Zur Bedeutung weiblicher Rede im "Erec" Hartmanns von Aue

Eine Untersuchung des kommunikativen Verhaltens der Enite


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008
26 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Zur Bedeutung weiblicher Rede im Erec Hartmanns von Aue .
2.1 Exposition - gestörte Kommunikation in Karnant
2.2 Hartmann und die Dialektik von Reden und Schweigen in seiner Zeit – Neubewertung des tugendhaften Schweigens ?
2.3 Ginover – die ideale Herrscherin als soziale Rolle
2.4 Körperliche Liebe und höfische Minne – ein Widerspruch?
2.5 Einen sûft nam si tiefe – Enites beredtes Schweigen in Karnant
2.6 Kommunikationsstrategien I: Zementierung der männlichen Superiorität
2.6.1 Kommunikationsstrategien II Listiges Sprechen
2.6.2 Kommunikationsstrategien III: Verbale Manipulation
2.7 Revision – Der Konflikt zwischen Individuum und Gesellschaft
2.8 Die ideale Herrscherin – Hartmanns Frauenbild zwischen Innovation und Restauration

3. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit möchte das Vorkommen einer typisch weiblichen Art der Kommunikation in Hartmanns von Aue Artusroman Erec untersuchen. Dabei wird das verbale Verhalten der Figur der Enite im Mittelpunkt stehen. Ausgehend von der die Handlung antreibenden Verligen -Szene, muss daher auch die Frage nach ihrer Teilschuld an Erecs Ehrverlust gestellt werden, die in der Forschung bereits kontrovers diskutiert wurde, möglicherweise aber trotzdem nicht final lösbar ist.

Damit verbunden wird zu untersuchen sein, inwiefern Hartmann sich auf Rede- und Schweigediskurse seiner Zeit bezieht und ob er diese repetiert oder variiert. Exemplarisch sei hier den Verhaltenskodex für Frauen genannt, wie er bei Thomasin von Zerklære, oder aber auch schon im alten Testament auftaucht, der die unterwürfige Schweigsamkeit der Frau zur Tugend erklärt.

Zu untersuchen ist, inwieweit Hartmann diesen offensiv misogynen Vorgaben folgt. Oder ob er gar eine Umwertung der Geschlechterrollen vornimmt, hin zu einer Gleichrangigkeit in der Partnerschaft. Dabei wird genauer zu betrachten sein, wie Hartmann weibliches Reden gegenüber männlichem charakterisiert, ob er gar ein Modell einer genuin femininen Sprachkultur etabliert, die sich von der männlichen unterscheidet. Inwieweit stilisiert Hartmann Enite, als Vertreterin ihres Geschlechts, durch ihr kommunikatives Verhalten zu einer die Handlung lenkenden Person? Räumt er ihr sogar eine zentrale Rolle innerhalb der höfischen Hierarchie ein, wie Classen bemerkt?

[Hartmann] had developed a profound sensitivity regarding women’s role within courtly society and depicted them as key figures within their world responsible for the maintenance of the ideals of love, marriage, chivalric ethics, and religious morals.[1]

Ausgehend von der Verligen -Szene, deren Tragik im fehlgeleiteten verbalen Austausch zwischen beiden Partnern besteht, soll zunächst Enites Verhalten vor der Hochzeit mit Erec betrachtet werden, da es sich besonders gut für einen Vergleich mit ihrem späteren Auftreten als Königin eignet. Auch ein Blick auf die Figur Ginovers, der idealen Herrscherin, soll dazu dienen, Enites kommunikatives Fehlverhalten in Karnant zu charakterisieren, die Frage ihrer Schuld zu klären. Diesbezüglich ist auch das von Hartmann im Roman etablierte Ehe- und Minnemodell von Interesse. Welchen Stellenwert nimmt die körperliche Liebe am Artushof ein? Bezieht sich Hartmann auf den Topos des Evamotivs und ruft er somit die traditionelle Vorstellung von der Frau als ewige Verführerin auf?

