. Das Übersetzen als Mittel zur Zeitminimierung auf kurzen Distanzen?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden