„Ich bin viele“. Soziale Identität und soziale Identitätstheorie am Beispiel studierender Soldaten


Hausarbeit, 2011
14 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Identität

3. Soziale Identität
3.1 Definition
3.2 Die Theorie der sozialen Identität
3.2.1 Kategorisierung
3.2.2 Identifikation
3.2.3 Sozialer Vergleich
3.2.4 Soziale Distinktheit

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

6. Onlinequellenverzeichnis

1. Einleitung

Identität ist allgegenwärtig. Diskussionen über nationale, ethnische oder sexuelle Identität füllen viele Seiten der Tages- und Wochenzeitungen. Auch in den verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen wie Psychologie, Pädagogik, Soziologie, Neurowissenschaften, Medizin werden Themen der persönlichen und sozialen Identität beleuchtet.[1] Denn das Verhalten von Menschen zueinander wird von diversen Faktoren beeinflusst: von frühkindlichen bis hin zu aktuellen Erfahrungen, von Bedürfnissen, Wünschen und Ängsten. Diese Elemente bedingen, wie sich ein Mensch zu einem anderen Menschen gibt und verhält. Die Person an sich steht dabei nie alleine, sie ist nie nur von sich selbst geprägt. Die Entwicklung des Menschen ist die Entwicklung von Gruppen auf deren Basis erst das Individuum entstehen konnte. So bestimmt die jeweilige Gruppe oder auch mehrere Gruppen der die Einzelperson angehört, zu einem gewissen Grade, wie sie handelt, reagiert und auftritt (vgl. Abels 2010, S. 255). Dies ist gerade in Bezug auf den studierenden Soldaten der deutschen Bundeswehr besonders relevant und interessant. Der junge Offizier oder Offizieranwärter, meist im Alter zwischen 20 und 30 Jahren, findet sich insbesondere im Zeitraum seines Studiums in diversen, teilweise scheinbar nicht zusammenpassenden Gruppen wieder. Resultierend daraus entsteht in einigen Fällen eine „Unsicherheit“ über die tatsächliche Zugehörigkeit und die damit verbundene (soziale) Identität.

Angelehnt an das Seminar „Subjektwerdung und Vergesellschaftung im historischen Prozess. Sozialisation, Identität und gesellschaftliche Modernisierung“ soll sich diese Arbeit nicht mit den häufig in der Wissenschaft betrachteten Instanzen für die Bildung und Prägung der Identität, beispielsweise der Familie, der Schule oder dem Beruf beschäftigen, sondern hauptsächlich den sozialen Aspekt, also die Identität in Bezug auf Gruppen fokussieren. Grundlage und gleichzeitig Ziel ist es nicht, das im Seminar vorgetragene Referat zum Text „Alltägliche Identitätsarbeit und Kollektivbezug“ von Wolfgang Kraus zu replizieren, sondern den darin angesprochenen Aspekt der sozialen Identität in dieser Hausarbeit aufzugreifen und die bekannteste Theorie „die soziale Identitätstheorie“ mit Bezugnahme auf die Teilnehmer des Seminars, also die studierenden Offiziere, zu erläutern um dadurch das Phänomen der angesprochenen unsicheren oder undifferenzierten Empfindung der eigenen (sozialen) Identität zu veranschaulichen und zu verdeutlichen.

Dazu ist es unvermeidbar, sich über die Grenzen der Pädagogik hinaus zu bewegen und andere Disziplinen wie die der Soziologie und Psychologie, insbesondere der Sozialpsychologie, bei der Bearbeitung der sozialen Identitätsentwicklung einzubinden. Des Weiteren ist anzumerken, dass es sich besonders im Fall der Bezugnahme auf studierende Soldaten um Verallgemeinerungen handelt und diese gegebenenfalls nicht auf jeden Soldaten zutreffen. Da es im alltäglichen Umgang unter Soldaten üblich ist, die weibliche Form bestimmter Begriffe wie ‚Soldat‘, ‚Offizier‘ oder ähnlichem nicht explizit zu erwähnen, wird auch in dieser Arbeit auf eine geschlechterspezifische Differenzierung und Schreibweise verzichtet.

2. Identität

Jeder Mensch stellt sich irgendwann im Laufe des Lebens die Frage nach „Wer bin ich?“ Diese Frage nach der eigenen Identität ist von existenzieller Bedeutung. Der Mensch kann nur dann die Handlungsorientierung behalten, wenn er ein Konzept von sich selbst hat und in diesem Zusammenhang das „Warum?“, „Wozu?“ und „Woher?“ beantworten kann. Um im nachfolgenden Kapitel mit dem Begriff der sozialen Identität fortfahren und dem weiteren Verlauf der Arbeit folgen zu können, ist es zunächst notwendig den Begriff der Identität zu klären.

