Das Trainingsprogramm Gewalt in der Schule für Lehrer und Lehramtsstudenten von Hinsch und Ueberscher


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010
13 Seiten, Note: 1
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gewalt in der Schule. Ein Trainingsprogramm für Lehrer und Lehramtsstudenten von Hinsch und Ueberschär.
2.1. Darstellung
2.2. Evaluation
2.3. Persönliche Stellungnahme

3. Gewalt in der Schule im Vergleich mit dem Konstanzer Trainingsmodell kompakt

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

Gewaltprävention ist ein Schlagwort, das mittlerweile auch im schulischen Kontext eine immer größere Bedeutung erlangt. Das hessische Kultusministerium beispielsweise verleiht Schulen ein Teilzertifikat zur Sucht- und Gewaltprävention im Rahmen der Gesundheitsfördernden Schule und verweist auf Projekte wie Netzwerk gegen Gewalt, Mediation und Schulprogramm und Faustlos.[1]

Prinzipiell gibt es zahlreiche Möglichkeiten zur Verminderung von gewalthaltigen Situationen an Schulen: Von Veränderungen des Schul- und Klassenklimas über die Einbindung von sozialen Netzwerken bis hin zu Präventions- und Interventionsmaßnahmen, die sich an Schüler[2] und/oder Lehrer richten.[3]

Mit Gewalt in der Schule liegt ein Trainingsprogramm vor, das bereits bei Lehramtsstudenten ansetzt, bevor diese überhaupt in Kontakt mit schulischer Gewalt kommen. Inwiefern es sinnvoll ist, mit zukünftigen Lehrern sozialkompetente Verhaltensweisen zu trainieren, um späterer schulischer Gewalt begegnen zu können, welche Vor- und Nachteile sich ergeben und ob das Programm eine Alternative zu dem KTM kompakt darstellt oder nicht, soll im Folgenden nach einer kurzen Darstellung des Programms und dessen Evaluation erörtert werden.

2. Gewalt in der Schule. Ein Trainingsprogramm für Lehrer und Lehramtsstudenten von Hinsch und Ueberschär.

2.1. Darstellung

Das Trainingsprogramm Gewalt in der Schule von Rüdiger Hinsch und Beate Ueberschär entstand 1997 aus einem Forschungsprojekt der Universität Potsdam zum Thema Aggression und Gewalt in der Schule und richtet sich an Lehramtsstudenten und Lehrer.[4]

Die meisten Trainingsprogramme zum Thema Gewalt wenden sich an Lehrer, da bei ihnen davon ausgegangen werden kann, dass sie eine realistische Sicht von gewalthaltigen Situationen haben und das Bedürfnis, diese zu reduzieren, groß ist. Ihnen soll das vorliegende Training helfen, mit alltäglichen Problemen besser umgehen zu können und eine größere Befriedigung beim Ausüben ihres Berufs zu erfahren.

In erster Linie wurde das Programm aber für Lehramtsstudenten entwickelt, bei denen nach Meinung der Autoren eine Lücke zwischen theorieloser Praxis und praxisferner Theorie bestehe. Diese Lücke solle das Programm schließen, um einem Praxisschock zu Beginn des Referendariats entgegenzuwirken. Allerdings sei die Zielgruppe Studenten problematisch, da Unterrichtserfahrung nur über Schulpraktika und die Erinnerung eigener Schulerlebnisse vorhanden wären, ein Transfer des Erlernten während des Trainings in die Praxis nicht möglich sei und oft unrealistische Vorstellungen von Gewalt und der Einschätzung von eigener Handlungskompetenz vorlägen. Deshalb sehen Hinsch und Ueberschär das Ziel des Trainings darin, die Studenten so auszustatten, dass sie in späterer Berufspraxis Situationen reflektieren und in zielgerichtetes, effektives Verhalten umsetzen können. Das übergeordnete Ziel des Trainings ist somit, zu lernen, erzieherisches Verhalten als Prozess zu betrachten, dessen Ausgang ungewiss ist und diesen als Lernerfahrung zu sehen.

