Germanistische Linguistik: VP-interne Subjekte


Studienarbeit, 2005

30 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Zur X-bar Theorie

3. Die Struktur von VP

4. Die SpecIP-Position nicht die Basisposition für Subjekte?

5. Die Argumente für die Hypothese VP-interner Subjekte

6. Wodurch ist die Bewegung des Subjekts nach SpecIP bedingt?

7. Theoretische Konsequenzen der Hypothese VP-interner Subjekte

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der vorliegenden Arbeit will ich der Hypothese VP - interner Subjekte nachgehen; diese trägt mit sich interessante Behauptungen.

Um sich in das Thema „VP - interne Subjekte“ vertiefen zu können, ist es sinnvoll zum Anfang auf die Grundlage der Struktur einer Phrase (X-bar-Theorie), anhand des X-bar Schemas dargestellt, einzugehen; dies soll nämlich ebenfalls mit Hilfe der Abbildungen (siehe s. 4-6), dank denen man der Bewegung der Satzglieder folgen kann, die notwendige Übersicht verschaffen, und damit eine verständliche Fortsetzung des Themas sichern.

Von dem X-bar Schema (im Rahmen der X-bar Theorie), das den ersten Eindruck vom Aufbau und der Ausstattung aller Phrasen vermittelt, komme ich weiter gezielt zu der Verbalphrase (VP). Dies ist um so wichtiger, denn wie schon alleine das Thema meiner Arbeit lautet, handelt es sich hier um Subjekte innerhalb der VP. Und weil man im ersten Abschnitt dieser Arbeit schon über die Projektionsstufen im Satz aufgeklärt wurde, ist es weiterhin übersichtlicher, sich nur die Zusammensetzung der Verbalphrase anzusehen.

Die VP besteht aus Verb und weiteren Elementen, auf die ich eingehen werde. Es ist im Voraus darauf aufmerksam zu machen, dass das Subjekt ebenfalls als Teil der Verbalphrase angesehen wird. Die Frage ist: ob es auch in der Spezifikatorposition der VP basisgeneriert wird? Wenn es so ist, dann kann die IP nicht die Basisposition des Subjektes sein. Daraus ergeben sich weitere Fragen: kommt das Subjekt erst später in die IP?, was ist der Grund dieser Bewegung? Mögliche Antworten werden in den Argumenten für die Hypothese der VP-internen Subjekte gesucht, denn diese sind weiterhin unter anderem mit der „Thetamarkierung des Subjekts“ und „der gefloateten Quantoren“ verbunden, auf die ich ebenfalls ausführlich eingehen werde.

Als nächstes ist es wichtig ausfindig zu machen, ob jedes Subjekt nach IP jeweils in die Spezifikatorposition bewegt werden muss, und wenn nicht, was sind das für Subjekte, die in die IP versetzt werden müssen? In diesem Abschnitt kommt man der Kasustheorie sehr nahe und ebenfalls allein der Form des Subjekts; hier sind die Meinungen umstritten. Grewendorf behauptet, dass das Subjekt eines finiten Satzes nach SpecIP bewegt werden muss, weil es dort über Spezifikator-Kopf Kongruenz den Nominativ zugewiesen bekommt; bezieht sich die Behauptung aber auf alle Subjekte? Yoshida ist der Meinung, dass das Subjekt entweder in der VP bleiben kann oder in die Spezifikator-Position von I° (=Flexion und Tempus) bewegt werden kann; und wenn es tatsächlich so ist, warum kann das Subjekt in der VP bleiben?

Die Hypothese VP-interner Subjekte hat eine Reihe von theoretischen Konsequenzen, die ich mir auch ansehen möchte; denn dabei bleibt zunächst unklar, ob mit dieser Hypothese VP-interner Subjekte zu meinen ist, dass alle Subjekte, die sich auf der syntaktischen Oberfläche in SpecIP befinden, abgeleitete Subjekte sind oder nicht? Ist die Position des Subjekts, d.h. die SpecIP, eine A-Position (abgeleitete, L-bezogene Position)?

Diese und andere Fragen kommen zum Vorschein, wenn man in das Thema tiefer eindringt, und diese Fragen versuche ich in meiner Arbeit zu beantworten.