Den Identitätsbegriff in einer einheitlichen Definition oder aus einer Perspektive heraus zu beschreiben, ist aufgrund der Komplexität dieses Konstrukts kaum möglich. Da die Diskussion des Identitätsbegriffs allein ausreichend Stoff für eine Hausarbeit zu diesem Thema liefert, sollen die wichtigsten Inhalte des Diskurses kurz skizziert werden, um so eine Basis für die anschließende Thematisierung der sozialen Identität zu liefern. Ein allumfassendes Bild kann dabei wie erwähnt jedoch nicht entstehen. Im Folgenden werden Positionen von einigen ausgewählten Wissenschaftlern vorgestellt.

George Herbert Mead, ein US-amerikanischer Philosoph und Psychologe, stellte bei seinen Betrachtungen von Identität die Kommunikation in den Mittelpunkt, da durch sie Identität erst entsteht. So konstatiert er, dass Individuen sich ihrer selbst durch die Beobachtung aus der Perspektive anderer bewusst werden. Demzufolge ist Identität eng verknüpft mit anderen Menschen (vgl. Abels 2010, S. 254).

Der US-amerikanische Psychoanalytiker Erik Homburger Erikson wiederum sah in der Identität einen lebenslangen Prozess, der dadurch gekennzeichnet ist, dass sie aus „[…] dem ständigen Anspruch, soziale Erwartungen und eigene Überzeugungen, die Blicke der Anderen auf uns und unser Selbstbild, das Bild der Anderen von uns und unsere Biographie, selbstbewusst zu verbinden […]“ erwächst (Abels 2010, S. 255). Auch hier spielen weitere Personen, also gewissermaßen das soziale Umfeld, eine entscheidende Rolle.

Eine weitere und völlig andere Auffassung von Identität vertrat Erving Goffman, der Identität als „Schauspiel“ verstand, dessen Ziel es sei uns in dem Maße zu präsentieren, dass unser Gegenüber den bestmöglichen Eindruck erhält. Dabei ist es zweitrangig, ob die „wahre“ Identität hervortritt oder aber verborgen bleibt. Ferner ordnet er dieser These eine Schutzfunktion zu, deren Intention es ist, unser Selbst vor externen Zugriffen durch andere zu hüten.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Identität einen auf Interaktion beruhenden Charakter aufweist und nicht nur das Individuum, sondern auch immer andere Personen einbezieht. Aus dieser Interaktion können sich sowohl positive als auch negative Einflüsse ableiten, gegen die es sich zu behaupten gilt (vgl. Abels 2010, S. 257). Modernere Auffassung gehen davon aus, dass Identität ein fortlaufender Prozess ist und der Mensch an sich nicht nur eine, sondern mehrere Identitäten besitzt, mit denen er im Alltag agiert.

Abgeschlossen werden soll dieser kurze Diskurs mit einer Definition von Heinz Abels. Dieser definiert Identität als „[…] das Bewusstsein, ein unverwechselbares Individuum mit einer eigenen Lebensgeschichte zu sein, in seinem Handeln eine gewisse Konsequenz zu zeigen und in der Auseinandersetzung mit Anderen eine Balance zwischen individuellen Ansprüchen und sozialen Erwartungen gefunden zu haben“ (Abels 2010, S. 258).

3. Soziale Identität

Es existieren, je nach wissenschaftlichem Standpunkt, diverse Identitätsformen. Dazu zählen neben der personalen oder menschlichen Identität unter anderem auch Identitäten wie die der psychischen, individuellen, geschlechtlichen und eben der sozialen Identität. Der folgende Abschnitt soll sich mit der letztgenannten, der sozialen Identität und der damit verbundenen sozialen Identitätstheorie beschäftigen. Dazu ist es notwendig, zunächst eine definitorische Begriffsklärung und kurze Entstehungszusammenhänge zu liefern, um anschließend die genauen Inhalte der sozialen Identitätstheorie thematisieren zu können.

[...]


[1] Deutscher Bildungsserver (2011): http://www.bildungsserver.de/zeigen.html?seite=4473 [Stand: 06.01.2011].

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
„Ich bin viele“. Soziale Identität und soziale Identitätstheorie am Beispiel studierender Soldaten
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
14
Katalognummer
V180577
ISBN (eBook)
9783656034889
ISBN (Buch)
9783668148284
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Identität, soziale Identität
Arbeit zitieren
Vanessa Falkenstein (Autor), 2011, „Ich bin viele“. Soziale Identität und soziale Identitätstheorie am Beispiel studierender Soldaten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180577

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