„That stupendous revolution in England“ – so nennt ein zeitgenössischer Autor die Ereignisse der Jahre 1688/89 in seiner Heimat und beschreibt treffend die euphorische Stimmung, die in London bei der Ankunft Wilhelms III. im Dezember 1688 herrschte. Inzwischen sind 321 Jahre vergangen, und die Glorious Revolution steht in der öffent-lichen Wahrnehmung eher im Schatten der ihr vorangegangenen Englischen Revolution und der nachfolgenden Amerikanischen, ganz zu schweigen der Französischen Revolution. Auch in der Historiographie wurde ihr ernsthafte Betrachtung verweigert, ihre Bewertung schwankte lange Zeit zwischen „a rather squalid palace coup“ und „an unheroic [...] arrangement which made minor changes in the succession of the throne“ , und erst in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wächst die Erkenntnis, dass die Glorious Revolution hinsichtlich ihrer Nachwirkungen von größerer Bedeutung war als die Englische von 1640. Karl II. und Jakob II. konnten die Monarchie trotz dieses Aufstandes deutlich stärken, letzterer allerdings überzog seine unpopuläre Politik in einem solchen Maße, dass sich Gegner (Whigs und Tories) gegen ihn verbündeten und so die Glorious Revolution einleiteten. Ihre Bedeutung für die Entwicklung des britischen Parlamentarismus kann daher nicht hoch genug eingeschätzt werden. Ging es bei der Englischen Revolution 1640/60 um einen Machtkampf innerhalb der herrschenden Klasse um Monarchie und Parlamentarismus sowie Anglikanern und Dissenters, bei der Amerikanischen 1776/83 um die Loslösung der nordamerikanischen Kolonien vom englischen Mutterland und bei der Französischen Revolution 1789 um die Abschaffung des Absolutismus und die Umsetzung der Werte der Aufklärung, besteht in der historischen Forschung inzwischen allgemeiner Konsens darüber, dass die Glorious Revolution einen entscheidenden Höhepunkt im Kampf zwischen Parlamentarismus und Königtum in England darstellt, auch wenn er erst im 18. und 19. Jahrhundert definitiv zugunsten des Parlaments entschieden wird.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Vorgeschichte der Glorious Revolution 1660-1689
II.1 Die Regierung Karls II. 1660-1685
II.2 Die Regierung Jakobs II. 1685-1689 und die Glorious Revolution
II.3 Auswirkungen der Glorious Revolution in Schottland und Irland
II.3.a Schottland
II.3.b Irland
III. Entwicklung des Revolutionsbegriffs bis 1789
IV. Revolutionsmerkmale der Glorious Revolution
IV.1 Gewaltausübung
IV.2 Beteiligung der Massen
IV.3 Ideologie
IV.3.a No standing armies!
IV.3.b Auseinandersetzung zwischen Monarchie und Parlamentarismus
IV.3.c Die religiöse Frage
V. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Glorious Revolution von 1688/89 unter historischer Perspektive, um deren revolutionären Charakter im Kontext der europäischen Verfassungsentwicklung zu bestimmen und die langfristigen sozialen, politischen sowie religiösen Auswirkungen auf Großbritannien zu analysieren.
- Die politische und religiöse Vorgeschichte unter den Königen Karl II. und Jakob II.
- Die theoretische Einordnung des Ereignisses anhand des modernen Revolutionsbegriffs
- Die Analyse zentraler Merkmale wie Gewaltausübung, Massenbeteiligung und Ideologie
- Die spezifischen Auswirkungen der Revolution in Schottland und Irland
- Der langfristige Wandel von der absoluten zur konstitutionellen Monarchie
Auszug aus dem Buch
IV.3.a No standing armies!
