Martha C. Nussbaums Verteidigung des aristotelischen Essentialismus

Eine Zusammenfassung über die vage Theorie des Guten


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsdefinitionen, Problematik und Ziel des Textes

3. Nussbaums starke vage Theorie des Guten – Empirische Grundlage einer globalen Ethik
3.1. Die Grundlagen der starken vagen Theorie des Guten
3.2. Die beiden Ebenen der starken vagen Theorie des Guten
3.3. Mitleid und Achtung als basale Elemente der starken vagen Theorie des Guten – Kritik am Subjektivismus
3.4. Resümee über Nussbaums Konzeption

4. Die Auseinandersetzung des Essentialismus mit dem Subjektivismus
4.1. Holmer Steinfath – Ein Subjektivistischer Standpunkt
4.2. Moralischer Subjektivismus als Ergänzung zum Essentialismus?

5. Schluss

Literatur

1. Einleitung

In der vorliegenden Hauptseminarsarbeit soll der Text „Menschliches Tun und soziale Gerechtigkeit – Zur Verteidigung des aristotelischen Essentialismus“ von Martha C. Nussbaum behandelt werden.

Nach einer kurzen Herleitung ihres grundlegenden Gedankens aus dem Essentialismus von Aristoteles, folgt eine Erläuterung ihrer Theorie, die diese auch kritisch beleuchten soll. Im nächsten Punkt steht die Gegenüberstellung mit einem Text, der die Frage nach dem guten Leben aus einem subjektiven Blickwinkel betrachtet im Mittelpunkt, um die Differenzen der beiden Sichtweisen herauszuarbeiten.

Abschließend wird versucht, die Frage zu beantworten, ob Nussbaums Theorie überhaupt ausreichend ist, um dadurch ein gutes Leben bestimmen und garantieren zu können.

Martha Nussbaum lehrt seit 1999 an der University of Chicago Recht und Ethik.[1] Sie ist eine der „profiliertesten Philosophinnen der Gegenwart“[2] und erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Gemeinsam mit Amarty Sen entwickelte sie den „capability approach“ (Fähigkeiten-Ansatz), welcher in diesem Aufsatz eine zentrale Rolle spielt.

2. Begriffsdefinitionen, Problematik und Ziel des Textes

Zu Beginn scheint es sinnvoll, sich kurz mit dem Begriff des aristotelischen Essentialismus auseinanderzusetzen, da Nussbaum diesen zwar nicht direkt übernimmt, jedoch ihre Auffassung von diesem Begriff ableitet. Zudem gibt es mehrere verschiedene philosophische Strömungen, die den Begriff Essentialismus benutzen und denen ebenfalls Aristoteles’ Gedanken zugrunde liegen.[3]

Sie selbst macht deutlich, dass für sie die originalen Werke des Aristoteles ausschlaggebend und grundlegend sind und distanziert sich von den im Mittelalter bearbeiteten Schriften des Aristoteles.[4] Daher soll hier nicht die thomistische Tradition von Interesse für die Definition des Begriffs des aristotelischen Essentialismus sein, sondern die Definition nach Aristoteles im klassischen Sinne.

Den Gedanken eines elementaren Kerns aller Dinge, der das wesentlichste und eigentlichste Sein eines jeden Wesens oder Dinges ist, stammt ursprünglich von Platon. Nach ihm existiert dieses Essentielle des Seienden in der transzendenten Ideen-Welt.

Aristoteles greift diese These auf und entwickelt sie weiter: nicht außerhalb der Existenzen, sondern innerhalb der Wesen und Dinge selbst ist der essentielle Kern eines jeden einzelnen enthalten und nicht vom Individuum zu trennen.

Nussbaum legt diese Überlegung ihrer eigenen Theorie zu Grunde; essentiell gesehen kann, wenn jedes Individuum, Wesen oder Ding einen allein für ihn spezifischen und kennzeichnenden Kern in sich trägt, auch das menschliche Leben als solches einen essentiellen Kern besitzen, der es auszeichnet und erkennbar macht. Auf dieser Überlegung basierend formuliert sie folgende Definition des Essentialismus: „Das menschliche Leben besitzt bestimmte zentrale und universale Eigenschaften, die es kennzeichnen.“[5]

Diese Eigenschaften versucht sie in dem hier bearbeiteten Text in Form ihrer starken vagen Theorie des Guten aufzulisten, um damit eine empirische Grundlage für den Umgang mit Menschen in verschiedenen Kulturen und deren Stellungen in der jeweiligen Gesellschaft zu geben – immer mit der Frage vor Augen, ob das geführte Leben als ein gutes bezeichnet werden kann oder nicht.

Ziel ist es, durch diese starke vage Theorie des Guten der Unterdrückung und Benachteiligung bestimmter Bevölkerungsgruppen und Gesellschaftsschichten die moralische Verankerung zu nehmen, durch die sie im Allgemeinbewusstsein der jeweiligen Gesellschaft legitimiert wird und dadurch den Menschen ein gutes Leben zu sichern. Ob und inwiefern ihr dies gelingt, wird sich zeigen.

