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Das Geschichtslehrbuch in der Kritik

Title: Das Geschichtslehrbuch in der Kritik

Bachelor Thesis , 2011 , 49 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Sebastian Gärtner (Author)

Didactics - History
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Summary Excerpt Details

Kaum ein zweites Medium unterlag in seiner funktionalen Ausgestaltung im Laufe der Geschichte
einer solch gravierenden Veränderung, wie das Schulbuch. Eines der ältesten Geschichtslehrbücher
(„Einleitung zur Universal-Historie“) aus dem Jahr 1723 von Hilmar Curas
hatte zunächst die Funktion sich ein sicher geglaubtes historisches Wissen in katechetischer
Form anzueignen. Ende des 18. Jahrhunderts stand hingegen in Stölzers „Weltgeschichte
für Kinder“ die Erarbeitung historischer Zusammenhänge im Vordergrund des Lehrwerkes.
Im 19. Jahrhundert verliert sich diese Darstellung der Geschichte zugunsten geschlossener
Erzählungen. Im Zuge der reformpädagogischen Bewegung im ausgehenden 19. und beginnenden
20. Jahrhunderts wurden neue Anforderungen an Schule und Unterricht gestellt. Dies
wirkte sich nicht zuletzt auf die Ausgestaltung der Schulbücher aus, wenngleich sich Veränderungen
anfänglich nur allmählich zeigten. Dabei sollten die Schüler/-innen unmittelbar mittels
anschaulicher Geschichtserzählungen angesprochen werden und der Geschichtsunterricht
wurde als Arbeitsunterricht konzipiert, welcher den Schülern/-innen große Selbstständigkeit
beim Lernen einräumte. Historisches Geschehen wurde möglichst farbig ausgestaltet, um das
Interesse der Leser/-innen zu wecken. Dies schloss mitunter auch fiktionale Elemente ein. Eine
solche Geschichtsdarstellung war besonders zur Zeit der Nationalsozialisten beliebt und
verlor sich auch nach 1945 nicht vollständig. Die Gründe hierfür liegen in den damalig geltenden
entwicklungspsychologischen Annahmen (siehe PIAGET), die Aufgrund eines starren
Begabungsbegriffes den Schülern/-innen weder historisches Lernen noch historische Erkenntnisse
zutraute. Lediglich den Schülern/-innen am Gymnasium schrieb man die Fähigkeit zu
originale Quellen lesen und auslegen zu können. So wurde in dieser Schulform dem Geschichtslehrbuch,
welches als Lesebuch konzipiert war, noch ein Quellenteil hinzugefügt. Erst
durch HEINRICH ROTHS Untersuchung „Kind und Geschichte. Psychologische Vorraussetzungen
des Geschichtsunterrichts in der Volksschule“ wurden die starren entwicklungspsychologischen
Strukturen durchbrochen, so dass auch jüngere Schüler/-innen im Geschichtsunterricht
zu historischen Denken befähigt sind. Somit ergab sich für das Lehrbuch ein völlig neuer
Typus – das Arbeits- und Lesebuch. Der Prototyp dessen war das Lehrwerk „Menschen in ihrer Zeit“, 1966 im Klett-Verlag erschienen. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Einflussfaktoren bei der Erstellung von Geschichtslehrbüchern sowie deren Funktion im Unterricht

2. Die Genese von Geschichtsbewusstsein

3. Lehrbuchanalyse

3.1. Das Verfahren der Lehrbuchanalyse

3.1.1 Lehrbuchanalyse am Beispiel Anno 4 Gymnasium Sachsen (Klassenstufe 8, Sekundarstufe I)

3.1.2 Lehrbuchanalyse am Beispiel Zeiten und Menschen 2 Gymnasium Nordrhein-Westfalen (Klasse 7, Sekundarstufe I)

4. Perspektivübernahme im Geschichtslehrbuch – ein Vergleich zwischen Sachsen und Nordrhein-Westfalen

Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Ausbildung des Geschichtsbewusstseins in aktuellen Geschichtslehrbüchern, wobei der Fokus gezielt auf der Fähigkeit zur Perspektivübernahme liegt. Anhand eines Vergleichs der Lehrwerke "Anno 4" (Sachsen) und "Zeiten und Menschen 2" (Nordrhein-Westfalen) wird analysiert, inwiefern die Lehrbücher diese Kompetenz fördern und welche Defizite in der Gestaltung oder Aufgabenstellung die Ausbildung eines reflektierten Geschichtsbewusstseins behindern.