2. Zur X-bar Theorie

Die X-bar Theorie ist das theoretische Konzept im Rahmen der generativen Transformationsgrammatik zur Beschränkung der Form von kontextfreien Phrasenstrukturregeln. Diese vor allem von Chomsky sowie von Jackendoff und Stowell entwickelte Theorie geht von folgenden Prämissen aus:

„-Sämtliche syntaktisch komplexen Kategorien aller natürlichen Sprachen (NP, VP, PP etc.) sind nach allgemeinen (universellen) Strukturprinzipien aufgebaut

-alle lexikalischen Kategorien lassen sich auf der Basis eines begrenzten Inventars universeller syntaktischer Merkmale wie [+/- NOMINAL] und [+/- VERBAL] definieren, z.B. Verb = [+VERBAL, -NOMINAL], Adjektiv = [+VERBAL, +NOMINAL]

-alle syntaktischen Kategorien lassen sich hinsichtlich verschiedener Komplexitätsebenen unterscheiden. Dabei werden die Phrasen (NPs, VPs, PPs, etc. als Kategorien des Typs N, V, bzw. P etc. von maximaler Komplexität angesehen. Minimal komplex sind die lexikalischen Kategorien des Typs N, V, P etc. Dazwischen gibt es weitere Ebenen wie z.B. Liebe Gottes, die weder Maxima komlex, weil zur NP die Liebe Gottes erweiterbar, noch minimal komlex, weil nicht lexikalisch sind” (siehe www.uni-trier.de/uni/fb2/ldv/ldv_wiki/index.php/X- Bar-Theorie).

Darüber hinaus wird man nun weiter zu der Grundlage der Struktur jeder Phrase geführt, die in der folgenden Abbildung zu sehen ist:

X-bar-Schema: Ein erweitertes X-bar-Schema sieht wie folgt aus aus:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Projektionsstufen (erweiterbar = Phrasen sind auf mehr als zwei Ebenen gegliedert) werden mit Kategorien N, V, P besetzt. Nun als Beispiel folgendes allgemeines Schema

der Phrasenstruktur:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nach der X-bar Theorie (vgl. Fanselow & Felix, 1987: 51) enthält jede Phrase genau einen Kopf, der zusammen mit dem Komplement die nächsthöhere Kategorie X’ bildet. X’ verbindet sich wiederum mit dem Spezifikator zu X”(XP). Daraus ergibt sich das Kopfprinzip wie folgt: X —> X’—> XP. Dies besagt, dass der Kopf einer Phrase eine terminale Kategorie ist, genauer gesagt, eine lexikalische Kategorie, die einerseits ihre Eigenschaften auf den sie dominierenden Knoten „projiziert“ überträgt und andererseits nicht weiter verzweigt wird. Die höchste Projektionsebene (XP) ist die maximale Projektion (Xmax) der lexikalischen Kategorie, die eine syntaktisch funktionsfähige Konstituente, d.h. mögliches „Satzglied“, ist.

In der Abbildung 3 sind jeweils die Bezeichnungen für die einzelnen Positionen in der Struktur in eckigen Klammem angegeben: den Kopf der Phrase bildet das obligatorische Element, das Komplement ist die Ergänzung auf der untersten Ebene und der Spezifikator auf der obersten. YP, XP und ZP bilden Variablen für Phrasen wie NP, VP, AP, PP (vgl. Ramefs 2000: 47). Der Spezifikator ist die direkte Tochter von X”(XP) und im Fall von V als Kopf gleichgesetzt mit dem, was traditionell als Subjekt bezeichnet wird. Komplemente sind aufgrund der Subkategorisierungseigenschaften (Subkategorisierung ist die Eigenschaft von Konstituenten, bestimmte andere Konstituenten in ihrer Umgebung zu fordern) einzelner Wörter notwendig und im Fall von V-Projektion gleichgesetzt mit dem, was traditionell als Kasusregierendes Objekt bezeichnet wird.

Aufgrund des allgemeinen Projektionsschemas (siehe Abbildung 1) wird das Verb als Kopf der Projektion angenommen. Demzufolge wird die Beziehung zwischen dem Subjekt, Verb und Objekt folgendermaßen aufgefasst: Das Subjekt hängt wie das Komplement vom Verb ab. Das Komplement (Aktant) ist, zusammen mit einem V, von V’ dominiert, und das Subjekt ist, zusammen mit einem V’, von V” dominiert (vgl. Fanselow & Felix, 1987: 57). Das Komplement ist enger mit dem Verb als das Subjekt verbunden. Die lineare Abfolge von Komplement und Kopf sowie Spezifikator und Kopf ist nicht allgemein festgelegt.

Der Beispielsatz „Ich fand Arbeit“ in der folgenden Abbildung lässt sich im X- bar Schema wie folgt darstellen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Satz (Ich fand Arbeit) wird nun zum erweiterten Satz „Ich fand Arbeit an einem privaten Nachhilfe-Institut. Dabei hat der erweiterte Satz den gleichen syntaktischen Stellenwert wie der Satz „Ich fand Arbeit:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Satzglied an einem privaten Nachhilfe-Institut ist als Adverbialbestimmung eine lokale Angabe und wird an V’ adjungiert. Das Satzglied Arbeit (Komplement zum Verb und kann nicht weggelassen warden = obligatorischer Aktant) ist von einer Leerstelle besetzt, die vom Verb finden eröffnet wird. Im Unterschied zum Komplement sind Adjunkte (freie Angaben) vom Verb nicht gefordert, also frei hinzufugbar, und modifizieren semantisch den Satz. Dementsprechend werden Komplemente und Adjunkte (verändern nicht die Projektionsebene) in unterschiedlicher Position angesetzt, wobei sie eindeutig voneinander abzugrenzen sind. Das Adjunkt an einem privaten Nachhilfe-Institut wird an V’ angehängt wie auch mögliche weitere Adjunkte, die rekursiv unbeschränkt eingebettet werden können. Das Komplement, das aufgrund der Subkategorisierungseigenschaften vom Verb gefordert wird, steht neben dem Verb in der VP.