3. Nussbaums starke vage Theorie des Guten – Empirische Grundlage für eine globale Ethik

Der Grundentwurf der starken vagen Theorie besteht aus zwei Ebenen oder auch Schwellen, die jeweils markieren sollen, ab wann ein Leben als ein menschliches betrachtet werden kann (1. Ebene) und ab wann man von einem guten menschlichen Leben spricht (2. Ebene). Bei beiden Ebenen handelt es sich um Listen mit allgemeinsten Bestandteilen des menschlichen Lebens, die sich auf jedes Individuum übertragen lassen, da sie auf Grund ihres essentiellen Charakters völlig unabhängig vom jeweiligen kulturellen und sozialen Umfeld (also global) anwendbar sind.

Dies ist für Nussbaum die unerlässliche Grundlage zu einer möglichst objektiven Beurteilung der Lebensumstände der jeweiligen Individuen.

So versucht sie auf empirische Weise dem guten menschlichen Leben eine einheitliche Grundstruktur zu geben und ein zu erfüllendes Mindestmaß an erforderlichen Gegebenheiten zu entwickeln. Dabei betont sie, dass die von ihr zusammengestellten Listen der ersten und zweiten Ebene keineswegs vollständig und auch beliebig (also je nach Kulturkreis, Zeit, Gesellschaftsform, etc.) erweiterbar sind. Dadurch ist man in der Lage, flexibel auf Veränderungen und andersartige Kulturkreise zu reagieren.

Wie sich dieses Modell genau zusammensetzt, und welche Probleme dadurch entstehen, soll in den folgenden Punkten erörtert werden.

3.1. Die Grundlagen der starken vagen Theorie des Guten

Nussbaum konzipiert ihr 2-Stufen-Modell in zwei Schritten:

1. Sie legt eine Definition der wichtigsten Funktionen des menschlichen Lebens fest.
2. Im Bezug auf diese Definition stellt sie dann die Frage, ob die sozialen und politischen Institutionen einer Gesellschaft den Anforderungen gerecht werden, die daraus resultieren.

Dabei richtet Nussbaum ihr Hauptaugenmerk auf die Zwecke, die Gesamtgestalt und den Inhalt der menschlichen Lebensform und nicht darauf, die Liste der menschlichen Grundgüter einzuschränken.[6] Ihre Theorie beruht auf zwei Fakten:

1. Dass man sich gegenseitig als Menschen anerkennt, ungeachtet der zeitlichen Epoche oder dem Ort, an dem das jeweilige Leben stattfindet.
2. Dass bestimmte Eigenschaften vorhanden und intakt sein müssen, um eine menschliche Lebensform als solche (an-)zuerkennen.

Wie bereits erwähnt, betont Nussbaum, dass ihre Darstellung unvollständig und die angelegte Liste unendlich ist. Dies lässt Raum für Erweiterungen durch den Gewinn neuer Erkenntnisse und verhindert eine Herabwertung anderer Gesellschaften mit anderen Vorstellungen.

Wenn die Liste unendlich, und wenn sie beliebig erweiterbar ist, stellen sich allerdings einige Fragen: nach welchen Kriterien kann/ soll man solche erweiternden Punkte auswählen, bzw. festlegen? Wer ist überhaupt befugt, diese Erweiterungen vorzunehmen? Und anhand welcher Kriterien werden bestimmte Menschen dazu ermächtigt, diese Liste fortzuführen?

In Anbetracht dessen, dass Nussbaum eine globale Ethik mit ihrer Theorie als Basis entwickeln möchte, erscheinen diese Fragen als nicht gerade unerheblich und bedürfen der Klärung. Sie werden von ihr in dem vorliegenden Text allerdings nicht behandelt.

3.2. Die beiden Ebenen der starken vagen Theorie Guten

1. Ebene der starken vagen Konzeption (oder 1. Schwelle)

Diese Liste besteht aus zwei Arten von Punkten: Grenzen und Fähigkeiten. Nussbaum bezeichnet sie als „Minimalkonzeption des Guten“.[7] Ein menschliches Leben ohne diese Fähigkeiten wäre kaum als menschlich und überhaupt nicht als ein gutes menschliches Leben zu betrachten. Sie geben ein empirisches Ausschlussverfahren an die Hand, was überhaupt als menschlich betrachtet werden kann.

[...]


[1] http://www.law.uchicago.edu/faculty/nussbaum/

[2] http://www.oeaw.ac.at/shared/news/2007/press_inf_20071204.html

[3] Wulff Rehfus (Hrsg.): Handwörterbuch der Philosophie. Göttingen 2003, S. 340-341.

[4] Martha C. Nussbaum: Menschliches Tun und soziale Gerechtigkeit. In: Holmer Steinfath (Hrsg.): Was ist ein gutes Leben? Frankfurt a. M. 1998, S. 202.

[5] Vgl.: Nussbaum, S. 201.

[6] Nussbaum, S. 207/ 208.

[7] Nussbaum, S. 212.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Martha C. Nussbaums Verteidigung des aristotelischen Essentialismus
Untertitel
Eine Zusammenfassung über die vage Theorie des Guten
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Philosophisches Institut)
Veranstaltung
Das gute Leben und das gute Sterben
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
17
Katalognummer
V180497
ISBN (eBook)
9783656033479
ISBN (Buch)
9783656033783
Dateigröße
493 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
aristotelisch, Essentialismus, Nussbaum, angewandte Ethik, Ethik, Gegenwartsphilosophie, Steinfath, vage Theorie des Guten, starke vage Theorie des Guten, Minimalkonzeption des Guten, capability approach, globale Ethik
Arbeit zitieren
M. A. Jasmine Massler (Autor), 2010, Martha C. Nussbaums Verteidigung des aristotelischen Essentialismus , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180497

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