Daran anschließend sollen Enites sprachliche Äußerungen während der Aventiure genau betrachtet werden: welche rhetorischen Strategien benutzt sie, um Erecs und ihr Leben während ihrer Reise zu schützen? Wie bedeutend ist ihr Verhalten für den positiven Ausgang der Handlung? Ein Blick auf den Schluss des Romans soll schließlich klären, inwieweit Hartmann tatsächlich eine neue weibliche soziale Rolle geschaffen hat. Präsentiert der Autor in seinem Werk protofeministische Ansichten, oder transportiert sein Roman letztlich doch die stereotype Inferiorität der Frau?

Angesichts des Umfangs dieser Arbeit beschränkt sich der Vergleich mit Chrétiens des Troyes Vorlage Erec et Enide leider nur auf wenige Passagen, um exemplarisch die Verschiebung der Redeanteile von männlichen auf weibliche Protagonisten zu veranschaulichen. Ein genauer Vergleich aller Passagen, die in dieser Arbeit untersucht werden, ist zwar wünschenswert, muss jedoch ausbleiben.

Die Bedeutung der Thematik um Reden und Schweigen in Hartmanns Roman wurde in der Forschungsliteratur schon mehrfach thematisiert, Arbeiten, die sich intensiv an Enites Rolle abarbeiten sind jedoch weniger häufig vertreten, obwohl es nicht an feministischen Lesarten mittelalterlicher Literatur fehlt, die die Rolle der Frau in der mittelalterlichen Gesellschaf thematisieren. Der Gefahr der Verabsolutierung von misogynen Aussagen der Autoren, entgehen dabei jedoch nicht alle AutorInnen. Als relevant für diese Arbeit erwiesen sich vor allem Bussmanns Aufsatz über Sprache und Identität, sowie die Abhandlungen von McConeghy über weibliches Kommunniaktionsverhalten und Welz’ Überlegungen über das Geschehen in Karnant.

2. Zur Bedeutung von weiblichem Rede im Erec Hartmanns von Aue

Das Seufzen Enites im Zuge des verligens des Paares auf Karnant gilt zweifelsohne als Auslöser für die folgenden Aventiure -Sequenzen im Erec. Im Gegensatz zur Handlungsstruktur des Märchens, das, wie Vladimir Propps Untersuchung zur Morphologie des Märchens ergeben hat, mit der Vermählung des Paares und der Krönung des Helden endet, beginnt die Haupthandlung des Erec eigentlich erst an diesem Punkt.[2] Nach der Hochzeit des Paares kommt es zur entscheidenden Wende der Handlung. Erecs vorher vorbildliches, ritterliches und ehrenhaftes Verhalten verkehrt sich in sein Gegenteil, wie der6 Erzähler berichtet:

Êrec was biderbe unde guot,

ritterlîche stuont sî muot

ê er wîp genæme

und hin heim kæme:

nû sô er heim komen ist,

dô kêrte er allen sînen list

an vrouwen Ênîten minne.

ich vlizzen sîne sinne

wie er alle sîne sache

wante zuo gemache. (Erec, V. 2924-2933)

Erec konzentriert sich ganz auf die Ausübung der minne zu seiner Angetrauten und lebt ein hedonistisches, auf die Erfüllung seiner persönlichen Bedürfnisse konzentriertes Leben.[3] Dieser Rückzug ins Private hat weitreichende Folgen für Erec:

He not only neglects his chivalric duties in his pursuit of gemach, but all his professional, social and, as we shall see, his religious obligations.[4]

In der Folge flieht alle Freude seinen Hof und sein vormals ehrenhafter Ruf verkehrt sich in Schande.[5] Bemerkenswert ist es, dass der Konsens an Erecs Hof dahingeht, seiner Gattin die Schuld für die Hinwendung zum gemache zu geben:

si sprâchen alle: «wê der stunt

daz uns mîn vrouwe ie wart kunt!

des verdirbet unser herre.»

