Interreligiöses Lernen am Beispiel des „erfahrungsbezogenen Ansatzes“


Essay, 2011

6 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Interreligiöses Lernen am Beispiel des „erfahrungsbezogenen Ansatzes“

Interreligiöses Lernen, es stellt sich die Frage: Was „Interreligiöses Lernen“ eigentlich bedeutet? Die Grundbausteine des interreligiösen Lernens dienen einem pädagogischen Zweck. Dies bedeutet, Verständigung und Kommunikation zwischen verschiedenen Kulturen sollen den Schülern mit Hilfe des interreligiösen Lernens näher gebracht werden.

Durch das interreligiöse Lernen sollen die Schüler aktiver in den Religionsunterricht einbezogen werden.

Durch die Globalisierung und sich daraus ergebenen Umgang mit verschiedenen Weltreligionen sieht sich die Religionspädagogik verpflichtet, den Schülern eine Möglichkeit zu geben, Religionen und fremde Lebensformen kennen zu lernen und Wissen über diese zu vermitteln. Das Interesse der Schüler soll geweckt werden, um den Einstieg in die Weltreligionen zu erleichtern und diese begreiflich zu machen. Jedoch müssen Grundsätze geschaffen werden, die Tworuschkas Meinung nach „interreligiöse Spezialisten“ 1 benötigen, die es ermöglichen, dass die Schüler sich auf Religionen einlassen können und zugleich Sachverständigkeit in Bezug auf diese entwickeln.

Wichtige Kriterien zur Vermittlung von Religionen spielen eine bedeutende Rolle. Diese Kriterien sind: Das Schaffen von vorurteilsfreien und authentischen Darstellungen der einzelnen Religionen sowie das herausarbeiten von Distanzen, der Zusammengehörigkeit, der Nähe und der Verbundenheit zwischen den jeweiligen Religionen. Zusammenfassend kann man sagen, dass das Lebendige, dass, was hinter der Theorie einer Religion sich verbirgt näher gebracht werden soll.

Das alltägliche einer Religion soll nicht nur durch Schulbücher und in Form eines Frontalunterrichts dargestellt und vermittelt werden, sondern durch authentische Situationen die sich z.B. durch einen Besuch einer Moschee oder eines Tempels näher bringen und realisieren lassen und zugleich das Eintauchen in eine Religion durch eine Fantasiereise ermöglichen. So ist ein Miterleben von Religionen ersichtlich sowie das Glaubensverständnis dieser.

Im allgemeinen Sinne dient der interreligiöse Unterricht dem Vermeiden von Missverständnissen, das Aneignen von Kenntnissen über fremde, religiöse Traditionen und Bräuche sowie nach Nipkow, die „Erziehung zur Toleranz“. 2

Ansatz und Konzepte zum interreligiösen Lernen in England

Der erfahrungsbezogene Ansatz

Mit der Frage: Wie man die Schüler angemessen an verschiedene Religionen heranführen kann?; Haben sich David Hay und John Hammond am Beispiel des erfahrungsbezogenen Ansatzes versucht, diese Frage zu beantworten.

David Hay von der Nottingham University führte in den 70er und 80er Jahren quantitative und qualitative Forschungen über die religiösen Einstellungen der Britischen Bevölkerung durch. Die Ergebnisse stimmen nicht mit dem von ihm erwarteten Bild einer weitgehenden säkularisierten, kirchen- und religionsfernen Gesellschaft überein. Über zwei Drittel der Befragten berichteten zögernd über eigene religiöse Erfahrungen. So verschwammen die klaren Kategorien von Religion und Religionen mit- und ineinander.

Das liegt daran, dass Religionskritik der vergangenen Jahrhunderte ein Weltbild und ein Klima geschaffen hat, in dem Menschen ihre religiösen Erfahrungen verdrängen. So ist Religion ein Tabu-Thema, das vermieden wurde, um nicht als verrückt oder dumm zu gelten.

Primär trifft diese Aspekte auch auf den Religionsunterricht zu.

Demzufolge können Schüler nur ein positives Verständnis von Religion entwickeln, wenn sie ihre ablehnenden Voreinstellungen überwinden. So entwickeln David Hay und John Hammond einen erfahrungsbezogenen Ansatz (experiential approach). Sie verstehen ihren Ansatz als Fortführung der Phänomenologie Smarts.3

Das bedeutet, dass der erfahrungsbezogene Ansatz sich im Gegensatz zu innerlich-unbeteiligten, rein äußerlichen Beschreibungen der Weltreligionen, die fälschlicherweise als „phänomenologisch“ bezeichnet wurden sieht. So boten diese Methoden keine Anhaltspunkte um Erfahrungen nachempfinden zu können.