  • Analyse der Funktionen des Geschichtslehrbuchs als Leitmedium
  • Theoretische Verortung des Begriffs Geschichtsbewusstsein
  • Methodik der strukturierten Lehrbuchanalyse
  • Vergleichende Untersuchung der Perspektivübernahme in zwei Bundesländern
  • Kritische Reflexion von Darstellungsformen und Gender-Aspekten

Auszug aus dem Buch

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Ausbildung des Geschichtsbewusstseins in Geschichtslehrbüchern, unter besonderer Berücksichtigung der Perspektivübernahme.

Im direkten Vergleich der beiden Bundesländer Sachsen und Nordrhein-Westfalen soll untersucht werden, inwieweit die Lehrbücher Perspektivübernahmen fördern und somit zur Ausbildung von Geschichtsbewusstsein beitragen können. Dafür wurde aus jedem Bundesland exemplarisch ein Lehrwerk ausgesucht, aus welchen jeweils drei Themenbereiche frei ausgewählt und zum Vergleich herangezogen werden.

Für das Land Sachsen handelt es sich um das Lehrbuch „Anno 4“ (Klasse 8, Sekundarstufe I), im Westermannverlag 2006 herausgegeben. Für Nordrhein-Westfalen ist es das Lehrwerk „Zeiten und Menschen 2“ (Klasse 7, Sekundarstufe I), im Schöningh Verlag 2008 veröffentlicht. Da in Nordrhein-Westfalen nach dem neuen G8 Lehrplan der Geschichtsunterricht in der Sekundarstufe I nur in den Klassenstufen fünf, sieben und neun erteilt wird, ergeben sich die verschiedenen Klassenstufen der ausgewählten Lehrbücher. So wies ein Lehrbuch aus der Klassenstufe acht in Sachsen die größten inhaltlichen Schnittmengen mit den Inhalten der Klassenstufe sieben in Nordrhein-Westfalen auf. Der Fokus der Untersuchung ist bewusst auf diese Altersstufe gerichtet, da diese in der Forschung (besonders in der Entwicklungspsychologie) oftmals vernachlässigt wird.

Da sich das Konstrukt des Geschichtsbewusstsein aus verschiedenen Komponenten und Einflussfaktoren zusammensetzt, kann in dieser Arbeit nur auf einen Faktor des Geschichtsbewusstseins eingegangen werden. Ausgewählt wurde hierfür die Perspektivübernahme, welche von führenden Geschichtsdidaktikern (z. B. BERGMANN und BORRIES) als ein elementares Ziel für den Geschichtsunterricht angesehen wird. Aufgrund der Tatsache, dass für die folgende Untersuchung jeweils nur ein Lehrwerk aus beiden Bundesländern Berücksichtigung finden kann und nur ein Teil des Geschichtsbewusstseins untersucht wird, sind die hier getroffenen Aussagen nicht der als allgemeingültig zu verstehen.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Diese Einführung erläutert die historische Entwicklung des Schulbuchs als Medium und begründet die Relevanz der Untersuchung des Geschichtsbewusstseins.

1. Einflussfaktoren bei der Erstellung von Geschichtslehrbüchern sowie deren Funktion im Unterricht: Dieses Kapitel analysiert die Rolle des Schulbuchs im modernen Unterricht und beleuchtet die institutionellen sowie ökonomischen Rahmenbedingungen seiner Entstehung.

2. Die Genese von Geschichtsbewusstsein: Hier werden theoretische Grundlagen des Geschichtsbewusstseins diskutiert und das Konstrukt der Perspektivübernahme in den fachdidaktischen Diskurs eingeordnet.