Disiu rede geschach sô verre

daz si die vrouwen ane kam. (Erec, V. 2996-3000)

2.1 Exposition - gestörte Kommunikation in Karnant

Diese Rede kommt bezeichnenderweise zuerst Enite zu Ohren, während Erec von all dem scheinbar unbehelligt bleibt. Dies lässt vermuten, dass Enites perzeptive Fähigkeiten trotz der Isolation des Paares von der Gesellschaft noch besser ausgeprägt sind, als die ihres Gatten, sie also obwohl sie selbst nicht kommuniziert oder handelt, zumindest die Signale ihrer Umwelt wahrnimmt. Ob und zu welchem Zeitpunkt Erec selbst auf die Anschuldigungen reagiert hätte bleibt daher unklar. Egozentrisch um das Erhalten des Status Quo besorgt, versäumt es Enite jedoch, ihren Mann über seinen prekären Status zu informieren:

Êrecke engetorste siz niht klagen:

si vorhte in dâ verliesen mite. (Erec, V.3011f.)

Erec wird mehr zufällig mit den Tatsachen vertraut, da Enite laut seufzt, während sie denkt, er schliefe in ihren Armen. Ihre Äußerung darf daher keinesfalls als ein freiwilliges Bekenntnis interpretiert werden. Sie will sich lediglich durch ihr lautes Seufzen Erleichterung verschaffen, ihre Aussage ist an keinen Adressaten gerichtet, sondern vielmehr laute Eigenrede. Dass sie zu diesem Zeitpunkt in der Erzählung nicht die Absicht hatte, Erec von der Meinung des Hofes zu berichten, zeigt sich außerdem daran, dass Enite zunächst leugnet, etwas gesagt zu haben, als Erec insistiert, über die Situation aufgeklärt zu werden.[6] Erecs Reaktion auf Enites Bericht ist verwunderlich genug, besteht sie doch darin, Enites Erzählung zu unterbrechen und zum sofortigen Aufbruch der beiden zu drängen.[7] Darüber hinaus erteilt er Enite das für die Erzählung so maßgebliche Schweigegebot:

Mit solher rede er ûz reit

und gebôt sînem wîbe

niuwan bî dem lîbe,

der sch|nen vrouwen Ênîten,

daz si muoste vür rîten,

und verbôt ir dâ zestunt

daz ze sprehhenne ir munt

zer reise iht ûf kæme,

swaz si vernæme

oder swaz si gesæhe.[8]

Im Gegensatz zu späteren arturischen Romanen ergibt sich hier die Besonderheit, dass der Held auf seiner Aventiure -Fahrt von seiner Gattin begleitet wird. Aber auch die ungewöhnlich harte Strafe, die Enite durch das Redeverbot bei Androhung des Todes, die spätere Aufhebung der Ehegemeinschaft mit ihrem Gatten durch die Separierung von Tisch und Bett, sowie des ihr aufgebürdeten Pferdedienstes, zuteil wird, verstören den Leser und haben zu den diversesten Interpretationen bezüglich Enites Mitschuld am Ehrverlust Erecs geführt. Die Verunsicherung des Lesers wird hier dadurch ausgelöst, dass Erec sein Handeln in der Szene nicht hinreichend begründet, und, noch viel bedeutender, der Erzähler sich eines bewertenden Kommentars enthält, sondern lediglich berichtend das Handeln der Figuren wiedergibt:

Der erklärende Kommentar obliegt also ganz dem modernen Interpreten, und der steht oder stellt sich gemeinhin unter den – zumeist unausgesprochenen – Anspruch, den Hartmannschen Roman einer in sich stimmigen Gesamtdeutung zu unterziehen, die ihn als etwas Qualitäts- und Gehaltvolles, Hohes, Gültiges, Vorbildliches, kurzum als etwas klassisches erweist…[9]

Hinsichtlich der Bestrafung Enites bieten sich in der Logik der Erzählung und mit Hinblick auf die zeitgenössischen Diskurse um Reden und Schweigen zwei potentielle Erklärungen an, die Erecs Reaktion begründen können.