Wenn man jedoch die Erfahrungen ausblendet hat dies zu Folge, dass weder die Faszination entstehen kann, die eine Religion auf ihre Gläubigen ausübt, noch die Realität deutlich wird, auf der der Glaube gegründet wurde.

Demzufolge ist es so, dass bloße Beschreibungen einer Religion dieser nicht gerecht werden können. Einen Ausweg sieht Hay in einer Erkundung der „erfahrungsbezogenen Dimension“, einer der sechs Religionsdimensionen Smarts. Hier werden zwei Schritte der phänomenologischen Methode zentral:

1. Eigene vorgefasste Einstellungen werden ausgeklammert, um so das Bild, das wir zunächst von der Welt haben, auf die „reinen Phänomene“ zu „reduzieren“.
2. Man soll sich in die Welt eines anderen versetzen können, um mit dieser Person in der Welt zu sein, um von innen zu verstehen, was Leben, Welt und Religion für diese Person bedeutet.4

Stellt sich jedoch die Frage: In welchem Zusammenhang stehen nun, die eigenen Erfahrungen der Lernenden mit den Erfahrungen der Religionsanhänger die es zu verstehen gilt?

Religionen sind für den erfahrungsbezogenen Ansatz lediglich Ausdruck innerer religiöser Erfahrungen, sie sind Ausdruck von Spiritualität, die den Kern jeder Religion bilden. Wer Gläubige und deren Religionen verstehen möchte, muss zu ihren spirituellen Erfahrungen vorstoßen. Spiritualität ist für jeden Menschen zugänglich (das heißt auch für Schüler).

Es ist jedoch so, dass kulturelle Vorherrschaft viele Lernende daran hindert, ihre eigenen Erfahrungen zum Verständnis von Religionen zu nutzen. Nun sollen Schüler beim erfahrungsbezogenen Ansatz durch Unterrichtsaktivitäten Erfahrungen machen, die ihnen helfen Religionen zu verstehen.

Durch Aktivitäten soll die eigene spirituelle Erfahrungsdimension bewusst gemacht werden und dadurch Abwehrhaltung überwunden werden sowie vermitteln, wie Gläubige sich selbst, die Welt und ihre Religion erfahren.

Hay und Hammond veröffentlichten 1990 ein Handbuch „New Methods“ solcher Aktivitäten, die in praktischer Erprobung zusammengestellt wurden.

Diese Aufgaben dienen dazu, den traditionellen, kenntnisorientierten Religionsunterricht zu ergänzen, um tiefergehendes Verstehen zu ermöglichen. Folglich werden in dem Buch „New Methods“ vier Aktivitätstypen unterschieden:

1. (raising awareness) Übung zur Schärfung des Bewusstseins, Schulung der Wahrnehmung und der Selbstbeobachtung, so können z. B. die Schüler erfahren, was für die Christen beten und für Buddhisten meditieren ist.
2. (embodying awareness) Schülern soll bewusst werden, dass sich menschliches Bewusstsein verkörpert, dass es wichtig ist sich selbst als einzigartiges Individuum zu betrachten, mit jeweils anderen Ansichten sowie anderer ethnisch und sozialen Herkunft.
3. (framing awareness) Perspektivität von der Wahrnehmung soll verdeutlicht werden und der Wechsel zwischen den Perspektiven soll geübt werden.
4. (extending awareness) Bewusstsein der Schüler soll erweitert werden. Sie sollen sich in andere Religionen, Menschen und Situationen hineinversetzen können. Reflektion der eigenen Gefühle ist wichtig. Diese Erweiterung kann mit Hilfe von Fantasiereisen realisiert werden.5

[...]


1 Vgl. Tworuschka, Weltreligionen im Unterricht oder interreligiöses Lernen? Weinheim, 1994, S. 173.

2 Vgl. Nipkow, Weltreligionen im Unterricht oder interreligiöses Lernen. Weinheim, 1994, S. 202.

3 Vgl. Bauer, Zwischen Religionskunde und erfahrungsorientiertem Unterricht, Münster, 1999, S. 256.

4 Ebenda. S. 257.

5 Vgl. Bauer, Zwischen Religionskunde und erfahrungsorientiertem Unterricht, Münster, 1999, S. 258.

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Interreligiöses Lernen am Beispiel des „erfahrungsbezogenen Ansatzes“
Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
6
Katalognummer
V181394
ISBN (eBook)
9783656055839
Dateigröße
453 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Interreligiöses Lernen, Interreligiöse Religion
Arbeit zitieren
Julia Steblau (Autor), 2011, Interreligiöses Lernen am Beispiel des „erfahrungsbezogenen Ansatzes“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181394

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