Das Training basiert auf dem Gruppentraining sozialer Kompetenzen (im Folgenden GSK, 1. Auflage 1983) von Rüdiger Hinsch und Ulrich Pfingsten[5], das für Klienten mit sozialen Kompetenzproblemen entwickelt wurde, aber gut an andere Gruppen angepasst werden kann. Auch selbstsichere, sozial kompetente Menschen können von Sozialkompetenztrainings profitieren, da es dabei um die Arbeit an individuellen Schwierigkeiten in Situationen geht, denen jeder einmal begegnen kann.[6]

Die Rahmenbedingungen des Trainings sind wie folgt: Optimal wäre bei einer Gruppengröße von zehn bis zwölf Teilnehmern mit zwei Trainern zu arbeiten, die bei den Rollenspielen jeweils eine Kleingruppe betreuen könnten. Dann würden aber auch zwei Räume und zwei Videoanlagen mit Kamera benötigt. Für ein effektives Training setzen die Autoren eine Mindestdauer von 16 Stunden à 45 Minuten an. Die Veranstaltung kann dabei als Blocktraining oder wöchentliche Sitzung durchgeführt werden.

Das für das GSK auf den Modellen und Annahmen der kognitiven Verhaltensmodifikationen entwickelte Prozessmodell zur Erklärung sozialer Verhaltensweisen ist auch die Grundlage des vorliegenden Trainings. Es soll die Vorgänge verständlich machen, die bei Menschen in einer Situation mit Anforderungs- oder Aufgabencharakter ablaufen: Diese wird zunächst von dem Betroffenen wahrgenommen, dann kognitiv und emotional verarbeitet, was zu einem motorischen Verhalten führt, das wiederum Reaktionen auslöst, die auf die Person zurückwirken.[7]

Für die Arbeit mit Gewalt in der Schule wurde das Prozessmodell in ein Erklärungsmodell umgewandelt, um den Teilnehmern das Trainingskonzept zu verdeutlichen und ihnen ein Schema zur Verfügung zu stellen, mit dem sie sowohl ihr eigenes Verhalten, als auch das ihres Gegenübers erklären und verändern können. Das Modell geht davon aus, dass nach einer Situation zunächst immer eine kognitive Bewertung stattfindet. Erst dann folgt eine emotionale Bewertung, an die sich die Intervention des Lehrers anschließt und damit eine Reaktion des Schülers hervorruft.

Von der Annahme ausgehend, dass es in Konfliktsituationen hilfreich ist, sich auf eine überschaubare Anzahl von Verhaltensmöglichkeiten zu beschränken, wurden außerdem vier Verhaltensklassen festgelegt. Es kann vorkommen, dass zur Bewältigung bestimmter Situationen auf mehrere Klassen zurückgegriffen werden muss:

1.) Durchsetzungsverhalten: Hier geht es darum, seine Forderungen bestimmt durchzusetzen und auch durchzuhalten. Es geht nicht um eine genaue Analyse der Situation, sondern um rasches Eingreifen, beispielsweise, wenn Schüler sich prügeln. Wichtig dabei ist, neben lautem und deutlichem Reden, Blickkontakt herzustellen, ruhig aufzutreten, das Gegenüber nicht abzuwerten.

2.) Beziehungsverhalten: Bei diesem Verhalten ist die Herstellung einer Beziehung Voraussetzung zur Lösung des Konflikts zwischen Lehrer und Schüler (?). In der Situation geht es darum, eigene Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse ausdrücken zu können und den Schüler bei persönlichen Äußerungen zu verstärken. Wichtig dabei ist, nicht zu verallgemeinern oder zu diagnostizieren.

3.) Regeln aushandeln: Hierbei hat der Lehrer die Funktion eines neutralen und unparteiischen Vermittlers inne. In einer Konfliktsituation muss er versuchen, die Beteiligten zu verstehen und ihre Standpunkte zusammenfassend wiederzugeben. Wenn eine Lösung des Konflikts gefunden ist, bietet es sich an, diese schriftlich festzuhalten.