1. Enite hat sich der Unterlassungssünde schuldig gemacht, indem sie Erec nicht über die Stimmung in seinem Reich informierte, ihre privaten Interessen über die der Gemeinheit gestellt und dadurch ihre Pflichten als Herrscherin an seiner Seite vernachlässigt.
2. Enite ist als Ehefrau „ein Status rechtlicher Nachgeordnetheit zugewiesen, eine Korrektur Erecs steht ihr nicht zu.“[10]

Um zu zeigen, dass Hartmann das herkömmliche Geschlechterverhältnis zwar nicht vollkommen revidiert, jedoch hin zu einer Gleichrangigkeit in der Partnerschaft modernisiert, erscheint es mir zunächst als sinnvoll, Enites (kommunikative) Entwicklung von ihrem Status als unverheiratete Jungfrau bis zum Verligen des Paares zu untersuchen.

2.2 Hartmann und die Dialektik von Reden und Schweigen in seiner Zeit - Neubewertung des tugendhaften Schweigens?

Joachim Bumke hat sich die Mühe gemacht, die Redeanteile von Erec und Enite in den einzelnen Teilen des Romans zu zählen und hat dabei eine erstaunliche Feststellung gemacht: Während der Anfangssequenz der Erzählung, bis zum Aufbruch vom Artushof äußert sich Enite nur in einem Vers in direkter Rede, und dies auch lediglich, um ihrem Vater gehorsam zu bezeugen.[11]

Im Vergleich dazu ist ihr Redeanteil während des Mittelteils, in dem ihr durch Erec das Redeverbot auferlegt wurde, mit 216 Versen in direkter Rede recht hoch. Jedoch lässt sich Enites Verhalten zu Beginn noch mit ihrem Stand als unverheiratete Tochter begründen, für die im Mittelalter noch das Ideal gemäßigten Sprechens galt, wie es etwa Thomasîn von Zerclaere in seinem Lehrgedicht Der Welsche Gast formuliert:

Eine juncvrouwe sol senfticlîch

und nicht lût sprecchen sicherlîch.

...

ein vrouwe sol selten iht

sprechen, ob mans vrâget niht.[12]

Auch in der höfischen Gesellschaft gilt die Schweigsamkeit der Frau als ein Ausweis ihrer der Tugendhaftigkeit. Diese Rollenverteilung hat das Geschlechterverhältnis des Abendlandes geprägt und fußt auf den Quellen des Alten Testaments:

Wie in allen Gemeinden der Heiligen lasset eure Weiber schweigen in der Gemeinde; denn es soll ihnen nicht zugelassen werden, daß sie reden, sondern sie sollen untertan sein, wie auch das Gesetz sagt. Wollen sie etwas lernen, so lasset sie daheim ihre Männer fragen. Es steht den Weibern übel an, in der Gemeinde zu reden. Oder ist das Wort Gottes von euch ausgekommen? Oder ist's allein zu euch gekommen?[13]

Problematisch wird Enites Schweigen hingegen, nachdem sie bereits zur Königin ernannt wurde und somit ihren Pflichten als Regentin nachkommen muss. Es ergibt sich eine Diskrepanz zwischen ihrem kommunikativen Verhalten und ihrem sozialem Stand, wie Britta Bussmann bemerkt:

So verbleibt Enite, obwohl sie ihrem Rang nach verheiratet und dadurch Königin ist, sprachlich betrachtet zunächst auf der Ebene der unverheirateten Tochter, indem sie dem Ideal des Schweigens folgt.[14]

Was Bussmann dabei jedoch unterschlägt ist, dass es sich nach Thomasin auch für die verheiratete Frau ziemt, schweigsam zu sein, lediglich wenn sie adressiert wird, soll sie antworten.[15] Enites Verhalten entspräche dem Autor zufolge also immer noch den höfischen Standards.

Im direkten Vergleich mit Ginovers Auftreten als Herrscherin schon in der Exposition des Romans fällt jedoch auf, wie stark deren Verhalten sich von Enites unterscheidet. Es scheint nun fasst so, als bezöge sich Hartmann auf den oben angerissenen misogynen Diskurs, indem er eine Neubewertung der Rolle der Frau vornähme, der er eine für seine Zeit unübliche kommunikative Präsenz einräumt.