Falls eine zweite Komplementstelle eines Verbs im Satz vorkommen soll, wird dafür eine Projektionsebene erhöht. Bei dem zweiten V’- Knoten handelt es sich um eine zusätzliche Komplementmutter. Dieser Knoten wird mit V” bezeichnet. Am Beispielsatz „Er gab jedem Schüler ein leeres Blatt“ wird das direkte Objekt ein leeres Blatt an V’ und das indirekte Objekt jedem Schüler an V” unterschiedlich positioniert

(vgl. www.bieson.ub.uni-bielefeld.de/volltexte/2004/583/pdf/ Sangheedis.pdf).

Die darunter dargestellte Form des X-bar Schemas kann als die Standardversion angesehen werden, die den meisten generativistischen Arbeiten zugrunde liegt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diese Version lässt dennoch eine Reihe von wichtigen Fragen unbeantwortet. Zunächst ist zu überlegen, ob Xmax stets mit X” gleichzusetzen ist, oder ob es Sprachen bzw. Kategorien gibt, in denen Xmax mehr als zwei Querstriche aufweisen kann (vgl. Gisbert Fanselow, Sascha W. Felix: Sprachtheorie 2. Die Rektions- und Bindungstheorie, 1987 Tübingen).

Die Darstellung des X-bar Schemas im Rahmen der X-bar Theorie gibt die Möglichkeit, den Projektionsebenen im Satz näher zu kommen und darunter vor allem der Kategorie „Subjekt“, die die ganze Arbeit „begleitet“.

Bevor ich zu der Hypothese VP- interner Subjekte übergehe, möchte ich kurz in dem nächsten Abschnitt auf die Struktur der Verbalphrase eingehen, die die internen Subjekte enthalten soll.

3. Die Struktur von VP

Nun handelt es sich um die Verbalphrase, die schon in dem X-bar Schema (siehe s. 7) abgebildet wurde. Dazu kurz folgendes Allgemeines: Sätze sind hierarchisch organisiert. Ihre syntaktischen Bestandteile werden Konstituenten genannt. Konstituenten bestehen aus Phrasen, die einheitlichen Schemata folgen.

Wenn man dieses Schema von oben nach unten betrachtet, zergliedert sich eine Phrase in ihren Kopf, der seine lexikalischen Eigenschaften an die ganze Phrase vererbt, weiterhin in seine notwendigen und seine fakultativen Begleiter. Solche Begleiter sind (fast) ausnahmslos ebenfalls Phrasen. Und zu so einer, auf diese Art und Weise dargestellten Phrase gehört ebenfalls auch die Verbalphrase (vgl. http://www.linguistics.ruhr-uni-bochum.de/~rudolph/psg3.pdf).

Diese nun angesprochene Verbalphrase ist eine syntaktische Kategorie, die im Rahmen der generativen Transformationsgrammatik als unmittelbare Konstituente des Satzes fungiert und obligatorisch ein Verb enthält. Je nach der Valenz des Verbs variiert Zahl und Art der (obligatorischen) Ergänzungen (Objekt bzw. Adverbial). Außerdem ist eine beliebige Anzahl von freien Angaben möglich

(siehe: www.uni-trier.de/uni/fb2/ldv/ldv_wiki/index.php/Verbalphrase und vgl. die Abbildung 4 und 5).

Das alles heißt, dass die Verbalphrase in der Linguistik eines der Elemente eines Satzes ist, die aus dem Verb und weiteren Elementen wie Nominalphrasen und Präpositionalphrasen besteht (vgl. www.lexikon.freenet.de/Verbalphrase), und somit auch die Hauptkonstituente des Satzes neben der NP ist.

In der Verbalphrase regiert das Komplement hinsichtlich weiterer obligatorischer Ergänzungen (zu denen als Subklasse Akkusativ-, Dativ-, Präpositional-, und Genitivobjekt gehören).

[...]

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Germanistische Linguistik: VP-interne Subjekte
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig  (Deutsche Sprache und Literatur)
Veranstaltung
Die Syntax des einfachen Satzes
Note
2,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
30
Katalognummer
V180338
ISBN (eBook)
9783656030188
ISBN (Buch)
9783656030560
Dateigröße
869 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
germanistische, linguistik, vp-interne, subjekte
Arbeit zitieren
Sylwia Tomaszczyk Arantes (Autor), 2005, Germanistische Linguistik: VP-interne Subjekte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180338

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