3. Lehrbuchanalyse: Dieses Kapitel legt die Kriterien einer fachgerechten Analyse fest und wendet diese auf die beiden ausgewählten Lehrwerke "Anno 4" und "Zeiten und Menschen 2" an.

4. Perspektivübernahme im Geschichtslehrbuch – ein Vergleich zwischen Sachsen und Nordrhein-Westfalen: Der Vergleich der beiden Lehrwerke fokussiert auf deren Eignung zur Förderung der Perspektivübernahme anhand spezifischer Aufgabenbeispiele.

Schlussbetrachtung: Zusammenfassung der Ergebnisse und Fazit zur aktuellen Forschungssituation sowie Ausblick auf notwendige Verbesserungen in zukünftigen Lehrbuchgenerationen.

Schlüsselwörter

Geschichtsbewusstsein, Perspektivübernahme, Geschichtslehrbuch, Schulbuchanalyse, Geschichtsdidaktik, Multiperspektivität, Sachsen, Nordrhein-Westfalen, Bildquellen, Unterrichtsmedium, historisches Denken, Genderaspekte, Anno 4, Zeiten und Menschen 2, Lernpsychologie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Bachelor-Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Rolle von Geschichtslehrbüchern bei der Ausbildung von Geschichtsbewusstsein, mit einem besonderen Schwerpunkt auf der Fähigkeit zur Perspektivübernahme bei Schülerinnen und Schülern.

Welche zentralen Themenfelder behandelt der Autor?

Zu den Themenfeldern gehören die mediale Funktion von Schulbüchern, die theoretische Genese von Geschichtsbewusstsein, die methodische Analyse von Lehrwerken sowie der direkte Vergleich zwischen den Bundesländern Sachsen und Nordrhein-Westfalen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, herauszufinden, inwieweit die gewählten Geschichtslehrbücher das Lernziel der Perspektivübernahme fördern und ob die Gestaltung der Bücher (Layout, Aufgaben, Quellen) diesen Prozess unterstützt oder behindert.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Es wird eine strukturierte Lehrbuchanalyse nach Kriterien von Scholle und Böhme durchgeführt, ergänzt durch einen vergleichenden Ansatz der untersuchten Lehrwerke anhand ausgewählter Themenbereiche.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung des Geschichtsbewusstseins und eine detaillierte Analyse der Lehrwerke „Anno 4“ und „Zeiten und Menschen 2“ hinsichtlich formaler und inhaltlicher Kriterien.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Geschichtsbewusstsein, Perspektivübernahme, Multiperspektivität, Schulbuchanalyse und die didaktische Anforderungsqualität von Lehrwerk-Aufgaben.

Warum konzentriert sich der Vergleich auf die Lehrwerke aus Sachsen und Nordrhein-Westfalen?

Der Autor wählte diese Bundesländer aus, um exemplarisch zwei unterschiedliche schülerseitige Voraussetzungen und Lehrplankontexte (G8-Struktur in NRW vs. durchgängiger Unterricht in Sachsen) gegenüberzustellen.

Welches Fazit zieht der Autor in Bezug auf die „Perspektivübernahme“?

Beide Lehrwerke weisen erhebliche Defizite auf. Während „Zeiten und Menschen 2“ methodisch durch Rollenspiele punktet, mangelt es in beiden Werken massiv an einer weiblichen Perspektive, was eine vollständige Perspektivübernahme verhindert.

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Details

Title
Das Geschichtslehrbuch in der Kritik
College
Dresden Technical University  (Institut für Geschichte)
Grade
1,3
Author
Sebastian Gärtner (Author)
Publication Year
2011
Pages
49
Catalog Number
V181813
ISBN (eBook)
9783656055198
ISBN (Book)
9783656055662
Language
German
Tags
Geschichtsdidaktik Geschichtslehrbuch Lehrbuch Geschichtsbewusstsein Perspektivübernahme
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sebastian Gärtner (Author), 2011, Das Geschichtslehrbuch in der Kritik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181813
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