Es bleibt jedoch zu bedenken, dass Hartmanns Roman und Thomasins Abhandlung nicht zeitgenössisch entstanden sind, Hartmann sich also nicht unmittelbar auf Thomasins Text beziehen kann:

Die Tatsache, daß die großen Romane und Epen der »Blütezeit« um 1200 fast alle vor oder allenfalls etwa gleichzeitig mit den allerersten Tugend- und Verhaltenslehren entstanden sind, macht ihr Verhältnis zueinander erneut dem der parole und langue vergleichbar: Das virtuelle Regelsystem, das gesprochener Sprache zugrunde liegt wird immer erst dann mit Grammatiken und Wörterbüchern auch selbst versprachlicht, wenn die damit produzierten Sätze schon lange zu komplexen sprachlichen Gebilden zusammengefügt und (meist auch) verschriftlicht worden sind.[16]

Was Ehlert jedoch nicht bemerkt ist, dass die in Hartmanns Erec vertretenden Positionen, denen, die später von Thomasin festgehalten werden, zum Teil diametral entgegengesetzt sind.

2.3 Ginover – die ideale Herrscherin als soziale Rolle

Hartmann verschiebt den Fokus innerhalb des Herrscherpaares Artus/Ginover explizit auf die Königin, und wählt damit eine ungewöhnliche Perspektive, da Artus kaum als Herrscher in Erscheinung tritt, sondern besonders zu Beginn der Erzählung eher durch Abwesenheit und Passivität auffällt.[17] Die Heraushebung von Ginovers Rolle ermöglicht es auch, Enites Verhalten mit dem ihrem zu vergleichen, da ihr beider Stand und somit auch ihre Verpflichtungen ähnlich sind. Auffällig ist, dass Ginovers Redeanteile klar die von Artus überwiegen:

Wirklich entscheidend akzentuiert wird Ginovers Sprechen allerdings erst im Vergleich mit ihrem Mann. Resultierend daraus, dass Hartmann aus seiner Vorlage fast alle direkten Redeszenen des Königs getilgt hat, wirkt Artus nämlich neben seiner Frau oft geradezu stumm: seine Rede wird entweder nur indirekt wiedergegeben oder er kommuniziert mir Zeichen.[18]

Festzuhalten bleibt allerdings, dass Artus’ Passivität durchaus als eine Gattungskonstante des arturischen Romans gilt. Von einem durch die Frau regierten Staat zu sprechen wäre hier also zu weit gegriffen, obwohl Ginover aktiver erscheint als ihr Mann. Außerdem erscheint mir die Feststellung, Hartmanns Intention sei es, „Sprache zum Merkmal weiblichen Herrschaftshandelns“[19] zu stilisieren etwas über das Ziel hinausgeschossen, drückt sich doch das Handeln als RegentIn immer zunächst verbal, im Erteilen von Anweisungen aus. Festhalten kann man jedoch, dass Enites Verhalten in Karnant zu Ginovers Aktivität als idealer Herrscherin in starkem Kontrast steht. Ein Vergleich beider legt nahe, dass Enites Versagen vor allem ein kommunikatives ist, da sie ihre Pflichten als Herrscherin zugunsten ihres Privatlebens vernachlässigt hat, die Kommunikation sowohl ihrem Mann auch als auch dem Hofe verweigert hat.

[...]


[1] Albrecht Classen: Woman speak up at the Medieval Court: Gender Roles and Public Influence in Hartmann von Aue’s ERec and Gottfried von Strassburg’s Tristan and Isolde. In: Ders.: The Power of a Womans’s Voice in Medieval and Early Modern Literature. Berlin (u.a): de Gruyter, 2007, S. 72.

[2] Vergleiche hierzu Matias Martinez, Michael Scheffel: Einführung in die Erzähltheorie. München: Beck, 20034, S. 139.