4.) Um Sympathie werben: Bei dieser Haltung steht im Vordergrund, einen Kontakt zum Schüler herzustellen, damit er freiwillig das macht, was der Lehrer will. Dafür gibt es allerdings keine Erfolgsgarantie. Erfolg versprechend dagegen ist, den Schüler durch interessiertes Zuhören, Nachfragen etc. zu animieren, mehr von sich preis zu geben. Dies gelingt umso besser, wenn der Lehrer auch über sich selbst spricht und eigene Fehler und Schwächen einräumt.

Die Arbeit mit den vier Verhaltensklassen sieht so aus, dass zunächst die für die jeweilige Klasse wichtigen Kriterien kompetenten Verhaltens besprochen werden. Dann werden anhand von vorgegebenen (oder von den Teilnehmern gewünschten) Situationen Rollenspiele durchgeführt. Dem Teilnehmer, der die Rolle des Lehrers übernimmt, stehen dabei Instruktionen zur Verfügung, wie er sich zu verhalten hat.

Bei der Durchführung des Rollenspiels ist darauf zu achten, dem Rollenspieler, der etwas lernen möchte, gleichzeitig aber auch Gefahr läuft, etwas „falsch zu machen“ oder sich zu blamieren, Anteilnahme, Hilfe und Zuwendung der Mitspieler und Zuschauer entgegen zu bringen. Das Rollenspiel sollte immer mit einem Erfolg enden. Anschließend folgt die Auswertung per Video. Dabei soll der Rollenspieler keine Kritik an seinem Verhalten äußern, sondern nur positive Punkte hervorheben. Die Mitspieler dürfen ihr Feedback nur als Äußerung ihrer eigenen Gefühle und Gedanken geben. Dann wird die Situation, ohne den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen, wiederholt, damit durch das bessere Gelingen des zweiten Rollenspiels erkannt werden kann, dass soziales Verhalten durch Üben und konkrete Vorsätze effektiver und befriedigender gestaltet werden kann, woran sich wieder ein Videofeedback anschließt.

Neben diesen zentralen Trainingselementen stehen noch weitere Übungen zur Sozialkompetenz (sich selbst loben, Unterscheiden von kompetentem, aggressivem und unsicherem Verhalten und die hinter Äußerungen stehenden Gefühle benennen können) sowie optionale Bausteine und Spiele zur Auflockerung, bzw. Verbesserung des Gruppenklimas zur Verfügung.

[...]


[1] Vgl. Hessisches Kultusministerium. Schule und Gesundheit. http://www.schuleundgesundheit.hessen.de/themen/sucht-gewaltpraevention.html [26.02.10].

[2] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichwohl für beiderlei Geschlecht.

[3] Vgl. Hinsch, Rüdiger/Hoffmann, Inge/Ueberschär, Beate/Wittmann, Simone: Gewalt in der Schule. Materialien für die Aus-, Fort- und Weiterbildung von Lehrern. Landau 1998, S. 122.

[4] Wenn nicht anders vermerkt, bezieht sich die Darstellung auf die Primärliteratur: Hinsch, Rüdiger/Ueberschär, Beate: Gewalt in der Schule. Ein Trainingsprogramm für Lehrer und Lehramtsstudenten. Landau 1998.

[5] Hinsch, Rüdiger/Pfingsten, Ulrich: Gruppentraining sozialer Kompetenzen (GSK). Grundlagen, Durchführung, Anwendungsbeispiele. 4., völlig neu bearbeitete Auflage. Weinheim 2002.

[6] Walter, Oliver: Trainings sozialer Kompetenzen. www.verhaltenswissenschaft.de/Psychotherapie/Verhaltenstherapie/TSK/tsk.htm [23.02.2010].

[7] Vgl. Hinsch/Pfingsten, GSK, S. 13f.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Das Trainingsprogramm Gewalt in der Schule für Lehrer und Lehramtsstudenten von Hinsch und Ueberscher
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1
Jahr
2010
Seiten
13
Katalognummer
V180973
ISBN (eBook)
9783656037460
Dateigröße
529 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
trainingsprogramm, gewalt, schule, lehrer, lehramtsstudenten, hinsch, ueberscher
Arbeit zitieren
Anonym, 2010, Das Trainingsprogramm Gewalt in der Schule für Lehrer und Lehramtsstudenten von Hinsch und Ueberscher, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180973

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