So lautete eine der wichtigsten Forderungen der Whigs an Jakob II., bzw. einer der entscheidenden Vorwürfe, die zu seiner Absetzung führten. Die „standing army“ war ein Heer, das auch in Friedenszeiten unter Waffen „stand“, im Gegensatz zu den Söldnern, die unter den Häusern Tudor und (frühen) Stuart für einen Krieg oder eine Schlacht angeheuert und anschließend wieder entlassen wurden, und auch zu den lokalen Milizen, die von der Bevölkerung akzeptiert wurden. Die von alters her tradierte Ablehnung des stehenden Heeres beruhte zum einen auf der geographischen Lage des Landes als Insel, die den Bewohnern das Gefühl der Sicherheit und Uneinnehmbarkeit verlieh. Zweitens hatten die Menschen die schlechten Erfahrungen nicht vergessen, die sie bereits zu Zeiten Elisabeths I. und später in den 1620 Jahren mit Soldaten aus den untersten Gesellschaftsschichten gemacht hatten. Mit Landstreichern, Außenseitern und Strafgefangenen, die in die Armee gepresst worden waren, nach Beendigung der Feindseligkeiten entlassen wurden und berufs- und arbeitslos durch die Lande streunten. Der dritte Grund war der Mangel an wirklicher Führerschaft der Regierung – um ein schlagkräftiges Heer aufzustellen, musste die Initiative von ganz oben kommen, und das war weder unter Elisabeth I. noch unter Jakob I. der Fall.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Wahrnehmung der Glorious Revolution und ordnet sie als entscheidenden Wendepunkt im Machtkampf zwischen Königtum und Parlament ein.
II. Vorgeschichte der Glorious Revolution 1660-1689: Dieses Kapitel analysiert die konfliktreiche Regierungszeit von Karl II. und Jakob II., die durch religiöse Spannungen und den Streit um die Machtbefugnisse des Monarchen gekennzeichnet war.
III. Entwicklung des Revolutionsbegriffs bis 1789: Hier wird der etymologische und historische Wandel des Begriffs „Revolution“ von einer zyklischen Bewegung hin zu einer radikalen gesellschaftlichen Umwälzung nachgezeichnet.
IV. Revolutionsmerkmale der Glorious Revolution: Dieses Hauptkapitel prüft das Ereignis anhand von Kriterien wie Gewaltausübung, Rolle der Massen und ideologischen Aspekten wie dem Widerstand gegen stehende Heere.
V. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung bewertet die Ereignisse unter Berücksichtigung verschiedener historischer Interpretationen und unterstreicht die Rolle der Revolution für den späteren Aufstieg Großbritanniens zur Weltmacht.
Schlüsselwörter
Glorious Revolution, England, Parlamentarismus, Monarchie, Jakob II., Wilhelm von Oranien, Bill of Rights, Religion, Whigs, Tories, stehendes Heer, Konstitutionelle Monarchie, Restauration, Absolutismus, Geschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Glorious Revolution von 1688/89 und ihre Bedeutung als Zäsur in der englischen Verfassungsgeschichte sowie ihre soziopolitischen Auswirkungen.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Zentrale Themen sind der Machtkampf zwischen Krone und Parlament, die religiöse Konfessionsfrage, die Rolle der Ideologie und die spezifischen Entwicklungen in England, Schottland und Irland.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Glorious Revolution kritisch unter Anwendung von Revolutionskriterien zu bewerten und zu zeigen, warum sie trotz ihres eher unblutigen Verlaufs als genuine, folgenreiche Revolution zu werten ist.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wird eine historisch-analytische Methode angewandt, die zeitgenössische Quellen, neuere Forschungsergebnisse und politiktheoretische Konzepte zur Einordnung des Ereignisses kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorgeschichte, die begriffliche Einordnung des Revolutionsbegriffs und eine detaillierte Prüfung der Revolutionsmerkmale wie Gewalt, Massenbeteiligung und ideologische Konflikte.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit beschreiben?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Parlamentarismus, Absolutismus, Bill of Rights, Whigs und Tories sowie die religiöse Auseinandersetzung charakterisieren.
Welche Rolle spielte die religiöse Frage für den Erfolg der Revolution?
Die Furcht vor einer katholischen Dynastie und die damit verbundene Rekatholisierung unter Jakob II. wirkte als Katalysator, der die verfeindeten politischen Lager Whigs und Tories gegen den Monarchen zusammenschweißte.
Wie unterschied sich die Revolution in Schottland und Irland von den Ereignissen in England?
Während der Wechsel in England relativ unblutig verlief, war die Situation in Schottland und Irland deutlich gewaltsamer, geprägt von jakobitischen Aufständen und militärischen Auseinandersetzungen.
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- Barbara Cisneros (Autor:in), 2005, Die Glorious Revolution 1688-1689, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181486