[3] Zweifelsohen wird mit dem verligen des Paares dessen leidenschaftliches erotisches Verhältnis angedeutet. Trotzdem meint Erecs Hinwendung zum gemache auch den allgemeinen Müßiggang, was in der Forschung oft zu gerne übersehen wird.

[4] Silvia Ranawake Erec’s verligen and the Sin of Sloth. In: Timothy McFarland (u.a.) (Hrsg.): Hartmann von Aue. Changing Perspectives. London Hartmann Symposium 1985. Göppingen: Kümmerle, 1988, S.98-99.

[5] Vgl. Erec, V. 2972-2990

[6] Ebd., V. 3038.

[7] Ebd. V. 3064-3066 .

[8] Erec, V. 3093-3102.

[9] Eva Willms: Ez was durch versuochen getân. Überlegungen zu Erecs und Enîtes Ausfahrt bei Hartmann von Aue. In: Orbis Litteratum 52 (1997), S. 61f.

[10] Bruno Quast: Getriuwiu Wandelunge. Ehe und Minne in Harmanns ’Erec’. In: Zeitschrift für deutsches Altertum und Literatur, 122 (1993), S. 171.

[11] Vgl. Joachim Bumke: Der „Erec“ Hartmanns von der Aue. Eine Einführung. Berlin 2006, S. 120-123.

[12] Heinrich Rückert (Hrsg.): Thomasin von Zerklaere, der Welsche Gast. Berlin 1965, v. 405f. und v. 465f.

[13] 1. Korinther 14, 34 bis 14, 36. Zitiert nach http://www.bibel-online.net/buch/46.1-korinther/14.html#14,26.

[14] Britta Bussmann: Dô sprach diu edel Künegîn ... Sprache, Identität und Rang in Hartmanns ‚Erec’. In: Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur, 134 (2005), S. 17.

[15] Siehe Fußnote 12.

[16] Trude Ehlert: >Ein vrouwe sol niht sprechen vil<: Körpersprache und Geschlecht in der deutschen Literatur des Hochmittelalters. In: Dies. (Hrsg): Chevaliers errants, demoiselles el l’Autre: höfische und nachhöfische Literatur im europäischen Mittelalter. Göppingen: Kümmerle, 1998, S. 162.

[17] Bezeichnend ist schon die erste Szene des Erec, die expositionell das Thema der Kommunikation vorstellt, in der nicht etwa Artus zugegen ist, sondern Ginover in einer Stellvertreterposition die Pflichten ihres Gatten übernimmt, indem sie versucht, Iders in den kommunikativen Verbund des Artushofs einzugliedern. Der zweite Auftritt Artus’ erfolgt nach dessen Rückkehr von der Hirschjagd, aus der als Sieger hervorging. Wieder ist es Ginover, die ihren Gatten erst über die Vorfälle ins Bilde setzen muss und ihn dann bittet, mit der Einforderung seines Lohnes, das hübscheste Mädchen am Hof zu küssen, so lange zu warten, bis es Nachricht von Erec gibt. Vgl. Erec, v. 1116-1149.

[18] Britta Bussmann: Dô sprach diu edel Künegîn ... Sprache, Identität und Rang in Hartmanns ‚Erec’. In: Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur, 134 (2005), S. 12.

[19] Ebd., S. 13.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Zur Bedeutung weiblicher Rede im "Erec" Hartmanns von Aue
Untertitel
Eine Untersuchung des kommunikativen Verhaltens der Enite
Hochschule
Technische Universität Berlin  (Institut für Deutsche Philologie)
Veranstaltung
Der Erec Hartmanns von Aue
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
26
Katalognummer
V180170
ISBN (eBook)
9783656030430
ISBN (Buch)
9783656030805
Dateigröße
612 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bedeutung, rede, erec, hartmanns, eine, untersuchung, verhaltens, enite, hartmann von aue, weibliche rede
Arbeit zitieren
Julia Linda Schulze (Autor), 2008, Zur Bedeutung weiblicher Rede im "Erec" Hartmanns von Aue, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180170

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